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Äpfel als Freundschaftsboten – Landwirtschaftskooperation zwischen China und Kasachstan

27-02-2017

 

Von Zhou Lin

Obst ist bekanntlich vitaminreich und gesund. Doch kann es auch die Freundschaft zwischen zwei Ländern bereichern? Ja! Zumindest im Falle Chinas und Kasachstans.

Wir befinden uns in der zentralchinesischen Provinz Shaanxi in einem von zehn „China-Kasachstan-Freundschaftsparks für Apfelanbau“. Hier ist der 27-jährige Hu Lingyun gerade damit beschäftigt, biologische Schutzmittel zur Schädlingsbekämpfung auf der Plantage zu versprühen. Er ist nur einer von insgesamt elf Mitarbeitern, die mit der Bewirtschaftung der gesamten Plantage betraut sind. Und diese misst immerhin rund 67 Hektar. Wie das geht? „Ein äußerst hoher Grad an Modernisierung ermöglicht es uns, mit vergleichsweise wenig Manpower eine so große Fläche zu bewirtschaften“, sagt Hu.

Hu Lingyun arbeitet für die Firma Shaanxi Haisheng Fresh Fruit Juice Co., Ltd, ein High-Tech-Unternehmen, das sich auf den Obstanbau mithilfe modernster Anbautechniken spezialisiert hat. Nach dem Abschluss seines Postgraduierten-Studiums im Fach Gartenbau hat der 27-Jährige hier angeheuert. Gemeinsam mit insgesamt 31 weiteren Hochschulabsolventen, darunter 17 Postgraduierte, ist Hu nicht nur zuständig für die Verwaltung von rund 430 Hektar Apfelgärten, sondern auch einer rund 130 Hektar großen Baumschule sowie Sortieranlagen und großangelegten Obstkühllagern im Demonstrationspark Qianyang, der ebenfalls dem Unternehmen Haisheng untersteht.

Doch was haben Äpfel mit Kultur- und Wirtschaftsaustausch zu tun? Landwirtschaftlicher Austausch und Handel waren seit jeher wichtige Merkmale des Wirtschaftshandels zwischen den Ländern und Regionen entlang der alten Seidenstraße. Heute hauchen landwirtschaftliche Kooperationsprogramme wie der China-Kasachstan-Freundschaftspark für Apfelanbau dieser Tradition neues Leben ein und verbinden erneut die traditionelle Landwirtschaft der Länder entlang der alten und neuen Seidenstraße.

 

Einer von zehn „China-Kasachstan-Freundschaftsparks für Apfelanbau“ in der zentralchinesischen Provinz Shaanxi, die dank der Investitionen der Firma Shaanxi Haisheng Fresh Fruit Juice aufgebaut werden konnten.

 

Äpfel fördern die Freundschaft

Als Chinas Staatspräsident Xi Jinping im September 2013 nach Kasachstan reiste, kamen er und sein kasachischer Amtskollege Nursultan Nazarbayev auch darauf zu sprechen, dass es in ihren Heimatregionen einen Überfluss an Äpfeln gäbe. Noch im September desselben Jahres schlug Sergjew Terechshenko, ehemaliger kasachischer Ministerpräsident und Vorsitzender der Internationalen Integrationsstiftung Kasachstans, dem ehemaligen Gouverneur der Provinz Shaanxi Lou Qinjian daraufhin kurzerhand vor, Freundschaftsparks für den Apfelanbau jeweils in der Provinz Shaanxi und der kasachischen Hauptstadt Almaty, den Heimatgegenden der beiden Staatspräsidenten, zu errichten.

Im Oktober 2016 folgte die Ausrichtung des ersten internationalen Apfelanbau-Symposiums in Shaanxi. Dabei wurde ein Memorandum zur Kooperation und Verständigung zwischen der Haisheng Fresh Fruit Juice Co., Ltd, der chinesischen CITIC-Gruppe und der Internationalen Integrationsstiftung Kasachstans unterzeichnet. Demnach sollte bis 2017 eine rund 67 Hektar große Plantage für den Anbau von Zwerg-Apfelbäumen in Kasachstan fertiggestellt.

Diese Apfelplantage, die die Freundschaft zwischen China und Kasachstan fördern soll, liegt im Bezirk Kaskelen der kasachischen Hauptstadt. Sie umfasst eine moderne Industriekette, von einer Baumschule über die fertigen Pflanzen bis hin zu modernen Kühllagern und Anlagen zur Obstsortierung.

Auch die Provinz Shaanxi, insbesondere das Gebiet nördlich des Weishui-Flusses, bietet ideale natürliche Voraussetzungen für den Apfelanbau. Und die Menschen hier haben aus diesem Standortvorteil ein lukratives Geschäft gemacht und zudem über die Jahre moderne Anbautechniken entwickelt. Heute erreicht die Gesamtanbaufläche für Äpfel der Provinz rund 670.000 Hektar. Jeder siebte Apfel weltweit wird heute in Shaanxi geerntet.

Seit dem Start der Initiative zum Aufbau des Wirtschaftsgürtels Seidenstraße und der maritimen Seidenstraße des 21. Jahrhunderts bemüht sich die Provinzregierung Shaanxis nun verstärkt, den Austausch und die Zusammenarbeit in der modernen Landwirtschaft mit den Ländern entlang der neuen Seidenstraße zu fördern. Laut offiziellen Statistiken der Behörden Shaanxis wurden allein zwischen Januar und November 2016 287.200 Tonnen Früchte im Gesamtwert von 283 Millionen US-Dollar aus der Provinz in 64 Länder und Regionen weltweit exportiert.

Auch die Weizenernte verdoppelt sich

Shaanxi ist Chinas größter Obstproduzent. In großem Umfang werden hier nicht nur Äpfel, sondern auch ein Drittel aller weltweit angebauten Kiwis geerntet. Darüber hinaus ist Shaanxi zudem eines der vier wichtigsten chinesischen Anbaugebiete für Teufelszunge (Amorphophallus konjac), eine Pflanzenart aus der Familie der Aronstabgewächse. Und bei der Produktionsmenge von gedörrten chinesischen Datteln belegt Shaanxi weltweit den vierten Platz. Zu den traditionellen Exportprodukten der Provinz zählen darüber hinaus noch Mungobohnen und Buchweizen. Ihr reicher Erfahrungsschatz und ihre fortgeschrittenen landwirtschaftlichen Techniken machen Shaanxi zu einem attraktiven Kooperationspartner für das In- und Ausland.

Seit 2015 fördert die Provinzregierung intensiv die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit mit den Ländern entlang der neuen Seidenstraße. So wurde etwa eine Partnerschaft mit dem Bezirk Chuy in Kirgisistan aufgenommen und die erste Demonstrationsbasis für die Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Ländern in der modernen Landwirtschaft errichtet. Darüber hinaus wurde eine Vereinbarung mit der Internationalen Integrationsstiftung Kasachstans unterzeichnet, um gemeinsam einen Demonstrationspark für moderne Landwirtschaft zu gründen.

„Kasachstan hat großen Bedarf an ertragreichen und dürrebeständigen Kulturpflanzen sowie wasser- und energiesparenden landwirtschaftlichen Techniken“, sagt Akhylbek Kurishbayev, Präsident der S. Seifullin Kazakh Agro Technical University. „Die Zusammenarbeit mit chinesischen Forschungszentren und Universitäten wird unserer heimischen Landwirtschaft neue Triebkraft geben“, so seine Hoffnung.

„Der 2015 in Almaty eröffnete chinesisch-kasachische Demonstrationspark für moderne Landwirtschaft hat bereits beachtliche Erfolge erzielt“, resümiert unterdessen He Cheng, Direktor der Xi’aner Repräsentanz der Internationalen Integrationsstiftung Kasachstans. Der Ertrag von Winterweizen, der im Park probeweise angebaut wird, erreiche pro chinesischem Mu (15 Mu = 1 Hektar) 319 Kilogramm und liege damit um mehr als 80 Prozent über dem Ertrag lokaler Sorten. „Diese Weizensorte hat also ein riesiges Potenzial auf dem kasachischen Markt“, sagt er.

Der 200 Hektar große Demonstrationspark umfasst verschiedene Produktionsbasen, die die Einführung, Erforschung und Verbreitung neuer landwirtschaftlicher Produkte fördern sollen. Dabei geht es nicht nur um neue Premiumsorten, sondern auch wassersparende Bewässerungsanlagen und wirtschaftlich nutzbare Obstanbauflächen, Blumensorten und Sämlinge von Nutzpflanzen sowie andere landwirtschaftliche Materialien und Agrarmaschinen, die hier erprobt und erforscht werden.

 

Tipps vom Fachmann: Professor Terence Robinson der Cornell University vermittelt lokalen Landwirten in der Provinz Shaanxi fortschrittliche Techniken zum Apfelanbau.

 

Einfuhr chinesischer Samen und Anbautechniken

Der Kirgise Sardarbek Mairykov ist für die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) tätig. 2015 reiste er nach China, um an einem vom chinesischen Handelsministerium organisierten Ausbildungskurs teilzunehmen. Während dieser Zeit fuhr er auch ins chinesische Binnenland, um örtliche Landwirtschaftsbetriebe persönlich in Augenschein zu nehmen. Vor allem Chinas Gewächshäuser für den Gemüseanbau beeindruckten ihn dabei tief. „Das trockene Klima in Kirgisien macht es für die Landwirte dort schwierig, Gemüse anzubauen. Ich plane deshalb, chinesische Gemüsesamen und fortschrittliche Anbautechniken in mein Heimatland einzuführen und es den Menschen bei uns so zu ermöglichen, jeden Tag frisches Gemüse zu genießen“, sagt er.

Die meisten Länder entlang der neuen Seidenstraße sind wie China Entwicklungsländer, die großen Bedarf zur Verbesserung ihrer Bewässerungsanlagen haben sowie großes Interesse daran, fortschrittliche landwirtschaftliche Techniken einzuführen, um so ihre umfassende landwirtschaftliche Produktionskapazität zu steigern. China bietet sich hier für sie als guter Kooperationspartner an, da das Land im Zuge seiner langen landwirtschaftlichen Tradition über die Jahrhunderte verschiedenste, auf die jeweiligen lokalen Klimaverhältnisse zugeschnittene Anpflanzungs- und Anbautechniken entwickelt hat, insbesondere in den trockenen und halbtrockenen Gebieten des chinesischen Binnenlandes. Darüber hinaus gibt es in diesen Ländern auch eine riesige Nachfrage nach Chinas landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten, Gewächshäusern sowie Methoden für epidemiologische Kontrolle und Prüfung, was einen großen Spielraum für den landwirtschaftlichen Austausch zwischen China und den übrigen Ländern entlang des Wirtschaftsgürtels Seidenstraße und der maritimen Seidenstraße des 21. Jahrhunderts bietet.

Allein der landwirtschaftliche Demonstrationspark Yangling in Shaanxi organisierte in den vergangenen drei Jahren mehr als 130 Veranstaltungen zum Thema internationaler Austausch und internationale Zusammenarbeit. Mehr als 150 ausländische Delegationen mit über 1500 Mitgliedern reisten in diesem Rahmen in den Demonstrationspark, um das chinesische Investitionsumfeld genauer unter die Lupe zu nehmen. Darunter gab es mehr als 40 Delegationen über Ministerebene. So reisten etwa auch Myanmars Präsident Thein Sein und der erste Vize-Ministerpräsident Kasachstans Bakitzhan Sagintaev persönlich nach Shaanxi. Zudem empfing die Provinz mehr als 50 Delegationen weltbekannter Landwirtschaftsunternehmen und mehr als 60 Studiengruppen für internationale wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit.

Der Demonstrationspark Yangling ist auch eine wichtige Basis für die Ausbildung von Technikern aus anderen Entwicklungsländern. In den letzten Jahren wurden hier mehr als 45 Ausbildungskurse zu Themen wie Regulierung der landwirtschaftlichen Produktionsumwelt, Trockenlandwirtschaft und wassersparende Bewässerungstechniken, agrarwirtschaftliches Management und Aufbau umweltfreundlicher Städte organisiert, an denen mehr als 890 Techniker aus 88 Ländern teilnahmen. Auch in der Zusammenarbeit mit anderen Ländern gibt es ähnliche Projekte, so etwa Demonstrationsparks für landwirtschaftliche Technologien in Kooperation zwischen China und Ägypten sowie China und den Fidschi-Inseln sowie einen Demonstrationspark für Trockenlandwirtschaft, der in Zusammenarbeit mit dem westafrikanischen Benin errichtet wurde.

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