CHINAHOY

HOME

HOME

Der chinesische Außenhandel 2015 – eine Bilanz

06-01-2016

 

Von Yao Ling*

 

Für Chinas Außenhandel war das gerade zu Ende gegangene Jahr 2015 das wohl schwierigste seit dem Ausbruch der internationalen Finanzkrise. Sowohl Chinas Importe als auch seine Exporte schrumpften 2015. Zudem war der Rückgang wohl der größte seit dem Jahr 2009. Warum kam es zu dieser Entwicklung? Hierfür gibt es vielschichtige Gründe. Einer ist sicherlich, dass Chinas Wirtschaft mittlerweile in einen Zustand der neuen Normalität eingetreten ist. Die Gestalt des Außenhandels, die Ein- und Ausfuhren sowie die Struktur der Märkte haben sich grundlegend verändert und es wird für China vor diesem Hintergrund immer schwieriger, sein zweistelliges Wachstum der vergangenen drei Jahrzehnte aufrechtzuerhalten. Zum anderen ging die Wiederbelebung der Weltwirtschaft nur schleppend vonstatten. Auch sind die globalen Preise von Massengütern im vergangenen Jahr stark gefallen und die Nachfrage auf dem internationalen Markt sank. All dies hat sich letztlich negativ auf den chinesischen Außenhandel ausgewirkt.

 

Ein Techniker des Hebeier Unternehmens Boostsolar justiert eine automatische Schweißmaschine der vierten Generation. 2015 konnte eine Vielzahl solcher leistungsstarker, in China entwickelter elektronischer bzw. mechanischer Geräte in zahlreiche Länder weltweit exportiert werden, unter anderem nach Brasilien und in die USA. Unser Bild entstand am 19. November 2015.   

 

Was die inländischen Gründe betrifft, so konnte China die Gesamtlage alles in allem gut kontrollieren, obwohl der Außenhandel in kleinerem Ausmaß zurückging. Es ist der Volksrepublik gelungen, die Strategie der Freihandelszonen aktiv in die Praxis umzusetzen und das äußere Umfeld für den Außenhandel ständig zu verbessern. Entscheidend war vor allem, dass China weiterhin alles daran gesetzt hat, die Optimierung und Niveauhebung des Außenhandels zu beschleunigen, damit sich China von einer quantitativ großen Außenhandelsnation zu einer qualitativ starken Handelsnation entwickeln kann. Für die kommenden fünf Jahre verfügt China damit noch immer über eine stabile Grundlage für die Entwicklung seines Außenhandels.

 

Größerer Abwärtsdruck auf Im- und Export

 

Betrachten wir zunächst die Grunddaten des chinesischen Außenhandels im Jahr 2015: Nach Statistiken des chinesischen Zollamts belief sich das Gesamtvolumen des chinesischen Außenhandels zwischen Januar und Oktober 2015 auf 3,23 Billionen US-Dollar, was einem Minus von 8,5 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode entspricht. Der Export lag unterdessen bei 1,86 Billionen US-Dollar, was im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von 2,5 Prozent bedeutet. Die Importe erreichten ein Volumen von 1,37 Billionen US-Dollar, eine Abnahme um 15,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auf das gesamte Jahr 2015 hochgerechnet dürfte China damit den größten Rückgang seiner Außenhandelsgeschäfte seit 2009 nach dem Ausbruch der internationalen Finanzkrise erlebt haben.

 

Nimmt man die Zahlen der Monate Januar bis Oktober einzeln unter die Lupe, zeigt sich zudem, dass nur in drei Monaten im Vergleich zum Vorjahr ein Exportplus erwirtschaftet werden konnte. Insbesondere in den vier Monaten seit Juli zeichnete sich ein Minus ab. Der Rückgang der Exporte hat sich also erweitert. Im Oktober ging der Export im Vergleich zum Vormonat um ganze 6,4 Prozent zurück, im Vergleich zum Vorjahr sogar um 6,9 Prozent. Auch Chinas Importe schrumpften in den ersten zehn Monaten 2015 im Vergleich zum Vorjahr. Hier wurde gar ein zweistelliger Rückgang verzeichnet. So nahm der Import beispielsweise im Oktober im Vergleich zum Vormonat um 9,8 Prozent und im Vergleich zum Vorjahr um 18,8 Prozent ab.

 

Chinas drei größte Außenhandelspartner sind die EU, die USA und die ASEAN-Staaten. Von Januar bis Oktober 2015 belief sich Chinas Außenhandelsvolumen mit der EU auf insgesamt 465,5 Milliarden US-Dollar, ein Minus von 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das chinesisch-amerikanische Außenhandelsvolumen betrug unterdessen 461,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 1,8 Prozent im Vergleich zur Vorjahrsperiode. Der Außenhandel mit den ASEAN-Staaten erreichte ein Volumen von 379,2 Milliarden US-Dollar, ein Rückgang um 2,9 Prozent. Auch Chinas Exporte in die USA wuchsen in den ersten zehn Monaten 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,2 Prozent, die Exporte nach Südkorea nahmen um 1,1 Prozent, nach Vietnam um 5,5 Prozent, nach Großbritannien um 3,5 Prozent, nach Indien um 8,4 Prozent und nach Singapur um 9,3 Prozent zu. Die Ausfuhren vom chinesischen Festland nach Hongkong gingen unterdessen um 12,2 Prozent zurück. Auch die Exporte nach Japan (Rückgang um 9,5 Prozent), nach Deutschland (4,9 Prozent) und in die Niederlande (8,2 Prozent) gingen zurück.

 

Was die Hauptexportwaren betrifft, so lassen sich die Zahlen mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten. Denn in den ersten zehn Monaten 2015 knackten Chinas Exporte von elektrischen und mechanischen Produkten die Marke von 1,1 Billionen US-Dollar und verbuchten damit ein leichtes Wachstum von 0,8 Prozent. Diese steigende Tendenz zeichnete sich vor allem bei den Exporten von integrierten Schaltungen, Mobiltelefonen, Schiffen und Beleuchtungsgeräten ab. Die Exporte in diesem Warensegment konnten ein Wachstum von jeweils 4,6 Prozent, 13,1 Prozent, 16,9 Prozent bzw. 13,9 Prozent verbuchen. Auch im Bereich der Ausfuhren von arbeitsintensiven Produkten konnte zum Beispiel der Export von Spielzeug sowie Koffern und Taschen ein Wachstum von jeweils 10,9 und 4,2 Prozent verbuchen. Hingegen sanken die Ausfuhren von Textilien, Kleidung und Schuhen jeweils um 1,9, 7,5 bzw. 5,1 Prozent. Bemerkenswert ist das Exportvolumen von Walzstahl. Hier lagen die Ausfuhren bei 92,13 Millionen Tonnen, ein Wachstum von 24,7 Prozent im Vergleich zu 2014, die Einnahmen aber betrugen lediglich 53,3 Milliarden US-Dollar und sanken damit um 6,9 Prozent.

 

Was die Hauptimportwaren angeht, so erreichten die Einfuhren von elektrischen und mechanischen Geräten ein Volumen von 654,35 Milliarden US-Dollar, ein Rückgang um 6,4 Prozent gegenüber 2014. Dabei beliefen sich die Importe von integrierten Schaltungen auf 183,07 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 3,7 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode. Die Einfuhren von LCD-Bildschirmen lagen dagegen bei 32,66 Milliarden US-Dollar, ein Minus von 10,4 Prozent verglichen mit 2014. Was den Import von Massengütern in den ersten zehn Monaten 2015 betrifft, so importierte China insgesamt 275 Millionen Tonnen Erdöl, was einer Zunahme von 8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Ausgaben dafür aber betrugen 114,3 Milliarden US-Dollar und sanken damit um 41,3 Prozent. Von Januar bis Oktober 2015 importierte China zudem 775 Millionen Tonnen Eisenerz und Erzmehl im Wert von 47,98 Milliarden US-Dollar, 0,5 bzw. 41,2 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Im gleichen Zeitraum importierte China auch 65,18 Millionen Tonnen Bohnen, 14,7 Prozent mehr als noch 2014. Die Ausgaben für diese Einfuhren lagen allerdings bei 283,3 Millionen US-Dollar, was einer Abnahme von 14,4 Prozent entsprach.

 

1   2     

Reisen

Der Geruch Chinas – Wie sich mein China-Bild veränderte

Als der Südkoreaner Kim Wodong 2011 zum ersten Mal nach Beijing kam, erlebte er die Metropole vor allem laut, gedrängt und stickig. Der Alltag in der Hauptstadt schien ihm nur wenig lebenswert. Doch nach einem längeren Studienaufenthalt in Qufu und Reisen in weitere Städte änderte sich sein Bild vom Reich der Mitte.

Gesellschaft

Xinjiang – 60 Jahre Entwicklung und Fortschritt

In diesem Jahr feiert das Autonome Gebiet Xinjiang sein 60-jähriges Bestehen. Für uns ein Grund, einen Blick zurück zu wagen. In den vergangenen sechs Jahrzehnten seit seiner Gründung 1955 konnte Xinjiang große Erfolge bei der Entwicklung erzielen. Und auch die Aussichten für die Zukunft sind viel versprechend.

Ein Sack Reis und eine grüne Wüste – Eindrücke vom fünften Kubuqi International Desert Forum

Die Kubuqi-Wüste, einige hundert Kilometer vor den Toren Beijings in der Inneren Mongolei gelegen, dürfte nicht nur für viele Großstädter ein blinder Fleck auf der Landkarte sein. Dabei reichen die Auswirkungen der Erfolge, die dort im Kampf gegen die Wüstenbildung in den letzten Jahren errungen wurden, bis nach Beijing und sorgen sogar weltweit für Aufmerksamkeit.

Die Jahreskonferenz 2015 des Eco-Forum Global Guiyang

Das Globale Öko-Forum Guiyang (Eco-Forum Global, EFG), im Jahr 2013 ins Leben gerufen, ist das einzige internationale Gipfelforum Chinas zum Thema Öko-Zivilisation. Seine Jahreskonferenz 2015 mit mehr als tausend Teilnehmern aus aller Welt fand vom 26. bis 28. Juni in Guiyang, der Hauptstadt der südwestchinesischen Provinz Guizhou, statt. Wie ihre Vorgänger in den letzten beiden Jahren erfreute sich auch die diesjährige Konferenz wieder eines vollen Gelingens.

Tibet

Nachwort

In der Gegenwart erlebt die tibetische Literatur eine beispiellose Blüte. Im vorliegenden Buch können nur wenige, repräsentative Werke vorgestellt und kommentiert werden. Und natürlich geht es vor allem um von tibetischen Schriftstellern geschaffene Werke.

Gesundheit

TCM-Gebirge Luofushan – Hype um Medizin-Nobelpreis bringt neue Entwicklungschancen

Anfang Oktober 2015 stand fest, dass die 84-jährige Chinesin Tu Youyou den Nobelpreis für Medizin erhält. Die Nachricht hat die Traditionelle Chinesische Medizin als solches auf die Bühne der Weltöffentlichkeit gehievt. Ein geschichtsträchtiger Ort, der davon besonders profitiert, ist das Luofushan-Gebirge in der Provinz Guangdong. Denn hier liegen die Ursprünge der Auszeichnung für Tu Youyou.

Kräutermedizin heilt Krankheiten – Grundlagen der traditionellen chinesischen Medizin

Im Vergleich zur westlichen Medizin erscheint die traditionelle chinesische Medizin (TCM) um einiges geheimnisvoller. Das chinesische Schriftzeichen für „Medizin“ (药,yao) beinhaltet ein Radikal, das „Kräuter“ bedeutet, denn Heilkräuter sind die grundlegenden Elemente der traditionellen chinesischen Pharmakologie.

Mehr als nur Essen – Wie Chinesen alltägliche Lebensmittel zur Gesundheitserhaltung nutzen

„Essen ist des Volkes Himmelreich“ lautet ein bekanntes chinesisches Sprichwort. Dabei bedeutet Essen in China nicht nur Ernährung, sondern auch Gesundheitspflege. Wer in China am späten Nachmittag durch das Fernseherprogramm zappt, dem begegnen etliche Formate, die sich rund um das Thema Essen und Gesundheitserhaltung drehen. Die chinesische Ernährungslehre ist eine Wissenschaft für sich und für Ausländer gibt es noch viel unbekanntes Terrain zu entdecken.