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Erfolgreicher Exit: Wie einem chinesischen Bauunternehmen die Wiederaufnahme der Arbeit gelang

2020-04-15 16:40:00 Source:China heute Author:
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Von Zhou Lin

 

In ganz China laufen derzeit die Maßnahmen zur geordneten Wiederaufnahme von Arbeit und Produktion an. Auch die China Railway Major Bridge Engineering Group Co., Ltd mit Sitz in Wuhan trat in Aktion. Durch flexibles Vorgehen gelang es der Firma, sowohl Projekte im In- als auch im Ausland wieder aufzunehmen. Dabei stand sie allerdings vor zahlreichen Problemen. Ausgangs- und Reisebeschränkungen, Wanderarbeiter und Ingenieure, die in der Heimat festsaßen, es galt viele Schwierigkeiten zu überwinden.

 

Derzeit sind insgesamt 116 Bauprojekte der Firma wieder angelaufen und damit 86 Prozent aller Projekte. 111 davon werden im Inland umgesetzt, fünf im Ausland. Sie sind Teil des Aufbaues der neuen Seidenstraße. Unter den inländischen Projekten entfallen drei auf die von der Epidemie besonders gebeutelte Provinz Hubei.



Auf dem Gelände eines Bauprojektes der Firma Railway Major Bridge Engineering Group unterziehen sich Wanderarbeiter nach ihrer Rückkehr an den Arbeitsplatz einer Messung ihrer Körpertemperatur. Die Erfassung ist Teil der umfassenden Präventions- und Kontrollmaßnahmen, die das Unternehmen angesichts der Epidemie ergreift.

 

Sonderbusse holen Wanderarbeiter zurück

 

Die China Railway Major Bridge Engineering Group ist ein Großunternehmen, das sich mit wissenschaftlicher Forschung, Projektdesign, Bauausführung sowie Forschung und Entwicklung von Ausrüstungen im Bereich Brückenbau befasst und diese Bereiche miteinander integriert. Seit ihrer Gründung 1953 hat die Firma zahlreiche prestigeträchtige Projekte wie die Jangtse-Brücke in Wuhan umgesetzt, die sich als die erste Brücke über den Jangtse einen Namen machte. In den vergangenen mehr als 60 Jahren errichtete das Unternehmen mehr als 3000 Brücken mit einer Gesamtlänge von rund 3000 Kilometern.




Am 25. Februar treffen zwei Sonderbusse mit 40 Wanderarbeitern des Bauunternehmens aus Guizhou sicher in der Stadt Foshan ein.

 

Angesichts der Epidemie-Notlage setzte das Unternehmen auf eine Strategie der schrittweisen Wiederaufnahme der Produktion. Die Mitarbeiter in der Provinz Hubei sollten von zu Hause aus arbeiten, um die Auswirkungen der Epidemie auf die Unternehmensgeschäfte zu minimieren. Zur Wiederaufnahme der Projekte, die in Gebieten mit niedrigerer Gefahreneinstufung für die öffentliche Gesundheit angesiedelt sind, mietete das Unternehmen Sonderbusse, um die dafür eingeplanten Wanderarbeiter, die während des Frühlingsfestes in ihre Heimat zurückkehrt waren, wieder zur Arbeit abzuholen.

 

Seit dem 20. Februar holte das Unternehmen so mehr als 400 Arbeiter aus Sichuan, Chongqing, Hunan, Jiangsu, Hebei, Henan, Shandong und anderen Gebieten auf seine Baustellen in verschiedenen Landesteilen zurück, so dass die Produktion zügig wieder aufgenommen werden konnte.

 

„Dass unsere Unternehmenszentrale in Wuhan liegt, hat letztlich weder die Arbeit im Homeoffice unserer Kollegen vor Ort über Cloud-Netzwerke, noch die ordnungsgemäße Wiederaufnahme unserer Bauprojekte im ganzen Land beeinträchtigt“, so das Zwischenfazit von Wang Qingyun, dem Verantwortlichen eines Bauprojektes in Foshan in der Provinz Guandong. „Am 24. Februar hat unsere Projektabteilung zwei Sonderbusse in den autonomen Kreis Daozhen der Gelao-Nationalität, der zur Stadt Zunyi in der Provinz Guizhou zählt, entsendet, um von dort 40 Wanderarbeiter abzuholen. Einen Tag später erreichten sie unsere Baustelle in Foshan“, berichtet er. 

 

Lei Houzhong, zuständig für den Bau von Hängekörben auf dieser Baustelle, arbeitet bereits seit 30 Jahren als Wanderarbeiter. „Es war das erste Mal, dass eine Projektabteilung Sonderbusse gemietet hat, um uns aus der Heimat abzuholen“, sagt er.

 

„Die Produktion ist Teil der vordersten Front zur Epidemiebekämpfung“, sagt Wang. Gegenüber „China heute“ führt er die spezifischen Maßnahmen, die seine Projektabteilung ergriffen hat, weiter aus. 

 

„Wir haben zunächst Kontakt mit den Wanderarbeitern aufgenommen und ihren Gesundheitszustand sowie ihre Mobilität in den vergangenen 15 Tagen überprüft. Danach haben wir die lokalen Behörden in ihrer Heimat kontaktiert, um eine offizielle Genehmigung für die Ausreise unserer Arbeiter einzuholen“, sagt er. In Begleitung unserer Mitarbeiter konnten die Wanderarbeiter schließlich ihr Heimatdorf verlassen und stiegen direkt in spezielle Sonderbusse ein, die an der Einfahrt zur Autobahn warteten. „Um das Infektionsrisiko zu verringern, wurden nur weniger als 50 Prozent der Sitze im Bus besetzt. Nach ihrer Ankunft mussten sich die Arbeiter zudem noch einmal registrieren, ihre Körpertemperatur wurde erfasst und ihr Gesundheitscode in der Health-Kit-App, die zur Epidemiekontrolle eingeführt wurde, überprüft“, erklärt Wang. Durch die Umsetzung dieser strengen epidemiologischen Präventions- und Kontrollmaßnahmen sei es gelungen, die Produktion planmäßig zu organisieren.

 

Die erfolgreiche Abholung der Wanderarbeiter war dabei nur der erste Schritt. Wang und sein Team standen noch vor vielen weiteren Problemen, die zu lösen waren. „Was galt es konkret zur Wiederaufnahme der Produktion vorzubereiten? Wie sollten die Wanderarbeiter zum Beispiel ihre Mahlzeiten einnehmen? Und welche konkreten Punkte galt es auf der Baustelle zu beachten? Probleme dieser Art, mit denen viele Unternehmen bei der Wiederaufnahme der Produktion konfrontiert sind, haben wir sorgfältig berücksichtigt“, sagt Wang. „Nur wenn alle relevanten Präventions- und Kontrollmaßnahmen ordnungsmäßig ergriffen werden, lässt sich eine geordnete Wiederaufnahme der Produktion bewerkstelligen.“

 

„Den Anforderungen des Unternehmens entsprechend desinfizieren wir zweimal täglich alle Büroräume, die gesamte Baustelle, alle Schlafsäle, unsere Kantine, die Toilettenanlagen sowie alle anderen öffentlichen Bereiche. Darüber hinaus sorgen wir für eine gute Belüftung der Innen- und Außenbaustelle“, sagt Wang. Vor Arbeitsbeginn werde die Körpertemperatur aller Angestellten erfasst und dokumentiert. Nur wer keine Anzeichen von Fieber oder erhöhter Temperatur zeige, dürfe regulär die Arbeit aufnehmen. „Auf der Baustelle haben wir zudem ein spezielles Training für Produktionssicherheit in Coronazeiten abgehalten. Darüber hinaus führt ein Teamleiter regelmäßig Inspektionen durch, um versteckte Sicherheitsrisiken in den Arbeitsabläufen frühzeitig zu erkennen und auszumerzen “, erklärt Wang.

 

Darüber hinaus führte das Unternehmen ein Meldeverfahren für Notfälle ein, um die Arbeitsabläufe weiter zu verbessern. „Ziel ist es, die Umsetzung der Projekte so reibungslos wie möglich zu gestalten und die Auswirkungen der Epidemie auf unsere Produktion wirksam zu verringern“, sagt Wang.

 

Umsetzung der Seidenstraßenprojekte geht zügig voran

 


Am 1. März wurde am letzten Hauptpfeiler der Padma-Brücke in Bangladesch erfolgreich der Guss des Pfeilerkopfs abgeschlossen.


Am 1. März wurde, nachdem die ganze Nacht durchgearbeitet worden war, der Kopf des Hauptpfeilers der Padma-Brücke fertiggegossen. Diese von der China Railway Major Bridge Engineering Group errichtete Brückenanlage wird von den Einheimischen als „Traumbrücke Bangladeschs“ bezeichnet, da der Bau der Brückenplattform im Wasser abgeschlossen wurde. Über jeden der jüngsten Fortschritte des Mammutprojekts berichten bangladeschische Medien ausführlich. Sie loben dabei die von der chinesischen Baufirma ergriffenen Epidemie-Schutzmaßnahmen sowie die effiziente Umsetzung des Projekts.

 

„Man bat uns, auch den Bau eines elektrischen Turms, der als unterstützendes Projekt der Brücke dient, möglichst noch vor dem Beginn der alljährlichen Hochwassersaison im April abzuschließen, damit die Brücke wie geplant 2021 dem Verkehr übergeben werden kann“, sagt Chefingenieur Liu Xiaolin, der für die Konstruktion der Brücke verantwortlich ist. Um diese Aufgabe zu erfüllen, habe das Untersuchungs- und Vermessungsinstitut des Unternehmens fast 15.000 detaillierte Konstruktionszeichnungen erstellt. „Als wir gerade zum Endspurt ansetzten, brach in Wuhan die Corona-Epidemie aus. Die Mitarbeiter unseres Designteams, die zum Neujahrsfeste in ihre Heimat Wuhan zurückkehrt sind, waren dort plötzlich gestrandet und konnten nicht auf die Baustelle zurück. Unsere Arbeit musste also von heute auf morgen komplett online organisiert werden“, schildert Liu.



Liu Xiaolin (zweiter von links) und weitere Mitglieder des Projektplanungsteams posieren auf der Baustelle für ein Erinnerungsfoto.

 

Hinzu kam, dass die Entwurfszeit sehr knapp bemessen war. Darüber hinaus mangelte es einigen Teammitgliedern noch an Erfahrung. „Dass einige Mitarbeiter nun in Wuhan festsaßen, hatte uns gerade noch gefehlt. Noch schlimmer aber war, dass sich ganz China plötzlich im Griff der Epidemie befand“, sagt Liu. Als Teamleiter trägt er die Verantwortung für die Entwurfsarbeit. Online blieb er eng mit seinen Teammitgliedern in Kontakt, so dass die planmäßige Umsetzung des Projektes sichergestellt wird. „Wir sehen uns wirklich mit nie dagewesenen Herausforderungen konfrontiert“, sagt er.

 

„Fast jeden Tag diskutieren wir auftretende Probleme per Videokonferenz, E-Mail, Remote-Desktop oder über andere Kommunikationsmethoden“, sagt der Chefplaner. In dieser besonderen Zeit habe sein Team mehr als 200 Konstruktionszeichnungen erstellt, so dass der Bau der Padma-Brücke zügig vorangehe.




Heimarbeit: Seit dem Frühlingsfest arbeiten Liu Xiaolin und Togbenou Koffi zu Hause in Wuhan, oft bis spät in die Abendstunden.

 

Eines der Teammitglieder, Togbenou Koffi, stammt aus Benin, lebt und arbeitet allerdings in Wuhan. Nach seiner Promotion an der chinesischen Southwest Jiaotong University im Jahr 2018 trat er dem Designteam für die Padma-Brücke bei. Er ist zuständig für die Konstruktionszeichnung des vor Ort gegossenen Brückendecks der Brückenzufahrt zur Autobahn. Während der Feiertage des chinesischen Frühlingsfestes machte er freiwillig Überstunden und blieb zu Hause, um die Zeichnungen zu erstellen. „Das Leben während der Heimquarantäne in Wuhan war zwar denkbar spartanisch, doch ich war Teil einer sinnvollen Arbeit“, sagt er.

 

Liu Xiaolins Frau arbeitet als Ärztin auf der Intensivstation des Hubei Provincial Hospital of TCM. Seit dem 17. Januar war sie stets an vorderster Front im Kampf gegen Covid-19 im Einsatz. Nach Hause kam sie in diesen Tagen nicht mehr. Weil alle Kindergärten und Schulen geschlossen waren, musste sich Liu Xiaolin neben dem Job auch noch um seinen sechsjährigen Sohn kümmern. „Meiner Arbeit konnte ich mich erst widmen, nachdem mein Sohn abends im Bett war. Ich saß oft bis in tief in die Nacht vor dem Rechner“, sagt er.



An vorderster Front: Liu Xiaolins Ehefrau Tu Hua arbeitet auf der Intensivstation eines Wuhaner Krankenhauses und kehrte während der Epidemie über Wochen nicht nach Hause zurück.

 

Die 169 Kilometer lange Eisenbahnstrecke, die über die Padma-Brücke führt, ist ein wichtiges Projekt im Rahmen der Seidenstraßeninitiative. Einmal fertiggestellt, wird die Linie die Eisenbahnnetze im Osten und Westen von Bangladesch miteinander verbinden, was die Entfernung per Landverbindung dort erheblich verkürzt. 72 Millionen Menschen werden von diesem Projekt profitieren. Darüber hinaus dürfte es dazu beitragen, dass Bangladeschs Wirtschaft um 1,5 Prozent wächst, so schätzen Experten.

 

Derzeit ist der Bau der Padma-Brücke zu 86 Prozent abgeschlossen. Projektmanager Liu, der seit vielen Jahren auf der Baustelle in Bangladesch arbeitet, sagt: „Wir haben festes Vertrauen, dass wir den Zeitplan trotz Coronakrise einhalten können. Ziel ist es, die Brücke wie geplant im Jahr 2021 dem Verkehr zu übergeben. Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen.“

 

 

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