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Norbert Görres: Rheinlandpfälzer Winzer bringt deutschen Wein nach Shandong

17-10-2014

 

Von Zhou Lin

 

Als Chinas Staatspräsident Xi Jinping am 28. März dieses Jahres bei seinem Deutschlandbesuch eine Rede bei der Körber-Stiftung hielt, erzählte er die Geschichte von Norbert Görres. „Ein deutscher Freund, der Weinexperte Norbert Görres, kam zwischen 2000 und 2009 mit seinem Assistenten Hans-Werner Beu insgesamt 17 Mal in die Stadt Zaozhuang. Dort hat er den lokalen Landwirten den Anbau- und die Veredlungstechniken von Weintrauben vermittelt und einer lokalen Weinkellerei seine jahrhundertealte Familienmarke unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Zudem griffen Herr Görres und Herr Beu acht Schülerinnen und Schülern aus armen Familien finanziell unter die Arme“, sagte Xi. Im Jahr 2007 erkrankte Hans Beu plötzlich an Krebs.  „Doch auch den Tod vor Augen vergaß der Deutsche seine beiden chinesischen Schützlinge nicht,  die ihre Hochschulreife noch nicht erworben hatten. Er bat seinen Freund Norbert, ihnen in seinem Namen 2000 Yuan Schulgeld zukommen zu lassen. Als Görres den Kindern das Geld am 1. August 2008 überreichte, zeigten sich alle Anwesenden zutiefst gerührt.“

 

 
Winzer mit Herzblut: Norbert Görres weiht Landwirte aus der südostchinesischen Provinz Shandong in die Geheimnisse der Weinanbautechnik ein. 

 

Die beiden Deutschen Norbert Görres und Hans-Werner Beu haben ihre Spuren in der Stadt Zaozhuang in der südostchinesischen Küstenprovinz Shandong hinterlassen. Durch die tatkräftige Unterstützung der beiden Pensionäre ist im dortigen Bezirk Shanting ein gut 660 Hektar umfassendes Weingut mit abertausenden von süßen Früchten erwachsen. Das satte Grün der Reben, durch das sich das Sonnenlicht sacht tastet, versprüht den Charme europäischer Weindörfer. Am Eingang empfängt die Besucher aus aller Welt eine zwei Meter hohe Bronzestatue von Görres, die sie mit mildem Blick und einem Weinglas in der Hand begrüßt.

 

Von der Kohle- zur Traubenstadt

 

Früher war Zaozhuang eine Stadt der Kohle. Die Kohleindustrie war lange der wichtigste Wirtschaftssektor der Region. Doch dann neigten sich die Vorkommen irgendwann dem Ende. Seither setzt die örtliche Regierung alles daran, eine Transformation der lokalen Wirtschaft anzustoßen. Eine Schlüsselrolle sollte dabei die grüne Landwirtschaft spielen. Sie, so die Hoffnung, würde der Stadt eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung ermöglichen.

 

Görres und Beu kamen erstmals im Jahr 2000 über die Vermittlung eines Programms der chinesischen Regierung und des Bonner Seniorexpertenservices (SES), der seit 1984 pensionierte Fachleute aus Deutschland zu Kurzzeiteinsätzen nach China entsendet, nach Shandong, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Dieser erste Besuch legte die Grundlage für die spätere Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung.  In den kommenden Jahren führten die beiden Pensionäre die örtlichen Bauern Schritt für Schritt in die Technik des Weinbaus und der Weinkelterei ein.

 

 
Kennerblick: Norbert Görres und Hans-Werner Beu bewerten bei einer Veranstaltung die Qualität von Weintrauben. 

 

„Im Jahr 2000 wurde ich benachrichtigt, dass ausländische Experten zu uns nach Shanting kommen würden, um hier Wein anzubauen. Wenig später traf ich dann erstmals persönlich mit Görres und Beu zusammen“, erinnert sich der Landwirt Yu Tingbai zurück. Der heute 70-Jährige trägt einen abgenutzten Arbeitsanzug und spricht in tiefstem Shandonger Dialekt.  Er ist einer der technischen Berater der Shandong Hannuo Group, eines lokalen Weinunternehmens, dessen Gründung die beiden Deutschen ermöglichten.

 

„Görres und Beu kamen erstmals am 13. März des Jahres 2000 nach Shanting. Ihre Besichtigung des Anwesens, das damals noch einfaches Ackerland war, sowie der Orte Xiji, Hongmen und Shuiquan nahm insgesamt vier Tage in Anspruch“, erzählt Yu. „Die beiden Deutschen hatten Weinsetzlinge im Gepäck und überließen sie uns Landwirten probeweise zum Anbau.“ Nachdem die ausländischen Weinexperten den Bauern gezeigt hatten, wie sie erste Stecklinge setzen und aufziehen konnten, legten sie gemeinsam eine rund 0,13 Hektar große Versuchsanbaufläche an, auf der das Anpflanzen verschiedener Sorten erprobt werden sollte.

 

Am 27. August 2000 kamen die beiden deutschen Experten noch einmal nach Shanting, um das Wachstum der Setzlinge zu begutachten. Und sie sollten nicht enttäuscht werden: Die Landwirte hatten all ihre Instruktionen genau umgesetzt und so erste Erfolge erzielt.

 

Auch bei Gao Zhenlou, einem erfahrenen Obstbauern aus dem Dorf Xilu des Bezirks Shanting, hinterließen die beiden Deutschen einen bleibenden Eindruck. Die ersten Anbauversuche führten Görres und Beu auf Gaos Farmland durch. Bis heute steht dort eine mehr als zehn Kilogramm schwere Sprenkelanlage, die die beiden Deutschen damals mitgebracht hatten. „Sie ist bis heute in Betrieb“, sagt der 63-Jährige.

 

Als Görres und Beu im März 2001 erneut nach Shanting reisten und auf dem Probeacker erschienen, schulterten beide jeweils einen fast einen Meter langen Sack auf dem Rücken. Darin befanden sich einige Bündel Traubensetzlinge. „Die beiden Herren waren damals bereits nahe der Siebzig, und doch kam ihnen auch nicht nur ein Wort des Wehklagens über die Lippen“, erinnert sich Gao an das zweite Zusammentreffen. Die deutschen Experten verrichteten all ihre Aufgaben äußerst gewissenhaft und nahmen alle Handgriffe höchst persönlich vor. „Zu Beginn des Pflanzens der Setzlinge maßen sie die Tiefe der Bodenlöcher und den Abstand zwischen ihnen für jedes einzelne Loch millimetergenau mit einem Zollstock aus“, erzählt Gao.

 

„Norbert Görres war über einen Meter achtzig groß und brachte mit seinem kugeligen Bauch gut 120 bis 130 Kilo auf die Waage.  Da er sich nicht bücken konnte, kniete er sich für die Arbeiten auf den Boden. Hans Beu war zwar gesundheitlich angeschlagen und musste stets einen Urinbeutel am Körper tragen, und doch packte er einmal den mehr als zwei Meter hohen und über 50 Kilogramm schweren Zementpfahl, der die Weingitter zur Abtrennung der Reben stützte, und trug ihn einfach davon“, erinnert sich Yu Tingbai. In seinen Worten schwingt eine fast herzliche Bewunderung mit.

 

„Projekt Hoffnung“: Im Rahmen des bekannten Hilfsprogramms unterstützte Görres begabte Kinder aus bedürftigen Familien und erfüllte ihnen so den Traum einer guten Schulbildung. 

 

Was Görres nach Shanting mitbrachte, waren längst nicht nur neue Rebsorten. Einmal soll er gesagt haben: „Den Rest meines Lebens werde ich unbedingt dazu nutzen,  meine Fertigkeiten an ärmere Menschen weiterzugeben.“ In Shanting konnte man den Pensionär nur allzu oft dabei beobachten, wie er mit beiden Beinen mitten auf dem Feld kniete und den Einheimischen geduldig Handgriff für Handgriff erklärte, ohne auch nur ein Geheimnis zurückzuhalten.

 

Görres und Beu zeigten den chinesischen Bauern neue Anbaumethoden. Sie erhöhten etwa den Abstand zwischen den einzelnen Weinstöcken von 40 auf 80 Zentimeter und reduzierten damit bewusst die Ertragsmenge pro Mu (ca. 0,0667 Hektar) von 1000 auf 750 Kilogramm. Da so die Durchlässigkeit der Anbaufläche und auch die Sonneneinstrahlung deutlich erhöht werden konnten, verbesserte sich die Qualität der Trauben merklich.

 

Während ihrer 17 Besuche in Shanting gaben die beiden Deutschen insgesamt 25 Fortbildungskurse und leiteten 37 praktische Einführungen, bei denen sie die Anbautechniken und Handgriffe vor Ort vorführten. Insgesamt bildeten sie so 3200 Landwirte aus. In vielen Fällen lösten sie auch knifflige Probleme und gaben zahlreiche Verbesserungsvorschläge. Durch all dies konnten die technischen Fertigkeiten der lokalen Landwirte deutlich erhöht werden.

 

Unter Anleitung von Görres und Beu ist Shanting von einem zuvor blinden Fleck auf der Weinbaulandkarte zu einem Herkunftsort von Spitzenprodukten im Bereich Obst- und Weinanbau geworden. Die Qualität der lokalen Erzeugnisse ist nicht mehr einfach nur „gut“, sondern wird als „exzellent“ eingestuft. Heute werden in Shanting großflächig hochklassige Weintrauben und Kirschen auf einer Fläche von mehr als 6700 Hektar angebaut . Jährlich ernten die Bauern im Schnitt 14.000 Tonnen Früchte und erwirtschaften so Einnahmen von insgesamt 300 Millionen Yuan (umgerechnet rund 36,4 Millionen Euro) pro Jahr. Auch Gao Zhenlou genießt mittlerweile die süßen Früchte des Traubenanbaus. „In guten Jahren habe ich ein Nettoeinkommen von mehr als 100.000 Yuan“, sagt er, umgerechnet sind das rund 12.700 Euro. Und Yu Tingbai ergänzt nicht ohne Stolz: „Es ist heute schwer, in China Trauben zu finden, die sich mit unseren messen können.“

 

Görres Einsatz trägt Früchte

 

 
Bronzedenkmal: Im August 2010 wurde in Zaozhuang eine Bronzestatue von Norbert Görres feierlich enthüllt. Enkel Marc Linden reiste mit seiner Frau eigens zur Zeremonie an. 

 

Durch Görres und Beu als Mittler konnte im Jahr 2006 schließlich die Kelterei Shandong Hannuo als deutsch-chinesisches Joint-Venture gegründet werden. Der Name „Hannuo“ setzt sich dabei aus den chinesischen Namen der beiden deutschen Winzer zusammen – Han aus „Hansi“ für Hans-Werner Beu und Nuo aus „Nuobo“ für Norbert Görres. Insgesamt flossen Bruttoinvestitionen von 220 Millionen Yuan (26,7 Millionen Euro) in das Unternehmen,  jährlich werden heute 600.000 Kubikliter Spitzenqualitätswein und 200.000 Kubikliter hochwertige Fruchtsaftgetränke produziert. „Die Investitionen stammen von chinesischer Seite, die Rebsorten aus deutscher Züchtung“, erklärt Wang Yunxiang, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens. „Auch das Kelterei-Equipment wurde eigens aus Deutschland importiert, und Görres und Beu haben die Keltereitechnik persönlich angeleitet.“

 

„Die Deutschen sind wirklich gut darin, Dinge anzupacken“, sagt Wang. „Als es darum ging, die Kelterei zu planen und zu designen, zeichneten Görres und Beu alle Bauentwürfe höchstpersönlich per Hand und übergaben sie dann unserem technischen Personal.  Die chinesischen Mitarbeiter fertigten schließlich anhand der Zeichnungen einen Computerentwurf an. Manchmal saßen die beiden alten Herren bis tief in die Nacht über ihren Zeichnungen und vergaßen darüber sogar das Essen.“

 

Wang Zhaoke, Absolvent der Nordwestuniversität für Land- und Forstwirtschaft, ist bei Hannuo heute zuständig für die Keltereitechnik. Er sagt: „Görres arbeitete immer sehr gewissenhaft und hielt stets an seinen strengen Standards und hohen Ansprüchen fest. Nur Wein, der seinen eigenen hohen Anforderungen entsprach, durfte seine Handelsmarke tragen.  Bei der Herstellung von chinesischem Wein werden die Trauben in der Regel mehr als zehn Tage eingefroren. Die Deutschen halten strikt daran fest, ohne dieses Einfrieren auszukommen, um das ursprünglichen Aroma des Traubensaftes nicht zu verderben und ein ökologisches und natürliches Produkt zu erzeugen.“

 

Die Spitzenweine des Unternehmens sind das Ergebnis eines langen Selektionsprozesses: Als Görres und Beu nach Shanting kamen, um probeweise einige Sorten anzubauen, brachten sie innerhalb von neun Jahren Setzlinge von insgesamt 91 Traubensorten mit, die sie jeweils im Frühjahr versuchsweise anpflanzten.  Nachdem sie die Ergebnisse der jeweiligen Herbsternten begutachtet hatten, wählten sie 16 Sorten aus, die sich für das lokale Klima als besonders geeignet erwiesen. Die Kelterei entschied sich schließlich, die sieben besten dieser Sorten großflächig anzubauen.

 

Aber es waren nicht nur die Weinbaukenntnisse und die Gründung eines Weinbetriebs, über die Hans-Werner Görres seine neue „zweite Heimat“, wie er zu sagen pflegte, prägte. Im Rahmen des bekannten Hilfsprogramms „Projekt Hoffnung“ unterstützte der deutsche Pensionär einige besonders befähigte Schulkinder aus armen Familien und erfüllte ihnen so den Traum einer guten Schulbildung.

 

Zweihundert Meter nördlich des Hannuo-Firmengeländes liegt die Zaozhuanger Mittelschule Nummer 18, an der die junge Ci Fuling heute als Chemielehrerin für die erste Klasse der Oberstufe tätig ist. „Als ich selbst noch hier zur Schule ging, steckte meine Familie in finanziellen Schwierigkeiten. Gerade als ich vorhatte, meine Schulbildung gezwungenermaßen abzubrechen, griffen mir Görres und Beu finanziell unter die Arme, sodass ich mein Abitur machen konnte und es an die Universität schaffte“, erzählt sie uns.  „Ich hatte mich damals eigentlich schon damit abgefunden, die Schule abzubrechen. Dann zahlten mir die beiden Deutschen 4000 Yuan als finanzielle Unterstützung. Das war für mich damals eine Riesenstange Geld.“ Innerhalb der neun Jahre, in denen Görres und Beu immer wieder nach China reisten, unterstützten sie insgesamt acht Schüler und spendeten dabei insgesamt 32.000 Yuan (rund 3900 Euro).

 

Jedes Mal, wenn die beiden Rentner nach Shanting kamen, kehrten sie bei Gao Zhenlou ein. Dort erwiesen sie sich beim Trinken genauso  bodenständig wie in ihrem Charakter. Das zuprostende „Ganbei“, was auf Chinesisch wörtlich „Trockne das Glas“ bedeutet, kam ihnen wie die eigene Muttersprache über die Lippen. Jedes Mal, wenn Gao seine ausländischen Gäste fragte, was sie gerne essen wollten, antworteten diese auf Chinesisch mit starkem deutschen Einschlag „Miantiao, miantiao!“ - „Nudeln, Nudeln!“.  Yu Tingbai erklärt: „Nudeln symbolisieren hier in Shanting, dass Freunde einander häufig sehen.“ Nachdem Görres und Beu davon gehört hatten, verlangten sie jedes Mal nur noch nach Nudeln.

 

Im Mai 2009 erkrankte Norbert Görres und verstarb in Rumänien. Es war das Ende einer lebenslangen Reise, die der Deutsche der Mission gewidmet hatte, die Technik des Weinanbaus und der Kelterei in die Welt zu tragen. Gesandte der Regierung Shantings reisten eigens nach Deutschland, um Görres Familie ihre Kondolenz zu erweisen und die Anteilnahme der Menschen aus Görres „zweiter Heimat“ zu überbringen . Der chinesische Staatsrat verlieh Görres nachträglich den chinesischen Freundschaftspreis.

 

Enkel führt das Erbe des Großvaters fort

 

 
In den Fußstapfen des Großvaters: Görres Enkel Marc Linden zeigt chinesischen Winzern, wie die Reben mithilfe einer speziellen Maschine veredelt werden. 

 

Der Tod der beiden Deutschen bedeutete allerdings nicht das Ende des Programms zum Erfahrungsaustausch. Ihre Liebe zum Wein sollte Deutsche wie Chinesen weiterhin eng miteinander verbinden.

 

Am 18. August 2010 wurde in Zaozhuang eine Bronzestatue von Norbert Görres feierlich enthüllt. Auch Görres Enkel Marc Linden reiste mit seiner Frau zu der Zeremonie. Um dem letzten Willen seines Großvaters nachzukommen, übernahm Linden die Rolle eines technischen Beraters für die Hannuo-Gruppe. Zudem berechtigte er das Unternehmen, die Familienmarke „Sonnenbergwein“ weiter unentgeltlich zu nutzen.

 

In Deutschland nannten Freunde und Bekannte Görres liebevoll den „Weinprofessor“. In seiner Heimat, dem Kreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz, ist Wein ein lokales Traditionsprodukt und Görres genoss einen ausgezeichneten Ruf als Winzer. 1990 wurde ihm gar vom ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder der Bundesehrenpreis in Gold, die höchste Auszeichnung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, verliehen.

 

Als Chinas Staatspräsident Xi Jinping den Deutschen dann im März dieses Jahres in seiner Rede als einen Mann lobte, der einen großen Beitrag für die deutsch-chinesische Freundschaft geleistet hatte, zeigte sich sein Enkel zutiefst gerührt: „Es ist eine unglaubliche Ehre, dass mein Großvater auch fünf Jahre nach seinem Tod in China eine solch hohe Reputation genießt. Wenn er wüsste, wie viele Menschen ihm für seinen Beitrag, den er in China geleistet hat, dankbar sind, wäre er unendlich glücklich.“

 

„Mein Großvater hat China als zweite Heimat betrachtet. Und auch ich habe mich in dieses wunderschöne Fleckchen Erde und seine aufrichtigen und gastfreundlichen Menschen verliebt“, sagt der junge Rheinland-Pfälzer.

 

Linden wurde schon von Kindesbeinen an von seinem Großvater in die Geheimnisse des Weinbaus und der Weinkelterei eingeweiht. Schließlich schloss er selbst erfolgreich die Winzerausbildung ab. 2006 übernahm er die Leitung des Weinguts der Familie. Nun hat der junge Mann ein weiteres Mal das Staffelholz von seinem Großvater übernommen und führt damit einen Herzenswunsch seines Opas aus.

 

Der Anbau eines guten Weines beginne mit der Kultivierung eines guten Bodens, erklärt Linden. In seiner Heimat Ahrweiler sei es dem Großvater nach mehr als zehn Jahren harter Pionierarbeit gelungen, die Qualität des Bodens deutlich zu verbessern und so das Weingewerbe der Region maßgeblich umzukrempeln.

 

„Dieser Weitblick meines Großvaters zeigt sich auch im Keltereiunternehmen, das er in Shanting aufgebaut hat. Genauso wie einen guten Wein, wollte er die Freundschaft zwischen China und  Deutschland von der Wurzel an fördern“, sagt Linden. Das sei die wichtigste Lektion, die er von seinem Großvater gelernt habe. „Ich möchte die geistigen und weltlichen Güter, die er mir hinterlassen hat, nun an die Nachwelt weitervererben.“

 

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