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Meng Zhou: Botschafterin zwischen Kulturen und Herzen

21-12-2016

 

Von Wu Yu

 

„Ich war schon immer der Auffassung, mit allem, was ich tue, nicht in erster Linie mich selbst, sondern mein Heimatland China zu repräsentieren“, sagt Meng Zhou. Meng ist seit vielen Jahren als Beraterin des Kölner Oberbürgermeisters sowie der Kölner Stadtregierung in allen China-Angelegenheiten tätig. „Wenn ich meine Hausaufgaben schlecht gemacht hätte, hätten die Deutschen nicht gedacht, Frau Meng taugt nicht, sondern chinesische Frauen als solches taugen nichts. Deshalb setze ich hier in Deutschland alles daran, jede Aufgabe, die an mich herangetragen wird, nach besten Kräften möglichst gut zu erledigen.“

 

Als gebürtige Chinesin mit deutschem Pass hat Meng in Köln das Beratungsunternehmen Joint Universe gegründet. Als China-Beraterin der Rheinmetropole und ihrer amtierenden Oberbürgermeisterin Henriette Reker widmet sich die Wahl-Rheinländerin seit vielen Jahren der Intensivierung des deutsch-chinesischen Austausches und der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern in verschiedensten Bereichen. Dabei hat Meng in den vergangenen Jahren einen bedeutenden Beitrag nicht nur für die Förderung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen der Stadt Köln und ihrer chinesischen Partnerstadt Beijing geleistet, sondern auch den Kulturaustausch merklich vorangetrieben.

 

Meng fungiert mittlerweile auch als Beraterin der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes (PKKCV) der Stadt Beijing in Fragen, die Hongkong und Macao, Taiwan sowie die Auslandschinesen betreffen. 2008 berief der damalige Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma Meng zur Wirtschaftsbotschafterin der Stadt, nachdem er sie im Januar 2007 mit einem Ehrenpreis für ihre Leistungen für den Handels- und Wirtschaftsaustausch zwischen Köln und China geehrt hatte.

 

Freunde tauften Meng Zhou „deutsch-chinesische Botschafterin“ 

 

Bereits viermal in Folge organisierte und koordinierte Meng seither die Teilnahme des Kölner Stadtoberhaupts sowie führender Wirtschaftsvertreter der Region an der China Beijing International Fair for Trade in Services (CIFTIS) in Chinas Hauptstadt, jedes Mal mit fruchtbaren Ergebnissen für die deutsche Großstadt. Als Herzstück des China-Festivals, das mit ihrer Hilfe von beiden Partnerstädten ausgerichtet werden konnte, griff Meng vielen alteingesessenen Beijinger Traditionsbetrieben auf ihrem Weg nach Deutschland unter die Arme und trieb zudem die Verbreitung der Kultur der Traditionellen Chinesischen Medizin im Ausland entscheidend voran. Es war Meng, die das Kooperationsprojekt der Städte Beijing und Köln für saubere Stadtentwicklung einfädelte und damit einen positiven Beitrag zur Umsetzung des von Beijing ausgerufenen „Aktionsplans blauer Himmel“ leistete. Botschafter beider Länder lobten Meng für diese und andere Erfolge gleichermaßen als „deutsch-chinesische Botschafterin“.

 

Eindrucksvoll reckt sich in Köln die Hohenzollernbrücke über den Rhein. Oft kommt Meng Zhou hier ans Rheinufer und blickt in die Ferne auf den Kölner Dom. Ihr Traum ist es, durch ihre hingabevolle Arbeit zwischen ihrer Heimat China und ihrer Wahlheimat Deutschland eine ähnliche standhafte und eindrucksvolle Brücke zu errichten. Sie träumt davon, dass beide Länder in Zukunft noch mehr Freude aneinander haben, noch enger zusammenarbeiten und voneinander profitieren.

 

Eine Tür aufstoßen in Beijings Hauptstadt

 

„Ich habe 24 Jahre meines Lebens in Beijing verbracht und 28 Jahre in Deutschland. Man kann also getrost sagen, dass ich in Beijing und Köln gleichermaßen zu Hause bin. Ich kenne beide Städte wie meine eigene Westentasche“, sagt Meng. Kindheit und Erwachsenwerden in Beijing, Arbeit und Leben in Deutschland, und all das gepaart mit ihren sprachlichen Kenntnissen und ihrem profunden Wissen im Bereich des internationalen Wirtschaftsmanagements – das sind die Kernressourcen, aus denen Meng bei ihrer Arbeit als China-Consultant an der Schnittstelle beider Kulturkreise schöpft.

 

Nach ihrem Masterabschluss im Jahr 1988 führte Meng zunächst ihr Studium an der RWTH Aachen fort. Anschließend blieb sie in Deutschland. 2002 gründete sie in Köln, wo sie bis heute lebt, ihre Beraterfirma Joint Universe. Es war der Schritt in Selbstständigkeit im deutsch-chinesischen Wirtschafts- und Kulturaustausch. Meng ist eine Deutschlandkennerin mit chinesischem Kulturhintergrund, sie ist nicht nur gut darin, Pläne zu machen, sondern auch ein Kommunikationstalent, sie arbeitet verlässlich, ist genau, und machte sich so in Deutschlands politischen Kreisen sowie der lokalen Wirtschaftswelt schnell einen Namen.

 

Beraterin Meng Zhou mit der amtierenden Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker 

 

„Meng Zhou hat für unsere Stadt das Tor nach Beijing aufgestoßen und die Kontakte zwischen Köln und China maßgeblich vertieft“, sagt Karl-Heinz Merfeld, Leiter der Kölner Wirtschaftsförderung und langjähriger Kollege und Freund Mengs. „Sie ist unsere treue Stützte im Austausch mit dem Reich der Mitte“, fügt er mit einem Lächeln hinzu.

 

Im Jahr 2005 startete die Stadt ihr Programm „China-Offensive“. Meng Zhou wurde dafür als exklusive Beraterin des Oberbürgermeisters sowie der Stadtregierung engagiert. In den darauf folgenden elf Jahren wechselte der Oberbürgermeister der Stadt zweimal. Alle drei Amtsinhaber, die während Mengs Beratertätigkeit regierten, gehörten zudem unterschiedlichen Parteien an. Auch was die politische Ausrichtung betraf, gab es merkliche Unterschiede. Eine jedoch blieb unangetastet auf ihrem Posten: Meng Zhou. Sie stand allen Amtsinhabern in China-Fragen zur Seite. „China hat immer mehr an Stärke gewonnen und es bedurfte einer Person, die als Zugpferd einsprang, um den Austausch zwischen Deutschland und China zu intensivieren“, erinnert sich die Wahl-Kölnerin.

 

Und wie könnte eine solche Annäherung besser gelingen, als über die Brücke der Kultur? Im gemeinsam ausgerufenen „China-Jahr“ traten im September 2012 das Beijing Symphony-Orchestra und der Deutz-Chor Köln in der Kölner Philharmonie beim Event „PEKING – KÖLN. Der Klang zweier Städte“ gemeinsam auf die Bühne. Im Mai 2016 stattete die amtierende Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker der Partnerstadt Beijing einen persönlichen Besuch ab. Veranstaltungen und Aktivitäten wie diese haben die Deutschen, insbesondere die Kölner der scheinbar so weit entfernten Volksrepublik ein gutes Stück nähergebracht. Und bei der Planung, Organisation und Koordination all dieser Aktionen war stets eine Person unverzichtbar – Meng Zhou.

 

Mengs Engagement ist es auch zu verdanken, dass die Zahl chinesischer Unternehmen in der Rheinmetropole in den vergangenen Jahren von anfangs gerade einmal 50 auf heute über 200 Betriebe geklettert ist.

 

Nachstunden in Sachen Kulturunterschiede

 

Doch auf dem Weg zu gegenseitigem Verständnis lauern viele Stolpersteine. Bei deutsch-chinesischen Business-Veranstaltungen kam es nicht selten vor, dass Vertreter der chinesischen Seite ihren deutschen Branchenkollegen einige kleine Geschenke mitbrachten, erzählt Meng. Viele Deutsche allerdings hätten diese Aufmerksamkeiten einfach abgelehnt, da ihnen solche Geschenke als „nicht ganz umweltfreundlich“ erschienen. Solche Episoden sorgten nicht selten für peinliche Momente im Umgang miteinander.

 

In Deutschland und China herrschen eben unterschiedliche Gepflogenheiten. Jede Kultur besitzt dabei ihre Eigenheiten. Ohne Hindernisse mit einander zu kommunizieren, ist vor diesem Hintergrund alles andere als einfach. Diese kulturellen Unterschiede stellten, ganz offen gesprochen, die eigentliche Schwierigkeit bei der gemeinsamen Bewältigung von Aufgaben im deutsch-chinesischen Kontext dar, sagt die Kulturvermittlerin.

 

„Dabei gibt es eigentlich viele Punkte, in denen Chinesen und Deutsche sich sehr ähneln“, sagt Meng. Beiden Seiten seien zum Beispiel kulturelle Werte wichtig, beide arbeiteten hart, seien intelligent und pragmatisch. All diese Eigenschaften könnten als Katalysator dienen, um den psychologischen Abstand zwischen den Völkern zu verringern, sagt sie.

 

„Wenn allerdings deutsche Konservativität auf chinesische Flexibilität trifft, muss ich schon mal als Feuerwehrfrau einspringen“, sagt Meng und lacht. „Und wenn deutsche Ernsthaftigkeit und Vorsicht auf chinesische Überschwänglichkeit und Gastfreundlichkeit trifft, muss ich für beide Seiten als Nachhilfelehrer parat stehen. Dann muss ich den Deutschen geduldig erklären, dass dies einfach die Art der Chinesen ist, ihre Freundschaftlichkeit und Aufrichtigkeit zum Ausdruck zu bringen. Mein Job ist es, eine Brücke zu schlagen und eine reibungslose Zusammenarbeit zu ermöglichen.“

 

Shi Mingde, der Botschafter der Volksrepublik China in Deutschland, sagte einmal bei einer der jährlichen China-Veranstaltungen der Stadt Köln, zu Meng Zhou, die das Event moderierte: „Ich bin der Botschafter Chinas in Deutschland, Sie, Frau Meng, sind die Wirtschaftsbotschafterin der Stadt Köln. Die Worte Wirtschaft sollten Sie meines Erachtens allerdings streichen und durch den Titel ,deutsch-chinesische Botschafterin‘ ersetzen.“ Und der ehemalige deutsche Botschafter in China Michael Schäfer sagte einmal in einem Interview: „Meng Zhou kennt nicht nur ihr Heimatland sehr gut, sondern ist auch mit Deutschland bestens vertraut. Das ist eine ideale Mischung. Natürlich können wir eine Frau wie sie sehr gut gebrauchen, um eine Brücke zu bauen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Frau Meng ist eine der besten Gesandten, die wir haben. Anders als ich, erledigt sie keine Arbeit, die nur in eine Richtung verläuft, sondern arbeitet in beide Richtungen. Sie ist eine Botschafterin beider Seiten, Chinas wie Deutschlands.“

 

Menschen beider Nationalitäten, die mit Meng in Kontakt treten, betrachten sie gleichermaßen als „eine der ihren“. Vor allem im Falle von Deutschland, das für Ausländer als nur schwer zugänglich gilt, ist dies wirklich kein Leichtes.

 

Die Fähigkeit zur sprachlichen Verständigung stellt dabei gewiss einen zentralen Aspekt für Mengs Arbeit dar. Für sie allerdings ist es noch wichtiger, den aufrichtigen Wünschen und dem Enthusiasmus beider Seiten Rechnung zu tragen und die Fähigkeit mitzubringen, sich in die Denkweise der jeweils anderen Seite hineinzuversetzen. Um in der Mitte der deutschen Gesellschaft anzukommen, dürfe man weder hochmütig noch unterwürfig sein, sagt sie. Man müsse auch die nötige Lockerheit an den Tag legen. Zudem sei es wichtig, profunde Kenntnisse über die kulturellen Traditionen sowie die aktuellen Entwicklungen beider Seiten als Grundlage mitzubringen und eine offene Geisteshaltung für die Aufnahme der kulturellen Nährstoffe des jeweils anderen Landes einzunehmen. Und zu guter Letzt gelte es auch, den unbändigen Willen an den Tag zu legen, eigene Schwächen mit den Stärken des Gegenübers wettzumachen. Um dies zu erreichen, müsse man viel Energie aufwenden, sich stetig neues Wissen aneignen und seine Selbstbeherrschung erhöhen.

 

Man sagt: „Mein Leitgedanke ist: Egal wie anstrengend oder auslaugend es auch sein mag, solange ich für unsere beiden Länder, unsere beiden Städte etwas auf die Beine stellen und einen kleinen Beitrag zum gegenseitigen Austausch leisten kann, ist es die Anstrengung wert.“

 

Mit drei Kölner Bürgermeistern unterwegs in China

 

Der beste Weg, da ist Meng sich sicher, um den Dialog zwischen Chinesen und Deutschen zu stärken, sind persönliche Erlebnisse. Um den Stadtoberhäuptern der Rheinmetropole diese zu verschaffen und ihnen einen Einblick in das „echte“ China zu ermöglichen, schwor die Wahlkölnerin stets darauf, ihre Gäste bei Reisen ins Reich der Mitte „inkognito“ und ohne viel Aufhebens durch ihr Heimatland zu führen. Den ehemaligen Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma nahm sie mit auf einen Rundgang durch die Beijinger Hutongs und erklärte ihm die Gründe für das Abreißen vieler alter Gebäude. Mit Amtsnachfolger Jürgen Roters war sie in Shanghai per U-Bahn unterwegs und nahm ihn mit in ein Wohnviertel, um ihm einen Eindruck vom realen Glücksindex der einfachen Bevölkerung zu geben. Mit der amtierenden Oberbürgermeisterin Henriette Reker absolvierte sie eine traditionelle Schröpfbehandlung und erprobte Akkupunktur und Moxibustion, machte mit ihr in einen Abstecher in eine örtlichen Wellnesspalast, um ihr die Faszination der Traditionellen Chinesischen Medizin näher zu bringen.

 

Seit Meng ihren Posten als China-Beraterin der Stadt innehat, hat sie Oberbürgermeister und Wirtschaftsdelegationen bereits mehr als zwanzig Mal nach China begleitet. Die Kölner Stadtoberhäupter wurden in ihren Händen eines nach dem anderen zu wahren „China-Fans“, sie begannen chinesische Romane zu lesen, hängten sich ein Tang-Gewand in den Kleiderschrank und begannen, sich in der traditionellen Bewegungskunst Taichi zu üben. Darauf angesprochen lacht Meng nur und erklärt: „Ihre chinesischen Namen habe ausnahmslos ich für sie ausgewählt. Ich habe sogar für jeden von ihnen einen eigenen traditionellen Namensstempel anfertigen lassen.“

 

Auch die Bürger der Stadt Köln zehren von den Früchten des kulturellen chinesischen Banketts, das durch Mengs Engagement auf die Beine gestellt werden konnte. Beim „Kölner Drachentanz“, dem „ersten China-Fest des Bundeslandes Nordrhein-Westfalens“  sowie auch während des „China-Jahres“ der Stadt Köln gab es hunderte von Veranstaltungen mit Chinabezug, bei denen die Einheimischen unter anderem in Kontakt mit dem traditionellen chinesischen Drachentanz, dem Mah-Jongg-Spiel sowie kulinarischen Genüssen aus dem Reich der Mitte kamen. Mittlerweile ist das Kölner „China-Fest“ zu einer festen Instanz in der Region geworden. Es wird alle zwei Jahre veranstaltet und ist zu einer wichtigen Austauschplattform avanciert, in deren Rahmen Köln und China einander begegnen.

 

„Um die deutsch-chinesischen Beziehungen und die Partnerschaft zwischen Köln und China sowie Unternehmen beider Länder auf die Überholspur zu führen, arbeitet Meng Zhou manchmal Tag und Nacht. Ich wüsste nicht, wer außer ihr sonst so große Anstrengungen auf sich nehmen würde, um dieses Ziel zu verwirklichen“, sagt der Leiter des Amtes für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln, Gregor Timmer.

 

„Liebe zum Vaterland sollte sich nicht einfach bloß in großen Worten spiegeln, sondern in den Dingen, die man eines nach dem anderen vollbringt.“ Mengs großer Arbeitseifer belegt die Gültigkeit dieser Weisheit nur allzu eindrucksvoll.

 

Und Meng Zhou hat ein Händchen dafür, große Dinge auf die Beine zu stellen und die finanziellen Mittel dafür zu sammeln. Ob bei der Schaffung einer chinesischsprachigen Touristenbroschüre der Stadt oder der Einrichtung einer chinesischsprachigen Version des Internetauftritts des Kölner Tourismusamtes; beim Einfädeln der im chinesischen TV ausgestrahlten Reihe „Auf nach Köln“ oder der Veranstaltung des „Köln-Tages“ in Beijing, und nicht zuletzt bei der Etablierung des „Deutsch-chinesischen Forums für Unternehmensinvestitionen“ – überall trifft man auf die Silhouette der rührigen Kulturbotschafterin Meng.

 

Auch wenn es Veranstaltungen kleineren Kaliebers geht, scheut Meng keine Mühen. „Bildung ist meines Erachtens die größte Investition in die Zukunft“, sagt sie. Wenn Meng die Zeit findet, lehrt sie Deutsche Chinesisch, bringt ihnen bei, Essstäbchen zu benutzten, und hat sogar einen Kochkurs für chinesische Küche ins Leben gerufen. „Die deutschen Teilnehmer haben jeder eine chinesische Wokpfanne zu Hause“, sagt sie und lächelt.

 

Wenn Heimat ins Bewusstsein rückt

 

„Bevor ich ins Ausland ging, war der Begriff Heimat für mich nur eine leere Worthülse, ein Konzept, das ich allenfalls aus Büchern kannte. In meinem täglichen Leben verband ich nichts damit“, erinnert sich Meng. „Erst wenn man seine Heimat einmal verlässt, wird einem bewusst, welch große Bedeutung dieser Begriff eigentlich trägt“, sagt sie. Im Ausland treffe man auf Menschen aus aller Welt. „Anfangs können sich die Leute nicht merken, wie du heißt und wer du eigentlich bist. Sie wissen nur, dass du aus China kommst. Jede deiner Handlungen steht damit plötzlich für dein Heimatland. Umgekehrt beeinflussen auch alle Höhen und Tiefen, alle Erfolge deines Vaterlandes plötzlich in jedem Moment deinen Alltag im Ausland“, sagt sie.

 

Dass der damalige Kölner Oberbürgermeister Schramma Meng Zhou im Jahr 2008 zur Wirtschaftsbotschafterin der Stadt ernannte, wirkt für sie noch immer wie ein Traum. „Als ich gerade frisch nach Deutschland gekommen bin, hätte ich mir das nie träumen lassen. Die großen Stücke, die die Kölner Stadtregierung auf mich hält, zeigen letztlich vor allem auch die große Wichtigkeit, die der chinesische Markt heute besitzt, sowie auch der gewachsene internationale Einfluss Chinas.“

 

Meng legt auch besonderen Wert auf die chinesische Sprachausbildung ihrer beiden Söhne. Sie hofft, dass diese ihre chinesischen Wurzeln nicht vergessen. Auch in Deutschland spricht Meng mit ihnen zu Hause seit Kindesbeinen an Chinesisch. Heute bewegen sich beide Jungen sowohl im Deutschen als auch im Chinesischen auf muttersprachlichem Niveau. Unter dem Einfluss ihrer engagierten Mutter sind auch die beiden Sprösslinge bereits zu treibenden Kräften im deutsch-chinesischen Kulturaustausch geworden. Oft nehmen sie in den Sommerferien deutsche Klassenkameraden mit nach China und erkunden mit ihnen die Hauptstadt Beijing oder andere Landesteile. „Die Deutschen, mit denen ich oder meine beiden Söhne Kontakt haben, sind mittlerweile allesamt vom Chinafieber ergriffen“, sagt Meng nicht ohne Stolz.

 

„Meng Zhou verbindet in ihrem Charakter die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Chinesen mit der Gewissenhaftigkeit und Verlässlichkeit der Deutschen. Sie ist völlig mit der deutschen Gesellschaft verschmolzen. Aber in den Tiefen ihrer Seele hat sie sich ein chinesisches Herz bewahrt“, sagt Mengs enger Freund und langjähriger Kollege Karl-Heinz Merfeld über sie, der bereits seit 15 Jahren mit ihr zusammenarbeitet.

 

Weiter lernen, weitere Brücken schlagen

 

Liu Chunfeng, Direktor des Büros für Angelegenheiten der Überseechinesen der Beijinger Stadtverwaltung, verleiht Meng Zhou eine Ehrenurkunde. 

 

Auch in diesem Jahr hat die PKKCV der Stadt Beijing Meng als eine ihrer Beraterinnen für Angelegenheit Hongkongs, Macaos, Taiwans und der Auslandschinesen erkoren. Am Vorabend des chinesischen Nationalfeiertags am 1. Oktober 2016 verlieh ihr die Stadtregierung die Ehrenmedaille der Stadt Beijing und würdigte so die Beiträge, die sie für den Austausch der Städte Köln und Beijing in den vergangenen Jahren geleistet hat. Es ist die höchste Ehrung, die Auslandschinesen in Beijing zuteilwerden kann.   

 

„Es war die erste Auszeichnung, die mir in China verliehen wurde und sie trägt für mich von daher ganz besondere Bedeutung“, sagt Meng. Angesichts dieser großen Anerkennung für ihre Leistungen durch ihre Geburtsstadt, kann sie Freude und Stolz nur schwerlich verbergen. Im Rückblick auf ihre Erinnerungen und Erlebnisse aus ihrer Zeit in Deutschland sagt sie sichtlich gerührt: „Mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben und ganz selbstverständlich seine Aufgaben zu erledigen, das ist es, was mir meine Erziehung in China für das Leben mit auf den Weg gegeben hat.“

 

Zwar hat Meng Zhou über die Jahre hinweg bereits zahlreiche Auszeichnungen gesammelt und trägt zahlreiche Bezeichnungen und Titel, am liebsten aber wird sie einfach die „China-Lady“ genannt. „Ich bin eine ganz gewöhnliche Frau und was ich getan habe, sind ganz gewöhnliche Dinge. Mich macht es schon glücklich, wenn die Deutschen in meinem Umfeld über mich ihre Passion für China entdecken, das reicht mir schon“, sagt sie.

 

Die engagiert arbeitende Wahl-Kölnerin hat über die Jahre nie aufgehört, sich selbst weiterzubilden. Sie beschäftigte sich fortwährend mit der rasanten Weiterentwicklung ihrer Heimat und den Auswirkungen, die diese auf die Verhältnisse in China und die internationale Stärke des Landes hat. Gleichzeitig ergründete sie auch das politische Umfeld ihrer neuen Wahlheimat Deutschland. „Nur wer beide Seiten kennt, ist auch fähig, Brücken zu schlagen, kann bei der Verständigung helfen und erntet Vertrauen aller Seiten“, sagt die Kulturbotschafterin.

 

Im kommenden Jahr, 2017, feiern die Köln und Beijing das 30-jährige Jubiläum ihrer Städtepartnerschaft. Auch die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und China jährt sich dann zum 45. Mal. Meng Zhou ist schon in die Vorbereitungen entsprechender Veranstaltungen und Feierlichkeiten involviert und strotzt wie gewöhnlich vor Tatendrang und Selbstbewusstsein. „Lasst euch einfach überraschen“, gibt sie uns zum Abschied noch mit auf den Weg. Man darf also gespannt sein.

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