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Chinas wirtschaftliche Transformation bringt Chancen für die Welt

30-03-2016

 

 

Von Li Gang*

In den vergangenen mehr als 30 Jahren seit der Einführung der Reform- und Öffnungspolitik konnte Chinas Wirtschaft eine durchschnittliche Wachstumsrate von jährlich mehr als zehn Prozent realisieren. Ein Erfolg, den sie vor allem den großen Exporten und Investitionen verdankt. Dieses alte Wachstumsmodell scheint nun allerdings ausgedient zu haben. Denn es war zugeschnitten auf Chinas frühere wirtschaftliche Lage, die durch unzureichende Versorgung und billige Arbeitskräfte gekennzeichnet war. In der Vergangenheit hat das alte Modell eine wichtige Rolle bei der Förderung des Wirtschaftswachstums, dem Aufbau und der Vervollkommnung des industriellen Systems sowie bei der Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung gespielt.

Mit der Veränderung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen in der Volksrepublik wurden allerdings nach und nach die Nachteile dieser übermäßigen Abhängigkeit von Exporten und Investitionen deutlich. Erstens haben die übermäßig hohen Investitionen große Überkapazitäten in einigen Branchen, eine geringe Produktionseffizienz sowie wirtschaftliche Ungleichgewichte geschaffen. Zweitens haben sie zu einem stetigen Anstieg des Anteils der Staatsverschuldung am BIP geführt. Und drittens ist die chinesische Wirtschaft durch ihr stark exportabhängiges Wachstumsmodell übermäßig stark anfällig für zyklische Veränderungen der Weltwirtschaft geworden.

Seit Chinas neue Führungsgeneration im November 2012 das Ruder übernahm, hat die chinesische Regierung neue Pläne für die wirtschaftliche Entwicklung formuliert. Die Marschroute für die Transformation des chinesischen Wachstumsmodells hat sich bis heute immer deutlicher herauskristallisiert.

Am 12. November 2013 nahm die dritte Plenartagung des 18. Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas in Beijing den „Beschluss des ZK der KP Chinas über einige wichtige Fragen zur umfassenden Vertiefung der Reform“ an. Das Dokument umfasst Reformmaßnahmen in 60 Bereichen, die sich auf das wirtschaftliche, politische, gesellschaftliche und kulturelle System sowie das System der ökologischen Zivilisation beziehen. Diese Plenartagung markierte ohne Zweifel einen Wendepunkt in der wirtschaftlichen Transformation Chinas. Der Entwurf des 13. Fünfjahresplanes für die Jahre 2016 bis 2020, der von der diesjährigen Tagung des Nationalen Volkskongresses geprüft und angenommen wurde, hat sich das Ziel gesetzt, die chinesische Wirtschaft in den kommenden fünf Jahren von einer industriebranchen- und investitionsorientierten Wirtschaft in eine durch Dienstleistung, Innovation und Konsum als Motoren angetriebene Wirtschaft zu verwandeln.

Der Konsum soll die grundlegende Triebkraft dieses neuen Wachstumsmodells bilden. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören unter anderem die Vervollkommnung der sozialen Absicherungssysteme sowie der Aufbau eines gesellschaftlichen Sicherheitsnetzes, damit das verfügbare Einkommen der chinesischen Bevölkerung erhöht, ihre Kaufkraft gesteigert und der Konsum gefördert werden kann. Unterdessen soll die marktorientierte Reform des chinesischen Finanzmarktes weiter gefördert werden, um finanzielle Engpässe zu vermeiden und so ein gutes Finanzierungsumfeld zu schaffen. Durch die Vergrößerung der Nachfrage und die Verbesserung des Investitionsumfeldes wird letztlich ein rationales Wachstum der Investitionen gefördert, so dass das Wirtschaftswachstum insgesamt profitiert und die Beschäftigung ausgebaut werden kann.

Aus langfristiger Sicht wird die Umwandlung des Wachstumsmodells der chinesischen Wirtschaft nicht nur für die nachhaltige und gesunde wirtschaftliche Entwicklung Chinas förderlich sein, sondern auch das Wachstum der Weltwirtschaft ankurbeln. Mit anderen Worten: Chinas nachhaltiges und stabiles Wirtschaftswachstum, seine verbesserte Verbrauchsstruktur, optimierte Industriestruktur und auch der neue Urbanisierungsprozess wird nicht nur Vorteile für China selbst bringen, sondern auch neue Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung anderer Länder schaffen.

Chinas Beitrag zum globalen Wirtschaftswachstum

Die chinesische Wirtschaft ist bereits in eine neue Phase eingetreten, die wir als „neue Normalität“ bezeichnen und in der die Wirtschaft in einem mittleren bzw. niedrigem Tempo wächst. Trotzdem bleibt die chinesische Wirtschaft ein wichtiger Motor der Weltwirtschaft. Chinas wirtschaftliche Wachstumsrate übertrifft noch immer bei Weitem den weltweiten Durchschnitt. Im Jahr 2012 wuchs Chinas Wirtschaft um 7,7 Prozent. Es war das erste Mal seit dem Jahr 2000, dass die Wachstumsrate auf unter 8 Prozent sank. 2015 verlangsamte sich das Wachstum dann auf 6,9 Prozent. Trotz dieser Verlangsamung aber bewegt sich Chinas Wirtschaft noch immer in einem rationalen Bereich und weicht nicht von dem jährlichen Wachstumsziel der Regierung ab. Weltweit gesehen zeigt sowohl die chinesische als auch die weltweite Wirtschaft einen Abwärtstrend. Chinas Wirtschaftswachstum übertrifft aber noch immer bei Weitem das von den entwickelten Ländern und liegt auch höher als das durchschnittliche Wachstum der übrigen Schwellen- und Entwicklungsländer. (Siehe Abbildung 1)

Es ist bemerkenswert, dass trotz dieser Verlangsamung der Anteil Chinas am Gesamtvolumen der Weltwirtschaft von Jahr zu Jahr steigt. Nach der Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird Chinas Anteil am Gesamtvolumen der Weltwirtschaft von heute 17 Prozent auf beinahe 20 Prozent im Jahr 2020 steigen. China spielt also noch immer eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft und bleibt weiterhin eine entscheidende Triebkraft des globalen Wirtschaftswachstums. Die vom IWF veröffentlichten Daten zeigen außerdem, dass Chinas Beitrag zum Weltwirtschaftswachstum im Jahr 2015 bei 32,4 Prozent lag. Schätzungen zufolge wird China im Zeitraum von 2016 bis 2020 im Jahresdurchschnitt mehr als 25 Prozent zum globalen Wirtschaftswachstum beitragen.

Abbildung 1: Das Wirtschaftswachstum Chinas, der Welt und einzelner Länder und Regionen weltweit (in %)

 

 

Anmerkung: Die Zahlen aus den Jahren 2010 bis 2014 sind reale Werte, bei den Angaben der Jahre 2015 bis 2020 handelt es sich um Prognosen.

Quelle: Basierend auf Daten der World Economic Outlook Database von Oktober 2015

Abbildung 2: Chinas Beitrag zum Weltwirtschaftswachstum zwischen 2010 und 2020 (in %)

 

 

Quelle: Basierend auf Daten der World Economic Outlook Database von Oktober 2015

Verbesserte Konsumstruktur steigert globale Exporte

Die Transformation des heimischen Wirtschaftsmodells wird die Nachfrage der chinesischen Verbraucher weiter erhöhen. Und Chinas erweiterte Importe wiederum werden die Exporte und die wirtschaftliche Entwicklung anderer Länder fördern. Aus historischer Sicht hat Chinas Konsum einen schrumpfenden Trend erfahren, von etwa 51 Prozent des BIP im Jahr 1985 auf 38 Prozent im Jahr 2005. Die wichtigsten Gründe für diese Entwicklung waren die verzerrten Arbeitskosten, ein unvollkommnes soziales Absicherungssystem und eine hohe Rate der marginalen Sparneigung (MPS).

Allerdings dürfte die Etablierung eines nachfrageorientierten Wachstumsmodells diesen Trend umkehren. Anstatt der starken Abhängigkeit von Exporten und Investitionen soll Chinas Wirtschaftswachstum in Zukunft vermehrt vom privaten Konsum angetrieben werden. Die Transformation von Chinas Wachstumsmodell erfordert jedoch eine Erhöhung der verfügbaren Einkommen der Menschen, damit die Konsumausgaben stimuliert werden. Maßnahmen wie eine Erhöhung der Gehälter, die Vervollkommnung der sozialen Absicherungssysteme, die vermehrte Unterstützung mittelständischer und kleiner Unternehmen bei ihrer Entwicklung sowie Hilfe für private Existenzgründer werden dazu beitragen, die Expansion und die Entwicklung der chinesischen Mittelschicht weiter zu fördern.

 

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