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Buchbesprechung: Die 798-Kunstzone in Beijing

22-07-2010

Von Wolfgang Schaub

Gerhard Schröder war schon hier, ebenso Manuel Baroso, Nicolas Sarkozy, Kofi Anan sowie gekrönte Häupter aus aller Welt, um nur die namhaftesten Besucher der 798-Kunstzone zu nennen. Ganz abgesehen von den kunstinteressierten Chinesen und Ausländern, die zu Tausenden täglich außer Montag zum Mekka der modernen chinesischen Kunstszene auf das weitläufige Gelände mit 400 Galerien, Ateliers, Trickfilmstudios, Medienunternehmen sowie Verlags-, Design- und Beratungsbüros pilgern und sich anschließend oder zwischendurch in den von Kunst inspirierten Restaurants und Café erholen.

Was ist so faszinierend an der 798-Kunstzone im Nordosten Beijings, wo doch alles vor über 50 Jahren ebenso produktiv, jedoch viel unkünstlerisches begonnen hatte?

In der heutigen 798-Kunstzone war früher das Nordostchinesische Funkgerätekombinat 718 untergebracht, das mit Unterstützung der DDR 1952 gebaut und im Oktober 1957 in Betrieb genommen wurde. Zeitweise arbeiteten hier 20 000 Menschen.

Für den Entwurf und Bau des 718-Kombinats war ein Architekturbüro in Dessau zuständig, das denselben Prinzipien verpflichtet war wie das einstmals ebenfalls in Dessau beheimatete Bauhaus. Die Philosophie des 1919 in Weimar gegründeten Bauhauses bestand in der Aufhebung der Trennung von Kunst und Produktion durch eine Rückbesinnung auf handwerkliche Traditionen als Grundlage allen künstlerischen Schaffens. Vorbildlich gestaltete Gegenstände und Räume zielten auf eine künftige humanere Gesellschaft.

Im Jahr 2001, nach einer Umstrukturierung der Fabrikanlage und Stilllegung einiger Hallen, wurde die Gegend für Künstler interessant. Angelockt durch die niedrigen Mieten, relativ große Autonomie und viel Platz in den hohen und geräumigen Werkhallen im Bauhaus-Stil zogen zahlreiche Künstler in den ehemaligen Fabrikkomplex ein – zuerst in die Fabrik 798, die so zum Namensgeber der ganzen Kunstzone wurde. Immer mehr Kunsträume, Kunstinstitutionen und Privatstudios folgten.

Schon zwei Jahre später zählte das „Time Magazine“ die Kunstzone 798 unter die 22 städtischen Kunstzentren in der Welt mit „dem höchsten Sinn für Kultur“. Im selben Jahr wurde Beijing von „Newsweek“ in eine Liste der 12 interessantesten internationalen Metropolen aufgenommen, nicht zuletzt aufgrund des großen Eindrucks, den 798 machte. 2004 war Beijing im Magazin „Fortune“ unter den 20 Städten mit dem größten Potential für Entwicklung. Auch diese Einschätzung wurde unter anderem auf die Kunstzone 798 zurückgeführt.

Was macht nun den Reiz von 798 aus?

Durch die Verbindung von moderner Kunst, vorgefundener Industriearchitektur und Kulturindustrie mit einem dynamischen kulturellen Entwicklungsprozess und einer städtisch geprägten Umwelt wurde 798 innerhalb kurzer Zeit zu einem Kultur- und Kunstbegriff, der eine große Anziehungskraft auf Künstler, Kunstsachverständige und -händler sowie die Bevölkerung ausübte und weiterhin ausübt.

Hier ist zwar vor allem die moderne chinesische Kunst zuhause, es trifft sich aber auch die Kunstwelt aus vielen anderen Ländern zum Dialog. Galerien und Kunstinstitutionen aus Italien, Spanien, Belgien, Thailand, Indonesien, Japan und sogar aus dem selten auf der Kunstbühne auftretenden Nordkorea geben sich ein Stelldichein.

798 bedeutet ein Neben- und Miteinander von Avantgarde und Tradition, ein Gleichgewicht von Experiment und sozialer Verpflichtung, gleichzeitig auch gegenseitige Befruchtung von geistigem Streben und wirtschaftlicher Planung sowie ein Gedankenaustausch zwischen den Eliten und der Bevölkerung.

Oder anschaulicher: Die hohen und geräumigen Werkhallen mit buntgesprenkelten Mauern aus roten Ziegeln und sägezahnförmigen Dächern, die kreuz und quer verlaufenden verrosteten Röhren, die aus verschiedenen Perioden zurückgebliebenen politischen Parolen, die altmodische Dampflokomotive in der 751-Station, die hohen Schornsteine, aus denen noch Qualm aufsteigt, gelegentlich Arbeiter im Blaumann – all das erinnert an den revolutionären Enthusiasmus der Vergangenheit.

Dazwischen überlebensgroße, moderne und häufig tiefrote Skulpturen, Galerien mit moderner und hypermoderner Kunst, Buchhandlungen, versteckte Hinterhofcafés und Restaurants, Kunstgewerbegeschäfte und Besucher portraitierende Künstler bei der Arbeit – ein bunter, unerschöpflicher und sehenswerter Jahrmarkt der modernen Kunst in und aus China.

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