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Ehrenamtliches Engagement – Junge Freiwillige in China

24-10-2016

 

 

Von Zhou Lin

 

Viele junge Menschen im Westen haben bereits Erfahrung mit ehrenamtlicher und gemeinnütziger Arbeit. Auch in China suchen immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene nach einem tieferen Sinn im Leben, wollen helfen und sich als Freiwillige engagieren. Einer von ihnen ist der junge Student Xie Feixun aus der südostchinesischen Stadt Guangzhou. Er sagt: „Ziel des ehrenamtlichen Engagements von mir und meinen Mitstreitern ist es nicht, die Öffentlichkeit zu rühren, sondern einfach mit Freude und Lockerheit gemeinnützige Sozialarbeit zu leisten, die wirklich etwas in der Gesellschaft verändert.“

 

 

Ausländische Freiwillige lernen bei ihrem sozialen Engagement auch chinesische kulturelle Schätze wie chinesische Kaligraphie und Landschaftsmalerei kennen.

 

Xie studiert an der South China Normal University in Guangzhou und ist gleichzeitig Begründer des gemeinnützigen Projekts E.G.E.. „Die drei Buchstaben in unserem Projektnamen rühren vom Motto unseres Engagements her“, erklärt er. „Sie stehen für „enrich“ (bereichern), „global“ (global) und „enlighten“ (erleuchten).“

 

Guangzhou, die Hauptstadt der Provinz Guangdong, ist Weltmetropole und ein Schmelztiegel, in dem viele Kulturen und Nationalitäten aufeinandertreffen. „Es gibt viele Ausländer, die hier studieren, und viele von ihnen haben schon in ihrer Heimat Erfahrung mit ehrenamtlicher Arbeit gemacht“, sagt Xie. Dieser Umstand habe ihn und seine chinesischen Mitstreiter letztlich auch auf die Idee zu E.G.E. gebracht: Warum nicht das Kennenlernen der chinesischen Kultur mit freiwilligem sozialem Engagement verbinden?

 

„Das soziale Engagement hier in China ist für Austauschstudenten eine gute Gelegenheit, sich besser in die heimische Kultur einzugliedern und gleichzeitig tief in das lokale Leben einzutauchen. In einigen Wohnvierteln Guangzhous gibt es viele Menschen, die von Sozialhilfe leben. Viele Eltern dort kommen gar nicht auf die Idee, ihre Kinder mit Fremdsprachen oder ausländischer Kultur in Berührung zu bringen“, sagt Xie. Genau hier will E.G.E. Abhilfe schaffen. Einerseits leiten die chinesischen Studenten im Rahmen des Projektes ihre ausländischen Kommilitonen dabei an, die heimische Lebensweise in den einfachen Wohnvierteln der Stadt und so auch die chinesische Kultur noch besser kennen zu lernen. Dazu zählen etwa kulturelle Schätze wie chinesische Kaligraphie und Landschaftsmalerei, das Anfertigen traditioneller Scherenschnitte und die Aufführung von Lokalopern. Andererseits bringen die ausländischen Studenten im Gegenzug als Freiwillige Kindern aus sozial schwachen Familien Fremdsprachenkenntnisse bei und geben ihnen Einblicke in die ausländische Kultur, um ihren geistigen Horizont zu erweitern.

 

„Unser Projekt dient als Plattform, über die insbesondere ausländische Studenten in die Wohnviertel kommen können. Das gibt den Menschen dort die Chance, mit Ausländern in Kontakt zu kommen und sich gegenseitig ein bisschen aus der Nähe zu beschnuppern“, sagt Xie.

 

 

Senioren bringen den ausländischen Studenten die Kunst des traditionellen Flechtwerks bei. 

 

Bevor sie das Projekt ins Leben riefen, stellten Xie und seine vier Mitstreiter zunächst einige Untersuchungen an. Dabei stellten sie fest, dass allein in den fünf renommierten Universitäten Guangzhous, der Sun Yat-sen University, der South China University of Technology, der Jinan University, der South China Normal University und der Guangdong University of Foreign Studies, jedes Semester mehr als 10.000 ausländische Studenten eingeschrieben sind. Xie und sein Team platzierten daraufhin in den Unis Aushänge zur Anwerbung von Freiwilligen, woraufhin sich in kurzer Zeit zahlreiche ausländische Studenten für eine Teilnahme meldeten. Letztlich nahmen die Organisatoren 450 Freiwillige auf, darunter 350 ausländische und 100 chinesische Studenten.

 

Im April dieses Jahres führte E.G.E. eine Aktion im Wohnviertel Jinshazhou, dem größten Viertel mit Sozialwohnungen der Stadt, durch. Unter der Anleitung der dortigen Senioren kamen die ausländischen Studenten dabei erstmals mit chinesischer Kaligraphie in Berührung. Groß und Klein freuten sich sehr über den Besuch der jungen Freiwilligen aus dem Ausland. Ein älterer Bewohner des Viertels kreierte gar eigens, inspiriert von dem chinesischen Namen einer ausländischen Studentin namens „Ainan“, was „Liebe zur chinesischen Orchidee“ bedeutet, ein traditionelles Spruchpaar für das chinesische Frühlingsfest. „Die Kinder des Viertels hatten anfangs noch ein paar Berührungsängste“, erinnert sich Xie. „Doch letztlich führten sie dann mit Bravour einige künstlerische Darbietungen auf. Manche Kinder gaben Stücke auf der traditionellen Hulusi-Flöte und auf dem vierseitigen Zupfinstrument Guzheng zum Besten, andere führten ethnische Tänze auf.“ Durch die Vorführungen bekamen die ausländischen Studenten einen spannenden Einblick in das soziale Leben in einem chinesischen Wohnviertel.

 

„Ich traue mich nicht so recht, mit Ausländern herumzualbern, weil ich kein Englisch kann und auch ein bisschen Angst habe“, sagte damals ein Kind des Wohnviertels auf die Frage eines Reporters. Diese frei heraus gesprochenen kindlichen Worte spiegeln die anfängliche Berührungsangst vieler Chinesen im ersten Kontakt mit Ausländern. Doch das aktive Engagement der ausländischen Freiwilligen konnte zumindest in Jinshazhou viele dieser Bedenken zerstreuen. Mit den ausländischen Gästen veranstalteten die Kinder Spiele und durch die ungezwungene Interaktion entstand eine freundliche Atmosphäre, in der die Kinder auch Gelegenheit hatten, einige typische englische Redewendungen zu lernen. Am Schluss fielen einige Kinder den ausländischen Freiwilligen vor Freude um den Hals und tuschelten geheimnisvoll mit ihnen. Die anfänglichen Berührungsängste waren wie weggeblasen.

 

Lernen mit Spaß: Kinder beim Leseunterricht mit englischsprachigen Bildergeschichten 

 

Jordan und Ainan sind ein Liebespaar und stammen beide aus Irland. Während ihres Studienaufenthaltes in Guangzhou engagierten sie sich aktiv im Bereich der örtlichen Sozialarbeit. Jedes Mal nahmen sie eine einstündige Fahrt auf sich, um in die Wohnviertel zu gelangen. „Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt“, sagt Jordan. „Für mich ist es eine unglaublich wertvolle Erfahrung, mit den Kindern hier zu spielen und ihnen nebenbei etwas Englisch beizubringen. Besonders gefreut habe ich mich, als ich einige tänzerische und musikalische Talente unter ihnen entdeckt habe“, so der junge Ire. Seine Freundin Ainan pflichtet ihm bei: „Meine Teilnahme an diesem Wohltätigkeitsprojekt hat mir eine Menge Freude bereitet. Die Kinder sind einfach spitze und einige von ihnen haben unglaubliche Talente“, sagt sie. Nach ihrer Rückkehr nach Irland haben beide den Lehrerberuf ergriffen. Und sie haben die Kunst der chinesischen Kaligraphie mit in ihre Heimat gebracht und damit eine kulturelle Brücke über eine Distanz von mehr als 25.000 Kilometern geschlagen.

 

Projektinitiator Xie sagt: „Vor einer Aktion stellen wir chinesischen Freiwilligen den ausländischen Studenten unser Konzept und das Aktionsprogramm ausführlich vor. Alle verstehen sich dabei sehr gut. Da wir alle für den gemeinnützigen Zweck zusammenkommen, bildet die Sprache keinerlei Barriere. Bei uns findet echte Völkerverständigung statt.“

 

Damit der Englischunterricht der ausländischen Freiwilligen nachhaltig und mit guter Qualität vonstattengehen kann, hat Xies Team eigens ein „Handbuch für den Leseunterricht mit englischsprachigen Bildergeschichten“ erstellt. Es enthält zehn ausgewählte Bildergeschichten samt Text mit didaktischen Hinweisen. Die ersten fünf Geschichten kamen bereits erfolgreich im Leseunterricht zum Einsatz. Außerdem hat das Team ein Kursbuch für kreatives Denken entwickelt, wobei gute ausländische Lehrbeispiele und Lehrmaterialien herangezogen wurden. In dieses Kursbuch wurden 50 kleine Denkexperimente eingearbeitet, die sich wie ein roter Faden durch die Englischstunden hindurchziehen. Darüber hinaus richtete das Team zudem einen öffentlichen Account bei der Plattform der beliebten chinesischen Nachrichten-App WeChat ein. Zweimal täglich werden hier seither neue Lerngeschichten mit Hörversion gepostet.

 

Vom Projekt E.G.E. haben letztlich nicht nur die Bewohner der Wohnviertel und die ausländischen Studenten profitiert, sondern auch die chinesischen Mitglieder der Arbeitsgruppe. Huang Jiaming, einer der Freiwilligen, sagt: „Früher war mein gesprochenes Englisch eher bescheiden und ich hatte einige Schwierigkeiten bei der sprachlichen Verständigung mit Ausländern. Durch das Projekt konnte ich Freundschaft mit einigen ausländischen Freiwilligen schließen und mehr Selbstvertrauen gewinnen. Heute kann ich mich fließend auf Englisch verständigen.“

 

Initiator Xie sagt: „Freiwilliges wohltätiges Engagement sollte allen Beteiligten Freude bringen, ihnen das Leben erleichtern und nachhaltige Ergebnisse zeigen.“ Wer anderen unter die Arme greife, profitiere auch selbst davon, sagt er. Von daher hoffe er, dass in Zukunft noch mehr wohltätige Projekte nach Vorbild seiner Initiative angestoßen würden.

 

Führungsfähigkeiten fördern

 

„Die erfolgreiche Durchführung von E.G.E. ist vor allem einem von der renommierten Caféhauskette Starbucks gesponserten Projekt zur Stärkung der Führungsfähigkeiten chinesischer Jugendlicher zu verdanken“, erklärt Xie. „Von diesem Projekt erhielten wir nicht nur 5000 Yuan (rund 675 Euro) als Startkapital, sondern auch eine fachliche Fortbildung und intensive Anleitung.“ Starbucks rief das Projekt in Zusammenarbeit mit der China Soong Ching Ling Foundation ins Leben. Die amerikanische Caféhauskette steckte insgesamt 1,5 Millionen US-Dollar in das Fortbildungsprogramm, das zunächst auf drei Jahre angelegt ist. Voraussichtlich werden alles in allem rund 1500 chinesische Studenten aus verschiedenen Landesteilen im Rahmen der Initiative gefördert, darunter insbesondere auch zahlreiche junge Menschen aus Armutsgebieten bzw. sozial schwachen Familien. Durch die Fortbildungen können sie ihre Fähigkeiten zur Kommunikation, Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung sowie auch ihren Geschäftssinn stärken, damit sie persönlich wachsen und berufliche Erfolge erzielen können.

 

Die amerikanische Caféhauskette Starbucks hat in Zusammenarbeit mit der China Soong Ching Ling Foundation das Fortbildungsprojekt zur Stärkung der Führungsfähigkeiten chinesischer Jugendlicher ins Leben gerufen. Die erfolgreiche Durchführung von E.G.E. ist diesem Projekt zu verdanken.  

 

Zwei Durchführungsphasen des Projekts sind bereits abgeschlossen. In der zweiten Phase zum Beispiel haben 500 Studenten aus zehn Hochschulen in Beijing, Shanghai, Guangzhou, Chengdu und Changsha von diesem Programm profitiert. Sie haben 100 Gruppen für freiwilliges Engagement zu gemeinnützigen Zwecken gegründet. Die jungen Freiwilligen haben Untersuchungen zu verschiedenen hilfsbedürftigen gesellschaftlichen Gruppen durchgeführt, ihnen Hilfe geleistet, ihre Arbeitserfahrung zusammengefasst und neue Pläne für weitere nützliche Projekte entworfen. Sie haben dabei mehr als 100 Wohnviertel und Schulen besucht und so insgesamt mehr als 10.000 bedürftigen Mitmenschen geholfen. Viele haben auch Erlebnisberichte von ihrer Arbeit geschrieben und ins Internet gestellt. Die Berichte wurden mehr als 300.000 Mal angeklickt. Zudem erhielten die jungen Freiwilligen mehr als 110.000 positive Kommentare.

 

Das kooperative Programm hat eindeutig dazu beigetragen, das Engagement chinesischer Studenten im Wohltätigkeitsbereich zu stärken und hat mittlerweile auch den Anstoß für eine ganze Reihe kleinerer gemeinnütziger Projekte gegeben. So haben beispielsweise die Freiwilligen der Guangzhouer Southwest University for Nationalities eine besondere Form von Hilfeleistung entwickelt. Sie fokussieren ihr Engagement auf Senioren in den Wohnvierteln und helfen den alten Menschen dabei, Essen per App zu ordern. Die Jugendlichen stehen den Alten dabei nicht nur durch technische Hilfestellung zur Seite, sondern bieten ihnen auch an, zu ihnen nach Hause zu kommen und bei der Hausarbeit zu helfen. Als kleines Dankeschön stellen die Senioren den Freiwilligen dafür ein vergünstigtes Essen zur Verfügung. So profitieren beide Seiten. Das Wichtigste ist aber, dass das Projekt eine direkte Kommunikation zwischen Jung und Alt ermöglicht.

 

Ein weiteres kleines Projekt hat sich der Wiederbelebung der traditionellen Färbetechnik der nationalen Minderheiten verschrieben, bei der ausschließlich natürliche Farbstoffe zum Färben der Stoffe verwendet werden. Über einen Wohltätigkeitsbasar wurden Gelder gesammelt, die dann wiederum in Fortbildungskurse für Jugendliche der nationalen Minderheiten investiert wurden. Und diese stellten den Besuchern später ihr ethnisches Brauchtum vor. Ziel des Projektes ist es, die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf die von nationalen Minderheiten bewohnten Gebiete zu lenken.

 

 

Im April dieses Jahres führte E.G.E. eine Aktion im Wohnviertel Jinshazhou, dem größten Viertel mit Sozialwohnungen der Stadt, durch. Groß und Klein freuten sich sehr über den Besuch der jungen Freiwilligen aus dem Ausland. 

 

„Unser Verständnis davon, was gute Führungsfähigkeiten bei Jugendlichen auszeichnet, ist im Grunde genommen recht einfach: Es heißt, zu handeln, und zwar unter einem neuen Blickwinkel und in neuer Form“, erklärt Xie. „Etwas ausführlicher gesagt, verstehe ich darunter, dass Jugendliche sich selbst Gedanken machen und Gutes vollbringen sollten und eben auch die nötige Durchsetzungskraft mitbringen, um Dinge zustande zu bringen, die für die Verwirklichung ihrer Werte relevant sind.“ Die Ausbildung von Führungsfähigkeiten laufe darauf hinaus, die Werte der Jugendlichen zu verwirklichen, indem sie Werte für andere schufen, so Xie.

 

Nachhaltige Philanthropie

 

Anfang dieses Jahres veröffentlichte die China Foundation for Poverty Alleviation ihre „Bestandsaufnahme der gemeinnützigen Arbeit chinesischer Studenten 2015“. Darin heißt es, chinesische Studenten engagierten sich mit großem Elan im Bereich der Wohltätigkeit. 2015 hätten mehr als 90 Prozent der Studenten an Geld-, Sach- oder Blutspendeaktionen oder als Freiwillige an anderen Wohltätigkeitsprojekten teilgenommen. Ehrenamtlich Hilfe zu leisten, stehe dem Bericht nach an der Spitze der Skala der wohltätigen Arbeit. 58 Prozent der Befragten seien der Meinung gewesen, dass das Wohltätigkeitswesen in China derzeit einen Aufschwung nehme, immerhin 35 Prozent bekundeten ihren Wunsch, sich nach dem Abschluss des Hochschulstudiums wohltätig zu engagieren.

 

„Wenn wir, die Begründer der Wohltätigkeitsprojekte, in unmittelbarer Zukunft die Uni verlassen werden, ist es an unseren jüngeren Kommilitonen, das Staffelholz zu übernehmen“, betont Xie. „Eine Möglichkeit wäre auch, dass die gemeinnützigen Projekte durch Finanzierung über Marktmechanismen fortgesetzt werden“, erklärt er. Das Wertvolle bei der Arbeit für wohltätige Zwecke sei, dass man sie niemals aufgebe. „Unter Studenten sollte ein wohltätiger Geist und ein Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung entstehen, damit die Philanthropie nachhaltig fortgesetzt werden kann“, so Xie weiter.

 

Zu künftigen Projekten erklärt Xie, dass es gelte, verschiedene Ressourcen zu bündeln. Beispielsweise könne eine umfassende Plattform zur Anwerbung ausländischer Freiwilliger und ihrer wohltätigen Dienstleistungen aufgebaut werden. Auf dieser Plattform sollte den Bewerbern dann auch rechtzeitig Feedback für ihre Arbeit gegeben werden, so Xie. Was die finanzielle Unterstützung anbetreffe, sollte die Zusammenarbeit mit Bildungsanstalten intensiviert werden. „Diese könnten in Zukunft Finanzmittel zur Fügung stellen“, sagt er. Außerdem sollten von ausländischen Lehrern gegebene hervorragende Kurse im Internet veröffentlicht und gegen Bezahlung heruntergeladen werden können. „Zwischen gemeinnützigem und kommerziellem Modell sollte nicht einfach pauschal nach dem Prinzip erhaben versus vulgär unterschieden werden. Das wäre zu einfach und Schwarzweißmalerei. Solange ein Projekt einen Mehrwert für die Gesellschaft bringt, handelt es sich meines Erachtens um ein gutes Projekt.“

 

Auch zwei Freiwillige aus Deutschland haben im Rahmen des E.G.E.-Projektes bei den Beteiligten tiefen Eindruck hinterlassen. Die beiden 19-Jährigen absolvierten in China ihr sogenanntes ,Gap Year‘. Sie kamen nach China, um in Vollzeit freiwillige gemeinnützige Arbeit zu leisten, wie sich Xie erinnert. „Ich bewundere heute noch ihren Mut, ihren bereits erstellten Lebensentwurf auf die lange Bank zu schieben und nach einem größeren Sinn des Lebens zu suchen. Bewegt hat mich auch ihre Beharrlichkeit. Ich bin noch nie Freiwilligen begegnet, die ihre Aufgabe so ernst genommen und in solch vorbildlicher Weise gearbeitet haben.“

 

Die Werte des eigenen Lebens zu verwirklichen, ist meist nicht schwer. Schwerer dagegen ist es, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. „E.G.E hat sich deshalb auch zum Ziel gemacht, die jungen Chinesen aus ihrer Komfortzone zu locken, sie dazu zu bewegen, sich stärker am Prozess der gesellschaftlichen Erneuerung zu beteiligen und der Umwelt und ihren Mitmenschen größere Aufmerksamkeit zu schenken. Ziel ist es letztlich, dass sich die jungen Menschen selbst besser kennen lernen und sie die Welt tiefer begreifen. Wir wollen, dass sie ihre Energie für den guten Zweck aufbringen und einen eigenen Beitrag zum Gedeihen unserer Gesellschaft leisten.“

    

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