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Die kulturelle Öffnung Chinas im Zeitalter der Reformpolitik

2018-07-06 13:42:00 Source:china.org Author:
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Von Wolgang Liu Kuhn, Graz

 

China feiert das 40. Jubiläum der Einführung der Reform- und Öffnungspolitik. Das gilt auch für den Bereich der Kultur, die sich in den vier Jahrzehnten signifikant weiter entwickelt hat.



Liu Cixin mit seinen „Drei Sonnen“


Wenn man heute über die Reform- und Öffnungspolitik in China redet, so sind meistens die Öffnung und Reformen des Landes im wirtschaftlichen Bereich gemeint. Die Sonderwirtschaftszone Shenzhen sowie der Stadtbezirk Pudong in Shanghai gelten als die Symbole der wirtschaftlichen Öffnung Chinas. Die wirtschaftlichen Erfolge überdecken mitunter, dass die Reform- und Öffnungspolitik mindestens ebenso große Auswirkungen auf die Kultur des Landes gehabt hat. Seit der Einführung der Reform- und Öffnungspolitik und der Umgestaltung des Wirtschaftssystems 1978 hat die chinesische Gesellschaft vielseitige und tiefgreifende Veränderungen erlebt. In dieser Situation hat die chinesische Regierung eine Reihe von Maßnahmen zur Entwicklung des Kulturwesens sowie zur Weiterentwicklung von Kultur und Kunst ausgearbeitet. Heute präsentiert sich die chinesische Kultur in einem Spannungsfeld, aus dem allen Widersprüchen und Fliehkräften zum Trotz auf fast allen Gebieten herausragende Leistungen erzielt werden.


Im Laufe der 40-jährigen Reform und Öffnung haben die Wirtschaft und das Kulturwesen Chinas große Fortschritte gemacht. Die einfachen Chinesen sind dabei die größten Nutznießer - man denke dabei nur an die enorme Bandbreite an Fernsehsendern und Zeitungen, die den Menschen heute zur Verfügung stehen. Die chinesische Nation hat im Verlauf ihrer langen Geschichte eine eigene Kulturtradition geschaffen. Als Lebensader der chinesischen Nation hat sich diese Kulturtradition bis heute fortgesetzt und tiefen Einfluss auf die Wertvorstellungen und die Lebensweise der Chinesen sowie die Entwicklung Chinas ausgeübt. Im Rahmen der allmählichen Öffnung wurde Wert darauf gelegt, die Kulturtradition der chinesischen Nation fortzusetzen und die Kultur der chinesischen Nation mit ihren eigenen Besonderheiten weiterentwickeln, damit sie in der Welt auf eigenen Füßen stehen kann. Dieses Ziel wurde weitgehend erreicht - dementsprechend hat es dem Land nicht geschadet, mehr und mehr ausländische Einflüsse im Land zuzulassen.


Ein Beispiel dafür ist die Filmindustrie - über die Jahre wurde die Quote an ausländischen Filmen, die in China gezeigt werden dürfen, beständig erhöht. Umgekehrt streben immer mehr westliche Filmstudios Kooperationen mit chinesischen Partnern an. Zwar waren bislang nicht alle künstlerischen Zusammenarbeiten von Erfolg gekrönt, allerdings wird es immer mehr zu einem gewohnten Bild, dass chinesische Stars in westlichen Filmen auftauchen und umgekehrt. Auch im Bereich der Musik gibt es seit langem vielfältige Kooperationen. Klassische Musiker aus China waren schon immer gefragt, nicht nur Superstars wie Lang Lang. In letzter Zeit erobern auch immer mehr Künstler aus dem Bereich der elektronischen Musik und dem Rock das Ausland. In Wacken, dem weltweit größten Festival für Heavy Metal, sind chinesische Bands seit Jahren ein vertrauter Anblick. Umgekehrt kommen chinesische Fans in den Genuss ihrer ausländischen Idole - die Rolling Stones, Iron Maiden, Metallica und Literatur-Nobelpreisträger Bob Dylan haben alle schon in der Volksrepublik Station gemacht.


Apropos Nobelpreisträger: Längst hat der Schriftsteller Mo Yan die internationale Anerkennung bekommen, die ihm zusteht. Zudem sorgen andere, junge Schriftsteller aus China international für Furore. Vor allem das Science Fiction Genre erlebt derzeit eine Blüte, speziell nach dem Erfolg von Liu Cixin mit seinen „Drei Sonnen“. Beim Austausch von Kunst und Kultur im Allgemeinen und Literatur im Speziellen kommt dem Goethe-Institut in China eine Vorreiter-Rolle zu. Vor fast 30 Jahren war das Institut ein Pionier der kulturellen Zusammenarbeit mit China. Angefangen hat alles mit einer kleinen Einheit der Sprachvermittlung des Deutschen, die dann immer stärker ausgebaut wurde.


Später kamen neue Aufgaben im Hinblick auf die Informations- und Programmarbeit hinzu. Die Nachfrage stieg stetig an, die Partnerschaft hat sich vertieft und so entstanden erweiterte Kooperationsformen und viele Sonderprojekte wie die Deutschlandjahre oder die Internet-Plattform des „deutsch-chinesischen Kulturnetzes“. Der 2015 eröffnete Raum im Kunstviertel 798 ist ein interdisziplinärer Kulturort, an dem ein breites Spektrum von kulturellen Veranstaltungen stattfindet.


Auch Österreich und die Schweiz pflegen seit langem kulturelle Kontakte und den Austausch mit China. Als 29. österreichisches Kulturforum hat im Herbst 2004 das österreichische Kulturforum Peking als Teil der Österreichischen Botschaft Peking seine Arbeit aufgenommen. Es konzentriert sich auf die Anregung und Durchführung von kulturellen Projekten in Zusammenarbeit mit chinesischen Institutionen und Veranstaltern. Gleichermaßen bemüht sich die Schweizerisch-Chinesische Gesellschaft, die Zusammenarbeit zwischen beiden Völkern insbesondere auf kulturellem Gebiet zu vertiefen.


Der Austausch im Bereich der Kultur mit dem Ausland wird in China konsequent weiter verfolgt. Im 21. Jahrhundert spielt die Kultur schließlich eine immer wichtigere Rolle bei den internationalen Beziehungen. Die Entwicklung der chinesischen Kultur ist von den gemeinsamen Errungenschaften der Zivilisation der Menschheit nicht zu trennen. Die Öffnungspolitik ist nicht nur eine grundlegende Politik beim wirtschaftlichen Aufbau Chinas, sondern auch eine grundsätzliche Leitlinie beim kulturellen Aufbau Chinas in der modernen Zeit.

 

Quelle: german.china.org.cn vom 29.06.2018

 

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