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Wissenschaftlich-technische Innovation: Verbreitung und Anwendung als Schlüssel

15-03-2016

Von Hu Yue

Am 8. März beging die Welt den Internationalen Frauentag. In Beijing fand an diesem Tag die Verleihung des Preises für hervorragende Leistungen von Wissenschaftlerinnen im Dienste der Gesellschaft im Jahr 2015 statt. Am Rande der Veranstaltung sprach „China heute“ mit einigen Mitgliedern der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes (PKKCV), deren Jahrestagung gerade in Beijing stattffand, über die Themen Innovation in Wissenschaft und Technik, die Popularisierung und Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie die Rolle von Wissenschaftlern in diesen Bereichen. Das Thema ist in China derzeit hoch aktuell, da der wissenschaftlich-technischen Innovation auch im „Grundriss des 13. Fünfjahresplans“ hoher Stellenwert beigemessen wird.

Huang Li, PKKCV-Mitglied und Wissenschaftler des Instituts für Mikrobiologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, sagte im Interview: „Die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse braucht eine breite Beteiligung der gesamten Gesellschaft. Dabei spielen Wissenschaftler natürlich eine unersetzbare Rolle. Sie geben der Popularisierung wissenschaftlicher Kenntnisse entscheidende Impulse.“ Das PKKCV-Mitglied engagiert sich seit vielen Jahren für die Popularisierung von Wissenschaft und hat auf der diesjährigen PKKCV-Jahrestagung einen Antrag zur besseren Entfaltung der spezifischen Rolle von Wissenschaftlern bei der Popularisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse gestellt, damit sie zu treibenden Kräften in diesem Bereich werden.

Huang ist überzeugt, dass die Beteiligung von Wissenschaftlern an der Verbreitung neuester Forschungserkenntnisse von großer Bedeutung ist. Anders als Abteilungen für Öffentlichkeitsarbeit, Bildungsanstalten oder Rundfunk- und Fernsehsender beherrschten diese Menschen ihr fachliches Metier und könnten die Erkenntnisse von daher präziser vermitteln. „Das verleiht ihnen eine besondere Stärke bei der Vorstellung neuer wissenschaftlich-technischer Errungenschaften in der Öffentlichkeit. Ihre Worte haben große Überzeugungskraft und sie sollten eine Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft schlagen“, sagte der Wissenschaftler.

Der Hauptgrund, warum sich trotzdem noch immer vergleichsweise wenige Wissenschaftler der Verbreitung ihrer Erkenntnisse widmeten, liege in erster Linie an der hohen Arbeitsbelastung vieler Forscher. Neben der Forschungsarbeit bliebe oft nur wenig Luft für andere Tätigkeiten, so Huang. Zudem sei die Popularisierung wissenschaftlicher Kenntnisse nicht in den Evaluationskriterien für wissenschaftliche Arbeit verankert. „Es gibt von daher keinen echten Anreiz, sich für eine bessere Verbreitung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu engagieren“, sagte Huang.

Aufgrund seiner eingehenden Untersuchungen schlug der Forscher deshalb vor, dass die Popularisierungsarbeit in die Evaluierung wissenschaftlicher Projekte aufgenommen werden sollte. „Im Rahmen staatlicher Fördermaßnahmen für Forschungsprojekte sollten Wissenschaftler gleichzeitig auch dazu angespornt werden, sich, wenn es irgendwie geht, an den Projekten zur Popularisierung ihrer Erkenntnisse zu beteiligen. Ich denke hier zum Beispiel an die Anleitung von Schülern zu wissenschaftlichen Experimenten, die Veröffentlichung relevanter Publikationen oder die Veranstaltung von Vortragsreihen. Bei der Abnahme der Forschungsprojekte sollte dann am Ende auch die Wirkung der Popularisierung genau evaluiert werden.“

Huang fordert, die Popularisierung wissenschaftlicher Kenntnisse als „Kennziffer“ in die Evaluierungskriterien aufzunehmen, was heute weitgehend fehle. Die Folge sei, dass bisher alles mit dem eigenen Verantwortungsbewusstsein der Wissenschaftler stehe und falle. „Dieses Bewusstsein hat aber nicht jeder. Die bisherigen Unzulänglichkeiten im System beeinträchtigen die Beteiligung von Wissenschaftlern an der Popularisierung ihrer Kenntnisse, wodurch wertvolle Ressourcen brachliegen“, so das PKKCV-Mitglied.

Huang Li wies außerdem darauf hin, dass die Popularisierungsarbeit bisher keine ausreichende Anerkennung in den Forschungsinstitutionen finde, ja stattdessen sogar als Vernachlässigung der eigentlichen Forschungsarbeit eingestuft werde. „Deswegen müssen wir die große Bedeutung dieser Arbeit im System verankern, damit die Popularisierung von Wissenschaft genauso wertgeschätzt wird, wie die wissenschaftliche Forschung selbst.“

Anreize verstärken

Im Gespräch mit einigen Wissenschaftlerinnen am Rande der Preisverleihung wurde deutlich, dass viele von ihnen Huangs Standpunkt teilen. Der ausgelobte Preis soll das Engagement von Frauen in der Forschung im Dienste der Bevölkerung, der gesellschaftlichen Basis und der Unternehmen würdigen und Wissenschaftlerinnen weiter dazu anspornen, sich für die Popularisierung von Wissenschaft zu engagieren. Zhu Meifang, Vizerektorin der Donghua-Universität und Direktorin des staatlichen Schwerpunktlabors für die Veränderung von Faser-Materialien (fiber material modification), war eine der acht Preisträgerinnen in diesem Jahr. Als prominente Gäste nahmen Chen Zhu, Vizevorsitzender des Ständigen Ausschusses des XII. Nationalen Volkskongresses (NVK) und Mitglied der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, und Shen Yueyue, Vizevorsitzende des Ständigen Ausschusses des XII. Nationalen Volkskongresses und Vorsitzende des Chinesischen Frauenverbandes, an der Veranstaltung teil.

Auf der Preisverleihung sagte Han Xiqiu, Preisträgerin und Chefwissenschaftlerin im Bereich der Konstruktion von ozeanologischen Forschungsschiffen: „Es ist mir eine große Ehre, diesen Preis entgegenzunehmen. Tatsächlich haben sich in unserem Land Hunderttausende Forscherinnen wie ich der Wissenschaft verschrieben und sie haben sich mit genauso großem Engagement für die Popularisierung der Wissenschaft eingesetzt.“

Wei Yu, Ehrenvorsitzende der Chinesischen Gesellschaft der Wissenschaftlerinnen, sagte: „Obwohl der Preis erst im vorigen Jahr etabliert wurde, hat er sich bereits positiv auf die Förderung der Popularisierung von Wissenschaft und der Verbreitung wissenschaftlicher Ergebnisse durch Wissenschaftlerinnen ausgewirkt. Die Anreizmechanismen erzielen also ihre erwünschte Wirkung.“

Zusammenarbeit für wissenschaftlich-technische Innovation

In China haben viele Forschungsinstitute und Hochschulen ihre Tore mittlerweile auch für die Öffentlichkeit geöffnet und veranstalten spezielle Aktionstage. Im Forschungslabor können so vor allem Schüler, aber auch andere Einwohner, mehr über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse erfahren. Durch die Anleitung der Forscher können sie Wissenschaft hautnah erleben. So soll das Interesse junger Menschen an Forschung gestärkt werden. Manche innovationsfreudige Macher haben auf diesem Weg gar ihre spätere Arbeitsrichtung gefunden.

Zhu Lianqing, PKKCV-Mitglied und Rektor der Beijing Information Science and Technology University, sagte, dass die Popularisierung von Wissenschaft nicht nur den gesellschaftlichen Fortschritt vorantreibe, sondern auch die Zusammenarbeit der Wissenschaftler aus verschiedenen Bereichen fördere sowie die Umsetzung und Anwendung der Forschungsergebnisse beschleunige. „Für Unternehmen stellen bestimmte wissenschaftliche Fragen eine große Schwierigkeit dar, für Forschungsinstitute und Hochschulen ist das dagegen völlig anders. Deshalb sollten wir verstärkt zusammenarbeiten und unsere Ressourcen teilen“, sagte er.

Im „Grundriss des 13. Fünfjahresplans“ wird der wissenschaftlich-technischen Innovation eine zentrale Rolle zugesprochen. Das Papier hebt die Durchsetzung einer innovationsgetragenen Entwicklungsstrategie hervor. Am 5. März dieses Jahres sagte Staatspräsident Xi Jinping auf der Sitzung der Shanghaier Delegation zur Prüfung des Tätigkeitsberichts der Regierung während der NVK-Jahrestagung: „Das Konzept der innovationsgetragenen Entwicklung ist richtungsweisend und auch ein Schlüssel. Innovation hat Vorrang. Wir sollten die Chancen, die sich uns bieten, beim Schopfe fassen, mit Blick auf den Forschungsstand der weltweiten Wissenschaft unsere eigene Fähigkeit zur selbstständigen Innovation umfassend erhöhen und durch eigene Anstrengungen große Innovationen in der Grundlagenforschung verwirklichen sowie große Durchbrüche in entscheidenden technischen Bereichen erzielen.“ Demnach können wir davon ausgehen, dass die Mechanismen zur wissenschaftlich-technischen Innovation weiter vervollkommnet und die Umsetzung und Anwendung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse beschleunigt werden. Dies bildet auch ein wichtiges Kettenglied in der innovationsgetragenen Entwicklung der kommenden fünf Jahre.

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