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Umsatteln aufs Rad – China entdeckt den Reiz der „neuen Langsamkeit“

26-02-2016

 

 

Von Gong Han

 

Viele chinesische Metropolen bewegen sich heute am Rande des Verkehrskollapses. Die Blechlawinen, die sich täglich durch die Straßen quälen, verursachen nicht nur Verkehrsstaus und dicke Luft, sondern auch einen enormen Energie- und Ressourcenverbrauch. Chinas Regierung setzt deshalb schon seit längerem auf ein Umdenken in der Bevölkerung und rührt kräftig die Werbetrommel für langsamere und nachhaltigere Formen der Fortbewegung. Die Chinesen in den Großstädten sollen wieder vermehrt raus aus dem Auto und rauf aufs Rad. Kürzere Strecken können auch einfach zu Fuß zurückgelegt werden.

 

Eine Herausforderung, vor der das Reich der Mitte nicht allein steht. Viele Länder suchen heutzutage fieberhaft nach Wegen, Ballungsräume und Großstädte grüner zu machen und langfristig verkehrstechnisch zu entlasten. Das Ziel sind umweltfreundliche Städte, die ihren Bewohnern eine höhere Lebensqualität bieten. Vor diesem Hintergrund setzt die chinesische Regierung seit einigen Jahren auf eine erneute Entschleunigung der Fortbewegung, sprich auf die Rückbesinnung aufs Zweirad und Fußmärsche. Um den Stand der Fußgänger und Velofahrer auf Chinas Straßen zu stärken, erließ das Ministerium für Wohnen und Entwicklung in Stadt und Land im Jahr 2013 eigens einen speziellen Leitsatz zur Verbesserung der städtischen Verkehrslage und warb für das Konzept bei untergeordneten Stellen. Städte auf allen Ebenen sollten nach und nach ihre Stadt- und Verkehrsplanung den neuen Prinzipien unterordnen. Und auch im 13. Fünfjahresplan hat die Regierung Themen wie emissionsarmen Verkehr, die Priorität öffentlicher Verkehrsmittel, den Aufbau von Intercityverbindungen und einen größeren Ansporn zum Umstieg aufs Fahrrad verankert.

 

Noch bis in die 1970er und 1980er Jahre galt China als „Reich der Fahrräder“. Sich zu Fuß oder mit dem Drahtesel fortzubewegen, gehörte damals in der Volksrepublik zum Alltag. Mit der Reform und Öffnung und dem wirtschaftlichen Aufschwung nahm dann die Zahl der Autos im ganzen Land rasant zu. In einem Ausmaß, das nun für China zunehmend zum Problem wird. Seit der Jahrtausendwende propagiert die chinesische Regierung deshalb den Schritt zurück zur Einfachheit. Bis dieser vollzogen sein wird, dürfte es aber noch ein langer Weg sein.

 

Trend zum Familienwagen

 

Bis Ende 2014 waren auf Chinas Straßen 264 Millionen Kraftfahrzeuge unterwegs, darunter 154 Millionen Personenkraftwagen. Schätzungen zufolge könnte allein durch eine Drosselung der jährlichen Autonutzungszunahme um zwei oder drei Prozentpunkte der Kraftstoffverbrauch jährlich um 5,8 Millionen Tonnen und der Kohlenstoffausstoß um 17,8 Millionen Tonnen reduziert werden.

 

Aber angesichts des Wachstums der Automobilbranche, sinkenden Kraftstoffpreisen und der schnellen Entwicklung von Fahrzeugen, die mit neuen Energien betrieben werden, dürfte die Verlangsamung des Wachstums eine schwierige Aufgabe für China darstellen, so zumindest die Einschätzung des Vizedirektors des Forschungsinstituts für Verkehrsentwicklung der Tsinghua-Universität Yang Xinmiao.

 

Im Interview mit „China heute“ erklärt er: „Der Trend für chinesische Familien, sich einen Pkw anzuschaffen, scheint ungebrochen. Bis zum Jahr 2050 wird voraussichtlich jede Familie in China ein eigenes Auto besitzen. Das muss aber nicht bedeuten, dass die Leute zwangsläufig jeden Tag damit fahren müssen. Diese Belastung könnten chinesische Städte verkehrstechnisch dauerhaft auch gar nicht verkraften.“

 

Um die umweltfreundliche Idee eines „langsamen“ Verkehrs in die Tat umzusetzen, plant das Ministerium für Wohnen und Entwicklung in Stadt und Land seine Verkehrsrevolution zunächst in drei Phasen sukzessive in 95 Städten durchzuführen. Wer in einer der großen Metropolen oder in einer größeren Stadt kürzere Strecken zurücklegen muss, so der Plan, soll dies in Zukunft zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewerkstelligen. Und auch in kleineren Städten soll, wo immer es geht, auf das Auto verzichtet werden.

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