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Umsatteln aufs Rad – China entdeckt den Reiz der „neuen Langsamkeit“

26-02-2016

 

Grüne Vorzeigemetropole Hangzhou

 

Die ostchinesische Stadt Hangzhou ist schon heute ein gutes Beispiel, wie grüne Verkehrsentwicklung funktionieren kann. In den letzten Jahren hat die beliebte Touristenstadt ein engmaschiges Netz an öffentlichen Fahrradverleihstationen geknüpft. Das ausgeklügelte Zweiradsystem gilt nach mehrjähriger Entwicklungsphase als größtes öffentliches Leihfahrradsystem der Welt. Die BBC lobte es auf ihrem Tourismuskanal zudem als eines der besten. Rund 84.000 Fahrräder stehen den Einwohnern Hangzhous an rund 3354 Servicepunkten zur Verfügung. Alle 300 Meter findet sich eine Fahrradstation. Die erste Stunde der Nutzung ist außerdem kostenlos.

 

Statistiken zufolge ist der Anteil umweltfreundlicher Verkehrsmittel in Hangzhou in den vergangenen Jahren in den großen Stadtvierteln schon auf 65 Prozent gestiegen, täglich werden öffentliche Fahrräder bis zu knapp 450.000 Mal verliehen und wieder zurückgegeben. Viele Einheimische sehen das Velo heute gar als beste Option, um zum Arbeitsplatz zu gelangen. Und sie profitieren dabei vom kontinuierlichen Ausbau der örtlichen Fahrradinfrastruktur. So gibt es in der Stadt mittlerweile ein modernes Netz an breiten, gut ausgebauten Fahrrad- und Fußgängerwegen. An Ampeln stehen spezielle Dächer zum Sonnen- und Regenschutz. Auch gibt es Servicepunkte, die Fußgängern Informationen geben und Radfahrern bei der Suche nach einem Stellplatz behilflich sind.

 

Schon 140 Städte haben sich landesweit an Hangzhou ein Beispiel genommen. Städte wie Shenzhen, Xiamen und Kunming haben ihre Fahrradwege vor allem auch an See- und Küstenufern in den letzten Jahren teuer ausgebaut. In einigen Vierteln der Stadt Ji'nan wurden die Straßen von vier auf drei Spuren verengt, um so mehr Raum für Fahrräder und Fußgänger zu schaffen. Die Verkehrsexpertin Jiang Binglei sagt hierzu: „Rad zu fahren und Strecken zu Fuß zurückzulegen, sind Fortbewegungsweisen, die absolut umweltfreundlich sind und deshalb unbedingt gefördert werden sollten.“

 

Die Erfolge Hangzhous zwingen den Vergleich mit einer anderen chinesischen Metropole auf, die sich in den 1990er Jahren mit einem wachsenden Verkehrs- und Stauaufkommen konfrontiert sah: die südchinesische Stadt Guangzhou. Die Verantwortlichen reagierten damals auf das Problem einerseits durch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrssystems. Andererseits reduzierten sie die Fahrflächen und Räume für Fahrräder stark, um so mehr Platz für den zunehmenden Autoverkehr zu schaffen. So wurden zum Beispiel bestimmte Straßen zu den Hauptverkehrszeiten für Fahrräder gänzlich gesperrt, damit die Fahrradspur für Pkws freigegeben werden konnte. Bis 2010 ist so der Anteil der Fahrräder am Verkehrsaufkommen von ehemals 33,8 Prozent auf magere 13,3 Prozent geschrumpft.

 

Zeng Ying, Ingenieurin des Forschungsinstituts für Straßen- und Verkehrsentwicklung der Stadt Guangzhou, erklärt: „Die neue Gestaltung der Verkehrswege in unserer Stadt und die neu eingeführten Verkehrsbeschränkungen haben die Infrastruktur für den Fahrrad- und Elektrobike-Verkehr zerstört. Heute wissen wir, dass die negativen Auswirkungen des unkontrollierten Anschwellens des Autoaufkommens deutlich größer sind als die Folgen des Fahrradverkehrs.“ In den letzten Jahren hat die Stadt Guangzhou deshalb alles daran gesetzt, das Verkehrssystem für nachhaltige Fortbewegungsmittel neu aufzubauen und passenden Raum für Fußgänger und Fahrräder zur Verfügung zu stellen. Erste Erfolge werden bereits sichtbar: Bis Juni 2015 konnte die Stadt rund 2800 Kilometer grüner Verkehrswege auf einem Areal von 3600 Quadratkilometern wiederherrichten. Eine Infrastruktur, von der heute schätzungsweise acht Millionen Menschen in der Stadt profitieren.

 

Trotzdem gibt es noch Probleme wie die Vorfahrtsgestaltung, durchgängige Wegführungen, die Nutzerfreundlichkeit der Verkehrswege und die Verkehrssicherheit, die die zuständigen Behörden wie das örtliche Verkehrsamt zu lösen haben.

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