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Crowdfunding in China

26-03-2015

 

 

Von Hu Yue

 

Im April 2009 ging in den USA die Seite „Kickstarter“ online. Sie sollte als Ur-Mutter der Crowdfunding-Seiten in die Geschichte der Onlinefinanzierung eingehen. Für viele kleine Start-ups löste das Portal eine regelrechte Revolution in Sachen Finanzierungsmöglichkeiten aus. Bis Ende 2013 investierten mehr als 5,5 Millionen Menschen über die Website in 55.000 Innovationsprojekte. Die Gesamtinvestitionen erreichten 9,53 Milliarden US-Dollar. Rasch schwappte der Crowdfunding-Trend auch auf andere Teile des Erdballs über, darunter auch China.

 

Hier ging im Juli 2011 Demohour.com als erste Crowdfunding-Seite der Volksrepublik an den Start. Heute zählt das Portal Zhongchou.cn, das im Februar 2013 gegründet wurde, als größte und erfolgreichste derartige Plattform im Reich der Mitte. Derzeit tummeln sich hier über 2000 Projekte und ihre Initiatoren warten darauf, die nötigen Gelder für ihre Projekte zusammenzubringen. Die Palette der gelisteten Start-ups und Projekte reicht von der Entwicklung von Technik und dem Verkauf von Agrarprodukten über die Verwirklichung von Buch- und Kunstprojekten, bis hin zur Umsetzung von gemeinnützigen Events und Unterhaltungsangeboten. Über Texte, Bilder und Videos können sich potentielle Investoren in einem bestimmten Zeitraum über die genauen Details und Besonderheiten der einzelnen Projekte sowie über die Investitionsformen und die Renditenrückzahlung informieren.

 

Vor allem im vergangenen Jahr erlebten Crowdfunding-Websites in China einen regelrechten Boom. Die Gruppenfinanzierung ist mittlerweile nach dem P2P-Modell zur meistgefragten Finanzierungsart in Sachen Internetfinanzen avanciert.

 

Eine junge Chinesin, die sich auf das Experiment Crowdfunding eingelassen hat, ist die Aktionskünstlerin He Chengyao. Über Zhongchou.cn bot sie zwischen Februar und März 2013 insgesamt 100 Arbeitsstunden ihres kreativen Schaffens zum Kauf an.

 

Eine junge Chinesin, die sich auf das Experiment Crowdfunding eingelassen hat, ist die junge Aktionskünstlerin He Chengyao. Über Zhongchou.cn bot sie zwischen Februar und März 2013 insgesamt 100 Arbeitsstunden ihres kreativen Schaffens zum Kauf an. Für 2000 Yuan, umgerechnet rund 300 Euro, konnten Investoren eine Stunde „Kreativität“ der Künstlerin erwerben. Alle 100 Stunden wurden verkauft und innerhalb von nur vier Wochen spülte das Projekt He so insgesamt 200.000 Yuan (ca. 30.000 Euro) in ihre Kasse. Als Gegenleistung für die Investition betupfte die Künstlerin mit ihrem Malerpinsel weißes Papier, ein Punkt pro Sekunde. Teilweise arbeitete sie so mehrere Stunden ohne Unterbrechung. Die geschaffenen Werke gingen nach Vollendung in den Besitz der jeweiligen Finanziers über. Unter den 54 Geldgebern fanden sich Kunstsammler, Ausstellungskuratoren, Maler und andere Kunstschaffende.

 

„Der Preis war so niedrig, dass meine Aktionsstunden sofort ausverkauft waren“, sagt He Chengyao mit einem Lachen. Ein Werk der Künstlerin in passablem Format für gerade einmal einige Tausend Yuan? Das erschien vielen Besuchern des Crowdfunding-Portals in der Tat als ein Schnäppchen, denn die junge Gegenwartskünstlerin hat sich in China bereits einen Namen gemacht.

 

„Eigentlich habe ich kein gutes Händchen für Marketing“, sagt He. Hinzu komme, dass der Markt für Kunstmanagement in China noch in den Kinderschuhen stecke. Die Online-Gruppenfinanzierung bot der Künstlerin von daher eine neue Möglichkeit, ihre Werke zu finanzieren. „Außerdem wird Interaktion auf diese Weise ein Bestandteil meiner Aktionskunst.“ Sie könne sich auf diese Weise mit voller Inbrunst ihrem künstlerischen Schaffen widmen, ohne sich um die Finanzierung sorgen zu müssen, sagt sie. Auch in Zukunft wolle sie immer mal wieder auf Crowdfunding als Finanzierungsmodell für ihre Kunst setzen.

 

Auch für den Beijinger Nachwuchsautor Wei Yao eröffnet das Crowdfunding neue Möglichkeiten. Ein Verlag erwägt, Weis neues Buch herauszugeben. Gemeinsam mit dem Verlagshaus hat der Autor beschlossen, das Buchprojekt zunächst einen Monat auf Zhongchou.cn vorzustellen. Über den Stand der Gruppenfinanzierung wolle der Verlag das Marktpotential des Werkes ausloten, erklärt Wei. Gleichzeitig könne der Auftritt auf Zhongchou.cn auch als Marketinginstrument dienen, um das Buch schon vor dem Erscheinen bekannt zu machen, sagt er. In der Tat ist es in China in den letzten Jahren immer üblicher geworden, Bücher bereits vor ihrem Erscheinen auf derartige Weise vorzustellen, insbesondere wenn es sich bei der anvisierten Zielgruppe überwiegend um junge Leser handelt.

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