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„Rotes Gold“ der Wüste Gobi – Wie eine kleine Beere das Schicksal einer ganzen Region verändert

22-11-2016

 

Von Huang Yanjun

 

Kann eine kleine Beere die Wirtschaft einer ganzen Region mitreißen? Sie kann! Zumindest hat sie das im Falle der Goji-Beere im Qaidam-Becken auf der Qinghai-Tibet-Hochebene in der nordwestchinesischen Provinz Qinghai. Der Anbau der Frucht, die in westlichen Ländern auch als Chinesische Wolfsbeere bekannt ist, hat das Fortkommen und das Antlitz des dortigen Autonomen Bezirks Haixi der Mongolen und Tibeter maßgeblich verwandelt. Seit im Jahr 2008 im Rahmen eines Vorstoßes der örtlichen Regierung, die Provinz mit Hilfe der ökologischen Landwirtschaft aufzubauen, die Initiative „Sanddorn im Osten, Goji im Westen“ gestartet wurde, hat sich nicht nur im Bezirk Haixi einiges getan.

 

„Rotes Gold“: Die Gojibeere oder Chinesische Wolfsbeere ist nicht nur in China, sondern auch im Westen für ihre gesundheitsfördernde Wirkung bekannt. 

 

Bis dahin wurden Goji-Beeren – die Früchte des Gemeinen Bockshornbaums, die auch im Westen für ihre gesundheitsfördernde Wirkung bekannt sind, – im Bezirk Haixi nur vereinzelt angebaut. Heute erstreckt sich das Anbaugebiet auf über 400.000 chinesische Mu, was einer Fläche von fast 26,667 Hektar entspricht. Damit ist die Region momentan das zweitgrößte Anbaugebiet für Goji-Beeren Chinas, folgt direkt nach dem Autonomen Gebiet Ningxia der Hui-Nationalität, das traditionell als Heimat und wichtigstes Anbaugebiet der Chinesischen Wolfsbeere gilt.

 

Eine kleine feuerrote Beere ist damit zum Zugpferd eines ganzen Produktionssektors gereift und hat eine ganze Region auf die goldene Straße der modernen landwirtschaftlichen Entwicklung geführt. Forscher Ren Gang, der Leiter des Landwirtschaftsinstituts des Autonomen Bezirks Haixi, erklärt, die örtliche Goji-Produktion sei längst nicht mehr nur auf einen großen Umfang und große Produktionsmengen ausgerichtet. Stattdessen habe man mit Erfolg den Wandel zu einer hochwertigen landwirtschaftlichen Industrie, die sich an den Maßstäben Qualität und wirtschaftliche Effizienz orientiert, vollzogen.

 

Auf den Spuren des tausendjährigen Bockshornwaldes

 

Der Goji-Anbau in der Provinz Qinghai konzentriert sich hauptsächlich entlang der Grenze des Qaidam-Beckens und führt von Nord nach Süd über die Kreise Wulan, Dulan sowie die Orte Delingha, Dachaidan und Ge’ermu. Aufgrund der einzigartigen Wachstumsbedingungen, die die Umwelt auf dem kargen Hochland hier bietet, sind die Wolfsbeeren, die im Qaidam-Becken gedeihen, auch unter einem ganz eigenen Namen bekannt – man nennt sie auch „Chaiji“-Beeren, also „Qaidam-Beeren“.

 

Wer den Ursprüngen der Goji-Kultur im Qaidam-Becken auf den Grund gehen will, dem werden die Einheimischen einen Besuch im „tausendjährigen Bockshornwald“ empfehlen. Um ihn ranken sich zahlreiche Legenden. 

 

Wer den Ursprüngen der örtlichen Goji-Kultur auf den Grund gehen möchte, wird von den Einheimischen in der Regel als erstes folgende Frage gestellt bekommen: „Waren Sie schon im tausendjährigen, wilden Wolfsbeerenwald des Fünfdrachentals?“ Tatsächlich verbirgt sich in den Tiefen des Qaidam-Beckens, genauer gesagt in der Nähe des Ortes Zongjia im Kreis Dulan, ein urwüchsiger Bockshornwald, der stattliche 67 Hektar (mehr als 1000 chinesische Mu) misst. Hier finden sich die größten und dichtesten natürlichen Goji-Vorkommen des Qaidam-Beckens.

 

Das Fünfdrachental findet sich an einer Bergkette des Kunlun-Gebirges. Die Einheimischen erzählen sich, dass in diesem Gebirgstal der Legende nach einst zwölf heilige Bäume gewachsen sein sollen, die von fünf heiligen Drachen bewacht wurden. Eine Sage, die sich bis heute im Namen des Tales widerspiegelt.

 

Wer den Weg zu diesem urwüchsigen Bockshornwald erfolgreich zurückgelegt hat, vor dem entfalten sich wilde Wolfsbeerensträucher, soweit das Auge reicht. Unbeirrbar widersetzen sie sich bis heute der unwirtlichen Trockenheit des ansonsten vegetationsarmen Tals und füllen es auf ihre Weise mit frischem Leben. Die größeren Pflanzen messen bis zu zwei Meter, ihr Stamm hat in etwa den Durchmesser eines Unterarms. Die Früchte allerdings sind mickrig und nur spärlich gesät. Die meisten der Bäume hier tragen gar keine Früchte mehr. Was geblieben ist, sind verworrenes Blattwerk und verknöcherte Bockshornstämme.

 

Anders als diese Bäume entspringen die von Menschenhand angepflanzten Goji-Bäume und ihre Früchte strenger Zucht, Auswahl und Kreuzung, erklärt ein Fachkundiger vor Ort. Auf diese Weise tragen die Pflanzen mehr Früchte, die zudem auch ansehnlicher sind. Um das Pflücken zu erleichtern, werde zudem der Höhenwuchs der Baumschösslinge kontrolliert. Wilde Bockshornsträucher dagegen liefern vergleichsweise geringe Erträge mit kleineren Beeren. Der Geschmack wilder Früchte soll allerdings besser und intensiver sein, als der gezüchteter Sorten.

 

Anders als wilde Bockshornbäume sind diese von Menschenhand angepflanzten Goji-Bäume das Ergebnis strenger Zucht, Auswahl und Kreuzung. Sie tragen mehr und zudem ansehnlichere Früchte als die wilden Gewächse. 

 

Der Gesamtbestand der natürlichen Bockshornwälder des Qaidam-Beckens beläuft sich auf knapp 66.700 Hektar, fast eine Million chinesische Mu also. Allein im Fünfdrachental sprießen die wilden Wolfsbeeren auf einer Fläche von circa 230 Hektar (3400 Mu). Dieser natürliche Bestand bietet einen wertvollen Genpool an wildwüchsigen Sorten für die Kultivierung neuer Hybride, die landwirtschaftlich genutzt werden können. Eigentlich beträgt die Wachstumsperiode von Bockshornbäumen in der Regel nur rund 35 bis 50 Jahre. Im urwüchsigen Goji-Wald des Fünfdrachentals allerdings finden sich neben einzelnen Bäumen, die mehr als 200 Jahre auf dem Buckel haben, auch knapp einhundert Pflanzen, die mehr als 60 Jahre alt sind.

 

Der Legende nach soll der wilde Bockshornwald im Fünfdrachental auf eine Geschichte von mehr als eintausend Jahren zurückblicken. In dem Waldstück findet sich auch ein besonders geformter Berg, dessen Gestalt an einen Affen erinnert. Es heißt, die „Königinmutter des Westens“ (Xiwangmu), eine daoistische Unsterbliche und eine der ältesten chinesischen Gottheiten, habe diesen Affen einst beauftragt, dieses Fleckchen Erde zu beaufsichtigen. Immer dann, wenn die Saison der Wolfsbeerenernte aufs Neue anbricht, bringt der Affe der Legende nach Goji-Beeren als Tribut an die Götter.

 

„Das Qaidam-Becken ist eine der natürlichen Wiegen der Chinesischen Wolfsbeere. Hier wurden mehr als zehn Sorten indigener Goji-Beeren entdeckt“, erklärt Li Jianxin, der Vorsitzende des Goji-Verbandes Haixi und Direktor der Abteilung für Goji-Produktion des Bezirks. Eine dieser Sorten sei die sehr wertvolle, da besonders seltene wilde Schwarze Wolfsbeere. „Als Arzneistoff übersteigt ihr Preis den Wert anderer Sorten um ein Vielfaches“, sagt Li mit einem Lächeln.  

 

Auf der Suche nach einem neuen Entwicklungsweg

 

Zwar gilt das Qaidam-Becken als einer der Ursprungsorte der Goji-Beere, in der Vergangenheit aber ist es der Region trotzdem nicht gelungen, eine erfolgreiche Industrie aus diesem natürlichen Standortvorteil zu entwickeln. So gab es früher im gesamten Bezirk Haixi nur einige wenige vereinzelte Höfe, die sich dem Anbau der Beeren verschrieben hatten. Alle Landwirte bauten die Früchte zudem lediglich auf einer Fläche von gerade einmal ein paar hundert Mu an. Im Jahr 2008, nach eingehenden Untersuchungen und Konsultationen, beschlossen das örtliche Parteikomitee und die Lokalregierung des Autonomen Bezirks schließlich, den Anbau der Chinesischen Wolfsbeere zu einem Schwerpunkt der Umstrukturierung der Land- und Viehwirtschaft der Region zu machen. Seither ist die örtliche Wolfsbeerenindustrie auf die Schnellspur der Entwicklung eingebogen.

 

Wirft man einen Blick auf Chinas Landkarte der Goji-Produktion, bildet Ningxia seit jeher die unangefochtene Nummer eins dieser Landwirtschaftssparte. Als aufstrebende neue Kräfte der Branche gelten zudem das Autonome Gebiet Xinjiang der Uiguren sowie die nordwestchinesische Provinz Gansu, beides Gebiete, deren Goji-Produktion in den vergangenen Jahren rasch gestiegen ist. Den Autonomen Bezirk Haixi in Qinghai stellt diese Konkurrenz vor große Herausforderungen. „Es muss uns in Zukunft gelingen, ein eigenes Markenimage aufzubauen und einen eigenen Weg zur Entwicklung dieses landwirtschaftlichen Industriezweigs aufzutun“, sagt Ren Gang.

 

Nach sieben Tagen und gut dreitausend zurückgelegten Kilometern unter dem hohen Himmel des Qinghai-Tibet-Plateaus und die Füße auf weitläufigem Land, wo sich im Hinterland des Qaidam-Beckens  die Bergketten unendlich aneinanderreihen, nach all den Eindrücken  und gewonnen Erkenntnissen, spürt man als Besucher nur allzu deutlich, woher die Vorzüge und die Einzigartigkeit der lokalen „Chaiji“-Beeren letztlich rühren: Sie sind ein Geschenk der so besonderen natürlichen Umgebung des Hochlandes.

 

Das Qaidam-Becken befindet sich im Hinterland der Qinghai-Tibet-Hochebene, die als eine der vier größten sauberen Regionen der Welt gilt. Hier gibt es so gut wie keine industriellen Verschmutzungsquellen. An diesem naturbelassenen Flecken Erde ist die Luft rein, sind die Gewässer klar und auch die Erde ist sauber. Ausreichend Sonnenlicht, große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht und die Charakteristika eines trockenen Kontinentalklimas machen die Einzigartigkeit der natürlichen Bedingungen des Bezirks Haixi aus, die letztlich die Grundlage für die Produktion hochwertiger Goji-Beeren in der Region bilden. So sorgen Kälte und Trockenheit des Hochlandes gepaart mit ausreichender ultravioletter Strahlung dafür, dass es hier wesentlich seltener zu Krankheits- und Schädlingsbefall den Pflanzen kommt. Auch verfügt das sandige Erdreich des Qaidam-Beckens über eine gute Luftdurchlässigkeit, was das Wachstum der Bockshornbäume zusätzlich begünstigt. Außerdem ist der Boden reich an Elementen wie Kalium und Stickstoff, was dazu beiträgt, dass die Wolfsbeeren, die im Qaidam-Becken gedeihen, deutlich reicher an Flavon sind, einen merklich höheren Gesamtzuckergehalt sowie einen größeren Anteil an Mehrfachzuckern und Aminosäuren aufweisen, als Goji-Beeren aus anderen Regionen Chinas.

 

Besonders stolz ist der Bezirk Haixi auf seine eigenen Zuchtsorten. Über sie wollen die Verantwortlichen die besonderen Vorzüge der lokalen Früchte noch besser zur Geltung bringen. 

       

 

Dies zeigt, dass die „Chaiji“, die Goji-Beeren aus dem Qaidam-Becken, tatsächlich andere natürliche „Gene“ mitbringen als die Beeren aus anderen berühmten Herkunftsgegenden wie Ningxia, Xinjiang oder Gansu. Im Bezirk Haixi hofft man nun, diese einzigartigen Standortvorteile auf dem Wege der Entwicklung zu nutzen und die Marktnische für ökologisch hochwertige Goji-Beeren von Spitzenqualität zu besetzen. Ganz konkret gesprochen soll auf der Qinghai-Tibet-Hochebene eine weltbekannte Produktionsbasis für Bio-Goji-Beeren entstehen.

 

„Unsere Stärke sind die Geschenke, die uns die Natur mit auf den Weg gegeben hat. Seit Beginn unseres Vorstoßes, die lokale Goji-Industrie zu entwickeln, haben wir stets daran festgehalten, hier eine grüne Marke aufzubauen und in das Marktsegment der Premiumfrüchte vorzustoßen. Nur so werden wir unsere Wettbewerbsstärke voll ausspielen können“, betont Zhang Jiyuan, Vizevorsitzender der Politischen Konsultativkonferenz des Autonomen Bezirks Haixi.

 

Um die Qualität und Sicherheit der regionalen Beeren streng zu kontrollieren, hat der Bezirk nicht nur eine ganze Reihe von Schutzmechanismen etabliert, darunter beispielsweise ein strenges Verbot für den Einsatz von Pestiziden und Lebensmittelzusatzstoffen beim Anbau der Früchte. Auch müssen sich die örtlichen Landwirte an strenge technische Anbauregeln halten und bestimmte Qualitätsnormen erfüllen. In der Stadt Golmud wurde zudem eigens eine Demonstrationszone nationalen Levels für Qualität und Sicherheit bei der Goji-Ausfuhr ins Leben gerufen. Mithilfe von staatlichen Zuschüssen wurden dort spezielle Verwaltungsmechanismen etabliert, unter anderem um Krankheits- und Schädlingsbefall vorzubeugen bzw. gegen diesen vorzugehen, saubere Trocknungsverfahren in der Sonne zu garantieren und Zertifikate für grüne Lebensmittel zu erhalten. Nacheinander erhielten die „Chaiji“-Beeren auf diese Weise nicht nur das nationale Zertifikat für organische transformierte Produkte des Chinesischen Zentrums für Qualitätssicherung, sondern auch ähnliche Zertifikate unter anderem der EU, der Vereinigten Staaten sowie Japans. Die Früchte der Region finden mittlerweile ihren Weg in zahlreiche andere asiatische Länder sowie sogar bis nach Amerika und Europa. 90 Prozent aller Bio-Goji-Beeren, die heute das Land verlassen, stammen aus Haixi.

 

„Unsere standardisierte, grüne und organische Anbauweise zeigt schon heute erstaunliche Erfolge“, sagt Zhang Jiyuan. Die Bewohner des Bezirks hätten nicht nur erfolgreich die Strategie in die Tat umgesetzt, hochwertige Wolfsbeeren zu produzieren, sondern dabei im Zuge der Entwicklung auch zielgerichtet darauf hingearbeitet, sich auf ein einzelnes landwirtschaftliches Produkt zu spezialisieren, dieses zu standardisieren und auf organische Qualität zu setzen. Auch sei es ihnen gelungen, die Erzeugnisse zu verfeinern und so das Spitzensegment des Marktes anzuvisieren sowie spezielle Anbaugebiete herauszubilden.

 

Von Ren Gang erfahren wir außerdem, dass der Bezirk Haixi in den letzten Jahren eigene Zuchtmarken kreiert hat. Dazu zählen die „Chaiji“-Beeren Nummer 1 und 2 sowie die frischen „Chaiji“ Nummer 3, deren Geschmack besonders gut sein soll. Über diese eigenen Sorten wollen die Verantwortlichen die besonderen Vorzüge der lokalen Früchte noch besser zur Geltung bringen. Tests der chinesischen Hauptabteilung für Qualitätskontrolle zufolge liegt der Wert der örtlichen Goji-Marke heute bereits bei acht Milliarden Yuan, das ist umgerechnet etwa eine Milliarde Euro.

 

Auf Tuchfühlung mit dem zauberhaften „roten Gold“

 

Wir sind nun schon einige Tage in den Weiten der Wüste Gobi im Bezirk Haixi unterwegs und ich bin tief beeindruckt vom Farbenspiel der Kleckse an Goji-Wäldern, die immer wieder vor meinen Augen aufleuchten. In der Vergangenheit war alles anders: Sobald hier Sandstürme aufzogen, und davon können die Einheimischen ein Lied singen, kam auch die Mückenplage. Lange Zeit pflanzten die Menschen hier nur Hochlandgerste, Sommerweizen und chinesischen Senfkohl an. Das Einkommen der Landwirte war entsprechend spärlich. Mit ihrem Vorstoß zur Entwicklung der Goji-Industrie hat die lokale Regierung dafür gesorgt, dass in der lokalen Land- und Viehwirtschaft ein Umdenken eingesetzt hat. Die Reform hat letztlich auch deutlich den wertvollen Innovationsgeist der Menschen hier bewiesen. Wie lange haben die Bockshornbäume des Qaidam-Beckens mit ihrer unbändigen Lebenskraft über die Einsamkeit des kargen Landes gewacht! Warum also sollte ihre Stärke und Widerstandsfähigkeit im Prozess des Aufbaus eines neuen Heimatbezirkes nicht auch zu einer Charakterstärke der Einheimischen werden? Es war schließlich auch das unnachgiebige Wachstum der Goji-Sträucher, das die karge Wüste Gobi in eine grüne Oase verwandelt hat. Die Pflanzen haben nicht nur für die eigene Art einen Sieg errungen, sondern auch geholfen, den sandigen Wüstenboden zu festigen und damit dazu beigetragen, die Umwelt der gesamten Wüstenregion zu schützen und den Boden für eine neue, grüne landwirtschaftliche Industrie zu ebnen. Es verwundert daher auch nicht, dass mir, bei der Ergründung des Vorantreibens der örtlichen Goji-Industrie und im Kontakt mit den Einheimischen, als erstes Begriffe wie Innovation, Stärke und Widerstandsfähigkeit sowie auch aufopferungsvolle Hingabe als Prädikate zur Beschreibung des „Qaidam-Geistes“ in den Sinn kommen.

 

Während meiner Interviewreise in Haixi sind mir auch zahlreiche lokale Mythen zu Ohren gekommen, die sich allesamt um die Geschichte der Goji-Beeren drehen. So zum Beispiel die Geschichte der „Königinmutter des Westens“, die sich vor ihrer Verwandlung in eine Fee einst im Fünfdrachental mit dem Graben nach Kräutern verdingt haben soll. Nachdem sie Unsterblichkeit erlangt hatte, sorgte sie sich dennoch weiter um die Armen und Notleidenden unter den Menschen. Deshalb soll sie sich der Legende nach in eine alte Bettlerin verwandelt haben, die in der Welt der Menschen ihre Heilkünste anbot und Medizin verteilte. Ihren Gehstock soll sie später in einen Wolfsbeerenbaum verwandelt haben, aus ihren Ohrringen formte sie die kleinen, roten Goji-Beeren, die sie den Menschen fortan für alle Zeiten als wertvolles Geschenk überließ, das die Kraft besaß, Krankheiten zu heilen.

 

Auch gibt es viele Mythen, die davon berichten, wie die Wolfsbeeren als Medizin die Gesundheit der Einheimischen schützten. Zum Beispiel die des 3. Panchen Lama Wênsaba Lobsang Toinchub. Er soll im Alter von 18 Jahren unglücklich an Pocken erkrankt sein. Heilung soll ihm letztlich eine spezielle Kräuterarznei verschafft haben. Der Hauptbestandteil dieser Arznei waren die allerorts auf dem Hochland der Wüste Gobi sprießenden Goji-Beeren.

 

Die vielen Sagen und Mythen belegen letztlich die lange Tradition, die der Verzehr der Goji-Beeren und ihr Einsatz im Bereich der TCM in der Region des Qaidam-Beckens besitzen. Heute sind die Erzählungen ein schönes I-Tüpfelchen, das zum Aufbau der lokalen Goji-Marke beiträgt. Wenn Einheimische aus Qinghai heute in andere Landesteile oder ins Ausland reisen, erzählen sie nicht nur stolz von diesen Sagen, sondern neuerdings auch die Geschichte, wie das Qaidam-Becken und der Bezirk Haixi zu erfolgreichen Produzenten von Premium-Wolfsbeeren gereift sind.  

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