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Einbeziehung in den SZR-Korb dürfte Internationalisierung des RMB beschleunigen

31-12-2015

 

Von He Yafei*

Am 1. Dezember 2015 beschloss der Internationale Währungsfond (IWF), den Renminbi ab 1. Oktober 2016 als Basiswährung für seine Sonderziehungsrechte (SZR) aufzunehmen. Der RMB erhält dabei eine Gewichtung von 10,92 Prozent. Der US-Dollar sinkt dadurch auf 41,73 Prozent, der Euro auf 30,93 Prozent, der japanische Yen und das englische Pfund müssen sich in Zukunft mit 8,33 bzw. 8,09 Prozent begnügen.

SZR ist eine internationale Reservewährung und Kontoeinheit, die 1969 vom IWF eingeführt wurde. Falls sich die internationale Versorgung mit den zwei wichtigsten Reservewährungen – nämlich Gold und US-Dollar – im Rahmen des Bretton-Woods-Systems als unzureichend erweist, um die Liquidität des globalen Handels sowie des internationalen Finanzsystems zu garantieren, darf ein IWF-Mitgliedsstaat im Falle eines internationalen Zahlungsbilanzdefizits mit SZR, auch als „Papier-Gold“ bezeichnet, die Fremdwährungen anderer IWF-Mitgliedsstaaten tauschen, um so entweder Defizite auszugleichen oder Kredite des IWF zurückzuerstatten. Genauso wie Gold und die konvertierbaren Währungen ist auch das Sonderziehungsrecht eine internationale Reservewährung. Alle fünf Jahre überprüft der IWF die Zusammensetzung des SZR-Korbes und entscheidet demgemäß, ob – je nach Status in den internationalen Handels- und Finanzmärkten - neue Währungen in diesen Korb einbezogen werden. Die Gewichtung jeder Währung wird danach entsprechend nachjustiert.

Bevor der RMB in diesen Währungskorb aufgenommen wurde, setzte er sich anteilig wie folgt zusammen: der US-Dollar machte 41,9 Prozent aus, der Euro 37,4, das Pfund 11,3 und der Yen 9,4 Prozent.

Die wirtschaftliche Globalisierung in neuerer Zeit hat gezeigt, dass der Preisfaktor eine Schlüsselrolle bei der Wirtschaftsstärke und Wettbewerbsfähigkeit einer Nation spielt. Zum Beispiel verlagerte sich die Agrar- und Fertigungsindustrie in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts allmählich von Europa nach Nordamerika, wo die Ackerflächen breiter und billiger waren. Der neue Kontinent ergriff diese Gelegenheit und entwickelte sich zu einem neuen Zentrum der Weltwirtschaft. Ein weiteres Beispiel fand in den 1980er Jahren in Südostasien statt. Aufgrund seiner reichen und billigen Arbeitskräfte zog die Region damals hohe ausländische Direktinvestitionen an, so dass sich ihre Fertigungsindustrie rasant entwickelte und ein neues Wirtschaftswunder geschaffen wurde.

Darüber hinaus bestimmen die natürlichen Ressourcen, über die ein Land verfügt, den Wirtschaftsumfang seiner Nation. China gilt seit jeher als ein großes Land mit riesiger Bevölkerung und reichen Ressourcen. Von der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.) bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts stand China weltweit in der ersten Reihe bei der Wirtschafts-, Finanz- und Finanzierungsentwicklung.

Im Zeitalter der wirtschaftlichen Globalisierung hat die Fähigkeit jedes Landes zur Disposition weltweiter Ressourcen, insbesondere von Kapital, entscheidende Bedeutung für seine Stärke. Seit dem 20. Jahrhundert haben das globale Kapital, Technologien, Arbeitskräfte sowie die Aufgliederung und Kombination der Industriekette die Kontrolle eines Landes über das weltweite Finanzkapital stark beeinflusst. Ein wirtschaftlich starkes Land muss heute in der Lage sein, weltweit über Ressourcen zu verfügen. Der Ausdruck „zwei Märkte und zwei Arten von Ressourcen“, der von chinesischen Politikern und Ökonomen oft verwendet wird, bezieht sich auf nationale und internationale Märkte und Ressourcen. Darüber hinaus muss ein wirtschaftlich starkes Land gleichzeitig auch Stärke im Finanzwesen beweisen, da diese das Mitspracherecht über den Fluss von Geldern und Technologien innerhalb der globalen Arbeitsteilungskette sichert. Erst dann kann ein Staat die Arbeitsteilung mitbestimmen und als letzter Verteiler von Produktionsfaktoren fungieren.

China ist heute das weltweit größte Land der Fertigungsindustrie. Laut Statistiken der Vereinten Nationen besitzt die Volksrepublik die meisten kompletten Branchen in diesem Bereich. Viele chinesische Unternehmen streben zudem danach, ins Ausland zu gehen. Bisher haben sich mehr als 20.000 chinesische Firmen in Übersee angesiedelt. Allein der Telekommunikationsriese Huawei hat Niederlassungen und Fabriken in 164 Ländern und Regionen gegründet. Darüber hinaus ist auch die Kaufkraft der chinesischen Kunden auf überseeischen Märkten in den letzten Jahren stark gestiegen. Der RMB hat sich von einer Abrechnungswährung bis zu einem gewissen Grad hin zu einer Anlage- und Reservewährung entwickelt. Und auch der Prozess der Internationalisierung des RMB schreitet vor diesem Hintergrund mit großen Schritten voran. China hat mittlerweile mit mehr als 30 Ländern Währungs-Swap-Verträge im Wert von mehr als 5 Billionen Yuan, umgerechnet rund 705 Milliarden Euro, unterzeichnet. Die Entwicklung Chinas und anderer Länder in der Vergangenheit hat gezeigt, dass es für ein Land auf dem Weg zur Entwicklung hin zu einer großen Nation der goldene Weg ist, sich von einem starken Land der Fertigungsindustrie zu einem finanzstarken Land zu entwickeln. Dies ist in der Tat auch eine notwendige Voraussetzung, damit Chinas erfolgreiche Umwandlung von einem großen zu einem starken Produzenten gelingen kann.

Währung, Finanzmarkt und Realwirtschaft sind die drei wichtigen Säulen, die ein finanzstarkes Land stützen. In dieser Hinsicht gilt es für aufstrebende Länder wie China noch einige Grundlagen zu schaffen:

Erstens muss die souveräne Währung eines Landes internationalisiert werden, so dass sie in der Lage ist, die Verwaltung der globalen Wirtschaft und der internationalen Finanzen zu führen und das Verwaltungssystem in dieser Hinsicht auszugestalten. Die Internationalisierung der Währung einer Nation erfordert vor allem eine starke industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Neben einem wichtigen Platz in der Weltwirtschaft sowie im Welthandel sind auch günstige historische Ausgangsbedingungen von großer Bedeutung. Der US-Dollar zum Beispiel wurde 1945 nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als Weltreservewährung festgelegt. Der Grund lag darin, dass die USA als Siegerland am meisten von diesem Krieg profitierten. Im Krieg wurden nämlich viele industrielle Anlagen in Europa und Asien zerstört. Ein neues internationales Handels-, Investitions- und Währungssystem musste aufgebaut werden. Die USA ergriffen diese Gelegenheit und nutzten ihren Status als einer der weltweit wichtigsten Gläubigerstaaten, Investoren und Hersteller, um die Gestaltung eines neuen internationalen Wirtschafts- und Finanzsystems in die Hand zu nehmen. Als Folge wurde der US-Dollar die weltweit primäre Reservewährung und auch die Währung zur Preisgestaltung internationaler Massengüter.

Die Fakten zeigen, dass die Währung eines finanzstarken Landes im Allgemeinen im Bereich des internationalen Handels und auf den internationalen Währungsmärkten weit verbreitet ist und sich allgemein großer Akzeptanz erfreut. Sie kann für den internationalen Zahlungsverkehr, den Devisenhandel und staatliche Reserven gleichermaßen verwendet werden. Aus diesem Grund erzeugt die Geldpolitik eines finanzstarken Landes häufig einen starken Spillover-Effekt (Übertragungseffekt). Jede Maßnahme von der Zentralbank des jeweiligen Landes, egal ob Verschärfung oder Lockerung seiner Finanzpolitik, führt zwangsläufig auch zu Veränderungen in den Wechselkursen und Zinssätzen anderer Länder. Darüber hinaus beeinflusst sie auch die globalen Finanz- und Rohstoffmärkte sowie die grenzüberschreitenden Kapitalströme.

Zweitens ist auf dem Weg hin zu einem finanzstarken Land ein gut entwickelter Finanzmarkt mit einer starken Fähigkeit zur Disposition globaler Finanzressourcen unabdingbar. Ein finanzstarkes Land besitzt in der Regel ein oder mehrere internationale Finanzzentren, die internationale Währungen, Kapital und Plattformen des Warenmarktes führen und dadurch das Recht auf die Zuweisung globaler wirtschaftlicher Ressourcen sowie die Preisgestaltung des internationalen Finanzmarktes im Griff haben. Nehmen wir wieder die USA als Beispiel: Die New York Stock Exchange und die Chicago Mercantile Exchange setzen Standardpreise für globale Finanzprodukte und Massengüter fest. Dies ermöglicht es, dass die USA mit einem vergleichsweise niedrigen Zinssatz Ersparnisse aus anderen Ländern absorbieren, während sie Direktinvestitionen im Ausland anlegen, um hohe Gewinne zu erzielen.

 

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