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Die TCM geht in die Welt

26-04-2016

 

 Von Helmut Matt

 

Wenn die herkömmliche Medizin keinen Rat mehr weiß... hat TCM mir geholfen". „Als meine Ärzte keinen Rat mehr wussten, fand ich den Weg zu TCM“. Auf diese oder ähnliche Sätze trifft man häufig, wenn man damit beginnt, sich über die Traditionelle Chinesische Medizin zu informieren. Recht schnell wird deutlich, dass es die unterschiedlichsten Krankheitsbilder sind, die Menschen in aller Welt immer häufiger zu den althergebrachten Methoden dieser fernöstlichen Wissenschaft führen. Oft geht ein langer Leidensweg voraus, an dessen Ende die Erkenntnis steht, dass mit den herkömmlichen Mitteln westlicher Medizin keine Linderung oder Heilung erreicht werden kann.

 

Heilung durch ganzheitliches Konzept: Die Aufnahme entstand im Garten der TCM-Klinik Bad Kötzting 

 

"Das Haus in Bad Kötzting sieht eigentlich gar nicht wie eine Klinik aus - viel eher wie ein Hotel". Ursula Wolf, Jahrgang 1944, weiß, wovon sie spricht. Schon zweimal hat sie in der ersten TCM-Klinik Deutschlands das gefunden, was ihr mit den Methoden herkömmlicher Medizin versagt geblieben war. Es ist ein langer Leidensweg, auf den die sportlich sehr aktive Fränkin heute zurückblicken kann.

 

Ihren Anfang nahm die Odyssee vor mehr als 15 Jahren mit einem Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich – mit äußerst schmerzhaften Ausstrahlungen bis in die Zehen. Der behandelnde Arzt riet zu einem operativen Eingriff mit Lasertechnik und anschließender Absicherung des Rückenbereichs durch das Tragen eines Stützkorsetts. Man kann die OP durchaus als geglückt bezeichnen - fürs Erste jedenfalls. Gut neun Monate später kehrten jedoch die Schmerzen zurück und wieder begann der Weg durch die ärztlichen Instanzen. Alle konventionellen Heilversuche blieben ohne spürbare Ergebnisse. Die Schmerzen waren fast unerträglich, ein Leben ohne starke Schmerzmittel war gar nicht mehr denkbar.

 

Es war im Jahr 1999. Das Bayerische Fernsehen zeigte ein Portrait einer offensichtlich ganz neuartigen Klinik, die vor noch nicht allzu langer Zeit im nahen Bad Kötzting im Oberpfälzer Landkreis Cham eröffnet worden war. Mit Ärzten und Fachpersonal, das zum großen Teil direkt aus China eingeflogen worden war, verfolge die Klinik ein ganz neues Konzept, so der Bericht. Das gesamte Wissensspektrum westlicher Schulmedizin im Hintergrund, betrachte man alle Problemstellungen aus ganzheitlicher Perspektive Traditioneller Chinesischer Lehre.

 

"Das ist meine Chance", dachte Ursula Wolf und ließ sich kurzerhand von ihrem Hausarzt in die Kötztinger Klinik überweisen. Ganze drei Wochen dauerte der stationäre Aufenthalt mit Qi Gong, Akkupunktur und Tuina-Massage. Begleitet wurde die Therapie durch eine Umstellung der Ernährung und die Verabreichung verschiedener Teemischungen. Im Anschluss an den stationären Aufenthalt führte Frau Wolf die erlernten Qi-Gong-Übungen zuhause fort und nach gut 3 Monaten war von den ganzen Schmerzen praktisch nichts mehr zu spüren – für lange Zeit.

 

Erfolgreich behandelt mit TCM: Ursula Wolf bei einem ihrer liebsten Hobbys - dem Radeln 

 

Nach zwölf Jahren jedoch stellten sich die altbekannten Symptome erneut ein. Und wieder begann der Weg durch die Instanzen westlicher Schulmedizin – ohne durschlagenden Erfolg und zudem mit allen negativen Begleiterscheinungen.Schon nach kurzer Zeit führte die massive Einnahme hochdosierter Schmerztabletten zu einer bedenklichen Belastung der Leber und wahrscheinlich auch anderer innerer Organe. Schwere Depressionen waren die unausbleibliche Folge dieser dauerhaften und schwerwiegenden Minderung der Lebensqualität. Wie schon im Jahr 1999 waren die herkömmlichen Methoden auch dieses Mal gescheitert. Und wie damals, schuf die TCM-Klinik erneut Abhilfe. Mit den gleichen Behandlungsmethoden gelang nach einem kurzen stationären Aufenthalt erneut die völlige Genesung.

 

Frau Wolf schwört auf die TCM-Klinik in Bad Kötzting. Lebensfreude und Lebensglück statt Schmerz und Leid – ganz und gar ohne Schmerzmittel: Heute kann die jung gebliebene Fränkin wieder aktiv am Leben teilnehmen. Jeden Tag geht sie im nah gelegenen Hallenbad schwimmen und erst kürzlich hat sie sich ein neues, schickes Fahrrad gekauft.

 

Chinesische Medizin – was ist das eigentlich?

 Traditionelle chinesische Medizin (TCM) und westliche Medizin, das sind auf den ersten Blick scheinbar unüberbrückbare Gegensätze in Konzeption und Philosophie. Die westliche Lehre zeichnet sich durch eine kontinuierliche Erforschung von Krankheitsbildern und deren Folgen aus. Ärzte werden in zunehmendem Maße zu Spezialisten für jeweils sehr stark abgegrenzte Teilbereiche der menschlichen Physis. Im Vordergrund westlicher Medizin steht meist die Behandlung von Krankheitssymptomen. Eine gesamtheitliche Sichtweise findet so gut wie nicht statt. Genau hier jedoch beginnt der Ansatz der TCM. Der Mensch als Ganzes steht im Mittelpunkt der Betrachtung, nicht die Krankheit. Körper, Seele, Geist und Lebenswelt sind die Elemente einer harmonischen Ganzheit. Krankheiten entstehen dann, wenn diese Harmonie erschüttert wird. Um bei einem solch universalen Ansatz eine Diagnose zu stellen, bedarf es bei der TCM besonderer ärztlicher Befragungsmethoden. In umfassenden Anamnesegesprächen ist es Aufgabe der Mediziner, einer Krankheit mit genauer Beobachtung und aktivem Zuhören nachzuspüren und sie zu analysieren.

 

Zhōngyī (中医) heißt auf Deutsch „Chinesische Medizin“. So nennen die Chinesen ihre althergebrachte Sammlung an Forschung und Lehre über Mensch und Gesundheit. In der westlichen Welt spricht man von TCM, der „Traditionellen Chinesischen Medizin“. Dabei handelt es sich eigentlich um einen generalisierenden Oberbegriff, unter dem man die Gesamtheit des medizinischen Wissens der einzelnen Nationalitäten des Landes zusammenfasst. Dazu gehört die Medizin der Han-Nationalität ebenso wie die der Tibeter, Mongolen, Uiguren usw. Der bedeutendste Einfluss geht sicherlich von den Han als größter Volksgruppe mit der längsten Geschichteu nd den ältesten Schriftzeichen aus, aber in ihrer Gesamtheit ist die chinesische Medizin bei genauer Betrachtung ein gemeinsamer Erfahrungsschatz aller Ethnien in Reich der Mitte.

 

Die Geschichte der chinesischen Medizin reicht weit zurück bis in die Shang-Dynastie (17. – 11. Jahrhundert v. Chr.). Nahezu 3000 Jahre alte Inschriften in Orakelknochen und Schildkrötenschalen bezeugen den Ursprung eines wissenschaftlichen Systems im Einzugsgebiet des Gelben Flusses. Schon in der frühen Zhou-Dynastie kannte man die vier Diagnosemethoden des Betrachtens, des Auskultierens (aufmerksames Zuhören) und Beriechens, des Befragens sowie des Pulsfühlens und Palpierens (Betasten). Auch die systematische Anwendung von Heilkräutern und die Ursprünge der Akupunktur reichen zurück in diese frühe Epoche.

 

Als erstes schriftlich verfasstes Werk der chinesischen Medizin gilt das "Huang Di Nei Jing", was auf Deutsch mit "Klassiker des Gelben Kaisers zur Inneren Medizin" übersetzt werden kann. Darin wird bereits auf das komplexe Zusammenspiel zwischen der menschlichen Gesundheit mit dem Lauf der Jahreszeiten und den gesamtheitlichen Wandlungsprinzipien von Yin und Yang verwiesen. Im Gegensatz zu unserem heutigen, symptomzentrierten medizinischen Konzept basiert die chinesische Medizin schon seit Jahrtausenden auf einem gesamtheitlichen Bild einer Harmonie zwischen Himmel bzw. Natur und Menschen. Im Zentrum der Betrachtung im "Huang Di Nei Jing" stehen Wandlung und Wechselwirkung zwischen Yin und Yang im Gang der Jahreszeiten. So ist der Frühling die Zeit der Geburt, der Sommer steht für Wachsen und Gedeihen, der Herbst ist die Zeit der Ernte und der Winter die Phase des Erhalts und der Speicherung. Das Sein und Leben des Menschen als winziger Mikrokosmos innerhalb der Unendlichkeit des Universums bedürfen enger Übereinstimmung und stetiger Harmonie mit den Gesetzen der Natur und dem Wechsel der Jahreszeiten. Hierbei entsprechen Frühjahr und Sommer dem energetischen Prinzip des Yang, Herbst und Winter gehören dem Yin. So ist es wichtig, dass die Menschen in den lichten Jahreszeiten, im Gegensatz zu Herbst und Winter, möglichst viel Sonne tanken, denn die Energie des Yang ist das menschliche Gegenstück zur strahlenden Kraft der Sonne. Man sagt, dass ebenso, wie es ohne Sonne kein Leben auf der Erde geben kann, ohne die Energie des Yang keine menschliche Existenz möglich ist. Nach den Lehren der chinesischen Medizin dient das energetische Prinzip des Yang der Belebung und dem Transport von Qi-, Blut- und Körpersäften ebenso wie dem Aufbau von Abwehrkräften gegen mögliche Krankheiten. Den Begriff „Qi“ könnte man, vereinfacht gesprochen, als „Kraft“ oder „Energie“ übersetzen. Zu den höchsten Prinzipien für die Lebenspflege gehört es nach der Lehre des „Huang Di Nei Jing", beim Essen und Trinken stets Maß zu halten, körperlich aktiv zu sein und auf regelmäßige Schlafzeiten zu achten. Besonders wichtig ist es, sich nie vollständig satt zu essen, weil sonst das Verdauungssystem übermäßig belastet wird - mit negativen Folgen für die gesamte körperliche Gesundheit. In engem Zusammenhang mit der physischen Balance steht das Gleichgewicht der Seele: Heiterkeit, Gelassenheit und innere Ruhe sind die wesentlichen Voraussetzungen für die Gesundheit des menschlichen Gemüts.

 

Seit ihren Anfängen ist die chinesische Medizin einem ständigen und kontinuierlichen Entwicklungsprozess unterworfen. So sind beispielsweise magische Elemente, Geisterglaube, Beschwörungen und Opfergaben bereits mit Beginn der konfuzianischen Epoche in starkem Maße den Heilsystemen der Entsprechungsmedizin gewichen. In diesem Zusammenhang wurden die Yin-Yang-Lehre und die Theorie der Fünf-Elemente-Wandlungsphasen aus dem Buch "Huang Di Nei Jing" zur Grundlage der neu gewonnenen Systematik als Ausdruck der gesellschaftspolitischen Vorstellungen konfuzianischer Staatslehre. Die fünf Elemente in der traditionellen chinesischen Philosophie sind Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Diese unterliegen einer permanenten Dynamik, die sich aus einer erschaffenden und zerstörenden gegenseitigen Beziehung entwickelt. In der klassischen chinesischen Weisheitslehre lassen sich hieraus die Gesetze der Natur und Umwelt ableiten, weshalb diese fünf Grundelemente als Wandlungsphasen betrachtet werden.

 

Weitere Bücher kamen über die Jahrhunderte hinzu. Bald nach dem Beginn unserer Zeitrechnung erschien beispielsweise das „Shang Han Lun“, ein wichtiges Standardwerk über die Behandlung von Kältekrankheiten. Auch das Wissen über den Einsatz von Heilpflanzen und Kräutern wuchs seit der Qin- und Han-Dynastie kontinuierlich an.

 

TCM auf dem Weg in die Moderne

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert waren die traditionellen Heilverfahren stark zurückgedrängt und vielfach durch die westliche Medizin ersetzt worden. Imperialistische Mächte hatten sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts chinesischer Territorien bemächtigt, wodurch auch westliche Wissenschaft und Technik wie auch westlicher Geist Einzug in China halten konnte. Dies hatte zur Folge, dass viele Chinesen sich bei Krankheiten lieber von westlichen Medizinern behandeln ließen, als von traditionellen chinesischen Ärzten. Die chinesische Medizin wurde immer weiter zurückgedrängt und es soll sogar Überlegungen gegeben haben, diese ganz zu verbieten.

 

Eine entscheidende Wende brachte die Revolution und die Gründung des modernen China. Staatsgründer Mao Zedong erkannte das Potenzial der traditionellen chinesischen Medizin, mit den begrenzten finanziellen Mitteln, die damals noch zur Verfügung standen, eine funktionsfähige medizinische Versorgung für die breiten Volksmassen, vor allem in den ländlichen Regionen, zu gewährleisten. Er sagte: „Die chinesische Medizin und Pharmazie sind eine große Schatzkammer. Anstrengungen sollen unternommen werden, um sie zu erschließen und ihr Niveau zu heben.“ So führten Reformen und eine intelligente Kombination der Tradition mit modernen medizinischen Erkenntnissen zu einer echten Aufwertung der tradierten Techniken. Die Wiedergeburt der chinesischen Medizin nach der Staatsgründung wurde somit zur Geburtsstunde dessen, was man heute unter TCM versteht.

 

Die neue chinesische Regierung begnügte sich nicht damit, die Erkenntnisse der TCM für die medizinische Versorgung der Menschen einzusetzen. Durch Forschung und Innovation sollte die chinesische Medizin erweitert und zugleich von noch verbliebenen religiösen Elementen befreit werden. Insbesondere seit Mitte der achtziger Jahre nahm die chinesische Medizin durch ihre Verbindung mit der westlichen Medizin einen Aufschwung. Im heutigen China ist die TCM in starkem Maße mit der westlichen Medizin verbunden. Studenten der Traditionellen Chinesischen Medizin werden heute gleichermaßen in der westlichen Medizin unterrichtet. Alle approbierten Ärzte für chinesische Medizin können und dürfen auch westliche Medikamente verschreiben.

 

Nobelpreis für TCM-Forscherin - Die Welt entdeckt TCM

Ihre Geschichte reicht nun schon mehrere tausend Jahre zurück und doch ist die TCM im westlichen Kulturkreis erst seit wenigen Jahrzehnten wirklich bekannt. Es gab zwar bereits im 17. und 18. Jahrhundert erste Begegnungen europäischer Gelehrter mit der chinesischen Medizin, die aber im 19. und frühen 20. Jahrhundert wieder vollständig in Vergessenheit geraten waren. Erst nach der Gründung des Neuen Chinas begann man in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch in der westlichen Welt wieder, sich für dieses komplexe Themengebiet zu interessieren. Einen wirklich erheblichen Aufschwung der TCM löste ein Artikel aus, der 1971 in der New York Times erschienen war und in dem der amerikanische Journalist James Reston darüber berichtete, wie seine Schmerzen nach einer Blinddarmoperation mit gutem Erfolg durch die Anwendung von Akupunktur behandelt worden waren.

 

Inzwischen ist man sich in der internationalen Staatengemeinschaft durchaus der besonderen Vorteile der TCM bewusst geworden. Nach Statistiken der Weltgesundheitsorganisation WHO wird die Traditionelle Chinesische Medizin mittlerweile in über 170 Ländern und Regionen der Erde angewandt, in mehr als 100 Ländern werden die Mittel der Akupunktur als Heilmethode eingesetzt. Weltweit arbeiten gut 300.000 Mediziner in über 80.000 TCM-Institutionen unter Anwendung chinesischer Heilungsmethoden, mehr als 80 Staaten haben mit der chinesischen Regierung Kooperationsabkommen im Bereich der TCM abgeschlossen.

Einen besonderen Wachstumsimpuls erhielt die TCM im vergangenen Jahr durch die Verleihung des Nobelpreises für Medizin an die chinesische Pharmakologin und TCM-Forscherin Tu Youyou. Die Wissenschaftlerin selbst konnte es kaum fassen, als sie im Fernsehen erfuhr, dass das schwedische Komitee bekannt gegeben hatte, dass ihre Lebensleistung im Hinblick auf die Erforschung von Artemisinin, einem Wirkstoff gegen Malaria, mit dem Nobelpreis geehrt werden solle.

 

1930 in Ningbo in der ostchinesischen Provinz Zhejiang geboren, studierte Tu Youyou von 1951 bis 1955 an der Fakultät für Pharmazie der Medizinischen Universität in Beijing. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie am Institute of Materia Medica der Chinesischen Akademie für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), wo sie ab 1969 die Leitung eines Projekts der chinesischen Regierung zur Erforschung von Wirkstoffen zur Behandlung von Malaria übernahm. Gut 200 Kräuter und unzählige Kräuterrezepte der TCM untersuchten die Forscher auf ihre Wirksamkeit und schließlich gelang es Frau Tu im Jahr 1972, aus dem einjährigen Beifuß (Artemisia annua) die Substanz Artemisinin zu isolieren, ein Wirkstoff gegen Malaria.

 

In einem Interview erklärte Tu Youyou kürzlich, es sei für sie nicht die zentrale Frage, ob sie den Nobelpreis bekomme oder nicht. Wichtiger sei es, „dass es einen neuen Motivationsschub geben wird, damit die TCM-Forschung kontinuierlich weitere wertvolle Ergebnisse hervorbringen kann und maßgebliche Fortschritte im Gesundheitswesen erlangt werden." Es wäre in der Tat zu wünschen. Sicher ist schon jetzt, dass Frau Tu der Menschheit, besonders in den Dritte-Welt-Ländern, mit Ihren Forschungen einen unschätzbaren Dienst erwiesen hat.

 

TCM im deutschsprachigen Raum

Die traditionelle chinesische Medizin ist mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum recht gut verbreitet. Bereits im Jahr 1951 wurde die „Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur“ als erste Akupunkturgesellschaft im deutschen Sprachraum gegründet, weitere Organisationen sollten folgen. TCM wird in Deutschland zwar immer populärer, eine vollständige gesundheitspolitische Anerkennung gibt es aber bisher immer noch nicht. Erfreulich ist, dass inzwischen die Akupunktur bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule und des Kniegelenks in den Katalog der Kassenleistungen aufgenommen werden konnte.

 

Für viele Patienten mit langem Leidensweg oft die letzte Hoffnung – die TCM-Klinik Bad Kötzting 

 

Die Situation in der Schweiz und Österreich ist mit der in Deutschland vergleichbar. Auch in diesen beiden Ländern nimmt TCM sichtbar an Beliebtheit zu. So können Österreichs Ärzte jetzt ein Diplom für „Chinesische Diagnostik und Arzneitherapie“ der Österreichischen Ärztekammer erwerben, für das eine Zusatzausbildung erforderlich ist, die mindestens zwei Jahre dauert und gut 500 Ausbildungsstunden umfasst.

 

In Deutschland gibt es seit Januar 2016 einen Studiengang "Bachelor of Medicine (TCM) China". Mit der Gründung der TCM Academy Cologne im Jahr 2011 besteht in Deutschland die Möglichkeit für ein Postgraduiertenstudium der Chinesischen Medizin  (berufsbegleitend) auf internationalem akademischem Niveau. Ein Master-Studiengang wird, ebenfalls in Köln, schon seit 2011 angeboten - im Jahr 2014 erhielten die ersten acht Studenten ihren Abschluss. In diesem Zusammenhang kommen renommierte Professoren der Zhejiang Chinese Medical University (ZCMU) aus Hangzhou nach Deutschland. Das Studium beinhaltet zudem regelmäßig stattfindende Lehraufenthalte in Hangzhou sowie Vorlesungen,  Seminare und Webinare in Deutschland. Die TCM Academy Cologne steht nach eigenen Angaben in enger Kooperation mit der ZCMU und unterstützt diese bei der Planung und Durchführung des Master- und Promotionsstudiums in Deutschland.

 

Wenn man bedenkt, dass es in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nur eine Handvoll Spezialisten waren, die die chinesische Medizin lehrten und dass diese damals noch allzu oft als "Wunderheiler" verspottet und ihre Medizin als "Voodoo-Zauber" belächelt wurden, dann wird deutlich, wie sehr die Sichtweise sich mittlerweile gewandelt hat. In den vergangenen 20 Jahren erlebte die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) einen europaweiten Aufschwung und der Weg zu einer allgemeinen Anerkennung dürfte aus heutiger Sicht nicht mehr allzu lang und steinig sein.

 

Es war im August des Jahres 1991, als Anton Staudinger im Bayerischen Bad Kötzting ein bis dahin nicht vorstellbares Projekt aus der Taufe hob: Die erste Klinik für traditionelle chinesische Medizin auf deutschem Boden. Die TCM-Klinik Bad Kötzting ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen der Universität für Chinesische Medizin in Beijing und der ihr angeschlossenen Klinik Dongzhimen, bei dem Schulmedizin und TCM kombiniert werden. Westliche Schulmedizin und chinesische traditionelle Methoden reichen sich hier die Hand und ergänzen sich in einer Weise, die vorher in Deutschland noch nicht vorstellbar war. Ihr 25. Jubiläum feiert die Klinik von Bad Kötzting in diesem Jahr. Trotz aller Anfangsschwierigkeiten und Geburtswehen, insbesondere in Hinblick auf Genehmigung und Anerkennung, war die TCM-Klinik von Bad Kötzting ein überaus erfolgreiches Projekt. Bis heute ist es die einzige Klinik ihrer Art in Deutschland, deren Behandlungskosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Wer das komplizierte Verfahren für die Kostenübernahme bei den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland kennt, der weiß, was für ein überragender Erfolg das ist.

 

Für viele Menschen ist Bad Kötzting nach langem und offensichtlich aussichtslosem Leidensweg oft die letzte Hoffnung. Immer wieder berichten Patienten, dass die kombinierten Methoden der Klinik ihrem Leben neue Perspektiven geben konnten. Zum Angebot der Klinik gehören neben Akupunktur und Moxibustion (Erwärmung von speziellen Punkten des Körpers) auch Psychotherapie und chinesische Arzneimittel, Tuina-Massage, Qigong, Ernährungsberatung und Physiotherapie. Dass die TCM in Deutschland mittlerweile durchaus bekannt ist und bei vielen Menschen ein hohes Ansehen genießt, das ist ganz sicher in großen Teilen auch der Kötztinger Klinik zu verdanken.

 

TCM ist eine Wissenschaft, die mittlerweile Völker verbindet, scheinbar sehr unterschiedliche Kulturen zusammenbringt und die vielen Menschen in oft aussichtslos scheinender Lebenslage Hoffnung und Zuversicht zu geben vermag. Es bleibt spannend. Was werden die nächsten Jahre bringen? Die guten Beziehungen Chinas zu den Ländern Europas, insbesondere zu Deutschland, werden ganz sicher helfen, die Verbreitung der chinesischen Medizin in unserem Land wie auch den anderen westlichen Ländern weiter zu entwickeln. Mittlerweile steht das Haus im bayerischen Bad Kötzting nicht mehr alleine da. Weitere TCM-Kliniken wurden eröffnet, unter anderem in Illertissen, am Steigerwald, in Konstanz, Heidelberg und Essen. Es ist zu hoffen, dass das Beispiel von Bad Kötzting Schule macht und dass es schon bald viele weitere Projekte dieser Art in Deutschland und der Welt geben wird.

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