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Das Qingming-Fest – Mehr als ein Totengedenkfest

24-03-2016

 

 

Von Jiao Feng

 

Der Tang-Dichter Du Mu (803–ca. 852) schrieb einst in seinem berühmten Gedicht „Qingming“: „Am Tag des Qingming-Festes nieselt es / Das schlägt bei einsamen Passanten eine Saite an / Ich frage einen Hirtenknaben, wo eine Kneipe zum Schnapstrinken ist / Der kleine weist den Weg zum weit entfernt gelegenen Dörfchen inmitten Aprikosenblüten“. Diese bis heute überlieferten poetischen Zeilen beschreiben nicht nur das typische Wetter während des traditionellen Qingming-Festes, sondern auch die besondere Atmosphäre, die in China zu diesem Anlass herrscht. Das Qingming-Fest ist der Feiertag, an dem die Chinesen traditionell auf den Friedhof pilgern, um dort die Gräber der Vorfahren zu säubern und ihnen Opfergaben darzubringen.

 

Der Name „Qingming“ bedeutet wörtlich „helles Licht“ und bezeichnet im Chinesischen nicht nur das traditionelle Totengedenkfest, das die Chinesen jedes Jahr im Frühjahr begehen, sondern auch einen Zeitabschnitt des traditionellen Mondkalenders. Die Zeitabschnitte des chinesischen Kalenders geben stets einen Hinweis auf die jeweilige Jahreszeit und die zu erwartenden Wetterbedingungen. Als traditionelles Agrarland pflegten die Vorfahren der Chinesen angesichts der Jahrtausende langen Arbeit auf den Feldern eine enge Verbindung zur Natur. Sie verzeichneten alle Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft und Wetterphänomenen, die sie im Laufe der Generationen ergründet hatten, gemeinsam mit Alltagserfahrungen und dem Sonnenzyklus im traditionellen chinesischen Bauernkalender und teilten so das Jahr in 24 Zeitabschnitte. So spiegelten sie die Naturkräfte relativ präzise wider.

 

Das Qingming-Fest fällt in die Zeit des fünften der insgesamt 24 Zeitabschnitte und findet normalerweise am 4. oder 5. April (nach dem chinesischen Kalender also in der Zeit zu Beginn des dritten Mondmonats) statt. 2016 wird das Fest am 4. April begangen. Von dieser Zeit an steigt die Temperatur und alle Dinge kommen nach dem langen Winter wieder zu Kräften, ein günstiger Zeitpunkt also für die Bestellung der Felder und für die Frühjahrsaussaat. Und so lautet denn auch eine alte Bauernweisheit in China: „Vor und nach dem Qingming-Fest sät aus!“

 

Landesweiter Brauch: Zum Qingming-Fest pilgern die Chinesen auf die Friedhöfe des Landes, um ihrer Vorfahren zu gedenken. Unser Bild zeigt eine Besucherin eines Shanghaier Friedhofs am 6. April 2015. 

 

Zum Qingming-Fest, das in der Vergangenheit Totengedenkfest oder Fest des Frühlingsausfluges genannt wurde, pilgern die Chinesen jedes Jahr auf die Friedhöfe des Landes. Dieser Brauch ist mittlerweile bereits mehr als 2500 Jahre alt. Als eines der wichtigsten traditionellen Feste Chinas gehört das Qingming-Fest zu den drei größten Festen zum Gedenken an die Verstorbenen. Bei den anderen beiden, im Ausland weniger bekannten Festen handelt es sich um das so genannte „Zhongyuan-Fest“, das am 15. Tag des siebten Mondmonats gefeiert wird, und das „Fest der Winterkleidung“, das am ersten Tag des zehnten Mondmonats stattfindet. Das Qingming-Fest wurde 2006 in die erste nationale Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

 

Das Qingming-Fest wird auch „Fest des Frühlingsausfluges“ genannt. Viele Chinesen zieht es anlässlich des Feiertags raus in die Natur. Im Bild sind Besucher eines Beijinger Parks am 4. April 2015 zu sehen. 

 

Zu den Bräuchen des Qingming-Festes, das ursprünglich aus dem Hanshi-Fest („Fest der kalten Küche“) und dem Shangsi-Fest hervorgegangen ist, gehört neben dem Friedhofbesuch und dem Opfer für die Vorfahren auch ein ausgedehnter Frühlingsausflug.

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