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Seidenstraße des 21. Jahrhunderts stärkt Chinas Öffnung nach außen – Xi’an spielt Schlüsselrolle

28-07-2017

Von Zhou Lin

 

Vier Jahre ist es mittlerweile her, seit Chinas Staatspräsident Xi Jinping an der Universität Nazarbayev in Kasachstan seine wegweisende Rede zum gemeinsamen Aufbau des Wirtschaftsgürtels Seidenstraße hielt. „Um unsere wirtschaftlichen Verbindungen enger zu gestalten, unsere Zusammenarbeit weiter zu vertiefen und den Entwicklungsspielraum stetig zu vergrößern, sollten wir mit einem innovativen Kooperationsmodell gemeinsam einen neuen Wirtschaftsgürtel entlang der Seidenstraße aufbauen“, sagte Xi damals.

Dazu, wie diese Vision in die Realität umgesetzt werden sollte, stellte Xi den Plan vor, „die bestehenden Ansätze auszuweiten, um dann Schritt für Schritt eine große Kooperation mit Relevanz in der gesamten Region zu verwirklichen“. Diese neue Seidenstraße des 21. Jahrhunderts hat sich vor allem die Ziele gesetzt, die politische Kommunikation zu verstärken, die Infrastruktur besser zu vernetzen, freien Handel zu entfalten, die Zirkulation und Integration von Geldmitteln zu beschleunigen sowie die Völkerverständigung zu fördern.

 

Feierliche Eröffnungszeremonie: Auch 2017 lockte die „Silk Road International Expo and China East-West Cooperation and Investment Trade Fair“ viele Besucher nach Xi’an.

Hu Angang, Direktor des Institute for Contemporary China Studies der Tsinghua-Universität, erklärte in diesem Zusammenhang: „Die Initiative zum Aufbau des Wirtschaftsgürtels Seidenstraße und der maritimen Seidenstraße des 21. Jahrhunderts (kurz: „Ein Gürtel und eine Straße“) setzt das Signal, dass China von der Öffnung nach außen zu einer umfassenden Öffnung übergegangen ist.“ Es gehe um eine einzigartige geowirtschaftliche Revolution der Menschheitsgeschichte, unterstrich der Wissenschaftler die Tragweite des Vorstoßes.

Xi’an, die Hauptstadt der nordwestchinesischen Provinz Shaanxi, war einst der Ausgangspunkt der alten Seidenstraße. Seit mehreren Jahren bereits veranstaltet die Stadtverwaltung die internationale Messe „Silk Road International Expo and China East-West Cooperation and Investment Trade Fair“ und setzt damit die Forderung des Staates nach dem beschleunigten Aufbau eines neuen Ausgangspunktes der neuen Seidenstraße in einer neuen historischen Periode sowie einer zentralen Zone für die Seidenstraßen-Initiative erfolgreich in die Praxis um.

Publikumsmagnet: Gastland Serbien führte bei der Eröffnung seines Gastpavillons am 3. Juni 2017 serbische Folklore auf. Die volkstümlichen Tänze und Gesänge des Balkanlandes lockten schon am Eingang zahlreiche Besucher an.

Die Provinzregierung Shaanxis errichtet derzeit ein Verkehrs- und Handelszentrum, um Ausstrahlungseffekte ins Umland zu tragen, hochwertige Dienstleistungen nicht nur für die Region, sondern für ganz China anzubieten und die eigene Entwicklung mit dem Aufbau der neuen Seidenstraße noch besser zu verbinden. Durch die Integration in die globale Produktions-, Logistik- und Wertschöpfungskette will die Provinz im Nordwesten des Landes eine zentrale Rolle bei der internationalen Zusammenarbeit im Bereich der Produktionskapazitäten übernehmen. Außerdem plant man, eine Schlüsselrolle bei der gemeinsamen hoch effizienten Nutzung innovativer Ressourcen des Sektors Wissenschaft und Bildung zu spielen. Doch damit nicht genug. Es sollen hier auch ein touristisches Zentrum von Weltrang und ein regionales Finanzzentrum für den Aufbau der neuen Seidenstraße entstehen. Ziel ist es, auf diese Weise das Niveau der Öffnung nach außen in den zentralen und westlichen Gebieten Chinas weiter zu erhöhen und die pragmatische Zusammenarbeit mit den Ländern und Regionen entlang den Routen des Wirtschaftsgürtels Seidenstraße und der maritimen Seidenstraße des 21. Jahrhunderts weiter auszubauen. Was die Verantwortlichen anstreben, ist eine gemeinsame Entwicklung durch Zusammenarbeit.

Diese zwei Brüder aus Ghana buhlen mit afrikanischen Trommelklängen um die Gunst der Kundschaft.

Im Südosten der Provinzhauptstadt Xi’an liegt das Stadtviertel Qujiang New District, wo auch das Messezentrum liegt. Hier findet sich eine touristische und kulturelle Entwicklungszone, in der sich beispielsweise auch die vor 1300 Jahren zu Zeiten der Tang-Dynastie (618 – 907) erbaute Große Wildganz-Pagode befindet. Hier sind wertvolle buddhistische Sutren, die der berühmte Tang-Mönch Xuanzang einst aus Indien mitbrachte, aufbewahrt. Neben historischen Bauten ragen in diesem Viertel auch neue Bauwerke in den Himmel. Sie sorgen für eine spannende Mixtur aus Tradition und Moderne. Hier im Qujiang New District trifft gelebte Geschichte auf die Realität der Gegenwart. Bei der Besichtigung hat man den Eindruck, als würde man in wenigen Minuten aus einer historischen Altstadt in eine moderne Metropole katapultiert.

Dieser Weinhändler aus Frankreich bietet Messebesuchern in Xi’an Kostproben aus dem Weinlager seines Familienguts an.

 

Serbien als Messegastland 2017

Auch in diesem Jahr wurde im Qujiang International Conference & Exhibition Center die „Silk Road International Expo and China East-West Cooperation and Investment Trade Fair“ veranstaltet. Mehr als 300 Unternehmen aus 42 Ländern und Regionen, darunter Serbien, Pakistan, Indien, Thailand, Russland, Südkorea und Brasilien, nahmen an dem Event teil. Im Ausstellungszentrum findet sich eigens eine internationale Halle, die auch die Kleinmesse des jährlich wechselnden Gastlandes beherbergt. In diesem Jahr fiel Serbien die Rolle als Ehrengast zu. Der Balkanstaat bot heimische Agrarprodukte wie Milchpulver, Honig und Rotwein an und stellte eine Reihe von Kooperationsprojekten unter anderem in den Bereichen Landwirtschaft, Kultur sowie Film, Fernsehen und Entertainment vor. Die dargebotene serbische Folklore wurde zum heimlichen Besuchermagneten des Messeevents. Die volkstümlichen Tänze und Gesänge des Gastpavillons lockten schon am Eingang zahlreiche Besucher an.

„Mit unseren Ständen möchten wir den Besuchern aus China und anderen Ländern entlang der traditionsreichen Seidenstraße nicht nur unsere Agrarprodukte, sondern auch Projekte aus den Bereichen Wissenschaft und Technik sowie dem Dienstleistungssektor näher vorstellen“, erklärt uns Nikola Paunovie, der Chef der serbischen Delegation. Sein Messeteam bestehe aus mehr als einhundert Mitgliedern, die bestens geschult seien, um Geschäftsleuten und dem übrigen Messepublikum Serbiens Handelspolitik und verschiedene Projekte des Landes, unter anderem Industrieprojekte, ausführlich vorzustellen.

„Ich persönlich spüre ein starkes Interesse der chinesischen Unternehmen an unserem Land“, sagt Paunovie. Viele ließen ihre Absicht zu einer Zusammenarbeit mit Serbien erkennen. Ein Problem sei allerdings, dass viele Chinesen die Politik und die Kanäle des Balkanlandes kaum kannten. „Hier wollen wir Abhilfe schaffen und stellen im Rahmen der Messe konkrete Projekte und Kooperationsschritte vor.“ Und das Konzept scheint aufzugehen. „Unsere Messestände locken viele einheimische Besucher an, was mich natürlich besonders freut“, sagt der serbische Delegationschef. Er selbst sei bereits zum zweiten Mal in Xi’an. Der kulturelle Charme dieses einstigen Ausgangsortes der historischen Seidenstraße fasziniere ihn persönlich sehr, so Paunovie.

Wenn Chinesen gefragt werden, was ihnen zum Thema Serbien einfällt, kommt insbesondere denjenigen, die in den 1960er oder 1970er Jahren zur Welt kamen, als erstes der jugoslawische Film „Walter defends Sarajevo“ in den Sinn, der in den achtziger Jahren zum Publikumserfolg an Chinas Kinokassen wurde. Viele Fans können noch heute die Lieder und Melodien dieses Streifens nachsingen. Emir Kusturica, der Regisseur des Films, der unter anderem die serbische Staatsbürgerschaft besitzt, pflegt noch immer gute Beziehungen zu China. Über Serbien sagt er: „Gelegen im Binnenland Europas kann wohl kein anderer Ort ein so starkes Gefühl von Heimat vermitteln wie die Stadt Kragujevac.“ Kragujevac ist die viertgrößte Stadt Serbiens und liegt rund 140 Kilometer südöstlich von Belgrad. „Auch kann wohl kein anderer Ort Serbiens Mysterien und Charme so fabelhaft nach außen präsentieren wie sie. Und auch was ihre einzigartige Kultur angeht, sucht Kragujevac ihresgleichen.“ Was den Ort mit China verbindet, wird schnell klar, als der Filmemacher auf ein Herzensprojekt zu sprechen kommt. „Die Stadtverwaltung Kragujevacs ist derzeit dabei, mit Hilfe chinesischer Investoren einen Studiokomplex mit großer Kulissenstadt aufzubauen, unter anderem um noch mehr Touristen aus China und Europa anzulocken“, sagt der Regisseur.

Am Rande der Messe erfahren wir auch, dass Kragujevac die 29. Stadt ist, mit der Xi’an eine offizielle Städtepartnerschaft geschlossen hat. Kragujevac ist zudem die Heimatstadt des ehemaligen serbischen Präsidenten Tomislav Nokolic. Igor Mitrovic, Abgeordneter der Stadt, stellte den Besuchern verschiedene Kooperationsprojekte der Stadt mit China vor. Neben dem bereits erwähnten Filmstudiokomplex gibt es auch Zusammenarbeit im Bereich Landwirtschaft, Industrieparks und Vergnügungsparks.

Marija Labovic, Geschäftsführerin des staatlichen Reisebüros Serbiens, erklärt unterdessen: „Die Visumfreiheit, die unser Land für chinesische Reisende eingeführt hat, erleichtert chinesischen Touristen die Einreise. Wir hoffen, dass in Zukunft noch mehr Chinesen nach Serbien reisen. Ende dieses Jahres wird der Direktflug Belgrad – Beijing in Betrieb gehen, was den Reiseverkehr zwischen unseren Ländern weiter fördern dürfte.“

Die gegenseitige Visumfreiheit zwischen Serbien und China trat am 15. Januar 2017 in Kraft. Bis Ende April ist die Zahl der chinesischen Touristen in Serbien im Vergleich zur Vorjahrsperiode bereits um das Dreifache angestiegen. 2016 hatte die Zahl der chinesischen Touristen in Serbien bereits um 29 Prozent zugelegt, womit bereits das fünfte Jahr in Folge ein zweistelliges Wachstum realisiert werden konnte.

Chance auch für pakistanische Kaufleute

Im Vergleich zu den Managern aus Serbien scheint der pakistanische Kaufmann Siddiq Memon ein alter Hase im China-Geschäft. Er nimmt in Eigenregie bereits zum dritten Mal an der Messe in Xi’an teil.

 

Geschäftschance China: Der pakistanische Kaufmann Siddiq Memon bedient chinesische Kunden an seinem Messestand.

 

An seinem Messestand Nr. A074 in der internationalen Halle stellt er Jadesteine und Kupferprodukte aus Pakistan vor. Alle Waren stammen aus seiner Heimat: Schmuckstücke aus weißer Jade und handgefertigte und in Gold gefasste Kupfergegenstände. Die Schmuckwaren und Dekorationselemente zur Verzierung von Innenräumen haben einen stolzen Preis. Ein Paar Vasen aus Jade, rund 30 Zentimeter hoch, kosten 1200 Yuan, umgerechnet rund 154 Euro, für Kupferdekorationen muss man sogar noch tiefer in die Tasche greifen.

Ein kupferner Dybowski-Hirsch in gleicher Größe kostet beispielsweise 1800 Yuan (ca. 230 Euro). „Bei jedem Kupferschmuckstück handelt es sich um hochwertige Qualitätsarbeit einheimischer Handwerksmeister. Sie wurden mit größter Sorgfalt geschnitzt, poliert und bemalt bzw. lackiert“, erklärt uns der Kaufmann.

Siddiq Memon ist 36 Jahre alt und stammt aus Karachi, der größten und bevölkerungsreichsten Stadt Pakistans. Sein Vater ist bereits verstorben, weshalb Siddiq Memon seine Mutter, seine Frau und drei Kinder alleine ernähren muss. Seine Familie war anfangs nicht damit einverstanden, dass er den weiten Weg nach China auf sich nahm, um hier Geschäfte zu machen. „Aber mit den Geschäften geht es von Jahr zu Jahr bergauf. Der Markt hier hat großes Potential und der Umsatz in China macht mittlerweile 70 Prozent des gesamten Jahresumsatzes aus“, erzählt uns der Pakistaner. Die restlichen 30 Prozent erziele er in seinem Heimatland sowie in Indien und der Türkei. Es sei tatsächlich ein weiter Weg ins Reich der Mitte, aber er wolle das Potential auf dem chinesischen Markt in vollem Maße nutzen, so der Geschäftsmann.

Um die Arbeitskosten zu senken, habe er seinen jüngeren Bruder und eine Aushilfe mitgebracht. „Die Waren wurden auf dem Seeweg nach China verschifft, was rund vier Wochen gedauert hat. Die Container wurden jeweils in der südchinesischen Hafenstadt Guangzhou bzw. der nordchinesischen Hafenstadt Tianjin entladen und dann auf der Straße nach Xi’an gebracht“, erklärt er uns.

In den vergangenen Jahren ist Siddiq Memon viel herumgekommen in der Volksrepublik, hat zahlreiche chinesische Städte bereist. Am meisten hat ihn die Stadt Yiwu in der südostchinesischen Provinz Zhejiang beeindruckt. Hier findet sich der weltweit bekannteste Großhandelsmarkt für Kleinartikel. „Dieser Markt ist hervorragend geeignet, um Geschäftsbeziehungen für Vertrieb und Handel zu knüpfen. Man kann dort gute Kontakt aufbauen und wichtige Informationen für das Geschäft sammeln“, sagt der Handelsreisende. Begeistert haben den Pakistaner auch die Metropolen Guangzhou und nicht zuletzt natürlich das traditionsreiche Xi’an. „In diesen beiden Städten spürt man einen hohen Grad an Internationalisierung. In Xi‘an leben zudem viele Moslems und auch die Speisen sind ganz nach meinem Gusto“, sagt Siddiq Memon.

Aus der Warte des Warenhandels betrachtet sei die südwestchinesische Metropole Kunming ebenfalls ein guter Standort für Geschäfte, so der China-Kenner. Viele Waren aus Pakistan gingen dort sprichwörtlich weg wie warme Semmeln. Sogar in die Inselprovinz Hainan reiste der pakistanische Geschäftsmann. „Dort gibt es zwar viele Touristen, aber wenig Käufer“, so sein Fazit. Auf die Frage, warum er nicht in Städten der ersten Rangstufe wie Beijing oder Shanghai Geschäfte treibe, antwortet Siddiq Memon: „Die Menschen dort sind viel zu beschäftigt und wollen nicht entschleunigen. Sie haben gar keine Zeit, über Messen zu schlendern.“

Dank seiner Marketingarbeit und Geschäftstätigkeit in den vergangenen drei Jahren besitzt Siddiq Memon heute einen guten Überblick über die chinesischen Märkte und potentielle Kundschaft. „In der Inneren Mongolei und der Metropole Harbin verkaufen sich meine Waren am besten. Die Verkaufsschlager sind große Dekorationsgegenstände aus weißer Jade und in Gold eingefasste Schmückstücke. Die Käufer gehören zur betuchten Oberschicht und geben gerne Geld aus.“ Der 36-Jährige hat einen scharfen Geschäftssinn und sieht die große Kaufkraft, die die sich ständig erweiternde Gesellschaftsgruppe mittleren Einkommens in China bietet. Diese will er als wichtigste Zielgruppe erreichen.

Während unseres Interviews können wir uns selbst ein Bild machen von den guten Geschäften des jungen Pakistaners. Ein chinesischer Kunde findet Gefallen an einem Paar Vasen aus weißer Jade und versucht, den Preis herunterzuhandeln. Der pfiffige Geschäftsmann bietet dem Kunden stattdessen einen kleinen Jadeteller als Geschenk an, ohne jedoch den Preis zu senken. Der Deal ist besiegelt und Siddiq Memon freut sich über weitere Einnahmen. Ihm ist klar, dass der Kunde durchaus genug Geld hat, allerdings auf eine psychische Genugtuung aus ist.

Auf die Frage, wie die Geschäfte in diesem Jahr bisher laufen, sagt der 36-Jährige: „Die Verkaufsdaten in diesem Jahr sind noch nicht erstellt. Ich hoffe, dass wir am Jahresende eine gute Bilanz erzielen können.“ Beim Abschied nimmt er uns noch in seine WeChat-Kontaktliste auf. „Es ist eine großartige Erfindung, per WeChat Zahlungen abwickeln zu können“, lobt er die chinesische Social-Media-App. „Über diese Funktion kann ich schon von Pakistan aus den Verkauf von Waren tätigen und Geld einnehmen.“

Neues Gefüge der Öffnung nach außen

Die Seidenstraßen-Initiative findet bei ihrer Umsetzung ein immer stärkeres internationales Echo, insbesondere in den Ländern des Nahen Ostens bis hin zu Chinas Nachbarländern. Dies zeigt, dass der Aufbau der neuen Seidenstraße nicht nur Chinas strategische Entscheidung, sondern auch die zwangläufige Entwicklungstendenz der Weltwirtschaft verkörpert. Nur durch Öffnung ist auch Entwicklung möglich und die erstere verleiht letzter nachhaltige Triebkraft, das ist das Fazit der erfolgreichen Erfahrungen, die China in den vergangenen mehr als drei Jahrzehnten gesammelt hat.

Der Aufbau des Wirtschaftsgürtels Seidenstraße und der maritimen Seidenstraße des 21. Jahrhunderts ist ein wichtiges Kennzeichen für die Öffnungsstrategie in der neuen Periode Chinas und verkörpert die Verpflichtung zur Gestaltung eines neuen Gefüges der umfassenden Öffnung nach außen, die die Volksrepublik in dieser neuen Periode auf sich genommen hat. Der Aufbau der Seidenstraßen-Initiative ist zudem auch ein konzentrierter Ausdruck der Umsetzung des Konzeptes der durch Öffnung nach außen gekennzeichneten Entwicklung Chinas. In den über 30 Jahren der Öffnung hat sich in China ein Öffnungsgefüge herausgebildet, in dem es in erster Linie zunächst um die Einführung von Produktionsfaktoren wie Kapital, Technologien, Managementerfahrungen und Verwaltungspersonal aus westlichen Industrienationen ging. Anfangs zeichnete sich eine Fluktuationstendenz nur in eine Richtung ab.

Beim Aufbau der Initiative „Ein Gürtel und eine Straße“ hingegen wird eine Integration von drei Dimensionen angestrebt, nämlich der Infrastruktur, des Regelwerks und des Personalaustausches. Der Schwerpunkt der Kooperationen liegt auf der politischen Kommunikation, der infrastrukturellen Vernetzung, dem freien Handel, der Zirkulation und Integration von Geldmitteln sowie der Völkerverständigung. Dadurch wird eine Plattform zum gegenseitigen Austausch von Produktionsfaktoren der Länder entlang den Routen aufgebaut.

Der Aufbau der neuen Seidenstraße verbindet zwei große Wirtschaftskreise miteinander, nämlich den Asien-Pazifik-Wirtschaftskreis und den europäischen Wirtschaftskreis. Und die zwei Routen der neuen Seidenstraße durchlaufen auch zahlreiche Entwicklungsländer. Diese sind heute mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert wie China in der Anfangsphase der Reform und Öffnung. Im Rahmen der Seidenstraßen-Initiative stellt China diesen Ländern nun wichtige Produktionsfaktoren zur Verfügung, wodurch eine Zusammenarbeit zum gemeinsamen Gewinnen realisiert wird. Der Aufbau „eines Gürtels und einer Straße“ setzt sich das Ziel, eine regionale Zusammenarbeit noch größeren Umfangs, höheren Niveaus und tiefgreifenderen Typs zu realisieren. Der Aufbau und Ausbau dieser Plattform für eine inklusive und durch Öffnung gekennzeichnete Entwicklung bildet einen wichtigen Schwerpunkt der gegenwärtigen Öffnung Chinas nach außen.

Der Wandel von Chinas Öffnung nach außen bietet die Chance, den Öffnungsgrad der Wirtschaft weiter zu erhöhen. Im Zuge der Durchsetzung der Strategie des Exports von Produktionsfaktoren haben sich auch die Zielländer dieser Öffnung nach außen verändert. Unter ihnen finden sich nicht mehr ausschließlich Industrienationen, sondern auch Entwicklungsländer. Eine zusätzliche regionale Kooperationsplattform soll nun die globale Kooperationsplattform ergänzen.

Im Zuge des Aufbaus der Initiative der neuen Seidenstraße wird die durch Öffnung nach außen gekennzeichnete Entwicklung nicht nur in großem Stil zum Wiederaufleben der chinesischen Nation in der Neuen Normalität der chinesischen Wirtschaft beitragen, sondern auch den Ländern entlang den Routen Chinas Entwicklungsverständnis vermitteln, womit die Weisheit aller für die Entwicklung gebündelt wird.

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