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Qian Xuesen, Deng Jiaxian und Sun Jiadong: Drei Väter der chinesischen Raumfahrt und Kernindustrie

2019-11-28 12:27:00 Source: Author:
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Von Dang Xiaofei

 

Der erste Grundstein für Chinas Kernindustrie wurde im Jahr 1954 gelegt. Damals entdeckten chinesische Geologen Uranvorkommen im Autonomen Gebiet Guangxi in Südwestchina. Um die nationale Sicherheit zu verteidigen und den Weltfrieden zu wahren, beschloss das Führungskollektiv der ersten Generation des Zentralkomitees der KP Chinas unter dem Vorsitzenden Mao Zedong, eigene Raketen und Atomwaffen sowie künstliche Satelliten zu entwickeln.

 

Nach einer erweiterten Sitzung des Sekretariats des Zentralkomitees im Januar 1955 wurde der Aufbau der Kernindustrie offiziell eingeleitet. Hierfür bündelte man zunächst die Forschungskräfte der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, der Forschungseinrichtungen für Landesverteidigung sowie der Industrieabteilungen, Universitäten und lokalen Forschungsinstitute des Landes. 26 Abteilungen und mehr als 900 Fabriken, Forschungsinstitute, Universitäten und Hochschulen in 20 Provinzen, regierungsunmittelbaren Städten und autonomen Gebieten beteiligten sich fortan an der Entwicklungsarbeit.

 

Qian Xuesen: Der Kopf hinter Chinas erstem Raketenstart

 

Raketen sind ein unverzichtbarer Bestandteil, um Atomsprengköpfe abzufeuern und Satelliten in die richtige Umlaufbahn zu bringen. 1956 gründete China sein Forschungsinstitut für Raketen- und Atomwaffentechnologie. Zu dieser Zeit gab Qian Xuesen, Professor am California Institute of Technology, seine große Karriere und guten Lebensbedingungen in den USA auf und kehrte nach China zurück. Qian war einer von vielen hochrangigen Wissenschaftlern, die sich von da an der Forschungsarbeit in ihrem Heimatland widmeten. Er legte als erster chinesischer Wissenschaftler einen Plan für die Entwicklung eigener Raketen- und Lenkraketentechnologie vor. Später wurde er beauftragt, Chinas erstes Forschungsinstitut für Raketentechnologien einzurichten, zu dessen Leiter er auserkoren wurde.

 

Zehntausende Soldaten, Hochschulabsolventen, Arbeiter und Techniker kamen in der Wüste Gobi zusammen, um sich dort mit vereinten Kräften für die Entwicklung der chinesischen Raketenindustrie einzusetzen. Nach mehr als zwei Jahren harter Arbeit trotzten sie dem kargen Wüstenland einen Flughafen mit Start- und Landebahn, Kraftwerke und andere Einrichtungen ab. So wurde schließlich unter größten Anstrengungen ein Standort für Raketentest in der Wüste errichtet.

 

Am 10. September 1960 startete China erfolgreich eine Rakete aus der ehemaligen Sowjetunion mit einheimischem Flüssigbrennstoff. Nur rund vier Wochen später, nämlich am 5. November 1960, folgte der erste erfolgreiche Start einer von China selbst entwickelten Rakete.

 

 

 

Qian Xuesen – der führende Wissenschaftler hinter Chinas erstem Raketenstart

 

 

Deng Jiaxian: Entwicklung der chinesischen Atom- und Wasserstoffbombe

 

Nach der erfolgreichen Entwicklung eigener Raketen verlagerte sich der Forschungsschwerpunkt auf die Bereiche Kernwaffen und künstliche Satelliten.

 

Bei Nuklearwaffen handelt es sich um Sprengkörper oder Artilleriegeschosse, die die Energie aus einer Kernreaktion für eine Explosion nutzen. Vor dem Test einer Atombombe muss zunächst eine Reihe komplexer Berechnungen durchgeführt werden. Deng Jiaxian, der für den theoretischen Entwurf von Chinas erster Atombombe zuständig war, hatte an der Purdue University in den USA studiert. Nach seiner Physikpromotion kehrte auch Deng, wie schon zuvor Qian Xuesen, in seine Heimat zurück und führte mit einem Dutzend von Kollegen umfangreiche Berechnungen durch. Damals verfügten die Wissenschaftler weder über maßgebende Daten noch praktische Erfahrungen. Sie arbeiteten mit Kurbel- und Elektrorechnern, Abakussen und Stiften. In Zeiten knapper Lebensmittel war Zuckerwasser das einzige Nahrungsergänzungsmittel, das sie sich leisten konnten. Trotzdem gelang es den Forschern um Deng, ein Modell der Atombombe zu entwerfen und ihr Forschungsziel zu erreichen. Doch nicht nur das, sie erzielten auch entscheidende Fortschritte in den Bereichen Explosionsmechanik, Neutronentransport, Kernreaktion und Neutronenphysik.

 

Am 16. Oktober 1964 um 15 Uhr Ortszeit zündete China erfolgreich seine erste Atombombe und wurde damit nach den USA, der Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich das fünfte Land der Welt, das die Atomwaffentechnologie beherrschte. Noch am selben Tag erklärte die chinesische Regierung, der Atomtest sei lediglich zu Verteidigungszwecken durchgeführt worden. China werde zu keinem Zeitpunkt und unter keinen Umständen zu einem atomaren Erstschlag ausholen.

 

Nach dem erfolgreichen Atombombentest wurde die Entwicklung von Wasserstoffbomben ins Visier genommen. Auch hier übernahmen Deng und sein Team die Leitung der Forschungsarbeit. Im Arbeitseifer vergaßen sie manchmal selbst Essen und Schlafen. Da die Entwicklung der Wasserstoffbombe viel komplizierter war als die der Atombombe, arbeiteten alle unermüdlich bis tief in die Nacht.

 

Im September 1965 erstellte das von Deng geleitete Team schließlich eine Reihe von physikalischen Konstruktionsplänen. Bald darauf wurde ein vorläufiger Test erfolgreich durchgeführt. Am 17. Juni 1968 testete China dann schließlich erfolgreich seine erste Wasserstoffbombe und wurde weltweit das vierte Land nach den USA, der Sowjetunion und Großbritannien, das die Herstellung von Wasserstoffbomben beherrschte. Von der erfolgreichen Entwicklung der Atom- bis zur Wasserstoffbombe benötigte China damit letztlich nur zwei Jahre und acht Monate, ein weltweiter Rekord.

 

 

Deng Jiaxian war für den theoretischen Entwurf von Chinas erster Atombombe zuständig.

 

 

Sun Jiadong: Die Entwicklung künstlicher Satelliten

 

Nach der erfolgreichen Entwicklung der beiden Bomben wurde nun die Entwicklung von künstlichen Satelliten ganz oben auf die Agenda gesetzt. Um hier einen Erfolg zu gewährleisten, beschloss Chinas Regierung in der zweiten Hälfte des Jahres 1967, die Chinesische Akademie für Weltraumtechnologie zu errichten. Sun Jiadong, der nach seinem Studium in der ehemaligen Sowjetunion nach China zurückgekehrt war, wurde mit dem Gesamtentwurf der Satelliten beauftragt. Er nahm die Herausforderung an und gründete sogleich ein Team, bestehend aus 18 führenden Wissenschaftlern des Landes.

 

Der erste Start der Trägerrakete „Langer Marsch 1“ erlitt Ende 1969 zunächst einen Rückschlag. Doch schon der zweite Startversuch am 30. Januar 1970 sollte gelingen. Darüber hinaus wurden sechs Satellitenverfolgungs- und Kontrollstationen am Boden gebaut. Chinas Mess- und Kontrollnetzwerk zeigte gute Leistungen bei der Ortung ausländischer Satelliten. Am 24. April 1970 wurde Chinas erster künstlicher Satellit erfolgreich gestartet. Damit begann das chinesische Volk mit der Erforschung der Geheimnisse des Universums mit dem Ziel, den Weltraum friedlich zu nutzen und der Menschheit Wohlergehen zu bescheren.

 

 

 

Sun Jiadong war maßgeblich an der Entwicklung Chinas künstlicher Satelliten beteiligt.

 

Entwicklung der nationalen Verteidigungs- und Raumfahrtindustrie

 

Die oben genannten Erfolge bieten bis heute wichtige technologische Unterstützung für den Aufbau von Chinas strategischer Raketentruppe und tragen zur Verbesserung der Verteidigungs- und Kampffähigkeit der chinesischen Befreiungsarmee im High-Tech-Zeitalter bei. Darüber hinaus fördern sie die Entwicklung der chinesischen High-Tech-Industrie, den wirtschaftlichen Aufbau sowie den wissenschaftlich-technologischen Fortschritt.

 

Seither hat sich Chinas Verteidigungsindustrie immer schneller entwickelt. Mittlerweile ist die Volksrepublik in der Lage, Neutronenbomben und Miniatur-Atomsprengköpfe zu bauen. Darüber hinaus hat China strategische und taktische Raketen und Trägerraketen verschiedener Typen entwickelt und gestartet. Auch wurden erfolgreich U-Boote für Raketenabschüsse gebaut sowie geostationäre und sonnensynchrone Satelliten gestartet und mehrere wiederverwertbare Satelliten aus dem All zurückgeholt.

 

2016 absolvierten die Trägerraketen der neuen Generation „Langer Marsch 7“ und „Langer Marsch 5“ nacheinander erfolgreich ihren Jungfernflug und die in China hergestellten Raketen wurden nach und nach aufgerüstet. Darüber hinaus wurde in den letzten fünf Jahren das bemannte Raumtransportsystem probeweise eingesetzt, welches sich aus dem Raumschiff Shenzhou und einer Trägerrakete des Typs „Langer Marsch II F“ zusammensetzt. Auch der Probebetrieb des Frachttransportsystems der Raumstation, bestehend aus einer Trägerrakete des Typs „Langer Marsch 7“ und dem Raumfrachter Tianzhou, wurde aufgenommen. Chinas bemannte Raumfahrt hat damit ihre angestrebten Ziele erfolgreich verwirklicht.

 

Am 17. Oktober 2016 wurde das Raumschiff Shenzhou 11 aus dem Jiuquan Satellite Launch Center ins All geschickt, um die Technologie für Weltraum-Rendezvous‘ und -Andockung zu verbessern und Experimente in Bereichen wie Erdbeobachtung, Weltraum-Erdsystemerforschung, Weltraumtechnologie und Weltraummedizin durchzuführen. Die Mondsonde Chang’e 4 landete am 3. Januar 2019 in der zuvor ausgewählten Landezone im großen Krater von Karman im Südpol-Aitken-Becken auf der Rückseite des Mondes. Am 17. Mai 2019 schickte China den Navigationssatelliten Beidou 45 auf einer Trägerrakete des Typs „Langer Marsch 3C“ aus dem Xichang Satellite Launch Center ins All. Chinas Weltraumabenteuer und seine Forschungs- und Entwicklungsarbeit in diesem Bereich gehen also weiter.

 

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