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Modell mit Zukunft? – Nanchang errichtet Pilotkomplex für nachhaltiges urbanes Leben

17-11-2017

 

Von Verena Menzel

 

Machen wir uns nichts vor: Der Mensch ist ein „Homo Oeconomicus“, wie wir spätestens seit entsprechenden Studien aus der Wirtschaftswissenschaft und Spieltheorie wissen. Tief in seinem Innern ist er ein „Nutzenmaximierer“, egal ob in seiner Rolle als Privatperson, Konsument, Arbeitnehmer, Arbeitgeber oder Geschäftemacher. Er entpuppt sich also bei genauerem Hinsehen als ein äußerst ökonomisch denkendes und handelndes Wesen, das dazu neigt, sich stets für die persönlich vermeintlich beste Alternative zu entscheiden, egal ob er Amerikaner, Ägypter oder eben Chinese ist.

 

Im Zweifelsfall geben also finanzielle Aspekte, Bequemlichkeiten und Effizienzdenken oder Faktoren wie emotionale Genugtuung den Ausschlag für unsere Handlungsentscheidungen. So weit, so nachvollziehbar. Zum großen Problem wird dieses psychologische Strickmuster allerdings, wenn es um Umweltfragen und den Schutz unseres Planeten sowie ein nachhaltiges Zusammenleben in urbanen Ballungsräumen geht.

 

Denn – Vertreter von Umweltbehörden und -organisationen werden ein Lied davon singen können – der schlichte Appell an das „ökologische Gewissen“ von Verbrauchern oder Wirtschaftsakteuren verpufft meist klanglos im Getöse des modernen Großstadtlebens einer globalisierten Wirtschaftswelt.

 

Im Vergleich zu anderen Anlagen weisen die Gebäude der Nanchang Alpha International Community eine um bis zu 65 Prozent höhere Energieeffizienz auf. Im Hintergrund unseres Bildes ist das örtliche Riesenrad zu sehen, das die Promenade des Gan-Flusses schmückt. 

 

Stattdessen werden wenig nachhaltige und an maximalem Gewinn orientierte Produkte und Einrichtungen, die oft eine hohe Umweltbelastung mit sich bringen oder im schlimmsten Fall sogar gesundheitsschädlich sind, produziert und eben auch fröhlich gekauft bzw. genutzt, solange das Preis-Leistungsverhältnis uns einigermaßen akzeptabel erscheint.

 

Fatale Umweltschäden, dicke Luft und hohe Müllberge werden auf diese Weise in Kauf genommen, zumindest solange sie sich nicht unmittelbar und mit Wucht in unserem Alltag bemerkbar machen.

 

Die gute Nachricht ist zwar, dass es sich auch bei diesen Zusammenhängen gewissermaßen um eine Art natürliches Pendel handelt. Sprich: Sobald das Gleichgewicht zwischen möglichst guter Qualität zu möglichst günstigem Preis auf der einen Seite und den direkt sicht- und spürbaren Umweltfolgen im eigenen Alltag auf der anderen Seite kippt und die eigene Lebensqualität zu leiden beginnt, setzt in der Regel glücklicherweise ein Umdenken ein und die Dringlichkeit des Umweltschutzes rückt in den Vordergrund. Das Problem ist nur, dass es dann schlimmstenfalls bereits zu spät dafür sein kann, verursachte Schäden zu reparieren und losgetretene Entwicklungen auszubremsen bzw. umzukehren.

 

„Verantwortungsdiffusion“ in den Großstädten

 

Erschwerend kommt hinzu, dass Verstädterung und Großstadtleben eine Art „Verantwortungsdiffusion“ bewirken, wie sie aus der Sozialpsychologie aus unterschiedlichen Zusammenhängen bekannt ist. Je mehr Akteure wirken, desto wahrscheinlicher wird der Einzelne zum passiven „Bystander“, der sich nicht in der dringenden Verantwortung sieht, selbst aktiv zu werden und zum Beispiel umweltschädliches Verhalten anzuprangern bzw. ihm entgegenzuwirken. Gibt es doch schließlich genügend andere, die die gleichen, wenig nachhaltigen Handlungsmuster gleichermaßen an den Tag legen und die man statt seiner selbst in der Handlungsverantwortung sieht. Psychologen ist dieses Phänomen als sogenannter „Zuschauereffekt“ („Bystander Effect“) schon seit langem bekannt.

 

Zudem führt die soziale Reizüberflutung in dicht besiedelten urbanen Räumen erwiesenermaßen dazu, dass sich Menschen mehr auf sich selbst konzentrieren und weniger auf ihre Umwelt und ihre Mitmenschen, was sich nicht nur negativ auf das Miteinander in der Großstadt, sondern eben auch auf den verantwortungsvollen Umgang mit der städtischen und außerstädtischen Umwelt auswirkt. Ein Entfremdungsphänomen, das der US-Psychologe Stanley Milgram bereits im Jahr 1970 in seiner Urban-Overload-Hypothese beschrieb.

 

China ist ein Land, in dem die Urbanisierung seit Jahrzehnten rasant an Fahrt gewinnt, weshalb die oben beschriebenen Zusammenhänge es vor besondere Herausforderungen stellen. Wie kann es vor diesem Hintergrund gelingen, in den städtischen Wohnvierteln chinesischer Metropolen in Zukunft eine kohlenstoffarme Bau- und Lebensweise zu verwirklichen?

 

Die Regierung sucht allerorts aktiv nach Maßnahmen und Modellen, um Wege zur Gestaltung eines kohlenstoffarmen Stadtlebens zu erforschen. Doch das ist nicht immer einfach in einem Riesenreich wie China, in dem enorme Marktkräfte wirken und welches das Zuhause von rund 1,3 Milliarden „Homo Oeconomici“ bildet.

 

Wohnprojekt im Südosten Chinas macht Hoffnung

 

Abwasserrecycling: Ein Mitarbeiter der Hausverwaltung erklärt, wie die Abwasseranlage des Wohnkomplexes funktioniert.  Zur Füllung der Teichanlagen, Bewässerung der Grünanlagen und Reinigung der Straßen und Wege wird hier Regenwasser eingesetzt.
 

 

Doch es gibt Hoffnungsschimmer am Horizont. Einen davon haben wir in der Fünf-Millionen-Einwohner-Metropole Nanchang, der Hauptstadt der zentralchinesischen Provinz Jiangxi, besichtigt. Dort nämlich liegt der neue städtische Modellwohnbezirk „Nanchang Alpha International Community“, der einen Ausblick darauf gibt, wie grünes Stadtleben auf chinesischem Boden im 21. Jahrhundert aussehen könnte.

 

Der Spatenstich für das von der Regierung geförderte Modellprojekt, das im größten Ökobezirk der Stadt angesiedelt ist und nur einige hundert Meter vom Ufer des Gan-Flusses entfernt liegt, wurde im Jahr 2008 gesetzt. 2012 waren die Arbeiten am ersten Baukomplex abgeschlossen, noch in diesem Jahr soll der zweite Wohnkomplex eröffnet werden. Zusammen genommen umfassen beide Wohnsiedlungen eine Gesamtfläche von 232.000 Quadratmetern, was etwa der Größe von 33 Fußballfeldern entspricht. Rund 900 Eigentumswohnungen sind auf diesem Areal in den vergangenen neun Jahren entstanden, doch nicht einfach irgendwelche Eigentumswohnungen.

 

Die Nanchang Alpha International Community hat sich der Förderung einer umweltfreundlichen Bauweise sowie einer kohlenstoffarmen Lebensführung verschrieben. Vom chinesischen Bauministerium sowie dem Finanzministerium des Landes wurde die Anlage zu einem Vorzeigeprojekt für erneuerbare Energien erklärt, als einzige ihrer Art in der gesamten Provinz. Große Summen wurden in die nachhaltige Konstruktionsweise sowie die umweltfreundliche Betriebsweise der Anlage gesteckt. Mit Erfolg: 2009 wurde das Projekt als erstes seiner Art in China in die „Forbes Liste für grüne Vorzeigewohnprojekte“ aufgenommen. Es folgten zudem verschiedene nationale Preise und Auszeichnungen.

 

Was aber macht die Anlage so besonders? Chen Xiaobing, Vize-Manager des Ingenieurbüros der federführenden Real-Estate-Firma Sunny World, die Entwurf und Umsetzung des Großprojekts betreute, sagt: „Wir haben überdurchschnittlich in die nachhaltige Bausubstanz und die Gestaltung der Innenräume nach umweltfreundlichen Standards investiert, und das bereits zu Baubeginn im Jahr 2008, was damals eine Pionierleistung war.“

 

Beim Design der Anlage arbeitete man mit einem amerikanischen Architekturbüro zusammen, viele der Baumaterialien und eingesetzten Techniken wurden aus dem Ausland, unter anderem aus Europa, eingeführt.

 

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Im Vergleich zu anderen Anlagen weist die Nanchang Alpha International Community eine um bis zu 65 Prozent höhere Energieeffizienz auf“, sagt Chen. Angefangen bei Mauerwerk und Wärmedämmung, dem Dachbelag, den Materialien für Fenster und Türen bis hin zum Heizungs- und Belüftungssystem, dem Strom- und Abwassersystem sowie den Beleuchtungsanlagen – überall griffen Bauherr und Betreiber auf umweltschonende und energiesparende Materialien auf dem neuesten Stand der Umwelttechnik zurück. 

 

„Ein Herzstück der baulichen Konstruktion bildet insbesondere die Außenisolierung des Mauerwerks“, sagt Chen. Diese sorge dafür, dass die Temperatur der Innenräume sommers wie winters im Großen und Ganzen konstant bleibe. Vor allem für Nanchang ist das ein wichtiger Durchbruch in Sachen Energieersparnis, gilt die Stadt doch neben Nanjing, Wuhan und Chongqing als einer der vier „Glutöfen“ des Landes, wo in den Sommermonaten zwischen Juni und August besonders hohe Temperaturen herrschen.

 

Niedrigere Gewinnspanne, mehr Umweltschutz

 

Gute Lage mit Blick auf den Gan-Fluss: Wer es sich unter den Einwohnern Nanchangs leisten konnte, war bereit, für das umweltfreundliche Baukonzept deutlich tiefer in die Tasche zu greifen.  

 

Eine weitere Besonderheit bildet zweifelsohne auch die qualitativ hochwertige Gestaltung der Innenräume. Auch hier wurden ausschließlich umweltfreundliche und gesundheitsschonende Materialien verwendet. „Wir haben die Wohnungen komplett gestaltet auf den Markt gebracht, quasi mit dem Standard eines Fünf-Sterne-Hotels, was sehr ungewöhnlich ist für ein solches Bauprojekt“, erklärt Chen. So konnten die Betreiber gewährleisten, dass auch bei der Ausstattung der Innenräume, von der Wandfarbe über die Gestaltung von Küchen und Bädern bis hin zu Elektrogeräten und Beleuchtung, höchste Umweltschutzstandards verwirklicht wurden. Zudem installierte der Bauherr ein zentrales System für Heizung, Kühlung und Abwasserentsorgung. Bei der Heizungsanlage wird beispielsweise auf Grundwasserwärme zurückgegriffen, in Bad und Küche kommt ausschließlich Erdgas zum Einsatz.

 

„Die höheren Bau- und Materialkosten haben natürlich unsere Gewinnspanne verkleinert“, räumt Chen ein. Und das, obwohl die Immobilien 2008 deutlich über dem damals üblichen Marktpreis angeboten wurden. Ein Teil der Mehrkosten sei allerdings durch Subventionen der Regierung ausgeglichen worden. Den Regierungsverantwortlichen ist es durch diese Strategie letztlich also erfolgreich gelungen, zumindest der „Nutzenmaximierer“-Mentalität auf Bauherrenseite Zügel anzulegen.

 

Wie aber steht es um das „Homo Oeconomicus“-Gemüt der Verbraucher, sprich der potentiellen Wohnungseigentümer? Waren die Nanchanger bereit, für das grüne Konzept deutlich tiefer in die Tasche zu greifen? „Bis auf 13 Wohnungen haben wir bereits alle rund 900 Immobilien beider Baukomplexe erfolgreich an den Mann gebracht“, erklärt uns Zhang Xiaoyan, Generalmanager der für den Betrieb der Anlage zuständigen Immobilienfirma.

 

Einer, der sich gleich zwei Wohnungen in dem Modellkomplex gesichert hat, ist der 56-jährige He Yinong. „Mich hat bei meiner Kaufentscheidung vor allem die Qualität der Wärmeisolierung und die Energieeffizienz der gesamten Anlage überzeugt“, erklärt er uns. „Wir als Bewohner merken hier kaum einen Unterschied zwischen den heißen Sommermonaten und der kalten Winterzeit. Selbst wenn wir in den Wintermonaten auf das Einschalten der Klimaanlage zum Heizen verzichten, herrschen bei uns daheim konstant rund 15 Grad“, sagt er. Das macht sich natürlich auch im Geldbeutel bemerkbar.

 

Doch nicht nur durch das zentrale Heiz- und Belüftungssystem lassen sich für die Bewohner Kosten sparen. Die Hausverwaltungsfirma setzt in vielfältigen Bereichen auf Kosten- und Emissionsersparnis, wie uns Generalmanager Zhang erklärt. Erstere gibt die Firma durch niedrigere Verwaltungspauschalen an die Wohnungseigentümer weiter. „Wir realisieren beispielsweise eine strenge Mülltrennung. Was nicht recycelbar ist, wird zunächst in Säcke verpackt und dann als Ganzes abtransportiert, um keine unnötigen Emissionen beim Abtransport zu verursachen. Abfälle, die wir wieder verwerten können, sind dagegen für uns als Hausverwaltung eine wertvolle Ressource.“

 

Gleiches gilt im Übrigen auch für Regenwasser: „Normalerweise werden Ab- und Regenwasser gemeinsam abgeführt. Wir hingegen recyceln das Regenwasser und sammeln es in einem speziellen Auffangbecken. Es wird unter anderem zur Füllung der Teichanlagen, zur Bewässerung der Grünanlagen und zur Reinigung der Straßen und Wege eingesetzt. Erst wenn die Kapazitäten des Wasserspeichers ausgeschöpft sind, gelangt das Wasser in den üblichen Abwasserkanal.“

 

Grüne Wohnoase im Herzen Nanchangs

  

Grüne Wohnoase im Herzen der Großstadt: Rund ein Drittel des Modellwohnbezirks „Nanchang Alpha International Community“ ist von Pflanzen bedeckt. Um die Teichanlage im Zentrum ranken sich Büsche und Sträucher, es sprießen Pampelmusen- und Dattelbäume. 

 

Doch Zhang weiß, dass Energie- und Kostenersparnis nicht alles sind, um die Kundschaft von den Vorzügen der Vorzeigesiedlung zu überzeugen. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiterstab hat er auf dem Arial deshalb eine grüne Wohnoase geschaffen. Rund ein Drittel der Anlage ist von Pflanzen bedeckt. Um die Teichanlage im Zentrum und die zahlreichen Kanäle ranken sich Büsche und Sträucher, es sprießen Pampelmusen- und Dattelbäume. Das Grün schafft nicht nur eine Wohnatmosphäre mit Naherholungswert, sondern filtert ganz nebenbei auch den Staub und die Abgase der umliegenden Straßen aus der Luft. Private PKW wird man auf dem Areal der Wohnanlage ohnehin vergebens suchen. Sie werden direkt in das unterirdische Parkhaussystem umgeleitet.

 

Der Hausverwaltung ist es also durch ein kluges, grünes Management gelungen, auch den „Homo Oeconomicus“ auf Verbraucherseite zu bändigen und vom Mehrwert der nicht ganz billigen Eigenheime zu überzeugen.

 

Langfristig aber, das weiß auch Geschäftsmann Zhang, müssen die Umweltschutzideen auch in den Alltag der Bewohner übergehen. Nur so lässt sich das grüne Konzept dauerhaft aufrechterhalten.

 

„Um effektiven Umweltschutz und eine grüne Lebensweise zu verwirklichen, müssen sich auch die Alltagsgewohnheiten der Menschen anpassen. Wir veranstalten deshalb regelmäßig Infoveranstaltungen und andere Aktionen zum Thema Umweltschutz. Am Tag des Baumes beispielsweise pflanzen wir gemeinsam Bäume und im Frühling, wenn hier alles blüht, gibt es einen Fotowettbewerb. So können sich die Bewohner aktiv beteiligen. Außerdem gibt es einen Wohnverein, den die Bewohner selbst gegründet haben und der dabei hilft, die grüne Lebensweise in der Gemeinschaft weiter zu promoten.“

 

Vor dem Einzug und auch danach steht die Hausverwaltung Neuankömmlingen zudem mit Infomaterialien zu Themen wie kohlenstoffarme und sparsame Lebensführung oder umweltfreundliche Innenraumgestaltung zur Seite, klärt über den Einsatz von Energiesparlampen auf und zeigt, wie sich Hausmüll richtig sortieren und entsorgen lässt.

 

Ein Vorbild auch für andere Orte Chinas?

 

Keine Frage, die Verantwortlichen haben hier in Nanchang eine kleine grüne Wohnoase geschaffen, die Vorbildcharakter hat. Doch lässt sich das Modell problemlos auf andere Orte übertragen? Und wie wahrscheinlich ist es, dass in Zukunft weitere Bauvorhaben nach diesem Vorbild verwirklicht werden?

 

Ingenieur Chen sagt: „Vertreter zahlreicher Firmen haben unsere Anlage seit ihrer Eröffnung bereits besichtigt und ihr Interesse bekundet, von unserem Projekt zu lernen.“ Trotzdem gebe es seines Wissens landesweit bisher kein Projekt, das nach gleich hohen und umfassenden Umweltstandards umgesetzt wurde. Die hohen Kosten schrecken eben doch viele Bauherren ab. „Das liegt vor allem daran, dass wir überdurchschnittlich viel Geld in die Gestaltung der Innenräume der einzelnen Wohnungen gesteckt haben, aber auch in das Abwasser- sowie das Heizungs- und Belüftungssystem. All unsere Wasserleitungen bestehen beispielsweise aus hochwertigem Rotkupfer. Ein solch qualitativ hochwertiges Innenleben sieht man einem Gebäude von außen eben nicht an.“ Da sei die Verlockung auf Unternehmensseite schon groß, gerade im nicht sichtbaren Bereich auf billigere, weniger nachhaltigere Materialien zurückzugreifen.

 

Qualität bis ins Detail: Die Verantwortlichen investierten nicht nur überdurchschnittlich in eine nachhaltige Bausubstanz, sondern auch in die Gestaltung der Innenräume und aller Innenanlagen nach umweltfreundlichen Standards. 

 

Manager Zhang zeigt sich dennoch optimistisch: „Ich denke schon, dass in Zukunft in China zunehmend Projekte wie dieses Verwirklichung finden. China hat mittlerweile einfach ein gewisses Entwicklungsniveau erreicht und die Qualität von Produkten und Dienstleistungen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Letztlich steigen mit wachsendem Lebensstandard auch die Qualitätsansprüche der Verbraucher. Die Menschen in China sind heute bereit, einen höheren Preis für gute, nachhaltige Qualität zu zahlen. Von daher ist es meiner Meinung nach nur eine Frage der Zeit, bis sich Modelle wie das unsrige großflächig durchsetzen.“

 

Inwiefern es in Zukunft wirklich gelingen wird, eine nachhaltige, emissionsarme Bau- und Lebensweise in China im großen Maßstab zu verbreiten, wird wohl letztlich davon abhängen, inwiefern es Unternehmern und jedem Einzelnen mit Hilfe der Regierung gelingt, den inneren „Homo Oeconomicus“ in umweltfreundliches Zaumzeug zu zwängen. Einen entscheidenden Ausschlag dürfte sicherlich auch die Frage geben, als wie dringlich Umweltprobleme letztlich von der Bevölkerung wahrgenommen werden.

 

Somit bleibt Projekt Alpha sicher zunächst nur ein Tropfen auf den heißen Stein und nur ein erster, kleiner Anfang. Doch schon Lao Zi wusste ja bekanntlich: Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt.

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