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Bildungsförderung in armen Regionen Chinas: Freiwillige unterrichten Bergkinder in den Sommerferien

2018-08-13 11:15:00 Source:China heute Author:
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Von Tian Siyue, Beijing

 

Die Sommerferien sind gekommen, aber Zhang Xiaohui, ein Lehrer der Fremdsprachenfakultät der Henan-Universität, nutzt sie nicht, um sich auszuruhen. Stattdessen geht er wie in den vergangenen neun Jahren hoch in die Berge, um dort Schüler zu unterrichten.




Die Kinder, die von den Freiwilligen unterrichtet werden.

 

 

Als selbstgeschaffene freiwillige Aktivität zielt der Unterricht darauf ab, die Bildung und das Management von Grund- und weiterführenden Schulen in rückständigen Gebieten zu unterstützen. Die Ursprünge dieses Anliegens gehen bis in die frühen 1990er Jahre zurück. Nach der Gründung der Volksrepublik China hat die langfristige Politik der ländlichen Unterstützung der Industrie und Städte dazu geführt, dass die Entwicklung ländlicher Gebiete noch heute hinter den Städten liegt.

 

Seit der Reform und Öffnung 1978 hat sich das Ungleichgewicht zwischen städtischer und ländlicher Entwicklung auch im Bildungsbereich niedergeschlagen. Vor diesem historischen Hintergrund haben das Zentralkomitee der Kommunistischen Jugendliga und das Bildungsministerium gemeinsam das "Bildungsförderungsprogramm" ins Leben gerufen. Seitdem sind landesweit verschiedene gemeinnützige Bildungsorganisationen oder solche, die von Universitätsstudenten freiwillig ins Leben gerufen wurden, entstanden.

 

Im Jahr 2006 nahm die Henan-Universität Kontakt mit der Nanzhao-Bergregion auf und organisierte Aktivitäten für Schüler. Jeden Sommer kommen ehrenamtliche Studenten der Universität für drei Wochen dorthin, um zu unterrichten. Aufgrund ihrer begrenzten Kapazitäten kann die „Dagou Village“-Grundschule im Nanzhao-Gebirgsgebiet nur zwei Kurse in Chinesisch und Mathematik anbieten. Den Sommer über blieben die Schüler bisher allein zu Hause, da ihre Eltern arbeiten müssen und kein Unterricht stattfand. Deshalb hat das Projekt den doppelten Vorteil, dass es zusätzlichen Unterricht gibt und für die Gemeinschaft sorgt.



Zhang Xiaohui und seine Schülern gehen auf Hausbesuche.

 

 

Laut einem der freiwilligen Lehrer, Zhang Xiaohui, setzt sich der Inhalt des Unterrichts in der Regel aus den Vorschlägen der lokalen Lehrer und den Bedürfnissen der Kinder zusammen. Vor allem Englisch-, Kunst-, Sport- und traditionelle Kulturkurse genießen eine hohe Priorität, da sie normalerweise nicht angeboten werden können. Die Unterrichtsmaterialien wie Bücher wurden größtenteils gespendet. Damit versuchen die Freiwilligen bei den Kindern Begeisterung für das Lesen und für das Lernen im Allgemeinen zu wecken. Während des gesamten Lehrprozesses freut sich Zhang am meisten auf die Hausbesuche. „Meine Schüler und ich wandern dann jeden Tag vierzig oder fünfzig chinesische Meilen pro Tag in den Bergen“, erzählt Zhang, „um die Informationen der armen Schüler zu überprüfen und diese Informationen an vertraute Spender weiterzugeben. Jedes Jahr lassen diese ungefähr 400 Schülern aus der Gegend individuelle Hilfe zukommen."

 

Zhangs Engagement hat auch den Studenten der Henan-Universität Yao Fangpeng dazu motiviert, im Sommer als Lehrer zu helfen. In diesem Jahr hat er nun bereits zum zweiten Mal teilgenommen. Sein erster Eindruck von dem Leben in den Bergen war die Härte. Die Freiwilligen wohnen an einem Ort ohne Gasöfen, sie hacken selbst Holz und machen selbst Feuer. Weil die Betten nicht ausreichen, schlafen die Jungen mit ihren Decken auf dem Boden. Da es keine Duschen gibt, waschen sie sich im Fluss. Aber trotz der Not ist das Leben in den Bergen auch schön und friedlich. Yao gefällt dieses freie Leben in der Natur.

 

Xue Yaoyuan, Student mit dem Hauptfach chinesische Sprache und Literatur am Henan-Institut für Wissenschaft und Technologie, kam ebenfalls bereits zum zweiten Mal. Das besondere an ihm ist, dass er selbst in den Bergen aufgewachsen ist. In der Oberschule bekam er selbst drei Jahre in Folge Unterstützung von den freiwilligen Lehrern. Jetzt ist er ein Mitglied dieser Freiwilligengruppe. Aufgrund seiner persönlichen Erfahrung versteht Xue die Bedürfnisse der Kinder besser: „Der Sommer ist für die Kinder in den Bergen normalerweise sehr eintönig. Sie können nicht reisen, haben keine Unterhaltungsmöglichkeiten, keine guten Lernbedingungen und nicht einmal genügend Lernmöglichkeiten. Oftmals müssen sie sogar einen Teil des Familiendrucks tragen ... Was sie brauchen ist nicht nur Lernen und Kameradschaft. Sie müssen auch lernen, sich selbst zu verteidigen und zu beschützen, zum Beispiel vor dem Ertrinken. Eine der Aufgaben von Xue ist es daher, Tai Chi und Selbstverteidigung zu unterrichten. Außerdem unterhält er sich oft mit den Kindern und lässt sie selbst von ihren Träumen und ihrer Zukunft reden. Im Sommerleben dieser Bergkinder erinnert sich Xue auch an seine eigene Kindheit zurück.




Freiwilligenlehrer Zhang Xiaohui mit seinen Schülern.

 


 

Durch den technischen Fortschritt wie der Entwicklung des Internets können heutzutage auch rückständige Gebiete allmählich Zugang zu mehr Wissen und Information erhalten. Einige Kritiker stellen deshalb die Notwendigkeit des „Bildungsförderungsprogramms" in Frage. Wenn Lernmaterial und Lernmöglichkeiten im Internet frei zugänglich sind, werden dann weiterhin die Arbeitskräfte und materiellen Ressourcen benötigt?

 

Zhang und sein Team hatten ähnliche Zweifel gehabt, aber das, was sie später erlebten, habe sie entschlossener gemacht, weiterhin auf die Unterstützung für die Bildung zu beharren: Aufgrund von anderen Verpflichtungen konnte die Lehrtätigkeit der Henan-Universität im Jahr 2016 nicht stattfinden. Als Zhang und die Freiwilligen nach einem Jahr Pause 2017 dann zurückkamen, fanden sie eine Lage vor, die ihnen klar machte, dass Lehren nicht nur „schulische Bildung" heißt, sondern auch „emotionale Erziehung." Bei ihrer Ankunft standen die Kinder auf dem Schulhof und begrüßten sie. An der Tafel im Klassenzimmer lasen sie dann eine Art Willkommensbrief: „...Wir hoffen sehr, dass Sie bald wiederkommen werden. Weil in den Sommerferien letztes Jahr kein Lehrer kam, haben wir große Angst, dass auch dieses Jahr keiner kommt ... wir mögen Sie alle wirklich! Sie müssen uns auch mögen, hassen Sie uns nicht! " Zhang sagt dazu: „Dieser Brief hat uns allen tief berührt. In diesem Moment verlor jeder Zweifel an der Notwendigkeit von Bildung plötzlich an Bedeutung. Lokale Lehrer und Einwohner sind ebenfalls an der Kommunikation mit den freiwilligen Lehrern und Schülern beteiligt. Sie senden ständig Gemüse, Nahrung oder Bettzeug und bieten Schutz für die Gesundheit und Sicherheit für die Freiwilligen.




Xue Yaoyuan beim Holzhacken, um später mit Feuer Essen zubereiten zu können.

 


 

Seit mehr als einem Jahrzehnt hat sich eine enge Beziehung zwischen der Universität und dem Bergdorf gebildet. Die Unterstützung von Freiwilligen ist zu einer Brücke geworden, um bedürftige und hilflose Menschen mit der öffentlichen Fürsorge zu verbinden und armen Schülern wirtschaftliche und erzieherische Unterstützung zu bieten. Für die Kinder in der Bergregion stellen die Lehraktivitäten ein Fenster zur Außenwelt dar. Für die Freiwilligen sind die Lehraktivitäten eine seltene Gelegenheit, den Zustand des Landes zu verstehen. Für das rückständige Dorf bringt die Tätigkeit Hilfe und Fürsorge von der Außenwelt. Von "schulischer Bildung" zu "emotionaler Bildung": Im Laufe der Zeit hat das „Bildungsförderungsprogramm“ seinen einzigartigen Wert und seine Bedeutung in unterschiedlichen Arten entwickelt.




Yao Fangpeng beim Unterricht im Klassenzimmer.

 


 

Quelle: german.china.org.cn vom 06.08.2018

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