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Vor dem G20-Gipfel: Neue Normalität der chinesischen Wirtschaft und das Wachstum der Weltwirtschaft

29-07-2016

  

Von He Yafei*

 

 

Am 9. Juli 2016 wurde die Konferenz der Handelsminister der G20 in Shanghai eröffnet. Gao Hucheng, Chinas Handelsminister und Vorsitzender der Konferenz, sagte: „In der gegenwärtigen Situation hegt die internationale Gemeinschaft große Erwartungen an die Führungskraft der G20. Diese sollte die Lösung dringender Probleme vorantreiben und der Wiederbelebung und dem Wachstum der Weltwirtschaft neue Impulse geben.“ 

 

Am 7. Juni veröffentlichte die Weltbank ihre neueste Prognose über das Wachstum der Weltwirtschaft. Dieses werde demnach im Jahr 2016 unter 2,4 Prozent fallen. In jüngster Vergangenheit haben der Internationale Währungsfond und die Weltbank ihre Prognosen über das Wachstum der Weltwirtschaft bereits mehrfach nach unten korrigiert. Ökonomen und Unternehmer sind zurzeit pessimistisch gestimmt, was die Entwicklungstendenz der Weltwirtschaft angeht, und zeigen sich zunehmend besorgt.

 

In der Regel setzt nach einer globalen Finanz- und Wirtschaftskrise nach etwa fünf bis sieben Jahren eine Erholung ein. Aber der Ausbruch der globalen Finanzkrise 2008 liegt mittlerweile schon acht Jahre zurück. Trotzdem fehlt es der Weltwirtschaft noch immer an der für eine Erholung notwendigen Triebkraft und Vitalität.

 

Die Merkmale der Wirtschaft der westlichen Industriestaaten, nämlich hohe Verschuldung, hohe Arbeitslosigkeit und niedriges Wachstum, stechen noch immer hervor. Die Weltwirtschaft befindet sich in einer andauernden Rezession. Die Zinserhöhung durch das Federal Reserve System der USA und die Aufwertung des US-Dollars haben heftige Schwankungen auf dem globalen Finanzmarkt herbeigeführt und die Preise von Massengütern sind in Talfahrt geraten. Das Wirtschaftswachstum der meisten Entwicklungsländer verlangsamt sich derweil, ihre Währungen werden abgewertet und ihre Verschuldung verschärft sich. Beschreibt man die Gestalt der Weltwirtschaft mit dem Buchstaben L, so befindet sie sich derzeit auf dem unteren Strich. Dieser Zustand dürfte zudem noch für einige Zeit andauern. All das liegt sowohl an Faktoren zyklischer Schwankungen der Weltwirtschaft als auch an den Auswirkungen struktureller Regulierungen, die angesichts des Ungleichgewichts der Weltwirtschaft vorgenommen werden.

 

Es besteht ein allgemeiner Konsens über den Einfluss folgender Faktoren auf die Entwicklungstendenz der Weltwirtschaft:

 

Erstens rückt die rasante Entwicklung der chinesischen Wirtschaft zunehmend in den Fokus. Chinas Wirtschaft ist bereits in die entscheidende Phase der strukturellen Regulierung eingetreten. Während sich das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik früher vor allem auf Investitionen und Exporteinnahmen stützte, wird heute ein anderes Wachstumsmodell praktiziert. In diesem neuen Modell bildet die Nachfrage die entscheidende Stütze. Gleichzeitig forciert Chinas Regierung den Ausbau des Dienstleistungssektors und die Reform der Angebotsseite. Diese Regulierung zeitigt schon jetzt erste Erfolge und die Weiterentwicklung der Reformen wird weltweit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.

 

Zweitens stagnieren die Preise von Rohöl und Ressourcen auf dem Weltmarkt auf niedrigem Niveau. In den Schwellenländern, die auf den Export von Ressourcen angewiesen sind, verschärft sich deshalb die Verschuldungslage und ihre Währungen verlieren drastisch an Wert. Eine wirtschaftliche Rezession scheint unvermeidbar. Nehmen wir den Preisverfall von Rohöl als Beispiel. Die Preissenkung sollte eigentlich die Nachfrage und den Verbrauch von Rohöl stimulieren und der Wirtschaftsentwicklung derjenigen Länder, die Rohöl importieren, Auftrieb verschaffen. Doch die negativen Auswirkungen der schwachen Erholung der Weltwirtschaft mindern diese positiven Effekte.

 

Drittens praktiziert das Federal Reserve System heute eine gestraffte Geldpolitik, wodurch der US-Dollar ständig aufgewertet wird. Vor diesem Hintergrund praktizieren die Länder der Euro-Zone sowie Japan weitgehend das so genannte QE (Quantitative Easing). In einigen westlichen entwickelten Ländern wird bereits das geldpolitische Instrument der „Negativzinsen“ angewendet. So fiel beispielsweise in Deutschland die Zinsrate staatlicher Obligationen mit einer Frist von zehn Jahren bereits unter die Nullgrenze. All das sorgt für heftige Schwankungen auf den internationalen Finanzmärkten und verschiedene geldpolitische Maßnahmen zur Vermeidung von Risiken werden eingeführt. Für die aufstrebenden Wirtschaften verschlechtert sich das Finanzumfeld zunehmend und die Wirtschaftsentwicklung wird behindert.

 

Viertens tritt eine synchrone Entwicklung von Globalisierung und Anti-Globalisierung ein. In einigen entwickelten Ländern bekommen Populismus und Nationalismus zunehmend Aufwind. Die Steigerung der Kraft der Anti-Globalisierung lässt sich besonders deutlich am laufenden Präsidentschaftswahlkampf in den USA sowie dem Brexit erkennen.

 

Gleichzeitig vertiefen und verschärfen sich die geopolitischen Gegensätze zwischen den Großmächten, was die globale Stabilität empfindlich bedroht. Dies verschlechtert das große Umfeld der Weltwirtschaft weiter und die Anti-Globalisierung führt zudem dazu, dass politischer Isolationismus und Protektionismus auf dem Vormarsch sind. Die Grundlage für die Zusammenarbeit zwischen Großmächten und die gegenseitige Hilfe mit dem Wissen, dass man letztlich in einem Boot sitzt, die für das Wachstum der Weltwirtschaft unentbehrlich sind, werden geschwächt. Hinzu kommt noch, dass die makroökonomische Koordination zwischen den Hauptwirtschaften der Welt bisher unzureichend ist und es an Synergien zur Abwendung depressiver Entwicklungstendenzen der Weltwirtschaft mangelt.

 

Am 28. Juni dieses Jahres erklärte Jin Liqun, Vorsitzender der Asiatischen Infrastruktur-Investmentbank (AIIB), bei einer Diskussionsrunde des 10th World Economic Forum Annual Meeting of the New Champions (Summer Davos Forum) in Tianjin, die AIIB werde auch die Länder und Regionen, die von Chinas Initiative „Wirtschaftsgürtel Seidenstraße und maritime Seidenstraße des 21. Jahrhunderts“ nicht erfasst sind, unterstützen, damit alle Menschen in den Genuss der Entwicklung kämen.  

 

Angesichts des schwierigen und komplizierten internationalen Umfeldes richtet die internationale Gemeinschaft ihren Blick nun auf China. Man hofft, dass es der Volksrepublik gelingen wird, die heimische Wirtschaftsstruktur erfolgreich zu transformieren, ein relativ hohes Wirtschaftswachstum im Zustand der neuen wirtschaftlichen Normalität beizubehalten und ihre führende Antriebskraft beim Wachstum der Weltwirtschaft fortzusetzen. China sollte nun auf chinesischer Weisheit beruhende Lösungskonzepte vorlegen. Viele Länder setzen in diesem Zusammenhang große Hoffnungen auf das bevorstehende G20-Treffen in Hangzhou im September dieses Jahres.

 

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