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Wandel im Denken – China setzt auf neue Wege aus der Armut

06-01-2017

 

Von Verena Menzel

 

Was bedeutet eigentlich „arm“, vor allem in einem Land in dem die Einkommensschere so weit auseinander klafft wie in China? Und wie kann es tatsächlich gelingen, Armut langfristig und nachhaltig zu überwinden?

 

Armutsgürtel vor den Türen der Hauptstadt: In Hebei leben mehr als 3,1 Millionen Menschen in absoluter Armut, gut 5,4 Prozent der Gesamtbevölkerung der Provinz. Unser Bild zeigt eine Walnussplantage auf dem Gebiet der Stadt Xingtai. Mit neuen Unternehmensmodellen will die Stadt lokalen Landwirten aus der Armut helfen. 

 

Armut ist relativ

 

Läuft man durch das eiserne Eingangstor, das in das kleine, alte Pekinger Wohnviertel im Westen der Stadt mit seinen roten Klinkerbauten führt, in dem ich lebe, passiert man als erstes das kleine Kämmerchen des Pförtners und Hausmeisters der Anlage, der stets freundlich und mit angedeutetem Kopfnicken grüßt. Auf seinen schätzungsweise acht Quadratmetern Wohnfläche, die Wohn- und Schlafzimmer zugleich bilden, ist gerade genug Platz für ein Bett, eine kleine Kommode mit Fernseher und ein paar Habseligkeiten. Gekocht wird - winters wie sommers - draußen auf einer kleinen Elektroherdplatte. Eine Heizung gebe es nicht, erzählte mir der Mann einmal. Und auch für dringende Bedürfnisse sowie die Körperhygiene muss der einfache öffentliche Waschraum herhalten, der sich einige Schritte entfernt neben dem Müllabladeplatz der Wohnanlage findet.

 

Ich komme gerade von einer Verabredung mit Freunden in einem Café in der Nähe des Beijinger Arbeiterstadions nach Hause. Hier, in den Bars und Discotheken des Szeneviertels, schlürft Nachwuchs aus gut betuchten Verhältnissen im wohltemperierten Hochglanzambiente Champagner und wippt dazu entspannt zu House- und Technobeats. Vor der Tür reihen sich die Nobelkarossen aneinander – Porsche, Maserati, Ferrari, in Sonderausfertigung, versteht sich. Wer wirklich Geld habe, feiere in nobleren Ecken der Hauptstadt, erfährt man, wenn man nachharkt. Unser Hausmeister würde wohl unterdessen sagen, dass es auch ihm eigentlich nicht schlecht geht, verglichen mit anderen Landsleuten, die in Regionen Chinas leben, in denen die Früchte des Fortschritts noch langsamer ankommen sind als bei ihm.

 

Armut ist nicht gleich Armut. In Forscherkreisen ist das fast eine Binsenweisheit. Hier wird nämlich zunächst zwischen absoluter und relativer Armut unterschieden. Als „absolut arm“ gilt nach internationalen Standards, wem als Einzelperson weniger als 1,90 US-Dollar (Kaufkraftparität) pro Tag zur Verfügung stehen; als relativ arm, wessen Einkommen deutlich unter dem mittleren Einkommen seines Heimatlandes liegt. Relative Armut gibt es damit praktisch überall auf dem Globus, in unterschiedlichen Ausformungen versteht sich, absolute Armut ist dagegen vor allem ein Phänomen der Entwicklungs- und Schwellenländer. Sie bedeutet, dass die Grundbedürfnisse des Alltags nach Kleidung, Nahrung, einem Dach über dem Kopf und dem Mindesten, was für die Lebenshaltung nötig ist, nur mangelhaft oder gar nicht befriedigt werden.

 

In China wurde seit der Einführung der Reform- und Öffnungspolitik Ende der siebziger Jahre im Bereich der Armutsüberwindung Beeindruckendes erreicht. 1981 lebten in der Volksrepublik noch 835 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze und damit in absoluter Armut, die Mehrheit der Bevölkerung also. 2008 waren es nur noch 173 Millionen Menschen. Dank weiterer intensiver Anstrengungen der Regierung ist diese Zahl bis Ende 2015 weiter gesunken, auf 55,75 Millionen. Legt man Chinas strengeren, nationalen Standard zugrunde, der bei rund 1,10 US-Dollar pro Tag und Kopf liegt, gibt es heute noch etwas mehr als 70 Millionen Arme im Land – eine Gruppe, die immer noch größer ist als die Gesamtbevölkerung Frankreichs. Diesen Menschen stehen weniger als 2855 RMB pro Jahr, umgerechnet rund 390 Euro bzw. 410 US-Dollar, zur Verfügung. Eine Summe, die Städter in den Metropolen des Landes schon mal schnell für ein Mittelklasse-Smartphone hinblättern oder das Jahr über für ein Dutzend Restaurantbesuche der bei der Mittelschicht beliebten Feuertopfkette Haidilao.

 

Regionale Unausgewogenheiten überwinden

 

Nanhe Agricultural Carnival: Einheimische können sich als Anteilseigner an dem Gewächshauskomplex im Kreis Nanhe beteiligen, der als Öko- und Bildungsreiseziel in Zukunft Touristen aus der Region anlocken soll. 

 

Für die Periode des 13. Fünfjahresplans (2016-2020) hat Chinas Regierung die Bekämpfung der Armut nun ganz oben auf ihre Agenda gesetzt. Bis 2020 sollen mindestens weitere 17 Millionen Menschen vor allem in den ländlichen Gebieten aus der Armut befreit werden. Dafür wurden gezielte Maßnahmen ausgearbeitet, um bedürftige Menschen im Land noch besser ausfindig zu machen und zu registrieren, die Gründe für ihre Armut zu erforschen und ihre Lebensumstände dann zielgerichtet und nachhaltig zu verbessern. Seit dem Amtsantritt des neuen Staatspräsidenten Xi Jinping wurde der Fonds für Armutsüberwindung jährlich weiter aufgestockt. Und das, obwohl sich das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik jüngst weiter verlangsamt hat. Allein 2015 wurden insgesamt 46,7 Milliarden Yuan, rund 6,4 Milliarden Euro also, in Hilfsmaßnahmen für die Ärmsten im Land investiert, mehr als je zuvor in der Geschichte der Volksrepublik. Denn trotz des enormen Wirtschaftsbooms, den China in den letzten Jahren erlebt hat, steht das Land bei der Überwindung der Armut noch immer vielen Herausforderungen gegenüber. Längst nicht alle profitieren bisher gleichermaßen von den Früchten und Chancen des Wachstums. Das soll sich ändern.

 

„2015 gab es landesweit noch immer insgesamt 128.800 Dörfer und 592 Kreise, die wir nach unserem nationalen Standard als arm bewerten“, sagt Tan Weiping, Vizeleiter des Beijinger Zentrums für Armutsüberwindung. „Das Problem ist, dass wir in China derzeit eine sehr unausgeglichene Entwicklung erleben“, so der Experte. „Es gibt große Unterschiede zwischen dem Osten und dem Westen bzw. Landesinneren sowie auch zwischen Stadt und Land. Und selbst innerhalb der Städte bestehen große Unterschiede, was die Wohlstandsverteilung angeht“, sagt er.

 

Wie groß diese Unterschiede sind, wird deutlich, wenn man einen Blick über den Tellerrand der Metropolen hinauswirft. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug Gaotie machen wir uns auf den Weg in die Stadt Xingtai, die rund 400 Kilometer südlich der Hauptstadt in der Provinz Hebei liegt. In der Bahnhofshalle drängen sich Wanderarbeiter mit schweren Gepäckbündeln, auf der Fahrt breitet sich das karge, blasse Land vor dem Zugfenster aus. Mit jedem Kilometer, den die Hauptstadt entrückt, scheinen auch die Uhren rückwärts zu laufen. Was viele nicht wissen: Hier, direkt vor den Toren des pulsierenden Ballungsraums und Entwicklungskessels Beijing-Tianjin, liegt einer der ärmsten Landstriche Chinas.

 

In der Provinz Hebei, die mit einer Fläche von rund 188.000 Quadratkilometern etwas mehr als halb so groß wie Deutschland ist, leben mehr als 74 Millionen Menschen. 3,1 Millionen davon gelten als absolut arm, gut 5,4 Prozent der Gesamtbevölkerung der Provinz also. Insgesamt zählt Hebei heute 45 arme Kreise, einige besonders schwer betroffene darunter liegen im Verwaltungsgebiet der Stadt Xingtai, die wir ansteuern.

 

Die Nähe zur entwicklungsstarken Hauptstadtregion ist für Xingtai mit ihren, nimmt man die Kernstadt und alle umliegenden Kreise zusammen, rund 7,3 Millionen Einwohnern Fluch und Segen zugleich. Zwar hofft man hier langfristig, im Windschatten der Entwicklung Beijings und Tianjins mitzusegeln, doch bisher sieht die Realität anders aus. Viele Arbeitskräfte und junge Talente wandern in die Hauptstadt ab, wo höhere Löhne und bessere Entwicklungschancen locken. Zurück bleiben vor allem Alte, Frauen und Kinder. Zudem bekommt die Region die Auswirkungen der verstärkten Umweltschutzmaßnahmen der Regierung zu spüren, die das Wachstum der traditionellen örtlichen Industrie einschränken und drosseln.

 

Kargem Land Leben einhauchen: Viele Landstriche rund um die Xingtaier Kernstadt sind eher karg. Die Firma Hebei Runtao Husbandry Sci&Tec Co., Ltd., an der lokale Bauern beteiligt sind, trotz erfolgreich den widrigen Bedingungen. 

 

Wie also kann es gelingen, armen Regionen wie Hebei und den Einwohnern der Stadt Xingtai den Anschluss zu ermöglichen? Das ist eine der größten Herausforderungen, mit denen sich Chinas Regierung derzeit konfrontiert sieht. Denn, und das ist die Krux, mit Geldern und Subventionen alleine ist es bei Weitem nicht getan, wie Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen. Denn sie mögen zwar temporär helfen, führen aber nicht zwangsläufig auch dazu, dass sich die Kompetenzen zur Lebensbewältigung der Betroffenen langfristig verbessern und wichtige Eigeninitiative, zum Beispiel zur Steigerung des Bildungsniveaus, entsteht, die dann auch an nachfolgende Generationen weitergegeben werden kann.

 

Wandel setzt im Denken an

 

Was einsetzen muss, um das Blatt für ärmere Menschen in Xingtai und andernorts in China zu wenden, ist ein Wandel im Denken. Und genau hier versucht die Regierung anzusetzen, auch wenn die Anstrengungen in Xingtai noch in den Kinderschuhen stecken.

 

„Als Deng Xiaoping 1978 die Reform- und Öffnungspolitik einläutete, war die Strategie klar und fand auch landesweite Zustimmung“, erklärt Tan. Erst sollten sich die Entwicklungsanstrengungen auf die Küstenregionen im Osten und Südosten des Landes konzentrieren. Hier fanden sich die besten strukturellen Voraussetzungen für schnelles Wachstum und rasche Prosperität. Dann, so der große Plan am Reißbrett, sollten die Regionen im Innern des Landes sowie der Westen Chinas allmählich nachziehen, mit Hilfe der Wirtschaftskraft, der Ressourcen und des Know-hows, das die Unternehmen, Regierungsinstitutionen und die Menschen im Osten des Landes in den Jahren zuvor hatten erwerben können.

 

Schafzucht mit Zukunft: Die Firma Hebei Runtao Husbandry Sci&Tec schafft nicht nur lokale Arbeitsplätze, sondern vermittelt lokalen Bauern auch wichtige Grundkenntnisse im Bereich Viehzucht. 

 

„Dies geschieht heute zum Beispiel über Projekte wie die Initiative 1000 Unternehmen helfen 1000 Dörfern, im Rahmen derer erfolgreiche Unternehmen armen Dörfern bei ihrer Entwicklung unter die Arme greifen, zum Beispiel über Investitionen“, erklärtDong Guoping, Leiter der Abteilung für Internationale Angelegenheiten des State Council Information Office  und Mitorganisator des Trips nach Xingtai.

 

Hier im Süden Hebeis will man beides von Anfang an verbinden –finanzielle Hilfe durch Regierung, Unternehmen und NGOs und den geistigen Wandel durch innovative Konzepte, die arme Bevölkerungsteile aktiv in den Prozess des Aufschwungs einbinden.

 

Ein Beispiel hierfür ist das Projekt Nanhe Agricultural Carnival im Kreis Nanhe. Hier wurde ein 47.000 Quadratmeter großer Gewächshauskomplex mit insgesamt sechs überdachten Themenhallen aus der Erde gestampft. Heute sprießen hier lokales Obst und Gemüse, traditionelle Heilkräuter und andere Nutzpflanzen aus der Region. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt der lokalen Firma Nanhe Country Jinyang Construction Investment Co., Ltd. und der China Agricultural University in Beijing, von der auch das Design der Anlage stammt. Sie bildet das landesweite vierte Projekt dieser Art.

 

Hier wird nicht nur Forschungsarbeit im Bereich Agrarwirtschaft geleistet, sondern die Hallen dienen auch als lokale Touristenattraktion zur Naherholung mit Bildungsfaktor. Neben Ticketverkäufen erwirtschaftet die Einrichtung einen Teil ihrer Einnahmen mit der Vermietung als Kulisse, zum Beispiel für Hochzeitsshootings.

 

Was genau hat das alles mit innovativer Armutsüberwindung zu tun? Sehr viel! Denn das Projekt schafft nicht nur lokale Arbeitsplätze und Weiterbildungschancen, fördert die Erforschung örtlicher Pflanzenarten und Anbautechniken, sondern will auch das unternehmerische Denken der Bauern hier beflügeln. Sie haben jeweils eine Unterstützungszahlung von 4000 Yuan, umgerechnet rund 550 Euro, aus dem örtlichen Fonds für Armutsüberwindung erhalten. „Wir bieten den Bauern an, diese Summe in das Gewächshausprojekt zu investieren und so Anteile daran zu erwerben. Es wird ein Fünfjahresvertrag unterzeichnet und in jedem Jahr erhalten die Bauern eine Gewinnbeteiligung von 400 Yuan, zehn Prozent ihres Einsatzes also“, erklärt ein Mitarbeiter vor Ort das Prinzip. Nach Ablauf der fünf Jahre können die Bauern dann entscheiden, ob sie das Geld weiter investieren wollen oder wieder ausgezahlt bekommen. „So wollen wir die Einheimischen anspornen, langfristig zu denken und ihre Einkünfte gewinnbringend anzulegen, anstatt alles auf einen Schlag auszugeben.“

 

Öko-Anbau: Auf der Walnussplantage des Unternehmens Lvling Manor sorgt Federvieh für natürliche Düngung. 

 

Wo das Projekt also ansetzt, ist nicht die physische Armut allein, sondern die „Kultur der Armut“ („culture of poverty“), wie sie schon der amerikanische Anthropologe Oscar Lewis im 20. Jahrhundert beschrieben und als Terminus geprägt hat. Seiner Theorie nach gelte es bei der Armutsbekämpfung, die Denk- und Handlungsmuster der betroffenen Menschen zu überwinden, die ansonsten einfach von Generation zu Generation weitervererbt würden.

 

In diese Kerbe schlagen auch zwei weitere Schlüsselprojekte, die als Zugpferde der lokalen Armutsüberwindung Xingtais fungieren. Beide sind im Kreis Lincheng der Stadt angesiedelt. Zum einen handelt es sich um die Hebei Runtao Husbandry Sci&Tec Co., Ltd., ein Unternehmen, das sich auf Schafzucht spezialisiert hat und das im Jahr 2012 gegründet wurde. Hier können sich lokale Landwirte über eine zuvor ausgezahlte Regierungssubvention von 6000 Yuan (rund 830 Euro) beteiligen, es lockt eine jährliche Dividende von 480 Yuan (66 Euro). Zudem kauft der Betrieb seine Futtermittel bei lokalen Landwirten über dem Marktpreis ein. Auch wurden zahlreiche Arbeitsplätze für Einheimische geschaffen. In Zukunft sollen die Landwirte über Fortbildungsmaßnahmen selbst zu Viehzüchtern ausgebildet werden.

 

Auf ein ähnliches Konzept setzt auch die Firma Lvling Manor, die sich seit ihrer Gründung 1999 zu einem der führenden Produzenten von Bio-Walnüssen ganz Chinas gemausert hat. Auch Lvling Manor hat die örtlichen Bauern in ihre Erfolgsgeschichte mit einbezogen. Mittlerweile werden die Nüsse in acht Dörfern im Kreis Lincheng angebaut. Das Unternehmen, das die gesamte Produktionskette von Forschung und Entwicklung über Zucht und Anbau bis hin zu Verarbeitung, modernem Marketing und landesweitem Vertrieb abdeckt, beschäftigt heute mehr als 8000 Mitarbeiter, die große Mehrheit davon stammt aus der Region. „Mittlerweile kommen auch einige junge Leute aus den Städten wieder zurück hier nach Xingtai, um bei uns zu arbeiten. Sie bringen einiges an Kenntnissen und wertvollen Arbeitserfahrungen mit zurück und wir bieten ihnen dafür gute Entwicklungschancen“, sagt Gao Shengfu, Gründer und Direktor des Unternehmens.

 

„Mittlerweile kommen einige junge Leute aus den Städten wieder zurück hier nach Xingtai, um bei uns zu arbeiten. Sie bringen einiges an Kenntnissen und wertvollen Arbeitserfahrungen mit zurück und wir bieten ihnen dafür gute Entwicklungschancen“, sagt Gao Shengfu, Gründer und Direktor von Lvling Manor im Interview. 

 

Doch es sind nicht nur solche Erfolgsgeschichten mit Unternehmensbeteiligung, die der Region langfristige Perspektiven geben sollen. Auch die Regierung geht neue Wege, was die Vergabe ihrer Finanzmittel betrifft. Längst gehen diese über konventionelle Formen der finanziellen Absicherung etwa durch Krankenversicherung oder Rentenzahlungen hinaus. So hat die Stadtregierung Xingtai in allen armen Dörfern des Verwaltungsgebiets Photovoltaikanlagen errichtet. Diese liefern nicht nur Strom zur Deckung des Bedarfs der Einheimischen, sondern erwirtschaften auch Gewinne. Und diese werden an die Einheimischen weitergegeben, was ihnen langfristig einen kleinen Einkommenszuschuss sichert.

 

Durch innovative Ansätze wie diese konnten in Hebei in der Periode des 12. Fünfjahresplanes (2011-2015) bereits fünf Millionen Menschen aus der Armut befreit werden. Bis 2020 soll dieser Weg weiter entschlossen beschritten werden und weitere Erfolge sollen folgen.

 

Der US-amerikanische Psychologe Martin Seligman stellte einst die These auf, dass viele in Armut lebende Menschen, ob in der westlichen Welt oder in den Entwicklungsländern, unter einer Art „erlernter Hilflosigkeit“ litten. Ihre Lebensumstände verleiteten sie dazu, persönliche Entscheidungen als irrelevant wahrzunehmen, so Seligmans Ansatz. Stattdessen Hilfe zur Selbsthilfe–das ist auch der Ansatz, den Chinas Regierung verfolgt. Und die neuerlichen Erfolge des Landes bestätigen, dass ein Wandel im Denken durchaus Berge versetzen kann.

 

Dieses Umdenken wird letztlich entscheidend sein, soll das bestehende Ungleichgewicht im Land langfristig überwunden werden. Und wenn von einem Sinneswandel die Rede ist, bezieht sich dieser längst nicht nur auf die armen Bevölkerungsteile. Eine wirkliche Verbesserung der Verhältnisse, und das gilt für China wie für die europäischen Länder gleichermaßen, wird nur dann gelingen, wenn ähnliche Startvoraussetzungen für alle Mitglieder einer Gesellschaft geschaffen werden. In China bedeutet dies, dass vieles damit steht und fällt, in wieweit die Gesellschaft und die Menschen in den entwickelten Region des Landes tatsächlich ihrem Versprechen aus Zeiten der Anfänge der Reform und Öffnung nachkommen, dem Rest des Landes beim Aufschwung aufrichtig die Hand zu reichen. Dafür wird es nötig sein, anzuerkennen, dass es eben nicht selbstverständlich ist, in Beijing das Licht der Welt zu erblicken und nicht in Xingtai; dass es keine Selbstverständlichkeit ist in eine Akademikerfamilie geboren zu werden oder als Arbeiterkind zur Welt zu kommen. Es wird nötig sein, zu erkennen, dass mit bestimmten Startvoraussetzungen auch eine gewisse Verantwortung einhergeht, sei es in China oder in Europa.

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