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TCM-Gebirge Luofushan – Hype um Medizin-Nobelpreis bringt neue Entwicklungschancen

25-11-2015

 

Von Verena Menzel

 

Seit am 6. Oktober diese Jahres verkündet wurde, dass der 84-jährigen Chinesin Tu Youyou der Nobelpreis für Medizin verliehen wird, ist im Luofushan-Gebirge nahe der Stadt Huizhou in der südchinesischen Provinz Guangdong der Andrang groß.

 

Das Luofushan-Gebirge vor den Toren Guangzhous: Hier wirkte einst der berühmte TCM-Meister Ge Hong, dessen Forschungsarbeit Nobelpreisträgerin Tu Youyou als wichtige Inspiration diente. 

 

“Seit der Verkündung der Preisvergabe Anfang Oktober kommen immer mehr Touristen und Interessierte hierher und machen Bilder mit Zeitungsartikeln über die Vergabe”, sagt Zhou Xuemei, Touristenführerin des Landschaftsgebiets vor den Toren Guangzhous. “Anders als früher zeigen uns die Besucher heute sogar exakte Bilder von den Orten, die sie besichtigen möchten.”

 

Der Grund für den Ansturm: Bereits im Jahr 2011 bei der Preisverleihung des renommierten Lasker Award in den Vereinigten Staaten hatte die chinesische Pharmakologin Tu Youyou erklärt, sie und ihr Team seien bei ihrer Forschungsarbeit zur Isolation des Wirkstoffes Artemisinin, für dessen Entdeckung Tu nun auch den Nobelpreis erhält, maßgeblich von den Theorien des TCM-Meisters Ge Hong inspiriert worden. Und dieser wiederum widmete sein Lebenswerk dem Sammeln und Erforschen von Heilkräutern im Luofushan-Gebirge. Hier verfasste Ge, der zu Zeiten der Östlichen Jin Dynastie (317-340 n.Chr.) lebte, auch sein berühmtes “Handbuch der klinischen Praxis und der Heilmittel für akute Erkrankungen” (Manual of Clinical Practice and Emergency Remedies), ein Sammelband, der bis heute als Standardwerk der Traditionellen Chinesischen Medizin gilt. Im Luofushan-Gebirge erinnern ein traditioneller Kräutergarten und ein Monument Besucher an Ges Lebenswerk. Die Gegend beheimatet rund 3000 Pflanzenarten, 1200 davon kommen bis heute im Bereich der TCM zum Einsatz.

 

Im Kräutergarten des Landschaftsgebiet können Besucher die alten Heilkräuter in natura bestaunen. Die Gegend des Luofushan beheimatet rund 3000 Pflanzenarten, 1200 davon kommen im Bereich der TCM zum Einsatz. 

 

Tu wird am 10. Dezember als erste Chinesin überhaupt die Auszeichnung der Nobel-Stiftung in Stockholm entgegennehmen. Dass die 84-jährige Pharmakologin für die Isolation des zur Behandlung von Malaria eingesetzten sekundären Pflanzenstoffes Artemisinin aus dem Einjährigen Beifuß (Artemisia annua, chinesisch: Qinghao), der  weltweit insbesondere in den Entwicklungsländern Millionen Leben rettete, ausgezeichnet wird, hat die Traditionelle Chinesische Medizin als solches auf die Bühne der Weltöffentlichkeit gehievt. Ein Auftrieb, von dem nun auch die Stadt Huizhou und ihre traditionelle TCM-Branche proftieren will. Vier alt eingesessene Pharmafirmen stellen hier TCM-Produkte nach alten Rezepturen und mit örtlichen natürlichen Ressourcen her.

 

Doch auf ihrem Weg auf den ausländischen Markt haben die örtlichen Pharmaunternehmen noch zahlreiche Hürden zu nehmen, wie Chen Xinquan, leitender Geschäftsführer des Unternehmens Guangdong Luofushan Sinopharm, bestätigt. Zwar exportiert das Unternehmen, das seit 1970 existiert, schon heute erfolgreich unter anderem nach Südostasien, doch der Weg gen Westen gestaltet sich noch immer schwierig. “Das größte Problem für chinesische TCM-Firmen ist dabei, dass es im Ausland noch immer ganz andere Standards und Anforderungen für Heilprodukte gibt, als auf dem chinesischen Markt. Doch unser Unternehmen arbeitet in den letzten Jahren mit Hochdruck daran, sich diesen ausländischen Standards nach und nach anzupassen. So werden wir unsere Produkte langfristig auch einer größeren ausländischen Käuferschaft anbieten können”, zeigt sich Chen zuversichtlich.

 

Das örtliche Unternehmen Guangdong Luofushan Sinopharm exportiert seine TCM-Arzneien schon heute erfolgreich unter anderem nach Südostasien. Doch der Weg gen Westen gestaltet sich noch immer schwierig. 

 

Um den Bekanntheitsgrad der firmeneigenen TCM-Produkte im Ausland zu steigern, setze das Unternehmen darauf, zunächst nur einige ausgewählte Produkte intensiv zu vermarkten, die sich im Inland langjährig bewährt haben. “Wenn die westlichen Verbraucher durch die Anwendung dieser Produkte erst einmal selbst erfahren haben, dass unsere traditionellen pflanzlichen Arzneien sowohl sicher als auch wirksam sind, werden wir sicher langfristig ihr Vertrauen für TCM-Produkte als solches gewinnen können”, beschreibt Chen die Strategie.

 

Und dann wäre da ja auch noch Tu Youyou, die letztlich ihren Teil zum Aufschwung der traditionellen Branche beitragen dürfte. Chen sagt: “Ich bin mir sicher, dass die Nobelpreisvergabe unsere gesamte Branche weiter beflügeln wird. Zudem bietet sie der internationalen Gemeinschaft eine Chance, die Traditionelle Chinesische Medizin und ihre Geschichte und Kultur in Zukunft noch besser kennen zu lernen.”

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