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„Gib mir meine Träume zurück“ – Chinas junge Schriftsteller melden sich zu Wort

28-09-2011

Von Tang Yuankai

 

Erfolgreicher Kinderschriftsteller Han Han

Das Literaturmagazin „Volksliteratur", gegründet 1949, gilt als „Wiege chinesischer Schriftsteller". Vor kurzem richtete das Magazin einen Literaturwettbewerb für die Generation der nach 1990 Geborenen aus, der bereits jetzt großes öffentliches Interesse auf sich zieht, obwohl der Sieger erst im April nächsten Jahres gekürt wird.

Eine der bekanntesten Juroren der prominent besetzten Jury des Wettbewerbs dürfte die ehemalige Kinderschriftstellerin Jiang Fangzhou sein. Im Alter von nur neun Jahren veröffentlichte die 1989 geborene Jiang ihre erste Prosasammlung. Mit 11 Jahren begann sie, ihren ersten Roman zu schreiben und im Alter von 12 Jahren wurde sie Kolumnistin für verschiedene Zeitungen. Als sie 15 Jahre alt war, gewann sie den „Chinese Adolescent Writers Cup" und im darauf folgenden Jahr wurde sie zur ersten Präsidentin des Chinesischen Vereins für Jugendliche Schriftsteller gewählt.

Derzeit drängt in China eine ganze Riege neuer jugendlicher Autoren auf die literarische Bühne. Immer mehr Schriftsteller im Mittel- oder sogar Grundschulalter veröffentlichen ihre Romane und nicht wenige davon stürmen die chinesischen Bestsellerlisten. „Mehr als die Hälfte meiner Klassenkameraden haben genug zu sagen, um einen Roman zu schreiben, und sie tun es jetzt eben auch", sagt Tian Xiaorui, 11 Jahre, Grundschülerin aus Beijing. Sie selbst hat in diesem Jahr ihr erstes Buch veröffentlicht.

Nach einer Untersuchung vom Beijinger Forschungsinstitut Kaijuan, das den Literaturmarkt unter die Lupe nimmt, machen Werke jugendlicher Schriftsteller mittlerweile rund 10 Prozent des gesamten Literaturmarktes aus.

Und auch beim Zentrums für Kinderliteratur der Anhui-Universität geht eine steigende Zahl von Artikeln ein, die aus der Feder von Kindern stammen, bestätigt Professorin Wu Meizhen, die Direktorin des Zentrums. Seit 2009 wähle das Zentrum auch Werke von Grundschülern aus. „Anfangs hatten die Verlage Zweifel, was das Interesse der Leserschaft an Büchern solch junger Autoren angeht", sagt Wu. Aber bereits ein Jahr später wurden beinahe 100 000 Exemplare der ersten Serie gedruckt. „Heute erreicht das Absatzvolumen solcher Bücher 1,2 Millionen Stück."

„Gib mir meine Träume zurück"

Vor zehn Jahren veröffentlichte die damals 12-jährige Jiang Fangzhou ihr zweites Buch „Aufwachsen" (Zhengzai Chengzhang), in dem sie die physische und psychische Entwicklung der jungen Generation verarbeitete.

Viele Menschen sind erstaunt, wenn sie das Buch zum ersten Mal lesen, weil sie nicht glauben können, dass ein 12-jähriges Mädchen ein solches Buch voll von avantgardistischen Wörtern und Ausdrücken zustande bringt. Viele Leser bewundern die junge Autorin für ihre Phantasie, auch wenn sie zunächst von den tangierten Themen wie Jugendliebe, außerehelichen Affären und Homosexualität schockiert sind.

„Unterschätzen Sie nicht die modernen Kinder. Sie werden herausfinden, dass sie alles über die Welt der Erwachsenen wissen", sagt der chinesische Bestsellerautor Chen Cun. Es sei besser, wenn Kinder ihre eigene Welt beschrieben, anstatt dass Erwachsene versuchten, die Welt der Kinder für sie zu beschreiben, so Chen.

Auch Meng Xiangning geht noch zur Schule. Sie besucht die Oberstufe einer Mittelschule in Shijiazhuang, Provinz Hebei. In vielen Romanen erwachsener Schriftsteller über Jugendliche der Post-1990-Generation erkennt sich das Mädchen nicht wieder, ja fühlte sich und ihre Generation gar beleidigt. „Die erwachsenen Schriftsteller dieser Romane verstehen uns und unsere wahre innere Welt einfach nicht. Sie wollen nur die Leser durch möglichst überraschende, unglaubliche und neue Dinge begeistern", sagt Meng.

Meng Xiangning griff kurzerhand selbst zur Feder. Als sie die sechste Klasse der Grundschule besuchte, veröffentlichte sie ihr erstes Buch. Erst kürzlich erschien ihr semi-autobiographischer Roman „Aufwachsen wie eine Sonnenblume". Sie betrachte es als ihre Pflicht, einen Roman über die „normale" Post-1990-Generation zu schreiben, sagt sie. Damit die Menschen verstehen können, wie die junge Generation über die Welt denkt. „Erwachsene können unsere Träume und unser Verantwortungsbewusstsein sehen, wenn sie Geduld haben, uns zuzuhören", sagt sie.

In einem Land, in dem es noch immer Realität ist, dass hunderte Millionen Menschen am Existenzminimum leben, ist das oft zitierte chinesische „Post-1990"-Phänomen nur auf die gut gebildeten Mittelklasse-Familien in den Großstädten begrenzt. Seit den 1970er Jahren hat jedes neue Jahrzehnt ein ganz anderes Umfeld für das Heranwachsen seiner Kinder geschaffen: Die 1970er-Generation wuchs in einer Gesellschaft auf, die noch die Nachwehen der gerade zu Ende gegangenen Kulturrevolution (1966 – 1976) spürte; die 1980er-Generation profitierte von den Erfolgen der Reform- und Öffnungspolitik; die 1990er-Generation steht in einem ganz anderen Geist. Ihre Vertreter leben zwar in einer Zeit, in der sich viele Chancen bieten und viele Türen öffnen, gleichzeitig sehen sie sich aber auch mit einem immer härter werdenden Konkurrenzdruck konfrontiert. „Wir spüren den Druck der Erwartungen unserer Familien und unserer Nation. Aber wer denkt an unsere Träume und Hoffnungen? Wer respektiert, dass auch wir unsere ganz eigenen Träume haben?", fragt Tang Chao, der nur wenige Monate älter ist als Meng Xiangning. Mit 15 Jahren schrieb Tang seinen zweiten Roman „Gib mir meine Träume zurück", der schnell an die Spitze der Bestsellerliste des Buchhandels schoss.

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