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Epilog (zum Buch „Daojijing“ 《道记经》: Die Spuren des „Daodejing“ in den Gesichtern unserer Zeit)

24-01-2014

 

 Von Li Xuetao

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Ende August 2008 hielt ich für einen Sommerferienkurs, dessen Teilnehmer aus Österreich stammten, einen Vortrag in deutscher Sprache über konfuzianisches Denken. Um mir näheren Zugang zu diesem Thema zu verschaffen, baute ich jenen Vortrag auf einem Vergleich dessen auf, was die berühmten deutschen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) und Karl Jaspers (1883-1969) über Konfuzius zu sagen wussten. Im Anschluss an den Vortrag stellte ein hochgewachsener Seminarteilnehmer mit dem Erscheinungsbild und Auftreten eines Künstlers sehr viele Fragen, die sich hauptsächlich auf den Gesichtspunkt bezogen, in welcher Weise zeitgenössische Personen mit westlicher Identität das konfuzianische und daoistische Denken begreifen. In der Erinnerung haften blieben mir zuvorderst das ein wenig zaghaft und distinguiert zurückhaltend wirkende Benehmen jenes Mannes sowie die verhältnismäßig schwer wirkende österreichische Klangfärbung seiner deutschen Sprechweise.

Eine Woche später fand ich in meiner Post einen sehr ausführlichen Brief, durch den ich seinen Namen erfuhr: Bernhard Gwiggner, Dozent in der Abteilung für Bildhauerei an der Universität Mozarteum zu Salzburg. In diesem Schreiben erläuterte er mir die Hintergründe seiner wissenschaftlichen und künstlerischen Konzeption und stellte seine Erfahrungen im Rahmen eines sich über vier Jahre erstreckenden Kunstprojekts heraus, dem er den Titel „Daojijing“ gegeben hatte. Besondere Erwähnung widmete er François Jullien (1951- ), aus dessen Wirken er wertvolle Einsichten und ein tieferes Verständnis über das Verhältnis zwischen östlicher und westlicher Kunst gewonnen hatte. Abschließend brachte er seine Hoffnung zum Ausdruck, dass ich ihm meine in deutscher Sprache zugänglichen Beiträge über Sinologie und westliches Denken schicken möge. Später schickte er mir ein Verzeichnis seines eigenen künstlerischen Schaffens, in dessen Anhang sich auch einige Bilder jenes „Daojijing“ befanden, die mich sehr beeindruckten und sich in meiner Erinnerung fest einprägten.

 

 

Im Sommer jenes Jahres war Gwiggner nach China gekommen und hatte abgesehen vom Studienaufenthalt in Beijing auch Xi´an sowie einige andere Orte besucht. Später schrieb er einen deutschsprachigen Beitrag für die Zeitschrift „Jinri Zhongguo“ (China heute), für die meine Ehefrau arbeitet. Seit damals informiert er mich immer im Voraus über die Zeiten seiner Aufenthalte in Beijing. Da ich selbst jedoch ebenfalls häufig zwischen Deutschland und China unterwegs bin, ergab sich nicht oft die Gelegenheit zu einem Zusammentreffen – die Verbindung zwischen uns aber ist seit damals nie wieder abgerissen.

Im Oktober 2010 ließ Gwiggner mich durch einen Brief wissen, dass seine „Daojijing“-Arbeiten am 22. jenes Monats im Rahmen einer gemeinschaftlichen Ausstellung österreichischer Künstler namens „Chuan Menr“ im Beijinger Atelier „798“ zu sehen sein würden – er hoffe, dass ich bei der Eröffnungszeremonie anwesend sein könne. Selbstverständlich sagte ich ohne zu zögern zu und begab mich am besagten Tag in erwartungsvoller Stimmung zu der genannten Adresse. Offen gesagt, stand das Atelier „798“ hinter der Hand im Ruf, eine Adresse zu sein, in der sich sehenswerte Präsentationen mit weniger wertvollen Vorstellungen mischen und wo eher minderwertige Dinge zu sehen sind (so genannter „Kitsch“). Nachdem ich fast den halben Tag aufs Geratewohl herumspaziert war und schon fast alle Hoffnung auf erbaulichere Eindrücke aufgegeben hatte, stand ich ebenso plötzlich wie unvermutet vor der bis zum Bersten mit Besuchern gefüllten „ Amelie Art Gallery“.

Nach einigen belanglosen Unterhaltungen gelangte ich schließlich zu Gwiggners Präsentation zum „Daodejing“, die eine Reihe künstlerischer Werke mit chinesischen Originaltexten und deutschen Übersetzungen umfasste. Obwohl ich von einigen dieser Kunstwerke zuvor schon Bilder gesehen hatte, überwältigte mich die große Anzahl derart kolossaler Skizzen zutiefst.

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Gwiggner berichtete mir, dass er das „Daodejing“ [Schreibweise häufig auch: Tao te King] zufällig für sich entdeckte, als er im Jahre 2001 seine erste Reise nach China vorbereitete und dass ihn die Weisheiten des Laozi [Schreibweise häufig auch: Lao-tse; Laotse] zutiefst beeindruckt hatten. Anschließend hatte er über einen Zeitraum von vier Jahren hinweg Tag für Tag Abschnitte aus den klassischen chinesischen Werken der Weisheit kopiert und diese Abschriften um eigene kreative Hinzufügungen bereichert. Neben die chinesischen Originaltexte setzte er zunächst die klassischen deutschen Übersetzungen des Viktor von Strauss (1809-1899) und des Richard Wilhelm (1873-1930). Da Kunstwerke zuvorderst durch die äußere Aufmachung Wirkung erzielen und Aufmerksamkeit erregen, wählte er geeignete Porträts aus Tageszeitungen aus, die er zur Grundlage seiner Gestaltungen machte und mit Zitaten des Laozi umkleidete, um mit den Worten des berühmten chinesischen Philosophen in unmittelbarer Weise die Reaktionen unterschiedlichster Personen anzusprechen und zu aktivieren. Nach vier Jahren hatte er so alle einundachtzig Kapitel des „Daodejing“ bearbeitet und dazu insgesamt 701 Kunstwerke geschaffen. Um deren Authentizität zu dokumentieren, notierte er mit kurzen Vermerken die Namen der dargestellten Personen und signierte jedes einzelne Kunstwerk mit seinem eigenen Nachnamen.

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