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Internationale Akzeptanz des RMB steigt

28-11-2016

 

Von Chai Yifei*

Eines Nachmittags Mitte September dieses Jahres am Frankfurter Flughafen. Der chinesische Tourist Chen Shi hatte gerade seine Europa-Rundreise beendet und dabei kräftig eingekauft. Als er jedoch die lange Schlange vor dem Schalter für Steuerrückerstattungen sah, blickte er nervös auf die Uhr. Ob die Zeit noch reichen würde, ohne dass er seinen Flug verpasste? Zu seiner Überraschung kam allerdings genau in diesem Moment ein Flughafenmitarbeiter auf ihn zu und erklärte, dass die Steuern für Einkäufe chinesischer Touristen in Europa auch über den chinesischen Onlinebezahldienst AliPay zurückerstattet werden könnten.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich AliPay auch im Ausland nutzen kann“, sagt Chen im Interview. „Es war wirklich kinderleicht. Als Tourist muss man am Flughafen heute nur noch seinen vollen Namen, die Passnummer, die AliPay-Kontonummer und die Heimatadresse angeben“, erklärt er. Außerdem entfalle bei der Abwicklung über AliPay auch die sonst eigentlich obligatorische Service-Gebühr.

Chen füllte einfach am Schalter das notwendige Formular aus, reichte es ein und machte sich dann auf zu seinem Flugzeug. Zehn Arbeitstage später wurde ihm der Steuererlass in Renminbi (RMB) elektronisch auf sein AliPay-Konto gutgeschrieben.

Chens verblüffendes Erlebnis ist nur ein anschauliches Beispiel für die schnelle Internationalisierung, die der Renminbi in den letzten Jahren vollzogen hat. Erst am 1. Oktober dieses Jahres hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) den RMB in seinen neuen Sonderziehungsrechtekorb (SZR) aufgenommen. Seither gilt der chinesische Yuan neben dem US-Dollar, dem Euro, dem britischen Pfund und dem japanischen Yen offiziell als eine der zentralen globalen Währungen. Er dient mittlerweile auch als wichtige Reservewährung vieler Länder, internationaler Organisationen und multinationaler Konzerne. Dieser neue Status des RMB wurde jedoch nicht über Nacht erreicht. Der Weg zur internationalen Währung war steinig.

 

„Papiergold“: Am 1. Oktober 2016 hat der Internationale Währungsfonds den RMB in seinen neuen Sonderziehungsrechtekorb aufgenommen.

 

Auslandseinkäufe und Trinkgelder in RMB

Chen Shi konnte sich nicht über die bequeme Art der Steuerrückerstattung in RMB freuen, sondern auch darüber, dass der RMB während seiner Reise in Europa weitläufig akzeptiert wurde, wie er berichtet: „Ich habe bei meiner Einreise nur 200 Euro am Flughafen getauscht. Zug- und Flugtickets sowie meine Unterkünfte hatte ich bereits im Voraus online bezahlt. Viele Kaufhäuser in Europa akzeptieren mittlerweile Union Pay und manche räumen Kunden mit chinesischen Bankkarten sogar Rabatte ein.“

Fu Hou ist eine vietnamesische Studentin in China. Bevor sie nach China kam, hat sie lange als Reiseführerin in ihrem Heimatland gearbeitet. Während ihrer Arbeit bemerkte sie, dass Zahlungsmöglichkeiten in RMB bei den Einheimischen sehr beliebt sind. Am Meeresstrand verkauften die vietnamesischen Fischer Garnelen, Krabben, Fische und Schalentiere, an deren Eimern oft Preise in RMB standen. Einige bestanden sogar darauf, dass die Touristen in RMB bezahlen sollten anstatt in der Landeswährung, dem Vietnamesischen Dong.

In Thailand ist es üblich, dem Servicepersonal Trinkgeld zu geben. Einige chinesische Touristen hinterlassen Thai Baht, andere zahlen das Trinkgeld in RMB. Das Dienstpersonal akzeptiert mittlerweile beide Währungen. Ein Kellner vor Ort erklärt auf Nachfrage: „China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die Chinesen haben eine starke Kauf- und Konsumkraft rund um den Globus, so dass es viele Möglichkeiten für mich gibt, den RMB zu nutzen. Ich mache mir also keine Sorgen, dass ich die chinesische Währung nicht ausgeben werden kann.“

Aufnahme des RMB in den SZR-Korb

Das Sonderziehungsrecht (SZR) ist ein internationales Kunstgeld, das 1969 vom IWF eingeführt wurde. Seine Werteinheit war ursprünglich in Gold festgesetzt. Sie entsprach 0,88671 Gramm Feingold und damit dem Wert des US-Dollars.

1976 begannen viele Länder, einen floatenden Wechselkurs einzuführen. Seither wird das SZR nicht mehr in Gold definiert und hat sich zu einer Recheneinheit und Währungsreserve des IWF entwickelt. Alle Währungen, die im SZR-Korb enthalten sind, gelten als von der internationalen Gemeinschaft akzeptiert und werden gerne verwendet, weshalb man sie auch „Papiergold“ nennt.

Am 30. November 2015 beschloss der IWF, den Renminbi in seinen SZR-Korb aufzunehmen. Der RMB erhält eine Gewichtung von 10,92 Prozent. Daher ist die chinesische Währung zusammen mit dem US-Dollar, dem Euro, dem japanischen Yen und dem britischen Pfund im SZR-Korb eine der von der internationalen Gemeinschaft frei verwendbaren Währungen geworden.

„Die Aufnahme des RMB in den SZR-Korb kennzeichnet die gestiegene internationale Akzeptanz des RMB“, sagt Wen Bin, Chefforscher der China Minsheng Banking Corporation. „Darüber hinaus zeigt der Schritt letztlich auch die internationale Anerkennung für die Errungenschaften der wirtschaftlichen Reformen in China.“

Die Zeichen stehen gut

Die Aufnahme in den SZR-Korb ist nur ein Zeichen für die Internationalisierung des RMB. Tatsächlich hat der Renminbi in diesem Prozess einen langen Weg zurückgelegt. Über einen langen Zeitraum, auch in den ersten Jahren nach der Einführung der Reform- und Öffnungspolitik, war der RMB keine umlaufende Währung im Ausland. Für chinesische Staatsangehörige gab es zudem Beschränkungen beim Tausch ausländischer Währungen. „Um RMB in Devisen zu tauschen, musste man bei der Devisenverwaltung Anträge einreichen, manchmal dauerte der Genehmigungsprozess mehrere Monate“, erinnert sich Mei Xinyu, Wissenschaftler des Forschungsinstituts für internationalen Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit des chinesischen Handelsministeriums.

Laut Angaben der UNO lagen Chinas Devisenreserven im Jahr 1978 bei gerade einmal 1,6 Milliarden US-Dollar. Bis 1990 war diese Zahl allerdings schon auf knapp 28,6 Milliarden US-Dollar geklettert.

Auch Ausländer hatten damals mäßiges Vertrauen in die chinesische Währung. Es sei hier über die Erfahrung eines amerikanischen Gelehrten, dessen Vorname Mark lautet, berichtet. Mark kommt regelmäßig nach China, um dort an Seminaren teilzunehmen bzw. als Gastprofessor an chinesischen Universitäten zu lehren. Als er vor mehr als 20 Jahren erstmals nach China kam, nahm er US-Dollar mit, um sie bei der Bank of China in RMB zu tauschen. Bevor er China wieder verließ, tauschte er seine restlichen RMB wieder zurück in US-Dollar, da der RMB damals in den USA nicht akzeptiert wurde und auch nur sehr schwer zu wechseln war. Darüber hinaus dachte er auch, dass es riskant sei, RMB zu deponieren.

„Heute bereitet mir das alles keine Sorgen mehr“, sagt der Amerikaner und zeigt unserem Journalisten seine Union-Pay-Karte. Seit den letzten Jahren arbeitet er immer enger mit den chinesischen Universitäten zusammen. Er hat mittlerweile sogar ein eigenes Konto bei der Bank of China. Sein Gehalt wird diesem Konto in chinesischen Yuan gutgeschrieben. Auch Stundenhonorare in RMB sind bei ihm beliebt. „Selbst wenn ich chinesische Währung in die USA mitbringe, ist es dort heute ein Kinderspiel, diese bei der Bank wieder in Dollar zu wechseln“, sagt er. „Darüber hinaus wird Union Pay mittlerweile auch von vielen Geschäften in den USA akzeptiert.“

 

Am 3. Dezember 2014 feierte die Bank of China in Paris den Startschuss als Clearing-Bank für RMB-Geschäfte.

 

Auch im internationalen Handelsverkehr wird die Abrechnung in chinesischer Währung immer beliebter. Auf dem Großhandelsmarkt Yiwu in der Provinz Zhejiang verwendet eine wachsende Zahl chinesischer Unternehmen den RMB, um ihre Geschäfte mit ausländischen Kooperationspartnern abzurechnen. Darüber hinaus tauschen einige Firmen RMB heute direkt in andere Fremdwährungen um wie etwa in russische Rubel, ohne dabei den Zwischenschritt über den US-Dollar zu gehen. Auf diese Weise werden nicht nur Wechselkursverluste vermieden, sondern auch die Unsicherheiten, die durch Wechselkursschwankungen entstehen können.

Nehmen wir außerdem den deutschen Autobauer Volkswagen als Beispiel: Der größte Teil der Transaktionen des Unternehmens erfolgt in Euro. Zweitwichtigste Währung ist für VW allerdings längst nicht mehr der US-Dollar, sondern stattdessen der chinesische Renminbi, was die große Bedeutung des chinesischen Marktes und des bilateralen Handels zwischen Deutschland und China unterstreicht. Nach Angaben der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit von Volkswagen (China) ist die Volksrepublik der bedeutendste Markt für VW. 2014 verkaufte der Weltkonzern rund 3,7 Millionen Fahrzeuge in China. Alle Geschäfte in der Volksrepublik wurden dabei in der Landeswährung abgerechnet.

Ein weiteres Beispiel bildet der britische Automobilhersteller Jaguar. In den letzten Jahren ist das Absatzvolumen des Konzerns in China kontinuierlich gestiegen. Darüber hinaus startete Jaguar auch ein Joint-Venture-Projekt mit dem chinesischen Hersteller Chery Automobile. Längst sind Transaktionen in RMB zu einem wichtigen Bestandteil der Unternehmensfinanzierung der britischen Traditionsfirma geworden. Laut Ben Burger Pauer, Finanz-Supervisor bei Jaguar, ist der Renminbi für das Unternehmen genauso wichtig wie die anderen Hauptwährungen. „Wir nutzen die chinesische Währung für die Verkaufsabrechnung, Eigenkapitalbeiträge bei Joint-Venture-Projekten, Gewinnbeteiligungen, Absicherungen und die Cash-Anlage. Tatsächlich können wir den RMB in London bereits nutzen, um fast alles zu handeln und zu verwalten, was wir wollen“, sagt er.

Weitere Internationalisierung geplant

Die gewachsene Internationalisierung des RMB bringt den Chinesen schon heute viele Bequemlichkeiten und Vorteile, etwa wenn sie im Ausland einkaufen oder investieren. Doch trotz dieser bemerkenswerten Fortschritte steckt die Internationalisierung noch immer in den Kinderschuhen. Die meisten Institutionen, die den RMB nutzen, haben enge Beziehungen zu China, nur wenige haben keinerlei bilaterale Verbindung zur Volksrepublik.

Auch die Aufnahme des RMB in den SZR-Korb bedeutet für China sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Die Erhöhung des Mitspracherechts in internationalen Finanzorganisationen und die Förderung der Internationalisierung des RMB stützen sich nämlich allesamt auf eine stabile und gesunde Entwicklung der chinesischen Wirtschaft in den kommenden Jahren.

Guo Tianyong, Direktor des Forschungsinstituts für das chinesische Bankwesen an der Central University of Finance and Economics, sagt: „China hat noch einige Unzulänglichkeiten in Bezug auf Zinssatz und die Kontrolle des Wechselkursrisikos des RMB. Die flaue globale Wirtschaft, vor allem der Abwertungsdruck auf den RMB, macht eine weitere Internationalisierung für die Zukunft schwieriger. Von daher ist es notwendig, die inländische Finanzreform weiter energisch zu vertiefen und das Niveau der Marktorientierung von Finanzfaktoren zu erhöhen.“

Das Fazit also: Zwar ist der RMB nach seiner Einbeziehung in den SZR-Korb mittlerweile zu einer der internationalen Reservewährungen aufgestiegen, doch ungeachtet dessen hat China noch immer einen langen Weg vor sich, bis der RMB allgemein akzeptiert wird und weltweit genutzt werden kann.

*Chai Yifei ist Journalist der Auslandsausgabe der People's Daily.

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