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Der Knopflochchirurg

28-06-2011

Von Zhang Hua

Die Augen an den Monitor geheftet, setzt er selbstbewusst den ersten Schnitt und öffnet die Bauchdecke des Patienten. Routiniert und selbstsicher lässt Zhang Xu seinen Blick durch das blutige Labyrinth aus Gewebe, Gefäßen und Organen wandern; die Nephrektomie (Nierenentfernung) dauert nicht länger als 30 Minuten. „Jeder Tag ist ein Drahtseilakt", sagt der Laparoskopeur auf seinem Weg in eine kurze Pause. „Es geht um ein Leben. Wenn da bei einem Eingriff etwas schief geht, kann man nicht einfach noch mal von vorne anfangen." Gleich darauf ist er schon wieder auf dem Weg in den Operationssaal - eine Prostata-Operation, einer von sechs Eingriffen an diesem Tag.

Dr. Zhang Xu bei einer Operation

Als Leiter der Abteilung für Urologie im Allgemeinkrankenhaus der Volksbefreiungsarmee (PLAGH) ist Zhang Xu eine der Leitfiguren auf dem Gebiet der laparoskopischen Chirurgie. (Anm.: Bei der laparoskopischen Chirurgie werden im Gegensatz zu den konventionellen Operationen, die einen ausgedehnten Schnitt benötigen, nur zwei bis drei kleinere Schnitte gesetzt, durch die das Laparoskop in den Bauch- oder Thoraxraum des Patienten eingeführt wird. Aufgrund der kleinen Einschnitte wird diese Methode auch als Schlüsselloch- oder Knopflochchirurgie bezeichnet). Als erster chinesischer Arzt entwickelte Zhang Xu ein „retroperitoneal laparoskopic system" für urologische Operationen. Diese Methode ermöglicht es, auch bei den Organen, die hinter dem Bauchfell liegen und somit einen minimalinvasiven Eingriff erschweren, eine Operation per Laparaskop durchzuführen. Seine Methode hat er bereits auf mehreren internationalen akademischen Veranstaltungen erfolgreich vorgeführt. Zudem ist Zhang Herausgeber von mehr als zehn Büchern zum Thema laparoskopische Chirurgie. Bücher, die entscheidend zur Verbreitung der minimalinvasiven Chirurgie in China beigetragen haben. Diese „Referenzen" brachten ihm eine Reihe nationaler und internationaler Auszeichnungen ein; in internationalen Medizinerkreisen genießt Dr. Zhang große Anerkennung.

Dr. Zhang Xu, führender Experte auf dem Gebiet der laparoskopischen Chirugie

Eine Karriere für die Menschlichkeit

„Es war der Wunsch meines Vaters, dass ich Arzt werde", sagt Dr. Zhang. „Nachdem 1978 die Hochschulzugangsprüfungen wieder eingeführt worden waren, hatte ich eigentlich vor, mich für Physik oder Mathematik zu bewerben. Mein Vater bestand allerdings auf Medizin. Die Berufung, Leben zu retten, machte Medizin für ihn zur eindeutig besseren Wahl. Ich folgte seinem Vorschlag."

Im gleichen Jahr begann er sein Studium an der Huazhong-Universität für Wissenschaft und Technik. Das dortige Tonji-Zentrum der Medizinischen Fakultät war um 1900 vom deutschen Arzt Erich Paulun gegründet worden und war ursprünglich ein kleines Krankenhaus mit einer Kapazität von 20 Betten. Dieses hat sich im Lauf eines Jahrhunderts zu einer der berühmtesten medizinischen Institutionen in China entwickelt. Nach seinem Abschluss wurde Zhang Xu zunächst eine Arbeitstelle in einem Krankenhaus in Shashi, Provinz Hubei, zugeteilt. Drei Jahre später kehrte er aber zurück an seine Alma Mater, um ein Aufbaustudium zu absolvieren. Anschließend arbeitete er im Tonji-Krankenhaus, das durch außergewöhnliche wissenschaftliche Präzision und Perfektion hervorsticht. Die tägliche Ausübung seiner Tätigkeit machte Zhang Xu immer bewusster, wie dringend das Bedürfnis war, von den Industrienationen zu lernen. Sein Eifer wurde allerdings durch das Fehlen von Fachliteratur in chinesischer Sprache gebremst. 1995 schlug er daher einem Kollegen vor, den Atlas der urologischen Chirurgie, ein Standardwerk des Amerikaners Frank Hinman, zu übersetzen. Die im Atlas enthaltenen Texte sind kurz und prägnant und werden durch zahlreiche Illustrationen zur Verdeutlichung begleitet. Das Projekt kam allerdings bald wieder zum Stillstand, als Dr. Zhang und sein Kollege bemerkten, dass es ihnen nicht möglich war, die finanziellen Mittel zur Deckung der Eigentumsrechte aufzubringen. Zhang Xu berichtete Qiu Fanzhu, einem renommierten Mediziner und Mitglied der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, von seinem Vorhaben. Qiu schätzte das Engagement seines jungen Kollegen; auch ihm war bewusst, wie wichtig es war, sich Expertenwissen von Medizinern aus aller Welt anzueignen und welchen Wert der Atlas für die medizinische Welt in China haben würde. Qiu Fanzhu bat seinen Kollegen Wu Jieping an Professor Hinman zu schreiben. Die drei erreichten schließlich, dass ein Vertrag zwischen dem amerikanischen Verlagshaus Saunders und dem chinesischen Verleger über eine copyright-freie Ausgabe zustande kam.

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