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13. Fünfjahresplan: China setzt auf die Reform der Angebotsseite

28-03-2016

 

Von Zhou Lin

Am 11.11.2015 um Punkt Mitternacht läuteten Chinas Onlinehändler den Beginn ihres jährlichen Online-Shopping-Karnevals ein. Den Händlern, die sich zum „Doppel-Elf-Fest“ im Internet eine regelrechte Rabattschlacht liefern, bringt das Shoppingevent in jedem Jahr satte Einnahmen. So fuhr allein das chinesische Online-Kaufhaus Tmall 2015 an besagtem Tag Umsätze von rund 91,2 Milliarden Yuan ein, das sind umgerechnet rund 12,7 Milliarden Euro. Damit stellte das Portal einen neuen Weltrekord auf. 68 Prozent der „Doppel-Elf“-Transaktionen wurden per Handy getätigt und sie stammten aus 232 verschiedenen Ländern und Regionen. Chinas Doppel-Elf-Fest hat sich damit den Status des größten Online-Shopping-Events der Welt gesichert.

Auch während des chinesischen Frühlingsfests 2015 war das Thema Shopping ein großes Gesprächsthema im Reich der Mitte. Während der Feiertage reisten auch 2015 wieder zahlreiche chinesische Touristen nach Japan. Auf der Einkaufsliste vieler Reisender standen dabei japanische Toilettensitze, da sich diese in der Volksrepublik großer Beliebtheit erfreuen. Was viele Auslandsshopper nicht wussten: Die gefragten High-Tech-Sitze werden tatsächlich ausnahmslos in der eigenen Heimat hergestellt, nämlich in der südostchinesischen Küstenprovinz Zhejiang. Diese Nachricht hat unter Chinas Netizens damals große Aufmerksamkeit erregt und für heiße Diskussionen gesorgt.

Es stellt sich die Frage: Warum kaufen so viele Chinesen ursprünglich in China hergestellte Waren lieber auf Reisen in Nachbarländern ein? Eine Frage, die Journalisten während der Jahrestagungen von NVK und PKKCV im vergangenen Jahr auch dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang stellten.

Lis Reaktion: „Erstens sollten wir angesichts solcher Phänomene offen sein, um uns allen Handelsbarrieren zu widersetzen. Denn die Verbraucher haben ein Recht darauf, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Zweitens müssen Chinas Unternehmen daran arbeiten, ihre Technologien zu verbessern, um so Waren gleichwertiger Qualität herzustellen. So können unsere heimischen Waren in Zukunft wettbewerbsfähiger werden. Zumindest können sich so unsere chinesischen Kunden die Kosten für ein Flugticket sparen.“

Es ist offensichtlich, dass den chinesischen Kunden weder der Eifer noch das Geld fehlt, um kräftig zu konsumieren. Die teils unbefriedigende Qualität sowie die überhöhten Preise von manchen Produkten auf dem Inlandsmarkt veranlassen chinesische Kunden allerdings noch immer oft dazu, Waren in Übersee einzukaufen. Sollte es China also in naher Zukunft gelingen, die Steuern auf bestimmte importierte Waren merklich zu senken und gleichzeitig die Qualität der inländischen Produkte zu steigern, könnte Chinas riesiges Konsumpotenzial bald auch im Inland voll freigesetzt werden und damit zu einer wichtigen Stütze des heimischen Wirtschaftswachstums werden.

Helfen soll dabei auch der jährliche Shopping-Karneval: Schon seit einigen Jahren nehmen Chinas Onlinehändler den 11.11. zum Anlass für groß angelegte Rabattenaktionen. Jedes Jahr geben die Anbieter an diesem Tag satte Nachlässe auf viele Waren. Mittlerweile hat sich das Doppel-Elf-Fest von einem rein nationalen Marketing-Tag zu einem weltweiten Online-Shopping-Event entwickelt. Neue Strategien wie diese krempeln die Verkaufsmodelle der Volksrepublik mittlerweile gehörig um.

Das Problem der schwachen Nachfrage

Während der Periode des 12. Fünfjahresplanes (2011–2015) setzte Chinas Regierung bereits auf die Strategie, die wirtschaftliche Entwicklung zunehmend durch die Vergrößerung der Inlandsnachfrage zu fördern. Zwar konnte dieser Kurs bis zu einem gewissen Grad die wirtschaftliche Abschwächung im Reich der Mitte abfangen, doch das Wirtschaftswachstum ging dennoch drastisch zurück. Daraus lässt sich ablesen, dass die bisher spärliche Nachfrage letztlich nicht der einzige Schuldige für Chinas momentanes wirtschaftliches Dilemma ist.

Seit Ausbruch der internationalen Finanzkrise 2008 setzt Chinas Regierung auf eine lockere Finanz- und Geldpolitik als wirtschaftlichen Hebel, um so durch Investitionen, Export und Verbrauch die Nachfrage zu stimulieren. Mit dieser Maßnahme konnte China dem wirtschaftlichen Rückgang zumindest zeitweise Paroli bieten. So startete die Regierung etwa 2010 ein umfangreiches Konjunkturpaket im Wert von vier Billionen Yuan (rund 555 Milliarden Euro), das dafür sorgte, dass sich die chinesische Wirtschaft erholen konnte. In jenem Jahr wurde ein zweistelliges Wachstum von 10,6 Prozent realisiert. Zwei Jahre später jedoch rutschte Chinas Wirtschaft auf eine Wachstumsrate von nur noch weniger als acht Prozent ab und 2015 lag das Wachstum mit 6,9 Prozent bei weniger als sieben Prozent.

Die jahrelange Erfahrung aus der Praxis hat gezeigt, dass die Rückkehr zu einem hohen Wachstum durch Investitionen fast unmöglich ist, da die Aussichten ihrer beiden Hauptstützen, nämlich des Immobilienmarkts und der Fertigungsindustrie, in China mittlerweile düster sind. Chinas Immobilienmarkt ist stark polarisiert. Während die Preise in Metropolen wie Beijing, Shanghai oder Guangzhou unverändert hoch liegen, ächzen die meisten mittleren und kleineren Städte unter dem Druck hoher Immobilienbestände und der Herausforderung, die Zahl nicht verkaufter Häuser zu reduzieren. Und auch die chinesische Fertigungsindustrie sieht sich mit der Notwendigkeit konfrontiert, bestehende Überkapazitäten zu beseitigen.

Die allmähliche Erholung der Weltwirtschaft gepaart mit dem Schwinden des Kostenvorteils in der heimischen Fertigungsindustrie hat Chinas Im- und Export in den letzten Jahren merklich zugesetzt. In den ersten drei Quartalen 2015 sanken die Im- und Exporte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,9 Prozent. Es wird zudem prognostiziert, dass eine schnelle Erholung der Weltwirtschaft nicht abzusehen ist. Die Aussichten der meisten Industrieländer, insbesondere Japans und der europäischen Staaten, sowie auch einiger Schwellenländer sehen nicht gerade rosig aus. Von daher ist es unwahrscheinlich, dass der ausländische Bedarf der chinesischen Wirtschaft weiterhin entscheidende Impulse geben wird. Eine zusätzliche Herausforderung liegt in den von den USA angeführten neuen globalen Handelsabkommen wie dem TPP. Denn sie implizieren letztlich, dass die Boni der chinesischen Wirtschaft durch Chinas WTO-Beitritt allmählich verschwinden werden.

 

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