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Kleines Dorf, großes Unternehmen – Wie das Dorf Yonglian zu Wohlstand kam

22-01-2015

 

 

Von Zhou Lin

 

Das Dorf Yonglian liegt am Yangtse und untersteht der Stadt Suzhou in der ostchinesischen Provinz Jiangsu. Nach mehr als 40-jähriger Entwicklung hat es der kleine Ort zu einem beträchtlichen Wohlstand gebracht. 2013 standen der Dorfverwaltung 110 Millionen Yuan (rund 15 Millionen Euro) zur Verfügung, das durchschnittliche jährliche Nettoeinkommen pro Kopf erreichte 33.000 Yuan (4500 Euro).

 

Eines der neuen Wohnviertel im Dorf: Hier stehen den Einwohnern komplett ausgestattete Freizeiteinrichtungen zur Verfügung.

 

Weg aus der Armut

 

Die 67-jährige Zhang Yuqin zog bereits in den 1970er Jahren nach Yonglian und lebt bis heute dort. Sie hat die Entwicklung des Dorfes persönlich miterlebt. „Ich kann mich noch deutlich erinnern, dass der Uferbereich des Yangtse in der Nähe des Dorfes damals noch sehr niedrig und uneben war“, erzählt die alte Dame. Da das in einer Senkung liegende Dorf zum Schutz vor Überflutung mit Erdwällen umgeben werden musste, wurde es damals „Deich Nummer 70“ genannt. „Der Boden war so unfruchtbar, dass die Weizenkeimlinge mit Mühe und Not bestenfalls einen Zentimeter aus der Erde wuchsen“, erzählt die Seniorin. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen wohnte Zhang zu jener Zeit in einer einfachen Strohhütte, die in drei Räume unterteilt war. Vor Wind und Regen bot die Behausung nur wenig Schutz. Noch schlimmer war, dass die Familie oft Hunger litt. „Es war wirklich eine harte und leidvolle Zeit“, sagt Zhang.

 

Die 67-jährige Zhang Yuqin und ihr Mann zu Hause: Die 67-Jährige kann sich noch an eine Zeit erinnern, in der die gesamte Familie in einer einfachen Strohhütte lebte. 

 

Am 28. Juli 1978 wurde Wu Dongcai zum Parteisekretär des Dorfes ernannt. Damals lag das Pro-Kopf-Einkommen der Dorfbewohner bei 68 Yuan, heute entspräche das nur etwas mehr als neun Euro, während die Schulden des Ortes sich auf einige zehntausend Yuan beliefen. Eine der ersten Arbeiten des neuen Parteisekretärs bestand darin, die Dorfbewohner zu organisieren, um so mit vereinten Kräften Fischteiche im Ort anzulegen. Alles musste von Hand erledigt werden, nach 39 mühevollen Tagen war das Werk vollbracht. Mit geliehenem Geld wurde Fischbrut eingekauft. Doch die Investitionen sollten sich auszahlen. Bereits im darauf folgenden Jahr brachten die Teiche, die eine Fläche von 50 Mu (1 Mu = 1/15 Hektar) bedeckten, einen Nettogewinn von mehr als 8000 Yuan (1100 Euro) ein, für die damaligen Verhältnisse eine beachtliche Summe. Für Wu Dongcai hatte das Dorf diesen Erfolg dem großen Zusammenhalt und der Unterstützung der ganzen Gemeinschaft zu verdanken.

 

Im Frühjahr 1980 beschloss die Regierung, die Namen aller Dörfer landesweit zu standardisieren. Das war das Jahr, in dem Yonglian seinen heutigen Namen erhielt, der übersetzt so viel wie „ewige Pionierarbeit leisten und Freunde aus aller Welt zusammenbringen“ bedeutet. Zhang Yuqins Heimat wurde eines von rund 700.000 Verwaltungsdörfern Chinas.

 

Unter der Leitung von Wu Dongcai gelang es der kleinen Ortschaft, im Jahr 1981 wieder schuldenfrei zu werden. Ein Erfolg, für den der Parteisekretär hart gearbeitet hatte. Dank Wus Bemühungen wurden im Dorf gleich mehrere kleine Fabriken gegründet, darunter eine Weberei, eine Jade-Fabrik, eine Fabrik für Flechtwerk aus Weidenruten sowie ein Zementwerk.

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