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Mehr als nur Essen – Wie Chinesen alltägliche Lebensmittel zur Gesundheitserhaltung nutzen

27-01-2014

 

Von Sébastien Roussillat

„Essen ist des Volkes Himmelreich“ lautet ein bekanntes chinesisches Sprichwort. Dabei bedeutet Essen in China nicht nur Ernährung, sondern auch Gesundheitspflege. Wer in China am späten Nachmittag gegen 17.00 Uhr durch das Fernseherprogramm zappt, dem wird eine ganze Reihe von Formaten begegnen, die sich allesamt rund um das Thema Ernährung und Gesundheitserhaltung drehen. Anders als beispielsweise in meiner Heimat Frankreich, wo Koch- und Ernährungssendungen in der Regel nur mittags ausgestrahlt werden und selten viele Zuschauer vor die Bildschirme locken, erfreuen sich Ernährungsshows bei den Chinesen größter Beliebtheit und sind wahre Quotenbringer, und das über alle Altersgruppen hinweg.

Zu den bekanntesten chinesischen Formaten dieses Typs gehören neben „Traditionelle Chinesische Medizin“ von CCTV International und „Gourmet“ (Hubei TV) – den Quotenkönigen unter den Ernährungsshows – die Sendung „Enzyklopädie“ von Hunan TV, die teilweise von ausländischen Gastmoderatoren moderiert wird und den zweiten Platz auf der nationalen Liste der Einschaltquoten belegt, sowie die Sendung „Yangshengtang“ (BTV), in der Experten Vorträge zum Thema Gesundheitspflege halten.

Viele der Programme werden von Arzneimittelherstellern oder Firmen, die Produkte zur Gesundheitserhaltung vertreiben, gesponsert. Das große Interesse dieser Werbepartner ist nur ein weiteres Indiz für die große gesellschaftliche Resonanz der Formate. Und nicht nur im Fernsehen ist das Thema Ernährung in China allgegenwärtig, die Liste an Ratgeberliteratur, Blogs und Internetseiten zum Thema ist lang. Eine gute Ernährung wird in China als wichtige Vorsorge gegen Krankheiten betrachtet, Nahrungsmittel gelten als Schlüssel zu einem gesunden Leben.

„Wofür ist das gut?“

Die Gesundheitsshows greifen jeden Tag neue Themen auf, nehmen zum Beispiel Regeln für eine gesunde Ernährung unter die Lupe oder geben Tipps zur Vorbeugung saisonaler Wehwehchen. Die Gäste sind im Allgemeinen erfahrene Ärzte der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) oder Gesundheitsexperten. Sie erklären dem Fernsehpublikum in verständlicher Weise, welche Lebensmittel zur Behandlung welcher Symptome und für welche Jahreszeit besonders geeignet sind oder warum sich Männer und Frauen in bestimmten Fällen unterschiedlich ernähren sollten.

Anders als viele Menschen im Westen erkundigen sich Chinesen, wenn sie zum ersten Mal eine neue Speise probieren, vorab meist erstmal: „Wofür ist das gut?“ anstatt zu fragen „Wie schmeckt das?“. Und zum Wohle der Gesundheit sind die Chinesen auch bereit, so manches herunter zu schlingen, was Ausländern vor Schreck die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Nach Speisen wie Seegurken, Seidenspinnerpuppen, Ostasiatischen Schlammpeitzgern (eine Schmerlenart), Heuschrecken, Weichschildkröten oder Skorpionen steht Ausländern meist weniger der Sinn, Gesundheitserhaltung hin oder her.

Die Chinesen legen bei ihrer Ernährung auch großen Wert auf ein Gleichgewicht zwischen Fleisch und Gemüse. Vor allem im Krankheitsfall rückt eine angemessene Ernährung in den Mittelpunkt, weshalb sich auch Programme rund um das Thema „Essen als Medizin“ in China größter Beliebtheit erfreuen. Fangen Sie sich in China zum Beispiel eine Erkältung ein, haben Halsschmerzen oder Fieber, werden Ihre chinesischen Freunde die Diagnose „innerer Hitze“ (vergleichbar mit Entzündungen in unserer westlichen Medizin) stellen, und ihnen postwendend eine ganze an Reihe an Lebensmitteln benennen, mit denen sie sich schnell wieder erholen, ganz ohne Medikamente versteht sich.

Nahrungsmittel gelten nicht nur als förderlich zur Heilung bestehender Beschwerden, sie sind auch ein wichtiger Teil der Gesundheitsvorsorge. Um etwa eine Verschärfung von Hustenbeschwerden oder einer Halsentzündung zu vermeiden, werden chinesische Ärzte Ihnen raten, keine scharfen, salzigen und fettigen Speisen zu sich zu nehmen. Ebenso sollten Sie Hammelfleisch, Rindfleisch oder Meeresfrüchte meiden, da diese Lebensmittel nach der TCM-Lehre innere Hitze erzeugen. Stattdessen wird man in China bei derartigen Symptomen lieber zu grünem Gemüse oder Obstsorten mit hohem Wassergehalt greifen, die helfen sollen, das Fieber zu senken und Entzündungen zu lindern.

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