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Prosa in brieflichem Verkehr (2)

30-10-2014

 

Der mongolische Khan hat als Bedingung genannt: ,Wenn die Herrscheranweisungen befolgt werden, dürfen die Beamten in den verschiedenen Stämmen Eures Landes ihre ursprünglichen Posten behalten. Wenn Gesandte von Sakya mit goldenen oder silbernen Wörtern hierher kommen, ernenne ich sie zu Hauptverwaltern.‘ Diese Regelung soll als Dekret verkündet werden. Es sollen fähige Menschen mit Funktionen betraut werden. Listen mit den Namen der Beamten sollen allerorts angefertigt werden, ebenso sind Listen der Stämme und der Zahl ihrer Angehörigen sowie Angaben über die Tribute in drei Exemplaren auszufertigen. Ein Exemplar ist bei mir, das zweite beim Sakya-Gesandten und das dritte bei den leitenden Beamten an verschiedenen Orten einzureichen. Darin soll stehen, wer sich ergeben hat und wer nicht. Wenn zwischen beiden nicht unterschieden wird, ist zu fürchten, dass diejenigen, die sich bereits ergeben haben, mit denjenigen, die sich nicht ergeben haben, leiden müssen. Die Gesandten mit goldenen Wörtern von Sakya sollen die Lokalbeamten konsultieren und den Volksmassen dienen, damit diese gut leben können. Sie sollen nicht nach Belieben schalten und walten. Die Lokalbeamten dürfen auch nicht ohne Konsultation mit den Gesandten mit goldenen Wörtern von Sakya eigenmächtig entscheiden. In den gesetzlichen Bestimmungen gibt es Artikel über Strafen bei eigenmächtigem Vorgehen. Verstöße gegen die Bestimmungen sind bei keinem zu verzeihen. Ihr sollt Euch einträchtig anstrengen. Es ist von Nutzen, die gesetzlichen Bestimmungen der Mongolen zu befolgen. Der Empfang und die Verabschiedung von Gesandten mit goldenen Wörtern sollen umsichtig und aufmerksam geschehen. Bei der Ankunft stellt der Khan dem Gesandten mit goldenen Wörtern zuerst immer Fragen wie ,Gibt es Flüchtlinge?‘ ,Ist jemand Kriegern begegnet?‘ ,Folgt man dem Gesandten mit goldenen Wörtern richtig? Wird ihm gut gedient?‘ ,Ist der Frondienst ausgeführt worden?‘ ,Bleiben diejenigen, die sich ergeben haben, konsequent bei ihrer Entscheidung?‘ Wenn man sieht, dass der Gesandte mit goldenen Wörtern nicht froh ist, soll man aufrichtig zu ihm sprechen. Wenn man sieht, dass er froh ist, soll man für ihn beten. Es kommt immer wieder vor, dass man trotz seiner Verdienste schikaniert wird, nur weil man dem Gesandten mit goldenen Wörtern nicht folgt.

Lokale Adlige kommen hierher, um Tribute zu überreichen. Sie werden höflich behandelt. Wenn wir höflich behandelt werden sollen, dann sollen unsere Beamten reiche Tribute mitbringen und zusammen mit den Vertretern von Sakya hierher kommen. Die Höhe der Tribute soll mit den Vertretern vereinbart werden. Ich beteilige mich an der Planung und komme danach hierher. So könnten wir wieder Frieden und Freude haben. Im vorigen Jahr schickte ich jemanden mit der Mitteilung, dass dies ein kluger Weg wäre. Aber Ihr handeltet nicht danach. Denkt Ihr, dass sich Eure Stämme erst dann unterwerfen, wenn Ihr schon besiegt seid? Welche Befehle bis dahin gegeben werden, ist schwer vorauszusehen. Sagt nicht beim Gebet, ,die Menschen von Sakya sind zwar in die Mongolei gegangen, aber bringen uns keinen Nutzen.‘ Ich kümmere mich um die Volksmassen, welche die Tubo-Sprache sprechen. Darum gehe ich ins mongolische Gebiet. Wer meinen Worten folgt, kann daraus Nutzen ziehen. Ihr habt die Situation nicht mit eigenen Augen gesehen und kennt sie nur vom Hörensagen. Meine Worte überzeugen manche nicht. Deshalb möchten manche von Euch Krieg führen und hoffen zu siegen. Gerade deshalb trifft das Sprichwort zu: ,In Freude und Muße begegnet man den Teufeln.‘ Außer einem verheerenden Krieg ist auch zu fürchten, dass die Nachkommen der Bevölkerung von U-Tsang wahrscheinlich leiden werden, wenn man sie in die mongolischen Gebiete treibt. Ob ich Glück oder Unglück habe, ich klage nicht. Den drei Schätzen des großen Meisters folgend bleibe ich tugendhaft und komme vielleicht wieder in eine bessere Lage. Ihr sollt auch für die drei buddhistischen Schätze beten.

Der Khan kümmert sich mehr um uns als alle anderen. Darum kommen weise Würdenträger der Jin, Tubo, Xixia und Uiguren, die dies als Neuigkeiten betrachten, hierher, um Erläuterungen zu den Sutras zu hören. Sie sind sehr fromm. Die Leute von uns, die hierher kommen, brauchen sich nicht zu fürchten, von den Mongolen schlecht behandelt zu werden. Diese kümmern sich sehr um uns und behandeln uns sehr großzügig. Ihr braucht Euch keine Sorgen, um mich zu machen. Die Tribute sollten Gold, Silber, Elfenbein, große Perlen, Safran, Aucklandia lappa, Felle von Tigern, Leoparden, Bengalkatzen, Fischottern, Wollstoffe aus Tubo oder Pulu (Wollstoffe) aus Wei sein. Das wird hier sehr geschätzt. Gewöhnliches Vieh wird dagegen sehr gering geachtet. Von überall soll nur das Beste als Tribut überreicht werden.

,Wenn man Gold hat, können Wünsche erfüllt werden.‘ Denkt darüber tief nach. Der Buddhismus möge sich überall verbreiten!“

Mit diesem Schreiben wurden die Häuptlinge verschiedener Stämme in Tibet ermahnt, sich der Situation anzupassen und sich der mongolischen Herrschaft in aller Aufrichtigkeit zu unterstellen. Der Verfasser führte Tatsachen an, legte dar, dass das mongolische Königshaus den Glauben der Tibeter achtet und sich um Pandita und Pagpa kümmert. Außerdem hat die mongolische Herrschaft günstige Bedingungen zur Verbreitung der buddhistischen Lehre geschaffen und Stätten eingerichtet, in denen Sutras erläutert werden. Ferner wurden in diesem Schreiben die Bedingungen genannt, nach denen Einheimische Verwaltungsposten bekleiden durften, die Einwohner in Frieden leben und ihren Beschäftigungen nachgehen konnten. Andernfalls würden die Tubo schreckliches Unheil erleiden, besonders wenn man glauben sollte, man könne die Mongolen besiegen. Mit diesem Schreiben wurden verschiedene wirre Gedanken der Häuptlinge der tibetischen Stämme widerlegt, wodurch der Weg der Eingliederung Tibets in das Territorium des Vaterlandes geebnet wurde.

 

 

 

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