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Umsatteln aufs Rad – China entdeckt den Reiz der „neuen Langsamkeit“

26-02-2016

 

China muss seinen eigenen Weg finden

 

„Der neue Vorstoß, wieder auf langsamere, umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu setzen, ist ein Novum in der Geschichte Chinas. Es gibt keine Vorbilder aus der Vergangenheit, von denen man lernen könnte“, sagt Zong Yan, Verkehrsexperte und Vertreter der Weltbank. Seit 1995 ziehen die Weltbank und das chinesische Ministerium für Wohnen und Entwicklung in Stadt und Land in Sachen Umweltentwicklung fest an einem Strang. In einer Sitzung zur Problemlage der städtischen Verkehrsentwicklung diskutierten Vertreter des Ministeriums und anderer Behörden mit Vertretern der Weltbank und auch der Asiatischen Entwicklungsbank über die zukünftige städtische Verkehrsstrategie des Landes. Aus diesen Gesprächen ging das so genannte Beijinger Manifest zur Verkehrsentwicklung hervor. Als erstes Prinzip ist darin festgehalten, dass „das Ziel des Verkehrs nicht die Bewegung von Kraftzeugen, sondern die Bewegung von Menschen und Gütern ist.“

 

„Jede Stadt weltweit hat letztlich ihren ganz eigenen Charakter. Deshalb lässt sich so manch international gemachte Erfahrung nicht einfach ohne Weiteres auf China übertragen. Die Voraussetzungen in den USA beispielsweise sind ganz anders als in Europa“, sagt Zong Yan. „Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich in den USA vielerorts das Modell des Lebens auf dem Land mit dem Pendeln per Auto zum Arbeitsplatz durchgesetzt. Als in den 1970ern dann die erste Ölkrise einsetzte, haben die USA dieses Modell hinterfragt und versucht, die Menschen zum Umdenken zu bringen. Aber auch dort hat es sich als äußerst schwierig erwiesen, eine langsamere, umweltfreundlichere Verkehrsweise durchzusetzen. Angesichts fehlerhafter Vorstellungen in der Bevölkerung und der hohen wirtschaftlichen Anforderungen stehen wir heute in China vor einem ähnlichen Problem wie die USA damals“, so Zong.

 

Zong warnt jedoch davor, Erfahrungen aus dem Ausland vorschnell auf die Volksrepublik zu übertragen. „Zuerst ist eine tief greifende Prüfung notwendig. Schließlich besitzt jede Stadt und jedes Verkehrssystem spezifische Eigenschaften“, so der Verkehrsfachmann.

 

Zongs Meinung nach empfiehlt es sich, das Problem von mehreren Seiten anzupacken. Ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung sei zum Beispiel, die Stadt- und Straßenplanung zu verbessern und einen Schwerpunkt auf öffentliche Verkehrsmittel sowie umweltfreundliche Fortbewegungsweisen zu legen. Zweitens gelte es, bestehende Flächen besser zu nutzen, um so den Menschen mehr Komfort zu gewährleisten. Drittens müsse man auf so genannten „menschenfreundlichen Verkehr“ setzen, um den unterschiedlichen Ansprüchen der Menschen besser gerecht zu werden.

 

„Maßnahmen wie Leitregeln und Verkehrsausbildung, die die entsprechenden Stellen bereits konzipiert haben, funktionieren hier gut. Dies ist gewiss ein wichtiger Schritt. Entscheidend ist, dass bei den Menschen letztlich ein Umdenken einsetzt“, sagt Zong. „Außerdem muss die Regierung natürlich im Einklang mit den Erfordernissen des Marktes handeln.“

 

„China muss am Ende seinen eigenen Weg finden, den grünen Verkehr voranzutreiben. Und was wir dafür brauchen, ist vor allem Innovation“, sagt Yang Xinmiao. 2008 richtete ein Team der Tsinghua-Universität eine Website ein, über die sie Freiwillige einlud, das Auto stehen zu lassen und stattdessen mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Arbeit zu kommen. Allein durch dieses Projekt konnten Berechnungen zufolge Kohlenstoffemissionen in Höhe von bis zu 9000 Tonnen eingespart werden. Finanziell gesehen entspricht das in etwa einem Wert von 300.000 Yuan (ca. 41.700 Euro). Das brachte Yang auf eine Idee: „In der Luftfahrt zum Beispiel sind die Emissionen enorm. Man könnte also hier einen Emissionshandel anbieten. Das eingenommene Geld könnte wiederum den Städten als Subvention für Stadtfahrräder zur Verfügung gestellt werden. Auch könnte man überlegen, Autofahrern eine Gebühr für Radfahrer abzunehmen. Schon heute wäre das technisch problemlos umsetzbar und obendrein sicher sehr wirksam“, sagt er.

 

Und Jiang Binglei fügt abschließend hinzu: „Neben dem Umwelt- und Kostenaspekt sind Radfahren und Zufußgehen auch einfach sehr gesund. Schon 15 Minuten tägliches Radeln oder Gehen machen einen enormen Unterschied.“

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