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Trotz Unkenrufen: China bleibt der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft

29-04-2016

 

Von Lin Yifu*

 

Seit einiger Zeit kursieren in internationalen Medien wieder Unkenrufe über den bevorstehenden Zusammenbruch der chinesischen Wirtschaft. Mit Tatsachen haben diese Prophezeiungen allerdings wenig zu tun. Objektiv betrachtet ist und bleibt Chinas Wirtschaft weiterhin der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft.

 

Strukturelle Probleme nicht die Ursache des verlangsamten Wachstums

 

Gestützt wird die These über den Zusammenbruch der chinesischen Wirtschaft auf die kontinuierliche Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums, die seit dem Jahr 2010 zu beobachten ist. Von anfangs noch 10,6 Prozent im Jahr 2010 sank Chinas Wachstum bis 2014 zunächst auf 7,3 Prozent, im vergangenen Jahr betrug es gar nur noch 6,9 Prozent. Damit verbucht die Volksrepublik das niedrigste Wachstum seit dem Jahr 1990. Es ist zudem das erste Mal seit Einführung der Reform- und Öffnungspolitik 1979, dass Chinas Wachstumszahlen anhaltend rückläufig sind. Hinzu kommt, dass sich Chinas Wirtschaft noch immer einem starken Abwärtsdruck von außen ausgesetzt sieht.

 

Neuer Wachstumsmotor: Im Jahr 2015 trug der Konsum 66,4 Prozent zum BIP-Wachstum bei. Das Foto zeigt einen Bauernmarkt in der Stadt Huai‘an in der südostchinesischen Provinz Jiangsu.  

 

Manche ausländische Experten führen die Wachstumsverlangsamung auf so genannte endogene strukturelle Faktoren zurück, etwa die niedrige Effizienz der staatlichen Eigentumsrechte in Chinas Wirtschaftssystem, eine hohe Schuldenquote, die zunehmende Alterung der Bevölkerung oder das investitionslastige Wachstumsmodell. Derartige Probleme seien in naher Zukunft auch nur schwer zu lösen, heißt es. Die Schlussfolgerung: Ein Zusammenbruch der chinesischen Wirtschaft sei längst unvermeidbar. Eine pessimistische Ansicht, die sich durch die Schwankungen auf den chinesischen Börsen- und Devisenmärkten seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahres sogar zu erhärten schien und die in gewisser Weise auch die Mainstream-Meinung auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos sowie auf anderen wichtigen Symposien bildete.

 

Außer Frage steht, dass China, als ein Land, das sich in einem tief greifenden Transformationsprozess befindet, mit zahlreichen strukturellen Herausforderungen konfrontiert sieht. 2013 setzte sich die Volksrepublik deshalb das Ziel, ihre Reformen umfassend zu vertiefen. Und jüngst stellte die Regierung die Forderung nach einer strukturellen Reform der Angebotsseite. All diese Reformschritte zielen auf die Lösung der strukturellen Probleme ab. Die wahren Gründe für die anhaltende Verlangsamung des Wirtschaftswachstums sind allerdings andernorts zu suchen. Sie sind äußerer Natur und hauptsächlich durch allgemeine Wirtschaftszyklen bedingt.

 

So lag im Jahr 2010 auch das Wachstum der drei BRICS-Staaten Brasilien, Indien und Russland fast auf gleichem Niveau wie das chinesische, konkret verbuchten die drei aufstrebenden Länder Wachstumszahlen von jeweils 7,5, 10,3 und 4,5 Prozent. Bis 2014 sanken diese Zahlen allerdings auf 0,14, 7,3 bzw. 0,6 Prozent. Die Steigerung und der Rückgang des Wachstums verlaufen also auch hier ähnlich wie der Prozess, den die Volksrepublik gerade durchläuft, in zwei Ländern fiel der Abschwung sogar noch drastischer aus als in China. Daraus wird ersichtlich, dass die Schwankungen im Wirtschaftswachstum dieser drei Länder ganz genauso wie in China in keiner Weise durch endogene strukturelle Faktoren bedingt sein können. Nicht nur in den BRICS-Staaten, sondern auch in Ländern wie Südkorea und Singapur, deren Wirtschaft stark nach außen gerichtet ist und deren Einkommen und Performance ein hohes Niveau erreichen, fielen die Wachstumswerte jeweils von 6,5 bzw. 15,2 Prozent 2010 auf 3,3 bzw. 2,9 Prozent im Jahr 2014. Dabei sollten Länder wie Südkorea oder Singapur eigentlich kaum strukturelle Probleme aufweisen. Aber dennoch war ein Rückgang des Wachstums zu beobachten, der sogar noch drastischer ausfiel als der chinesische Abschwung. Dass das Wirtschaftswachstum in verschiedenen Ländern im gleichen Zeitraum ansteigt und wieder absinkt, wie wir es hier beobachten können, lässt sich letztlich nur durch äußere Einflüsse und Wirtschaftszyklen erklären, nicht aber durch strukturelle Faktoren im Innern einzelner Länder.

 

Und das Phänomen ist an sich auch nicht schwer zu begreifen: Das Wirtschaftswachstum eines Landes wird nämlich in der Regel durch drei Faktoren realisiert – Export, Investitionen und Konsum. Zunächst muss gesehen werden, dass der chinesische Export zwischen 1979 und 2013 ein durchschnittliches Jahreswachstum von 16,8 Prozent realisieren konnte. Da sich aber Industrieländer wie die USA oder die Eurostaaten noch nicht völlig von der Finanzkrise 2008 erholen konnten, fehlt es dem Wachstum in diesen Ländern an Triebkraft und auch im Konsumbereich herrscht eine Flaute. Dies hat zu einem starken Einbruch der chinesischen Exporte geführt. 2014 sank Chinas Exportwachstum auf 6,1 Prozent, 2015 wurde gar ein Minuswachstum von 1,8 Prozent erwirtschaftet. Auch andere aufstrebende Märkte und exportorientierte ostasiatische Länder gerieten in Mitleidenschaft.

 

Des Weiteren muss berücksichtigt werden, dass China, genauso wie andere Länder, zur Bewältigung der jüngsten Finanzkrise eine proaktive Finanzpolitik eingeführt hat, im Rahmen derer Investitionen gefördert wurden und auch die Marktnachfrage aktiv stimuliert wurde. Viele der Großprojekte sind mittlerweile allerdings abgeschlossen und vor dem Hintergrund, dass die Weltwirtschaft noch nicht zur Normalität übergegangen ist und die Auslandsnachfrage weiterhin schwächelt, mussten bedingt durch den Wirtschaftszyklus zwangsläufig auch die Investitionen zurückgehen, solange keine neuen Förderprojekte eingeleitet wurden. Dieser zyklisch bedingte Rückgang war zur gleichen Zeit auch in anderen Ländern zu beobachten. Aufgrund der bisherigen Betrachtung bleibt also nur der Konsum als Hebel übrig, um die Wirtschaft von neuem anzukurbeln. Da die Beschäftigungslage in China nicht  sobeeinträchtigt wurde und die Einkommen der Stadt- und Landbewohner weiter vergleichsweise rasch steigen, hat sich der Konsum um acht Prozent erhöht. Bemerkenswert ist, dass die übrigen aufstrebenden Märkte sowie einige andere exportorientierte ostasiatische Wirtschaften mit hohen Einkommen dagegen einen starken Rückgang auch im Konsumbereich einstecken mussten und ihr Wirtschaftswachstum als Folge stärker als das chinesische sank.

 

Weiterhin gute Investitionschancen in China

 

Der Ausbruch der internationalen Finanzkrise liegt mittlerweile acht Jahre zurück. Aus politischen Gründen fällt es stark betroffenen Industrieländern wie den USA und einigen europäischen Staaten allerdings noch immer schwer, durch strukturelle Reformen wie etwa die Senkung von Löhnen und Sozialleistungen, die Aufhebung der Schuldenquote oder die Reduzierung von Haushaltsdefiziten die Vitalität der heimischen Wirtschaft von neuem zu stimulieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Es ist von daher sehr wahrscheinlich, dass eine langfristige Wachstumsflaute – wie sie beispielsweise 1991 nach dem Platzen der Immobilien- und Börsenblasen in Japan zu beobachten war – eintritt, so dass die internationale Nachfrage weiter schwächeln und das chinesische Wirtschaftswachstum in Zukunft noch stärker auf die Inlandsnachfrage angewiesen sein wird.

 

Historischer Sprung: Der Internationale Währungsfonds (IWF) entschied am 1. Dezember 2016, den RMB in den Korb der Sonderziehungsrechte (SZR) aufzunehmen. Damit wurde ein großer Fortschritt bei der Internationalisierung der chinesischen Währung erzielt. 

 

Die chinesische Regierung hat sich zum Ziel gemacht, bis zum Jahr 2020 das BIP und das Einkommen der Stadt- und Landbewohner im Vergleich zu 2010 zu verdoppeln („zweifache Verdoppelung“). Dafür muss Chinas Wirtschaftswachstum in der Periode des 13. Fünfjahresplans (2016 – 2020) allerdings bei 6,5 Prozent oder darüber gehalten werden. Wegen der schwachen Auslandsnachfrage stützt sich die Verwirklichung dieses Ziels zunehmend auf die Inlandsnachfrage, die vor allem aus Investitionen und Konsum besteht. Und in diesen beiden Bereichen hat China weiterhin gute Entwicklungschancen.

 

Zunächst besteht im Hinblick auf die Angebotsseite ein großer Spielraum zur Niveauhebung der Industrien. China ist heute in gewisser Hinsicht ein auf mittlerem Level entwickeltes Land. Auch wenn es schwerwiegende Überkapazitäten in Industriezweigen wie Eisen und Stahl, Zement, Elektrolytaluminium und Schiffbau gibt und das traditionelle arbeitsextensive Verarbeitungsgewerbe aufgrund von Lohnerhöhungen seine relative Stärke einbüßt, handelt es sich bei all diesen Branchen doch um Industrien auf niedrigem und mittlerem Leistungsstand. In Zukunft aber hat China die Chance, seine Industrien auf das Level der High-End-Fertigung zu heben. Daraus resultieren viele gute Chancen für Investitionen mit hoher Rendite.

 

Als nächstes lohnt es sich, auf den Bereich Infrastruktur einzugehen. In der Vergangenheit führte China im Bereich Infrastruktur bereits eine Vielzahl von Projekten durch, bei denen es sich allerdings überwiegend um Autobahnen und Hochgeschwindigkeitsstrecken zur Verbindung von Städten, Flughäfen und Häfen handelte. Im Bereich der städtischen Infrastruktur wie beispielsweise bei U-Bahnnetzen oder unterirdischen Rohrleitungssystemen gibt es dagegen noch immer große Mängel. Investitionen in diesen Bereich könnten in Zukunft die Handelsgebühren senken, die wirtschaftliche Effizienz erhöhen und für eine hohe wirtschaftliche und gesellschaftliche Rentabilität sorgen.

 

Drittens sollte der Fokus auf die Verbesserung der Umwelt gerichtet werden. Im Zuge der rasanten chinesischen Wirtschaftsentwicklung sind gravierende Umweltprobleme aufgetaucht. Investitionen in den Umweltschutz können in Zukunft ebenfalls eine hohe gesellschaftliche Rentabilität erzielen.

 

Last but not least gilt es, die Schlüsselrolle der Urbanisierung zu betonen. Gegenwärtig liegt der Anteil der städtischen Bevölkerung in China bei rund 56 Prozent. In den entwickelten Ländern beläuft er sich dagegen auf mehr als 80 Prozent. Im Zuge der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft wird auch die Urbanisierung in China ununterbrochen vorangetrieben. Das bedarf hoher Investitionen in Wohnungsbau, Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen.

 

Die oben genannten Bereiche versprechen hohe Investitionsrenditen sowohl in wirtschaftlicher als auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Dabei handelt es sich nicht um eine keynesianistische Lösung, bei der quasi zuerst ein Loch ausgegraben wird, um dieses dann wieder aufzufüllen, also nicht um ein Investieren in Projekte, nach deren Fertigstellung die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erträge ausbleiben. Stattdessen wird kurzfristig Nachfrage geschaffen, wodurch letztlich die Beschäftigung angekurbelt wird. Nach der Fertigstellung der Projekte wird das Niveau von der Angebotsseite her erhöht. Dadurch können die Investitionskosten gesenkt, die Umweltqualität kann verbessert und die nachhaltige Entwicklung gefördert werden. Derartige Maßnahmen gehen über Keynesianismus hinaus. Konkret gesprochen dienen die Investitionen der Unternehmer dazu, ihre Produkte von der verhältnismäßigen Stärke und der Veränderung der Nachfrage ausgehend sozusagen upzugraden. Die Investitionen der Regierung sollten unterdessen darauf abzielen, die Handelsgebühren der Unternehmen zu senken, das äußere infrastrukturelle Umfeld zur Verbesserung der Produktion und des Lebens besser zu gestalten und die Umwelt nachhaltig zu schützen.

 

Trotz oder gerade wegen des Abwärtsdrucks, mit dem sich Chinas Wirtschaft derzeit konfrontiert sieht, bietet China heute zahlreiche gute Investitionschancen für Unternehmen. Denn China ist letztlich noch immer ein Entwicklungsland und unterscheidet sich von den Industrienationen darin, dass deren Industrie und Technik an der Weltspitze stehen, wohingegen China einen großen Nachholbedarf hat. Andererseits fällt es den Industrienationen schwer, von Ausnahmefällen wie dem 3D-Druck oder der Herstellung von Elektroautos einmal abgesehen, neue Wachstumsbereiche zu finden, wenn erst einmal ein Abwärtsdruck auf die Wirtschaft sowie Überkapazitäten entstanden sind. Außerdem verfügen die Industrienationen bereits über eine vollständige Infrastruktur. Es gibt höchstens einen Bedarf im Bereich der Ausbesserung vorhandener Strukturen. Auch befinden sich dort die Ökosysteme und die Umwelt in gutem Zustand und die Urbanisierung wurde bereits vollzogen. Angesichts der unterschiedlichen Ausgangssituationen sollte man bei der Abschätzung der Entwicklungsperspektive China nicht an den Erfahrungen der Industrienationen messen. Ministerpräsident Li Keqiang sagte ganz zutreffend auf der Pressekonferenz der Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses 2015, dass China trotz des wirtschaftlichen Abwärtsdrucks noch immer über große Handlungsspielräume verfüge.

 

China bietet ausreichenden Schutz für Investoren

 

Für gute Investitionschancen muss es allerdings gute Rahmenbedingungen geben. Und auch hier hat China eine Reihe von Stärken vorzuweisen:

 

Erstens macht der gesamte Schuldenbestand der Zentralregierung und der Lokalregierungen weniger als 60 Prozent des gesamten BIP aus. Die Schuldenquote der meisten anderen Entwicklungsländer sowie der Industrienationen übertrifft dagegen die Marke von 100 Prozent. Aus diesem Grund verfügt China über weitgehend große Handlungsspielräume, durch finanzpolitische Maßnahmen die Investitionen in die heimische Infrastruktur zu unterstützen. In der Vergangenheit bestand ein Problem vor allem darin, dass die Lokalregierungen durch Finanzierungsplattformen kurzfristige Kredite bei Banken oder Schattenbanken aufnahmen, um langfristige Investitionen in ihre Infrastruktur zu tätigen. Daraus entstanden letztlich Zahlungsprobleme. Seit vergangenem Jahr gestattet das chinesische Finanzministerium den Lokalregierungen nun stattdessen, die Schulden bei Banken oder Schattenbanken durch die Ausgabe lokaler Obligationen für den Städtebau zu ersetzen. Eine hervorragende Maßnahme, die den infrastrukturellen Ausbau sicherlich fördern dürfte.

 

Zweitens liegt in China die Sparquote vergleichsweise hoch. Die privaten Spareinlagen entsprechen 50 Prozent des BIP, womit China weltweite Spitze ist. In Zukunft könnte die Regierung durch eine proaktive Finanzpolitik private Investitionen stimulieren. Dabei könnten beispielsweise Modelle der öffentlich-privaten Partnerschaft (Public-Private Partnership) bei Investitionen in die heimische Infrastruktur zum Tragen kommen. 

 

Drittens brauchen Investitionen Devisen, um Technologie, technische Anlagen und Rohstoffe importieren zu können. China verfügt mit Devisenreserven in Höhe von 3,3 Billionen US-Dollar noch immer über die weltweit größten Devisenreserven.

 

In den oben genannten drei Punkten unterscheidet sich China also am deutlichsten von den anderen Entwicklungsländern. Zwar weisen auch diese sehr gute Investitionschancen auf, die aber nicht gut genutzt werden können, da auch die Wirtschaft dieser Länder durch negative äußere Einflüsse und zyklische Abwärtstendenzen beeinträchtigt wird. Hinzu kommen ungünstige Bilanzen der öffentlichen Finanzen, niedrige Sparquoten und teils auch niedrige Devisenreserven.

 

China ist frei von diesen Hindernissen und die Banken des Landes bieten zudem hohe Zins- und Mindestreservesätze. Chinas Regierung ist damit in der Lage, durch die Senkung der Zins- und Mindestreservesätze die Geldversorgung zu erhöhen und damit Investitionen zu fördern. In dieser Geldpolitik unterscheidet sich China letztlich auch von den USA und einigen EU-Staaten, in denen sich die Zinssätze derzeit der Null-Prozent-Marke nähern, wodurch sie in die „Liquiditätsfalle“ (liquidity trap) tappen könnten.

 

Alles in allem verfügt China, wie auch Ministerpräsident Li Keqiang in seinem Tätigkeitsbericht des vorigen Jahres zu Recht betonte, über große Handlungsspielräume und finanzpolitische Instrumente. Diese günstigen Bedingungen werden sich in der Periode des 13. Fünfjahresplans nicht ändern. Es kommt nun darauf an, guten Gebrauch von ihnen zu machen. Beispielsweise besteht die Möglichkeit, zur rechten Zeit private Investitionen durch eine proaktive Finanzpolitik zu stimulieren. Durch eine entsprechende Geldpolitik kann die Kreditvergabe für Investitionen unterstützt werden. Durch die Verbesserung der Struktur der Angebotsseite lassen sich zudem viele neue Arbeitsplätze schaffen, wodurch sich die Einkommen und der Konsum steigern lassen. Auch wenn das äußere Umfeld keine günstigen Voraussetzungen bietet und das Exportwachstum schwach bleibt, kann das Wirtschaftswachstumsziel von mindestens 6,5 Prozent in der Periode des 13. Fünfjahresplans verwirklicht werden und auch die Ziele zur „zweifachen Verdoppelung“ und zur umfassenden Vollendung des Aufbaus einer Gesellschaft mit bescheidenem Wohlstand lassen sich gut erfüllen. China dürfte auch weiterhin jährlich einen Beitrag von mindestens 30 Prozent zur globalen Wirtschaftsentwicklung beisteuern und wird damit der entscheidende Wachstumsmotor der Weltwirtschaft bleiben. 

 

*Autor Lin Yifu ist Direktor des Center for New Structural Economics und Ehrendirektor der National School of Development, die beide zur Peking-Universität gehören, sowie Ex-Chefökonom und Ex-Vizepräsident der Weltbank.

 

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