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Prosa in brieflichem Verkehr (1)

30-10-2014

 

In tibetischen Archiven haben sich zahlreiche briefliche Zeugnisse der Vergangenheit erhalten. Dabei handelt es sich vorwiegend um Berichte, Ersuchen um Anweisungen, die an die Zentralregierung gerichtet sind, um Instruktionen an untergeordnete Institutionen, oder um Schreiben bedeutender Persönlichkeiten der Politik und Religion, die meist aus der Feder großer Gelehrter stammten. Häufig zeigen diese Dokumente eine gediegene literarische Bildung und sprachliche Gewandtheit der Verfasser, weswegen solche Sachtexte auch guter Prosa zuzuordnen sind. Ihnen soll durchaus ein Platz in der tibetischen Literatur eingeräumt werden.

Beispielhaft für solche Prosa ist „Sakya Panditas Schreiben an die Würdenträger des Tubo-Reiches“. Dieser Text, der auch heute noch vielen vertraut ist, zeichnet sich durch einen hohen ideellen Gehalt, geschmeidige Sprache, überzeugende Argumentation und bewegende Darlegungen aus. Er lautet:

„Seliger Sakya Pandita richtet folgendes Schreiben an die hochgebildeten und moralisch hoch stehenden Almosenspender in U-Tsang und Ngari:

Zum Zweck der großen Entfaltung des Buddhismus und unter Beachtung des Wohlergehens der Volksmassen, insbesondere derjenigen, welche die Tubo-Sprache sprechen, kam ich in Hor, dem mongolischen Gebiet, an, indem ich dem Ruf der großen Spender folgte, und dazu äußern sie sich mit großer Freude: ,Der Bruder Pagpa ist noch so jung und konnte mit den Gefolgsleuten kommen, wonach ich mich lange gesehnt habe. Nachdem Ihr Euch als erste unterworfen habt, haben alle anderen Grund genug, sich auch zu ergeben. Ihr folgt meinem Befehl und kommt hierher und die anderen werden mit Furcht auch kommen. Wie soll ich denn das nicht wissen ?! Der Bruder Pagpa hat sich zuvor mit der Religion des Tubo-Reichs vertraut gemacht und soll sie weiter studieren. Chana Dorje soll die mongolische Sprache lernen. Ich schütze ihn durch weltliche Gesetze; wenn Ihr ihn mit der heiligen Religion schützt, gibt es dann einen Grund, dass die Lehre Shakyamunis nicht überall im Lande verbreitet sein soll?‘ Der Khan verehrt sehr die drei buddhistischen Schätze, also Buddha, Dharma und Mönchorden, fördert Bildung und Erziehung und versteht sich darauf, seine Minister und die Volksmassen gut zu behandeln. Er zollt insbesondere mir mehr Gunst als den anderen. Er sagte einmal: ,Ihr verbreitet Dharma mit einem ruhigen Gemüt. Alles, was Ihr braucht, werde ich Euch geben. Ihr versteht es, mir zu dienen, das nehme ich zur Kenntnis. Der Himmel oben wird wissen, dass ich Euch gut behandle.‘ Der Khan kümmert sich besonders um Bruder Pagpa. Mit der reinen und guten Absicht, ,dem Dharma bewusst zu folgen und dem Land Glück zu verleihen‘ sagte er: ,Ihr könnt den Bewohnern Eurer Tubo-Stämme befehlen, Dharma gut zu lernen. Ich werde veranlassen, dass sie ein friedliches Leben führen können und es Euch wohlergeht.‘ Alle sollen in einer buddhistischen Zeremonie für das lange Leben des Khans und der königlichen Familie beten.

Wichtig ist, dass die Armee von Hor zahllose Soldaten hat. Ich vermute, dass die Truppen alle in ihre Verwaltungsgebiete gegangen sind. Wenn man den Forderungen dieser Armee entspricht, kann man mit ihr Leid und Freude teilen. Es ist nicht gestattet, mit Groll den Weisungen der Administration zu widersprechen oder sich nur mit leeren Worten der Herrschaft zu unterstellen. Die das tun, riskieren letzten Endes ihren Untergang. Dagegen wurden die uigurischen Gebiete nicht vom Unheil heimgesucht. Dort wurde eine früher nie gekannte Blüte erreicht. Mensch und Vieh wurden von ihnen selbst verwaltet. Die Verwaltungsbeamten wurden von ihnen selbst ernannt. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass die Herrschaft von Jin und Xixia sowie der Tataren untergegangen ist, weil sie zwar ihre Gesandten in die Mongolei geschickt hatten, aber den entsprechenden Anweisung nicht folgten, was letztendlich zum Untergang führte. Sie konnten nirgendwohin fliehen und ergaben sich demütig. Nun folgte die Herrschaft gehorsam den Anweisungen. Heute sind die Posten der Verwaltung meist durch weise Beamte besetzt. Unsere Stämme sind alle kämpferisch und unerschrocken, manche hoffen, doch noch fliehen zu können; andere hoffen, dass die Mongolen sie wegen der großen Entfernung nicht erreichen werden, es gibt sogar welche, die hoffen, die Kämpfe zu gewinnen. Aber diejenigen, die mit Hinterlist und Täuschung siegen wollen, gehen bestimmt zugrunde. Aus diesem Grund gibt es viele, die sich in Demut ergeben. Da unsere Stämme stark sind, werden sie zumeist zu Sklaven gemacht. Von Hundert werden nur einer oder zwei zu Beamten ernannt. Die Tubo-Angehörigen unterwerfen sich in hoher Zahl, aber sie geben nicht ausreichend Tribut. Das missfällt den herrschenden mongolischen Adligen.

Vor einigen Jahren war die mongolische Truppe noch nicht so weit vorgedrungen. Als ich Baili zur Unterwerfung brachte, wurden echte Freundschaftsgefühle vermittelt. Ich sagte, dass die Stämme in Ngari und U-Tsang sich bereits unterworfen haben, die verschiedenen Stämme von Baili haben sich auch unterworfen. Das ist der Grund, warum die mongolischen Truppen nicht einmarschierten. Daraus hat man schon Nutzen gezogen. Allerdings gab es auch in Dui Menschen, die das nicht begriffen, und die Bevölkerung hat eine hohe Zahl. Inzwischen wurden diejenigen mit Füßen getreten, deren Tribute nicht reichhaltig waren. Dass Missverständnisse nicht geklärt werden, hat zur Folge, dass es hohe Verluste an Menschen und Vieh gibt. Davon werdet Ihr auch gehört haben. Diejenigen, die denken, sie befänden sich in strategisch günstigen Gebieten und verfügten über zahlreiche starke Soldaten mit festen Panzern und hohen Fertigkeiten im Bogenschießen, so dass sie einen Krieg gegen die Mongolen siegreich gestalten könnten, werden vollständig vernichtet.

Manche, die da meinen, der Fron- und Militärdienst bei den Mongolen sei leicht, aber bei anderen Stämmen schwer, wissen offenbar nicht, dass im Vergleich zu den Mongolen die anderen eher einen leichteren Fron- und Militärdienst haben.

 

 

 

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