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Wie eine kleine katholische Kirche in ein tibetisches Dorf kam

25-01-2017

 

Von Lu Rucai

Das kleine Dorf Cizhong liegt im Autonomen Tibetischen Bezirk Diqing der Provinz Yunnan. Wäre da nicht ein ganz besonderes Bauwerk, wäre der Ort mit seinen etwa 200 Haushalten und rund 1000 Einwohnern wohl ein Dorf wie jedes andere im örtlichen Kreis Deqen. Doch jedes Jahr pilgern etliche Touristen in den abgelegenen Ort am Fuße des Meili-Schneegebirges. Der Grund: Vor knapp 100 Jahren errichteten französische Missionare hier eine kleine katholische Kirche, weshalb Cizhong heute nicht nur zu einer Pilgerstätte für Katholiken, sondern auch zu einem beliebten Reiseziel in- und ausländischer Touristen geworden ist. Eine katholische Kirche in einem tibetischen Dorf? Was für viele erst einmal unvorstellbar klingen mag, ist für die Einheimischen so natürlich wie ihr tägliches Brot.

 

Kulturelles Bindeglied: Zwar wurde die Cizhong-Kirche im westlichen Stil errichtet, die Innendekorationen allerdings weisen zahlreiche lokale Elemente auf.

 

Eine kleine Kirche und ihre Geschichte

Das Meili-Schneegebirge im Kreis Deqen ist eines der acht heiligen Gebirge des tibetischen Buddhismus. Das Gebirge, an dessen Fuß sich der berühmte Lancan seinen Flusslauf gegraben hat, ist ein wichtiges Tor, von dem aus man von Yunnan her nach Tibet gelangt. Am Lancan-Fluss, der von hoch aufragenden, imposanten Bergen umgeben ist, liegen Dutzende malerische Dörfer und Cizhong ist eines davon.

Die kleine historische Kirche im gotischen Baustil französischer Art, die den Ort über die Grenzen der Region hinaus bekannt gemacht hat, liegt im Zentrum des Dorfes. Gebaut im Jahr 1921, war sie damals eine der katholischen Hauptkirchen der christlichen Gemeinde der Provinz.

Ethnisch setzt sich die Einwohnerschaft Cizhongs neben Tibetern auch aus Han-Chinesen und einigen Angehörigen der nationalen Minderheiten der Lisu und Naxi zusammen. 60 Prozent der Bewohner sind heute Katholiken.

Wir wollen mehr über die Geschichte dieser katholischen Gemeinde erfahren und machen uns auf den Weg, einen der Dorfältesten zu treffen. Xiao Jieyi ist 88 Jahre und mit der Verbreitungsgeschichte des katholischen Glaubens in Cizhong sowie der Geschichte der kleinen Kirche bestens vertraut. Xiao wurde im Jahr 1929 geboren und erhielt damals den christlichen Taufnamen „François“. Er sagt: „Auf europäische Katholiken übte Tibet als heiliges Gebiet seit jeher große Anziehungskraft aus. Sie hofften stets, ihre Religion dort einführen zu können. Doch leider wollten ihre Bemühungen zur Verbreitung der christlichen Lehre in Tibet nicht fruchten. Stattdessen hat der Glaube schließlich hier in der Nachbarprovinz Yunnan Wurzeln geschlagen.“

 

Xiao Jieyi, Taufname François, ist mit der Verbreitungsgeschichte des katholischen Glaubens in Cizhong bestens vertraut.

 

Xiao Jieyis Vater kam einst im Alter von 18 Jahren mit dem französischen Missionar Jean-Baptiste-Pierre-Victor Ouvrard (1880–1930, chinesischer Name: Wu Xuzhong) aus Dajianlu (das heute Kangding) in der Provinz Sichuan nach Diqing. Er heiratete eine junge Tibeterin aus einem örtlichen tibetischen Nonnenkloster. In den darauf folgenden Jahren brachte das Ehepaar insgesamt fünf Kinder zur Welt, Xiao Jieyi war das zweitjüngste darunter.

„Mein Vater sprach sehr gut Latein und war die rechte Hand mehrerer Missionare“, erzählt Xiao. Allerdings habe sich die Verbreitung des Katholizismus in Cizhong anfangs als keineswegs einfach erwiesen. Vor der Ankunft Ouvrards hatten sich die ersten bahnbrechenden Missionare in Yunnan noch als Kaufleute ausgegeben, um in den tibetischen buddhistischen Klöstern zunächst die tibetische Sprache zu studieren. Erst später führten sie dann die Lehren der westlichen Medizin und über die Gründung von Schulen auch westliche Bildungsideen ein. Nachdem sie so das Vertrauen der Einheimischen gewonnen hatten, stellten sie Grammophone außerhalb der Kirche auf, um so die katholischen Lehren, die zuvor von tibetischen Lamas ins Tibetische übersetzt worden waren, zu verbreiten. Auf diese Weise fand die Stimme Gottes erstmals ihren Weg zu den Menschen Cizhongs. Und allmählich fand die Religion einige erste Anhänger.

Tsering Quzong, die heute neben der geschichtsträchtigen Dorfkirche wohnt, ist eine Nachkomme des sogenannten Tusi (Stammeshäuptling) der ethnischen Gruppe der Naxi. Ihr Wohnhaus im traditionellen tibetischen Baustil blickt auf eine Geschichte von mehr als 100 Jahren zurück und kann sich daher altersmäßig durchaus mit dem historischen Kirchengebäude messen. „Das Landstück, auf dem die Kirche heute steht, zählte ursprünglich zum Besitz unserer Familie, da alle Ländereien in der Feudalgesellschaft Eigentum des Tusi waren“, erzählt Tsering Quzong uns.

Doch es war nicht nur neues Gedankengut, das die Missionare mit in das Dorf brachten. Bis heute verbindet ein kleiner Pfad Tsering Quzongs Wohnhaus mit einem Weinberg südlich der Kirche. Er wurde 1930 vom französischen Missionar Francis Gore und dem schweizerischen Missionar Angelin Lovey angelegt. Nach der Gründung der Volksrepublik im Jahr 1949 wurden alle ausländischen Missionare von der chinesischen Regierung angewiesen, in ihre Heimat zurückzukehren. So verließen 1951 auch diese beiden letzten Missionare Cizhong.

Laut Tsering Quzong untersteht der Weinberg heute zwar der örtlichen Forstbehörde, doch diese hat die Frau mit seiner Verwaltung betraut. Die Trauben haben letztlich auch wieder Franzosen in die Region gelockt. „Es heißt, dass die Rosenhonig-Traube, die hier wächst, in Frankreich längst verschwunden ist. Vor einigen Jahren kamen deshalb französische Winzer eigens hierher, um einige Samen dieser Sorte zu finden“, sagt Tsering Quzong. Heute baut fast jede Familie in Cizhong Trauben an und auch viele Menschen in den benachbarten Dörfern haben sich dem Traubenanbau verschrieben. Die Einheimischen genießen den Wein nicht nur selbst, sondern verkaufen ihn auch an Touristen.

Der 88-jährige Xiao Jieyi erlernte die tibetische Sprache schon von Kindesbeinen an in der örtlichen Kirche. Als er 13 Jahre alt war, wurde er in eine andere Kirche außerhalb seines Heimatdorfs entsandt, um Latein, Chinesisch und die Bibel zu studieren und so den Grundstein für eine Priesterausbildung zu legen. 1945 entsandte man ihn schließlich zur Ausbildung in die Katholische Akademie in Kunming, wo er Französisch und Latein studierte. Xiao blieb drei Jahre dort in der Provinzhauptstadt. Dann kehrte er in sein Heimatdorf Cizhong zurück.

Bis heute erinnert sich Xiao gut an viele der ehemaligen Priester der Kirche, mit denen er eng vertraut war, und hat viel über sie und ihre Arbeit zu berichten. Einer von ihnen war der Franzose François Gore. „Er hatte einen Doktortitel und war ein Gelehrter von großer Belesenheit“, beschreibt ihn Xiao. „Er sprach außerdem sehr gut Tibetisch und hat mehrere Wörterbücher und heilige Schriften zusammengestellt. Darüber hinaus veröffentlichte er ein Buch auf Französisch über seine 30 Jahre hier in Cizhong.“ Ein andere Priester, Angelin Lovey, habe sich viele Kenntnisse in der Sprache der Lisu-Nationalität angeeignet und einige Schriften und Kirchenlieder in dieser Minderheitensprache verfasst, die sich bis heute bei den Lisu großer Beliebtheit erfreuten. „Ein weiterer ausländischer Priester namens Andrew war ein richtiger Hitzkopf“, erzählt der 88-Jährige und lacht. „Aber unter seiner Leitung wurde eine wichtige Straße gebaut, die das Dorf Cizhong mit der Baihanluo-Kirche am Fluss Nu verband. Bis heute dient sie den Bewohnern beider Orte als wichtige Straßenverbindung.“

Christliche Taufnamen

Nachdem die letzten zwei ausländischen Priester 1951 Cizhong verlassen hatten, gab es in der kleinen Dorfkirche keine Gottesdienste oder andere religiösen Aktivitäten mehr. Im Dorf wurde zu dieser Zeit eine Grundschule auf Provinzebene gegründet. Auch Xiao Jieyi wurde aufgrund seiner engen Beziehungen zu den ausländischen Priestern in ein Arbeitslager im Autonomen Gebiet Xinjiang der Uiguren geschickt, um dort durch körperliche Arbeit umerzogen zu werden. Als er 30 Jahre später aus Xinjiang nach Cizhong zurückkehrte, war die alte Kirche gänzlich verfallen. Nur wenige Katholiken waren noch verblieben.

Als 1980 die Religionsfreiheit in China wieder hergestellt wurde, habe zunächst niemand gewagt, die alte Kirche zu betreten, erzählt Xiao. Er war damals der erste, der die Tür des alten Gemäuers öffnete und wieder eintrat. In den Jahren danach machte sich Xiao daran, einige katholische Texte zusammenzustellen und sie ins Tibetische zu übersetzen. Durch seine Anstrengungen blühte das christliche Leben in seinem Heimatdorf langsam wieder auf und religiöse Bräuche wurden wieder Teil des Alltags.

Der alte Xiao zeigt uns einige seiner handschriftlich notierten Anekdoten, die sich um das Dorf Cizhong, seine Menschen und die lokale Kirche drehen. Auch erzählt er uns weitere Geschichten über die Verbreitung der Religion und das Leben seiner Landsleute in Cizhong. Seine Augen und seine Stimme verraten dabei die tiefe Verbundenheit zu Religion und Heimat, beides scheint in seinem Herzen untrennbar miteinander verwoben.

 

Festlicher Anlass: Der örtliche Priester bei der Taufe eines Neugeborenen

 

Wu Gongdi, der auf den Namen Augustine getauft wurde, kam 1949 zur Welt. Heute hat er das Amt des Präsidenten der katholischen Vereinigung Cizhongs inne. Acht Tage nach seiner Geburt wurde er vom schweizerischen Priester Angelin Lovey getauft. „Mein Urgroßvater stammt aus Tibet und war eigentlich Anhänger des tibetischen Buddhismus“, erzählt er uns. Später sei er jedoch nach Yunnan gekommen und habe sich hier angesiedelt. Nachdem er eine Einheimische namens Maria geheiratet hatte, begann sein Urgroßvater, sich zum Christentum zu bekennen. „Seither ist unsere gesamte Familie katholisch“, sagt er.

In den ersten rund 20 Jahren nach der Wiederaufnahme der religiösen Aktivitäten hatte die kleine Kirche Cizhongs lange keinen Vollzeit-Priester. Bei großen Anlässen wie dem Weihnachtsgottesdienst kam stets ein Priester aus der Kirchengemeinde Dali nach Cizhong. Wu Gongdi und einige seiner Kollegen waren mit der täglichen Verwaltung der kleinen Gemeinde betraut. Und wenn es Xiao Jieyis Gesundheit zuließ, leitete er jeden Sonntag den Kirchenchor.

Wu Gongdis Enkelin heißt Maria und besucht die vierte Grundschulklasse. Ihr offizieller chinesischer Name lautet eigentlich Zhang Ruiying. In der Vergangenheit hatten die Einheimischen Cizhongs nur christliche Taufnamen wie David, Teresa oder Angela. Heute müssen sie zusätzlich noch einen offiziellen chinesischen Namen tragen, damit sie einen regulären Personalausweis beantragen können.

In Cizhong ist es zudem üblich, dass Großvater und Enkel nicht den gleichen Familiennamen tragen, was eigentlich ungewöhnlich für China ist, wo stets der Nachname des Mannes an die eigenen Nachfahren weitergegeben wird. „Manchmal gehe ich mit meinem Opa in die Kirche“, erzählt uns Maria. Ihre Eltern hätten ihr gesagt, dass nach dem gegenwärtigen Gesetz alle Chinesen die Freiheit hätten, ihre Religion selbst zu wählen. Gleichzeitig aber dürften Eltern ihre Kinder aber keinesfalls zwingen, sich zu einer bestimmten Religion zu bekennen. „Meiner Ansicht nach haben letztlich alle Religionen, egal ob der tibetische Buddhismus, der Katholizismus oder die unter den Naxi weitverbreitete Dongba-Religion, die gemeinsame Mission, die Menschen zu ermutigen, sich dem Guten zuzuwenden und das verbindet sie miteinander“, sagt Wu Gongdi.

Ein neuer Dorfpriester

Seit 2008 hat Cizhongs Kirche wieder einen Vollzeit-Pfarrer, den Chinesen Yao Fei, der aus der Inneren Mongolei nach Cizhong entsandt wurde. Zuvor war Yao lange Jahre als Priester in den Provinzen Hubei und Fujian tätig. „Für mich stellt das Sprechen der tibetischen Sprache bisher die größte Schwierigkeit hier dar“, sagt Yao und lacht. „Die französischen und schweizerischen Priester in Cizhong hielten ihre Predigten in der Regel in Tibetisch, was ihnen half, das Vertrauen der Gläubigen zu gewinnen. Ich predige dagegen in der Regel auf Hochchinesisch. Zwar können die Menschen alles verstehen, was ich sage, doch ich merke, dass sie das Tibetische eigentlich bevorzugen“, sagt Yao. In seiner Freizeit lerne er deshalb die tibetische Sprache und studiere zudem intensiv die tibetischen Sitten und Gebräuche. Häufig werde er zu Hochzeits- und Beerdigungszeremonien sowie zu Geburtstagsfeiern eingeladen. „Was hier besonders ins Auge sticht, ist, dass in Cizhong Menschen unterschiedlicher religiöser Überzeugungen so harmonisch zusammenleben und gemeinsam ihren Alltag bestreiten“, sagt Yao.

Es ist Sonntag und wie jede Woche steht die 9.00-Uhr-Messe an. Viele der Einheimischen pilgern hierzu in das kleine Gotteshaus. Ältere Frauen, mit ihren Enkelkindern im Schlepptau, tragen traditionelle tibetische Tracht. Wie in vielen anderen Dörfern Chinas sind die meisten jüngeren Dorfbewohner im arbeitsfähigen Alter in die Städte abgewandert, um sich dort als Wanderarbeiter zu verdingen. Zurückgeblieben sind vor allem Kinder und ältere Menschen.

In der Kirche versammeln sich immer mehr Gläubige und vor dem Beichtstuhl wächst die Menschenschlange. Die durch das Bogenfenster schimmernde Morgensonne lässt die fast einhundert Jahre alten Wandmalereien in frischem Glanz erstrahlen. Zwar wurde die Kirche im westlichen Baustil errichtet, die Innendekorationen allerdings haben zahlreiche Elemente der chinesischen Kultur in sich aufgenommen. Viele der Wandmalereien spiegeln beispielsweise tibetische Einflüsse und weisen auch stilistische Elemente der Bai-Nationaliät auf. „Anfangs habe ich den Dorfbewohnern nur Grundlagen der christlichen Lehre vermittelt“, erzählt Yao. „Aber im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass sie mich auch in Bezug auf andere Probleme um Rat fragen, etwa was ihre Ehe betrifft oder die Beziehung zu ihren Nachbarn. Heute stehe ich ihnen quasi als Ratgeber in allen Lebenslagen zur Seite. Auf Grundlage der katholischen Lehren versuche ich, ihnen Toleranz zu vermitteln.“ An diesem Sonntag steht neben der normalen Messe auch noch die Taufe eines Neugeborenen an.

Wu Gongdi ist heute etwas länger geblieben als gewöhnlich. Nach der Messe wartet er auf den Priester, da er ihn bitten will, eine Familienmesse in seinem neu renovierten Haus zu halten. „Es ist schon lange her, dass ich eine Familienmesse gehalten habe“, sagt Wu. Als seine zwei älteren Söhne zur Welt kamen, waren religiöse Aktivitäten in China noch streng verboten, so dass er heimlich eine katholische Nonne aus dem benachbarten Dorf einlud, um seine zwei Söhne zu taufen. „Heute ist die Religion glücklicherweise wieder ein normaler Bestandteil unseres Alltagslebens“, sagt er.

Im Unterschied zu anderen katholischen Kirchen in China finden die Messen in Cizhong nur montags und mittwochs, sowie freitagabends und sonntagmorgens statt. Die Tore des Gotteshauses stehen den Dorfbewohnern und allen anderen Besuchern dennoch täglich offen. 2006 wurde die Kirche in die Liste bedeutender historisch-kultureller Stätten auf nationaler Ebene aufgenommen, die unter besonderem Schutz stehen. Seither lockt sie noch mehr in- und ausländische Besucher an.

 

Christliches Erbe im Herzen der Stadt: Für den Gottesdienst haben sich die Frauen des Ortes in ihre traditionelle tibetische Tracht gehüllt. Viele junge Menschen leben und arbeiten mittlerweile in den Städten. Zurückgeblieben sind vor allem Ältere und Kinder.

 

Der Zustrom der Touristen aus aller Welt kommt auch der von Tsering Quzong betriebenen Familiengaststätte zugute. Nach dem Besuch des historischen Gotteshauses besichtigen viele Gäste zudem Tsering Quzongs Wohnhaus, um sich ihre Familiensammlung traditioneller tibetischer Kunsthandwerkstücke, Jagdwerkzeuge und Möbel anzusehen. Tsering Quzong zeigt uns einen im Jahr 1913 geprägten Franken, der in zwei Hälften zerbrochen ist. Er dient als Erinnerung an den Kontakt des Urgroßvaters mit den französischen Missionaren. Sie habe noch einen anderen, intakten historischen Franken aus jener Zeit, der von ihrem jüngeren Bruder zur Begutachtung nach Shanghai gebracht worden sei, erzählt sie. „Wir haben nicht vor, auch nur eines dieser Stücke zu verkaufen, sondern wollen nur die Geschichte dahinter besser verstehen lernen“, sagt sie.

Das Leben in Cizhong ist gemächlich und folgt einer festen täglichen Routine. Die Marnyi-Steine am Dorfrand und die alte katholische Kirche im Dorfzentrum setzen täglich ihren stillen Dialog fort. Auf dem Friedhof hinter der Kirche haben der französische Missionar Jean-Baptiste-Pierre-Victor Ouvrard und ein anderer Missionar aus der Schweiz im Schatten großer Bäume ihre letzte Ruhe gefunden.

Bald soll ein neuer Pfarrer, der gerade die Missionarsschule abgeschlossen hat und zudem Tibetisch spricht, seinen Dienst in Cizhong antretet, erzählt uns Wu Gongdi. „Er wird den lokalen Katholiken dabei helfen, sich ihren Glauben zu erhalten und an die nächste Generation weiterzugeben“, gibt er uns zum Abschied mit auf den Weg.

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