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Gegenwärtige Tendenzen in der literaturwissenschaftlichen Germanistik-Forschung in China

08-11-2016

 

Von Li Changke*

 

 

Von neuen literaturwissenschaftlichen Leistungen und Bestrebungen der chinesischen Germanisten soll hier berichtet werden – von ein paar aus den letzten fünf oder sechs Jahren und ein paar noch laufenden. Ich will versuchen, daran Überlegungen zu aktuellen Tendenzen in der Forschung der deutschsprachigen Literatur in China zu entwickeln. Das mag gewagt sein, denn die wachsenden guten bilateralen Beziehungen und die historisch weit zurückreichende kulturelle Neugier haben dazu geführt, dass sich die Germanistik in China stark entwickelte. Heute gliedert sie sich als Hauptstudienfach in den Körper von mehr als 100 Universitäten bzw. Hochschulen. Es kann durchaus von einem Boom der Germanistik auf chinesischem Boden die Rede sein. Folglich gibt es in China in den letzten fünf oder sechs Jahren so zahlreiche Germanistik-Publizistik in Form von Aufsätzen, Abhandlungen, Betrachtungen, Bemerkungen oder Übersetzungen, dass in einem Bericht wie meinem hier der Ertrag dieser Publizistik gar nicht zusammenfassend referiert werden kann. Es erübrigt sich also zu sagen, dass mein Bericht hier keine wissenschaftliche Vollständigkeit beansprucht.

 

Beginnen will ich allen voran mit der „Geschichte der deutschsprachigen Literatur“. Sie präsentiert sich in fünf Bänden und ist damit das größte Werk unter den von chinesischen Wissenschaftlern bisher verfassten ausländischen Literaturgeschichten. Über die Geschichte der deutschsprachigen Literatur gibt es bis dahin schon drei Bücher in China. Die „Geschichte der deutschsprachigen Literatur“ in fünf Bänden geht ausdifferenzierter als sie an die Entwicklung der deutschsprachigen Literatur heran und umfasst die Entwicklung der deutschsprachigen Literatur von ihren Anfängen im frühen Mittelalter bis zur Gegenwart, bis zum Jahr 2000 konkret. Dabei geht sie von einem Konzept des universalhistorischen Geschichtsverständnisses aus, versucht den historischen Gang der deutschsprachigen Literatur als Prozess, als zusammenhängendes Ganzes zu sehen und ist bestrebt, die deutschsprachige Literatur aus ihrer Zeit, aus dem Erfahrungsraum und der geschichtlichen Konstellation ihrer Epoche zu beleuchten und darzustellen. 

 

So schildert sie die großen Strömungen oder Richtungen oder Gegenrichtungen der deutschsprachigen Dichtung in ihrem jeweils Epochentypischen oder Besonderen, beschreibt daneben, in kürzerer Zusammenfassung, die ideengeschichtlichen, politischen und gesellschaftlichen Veränderungen, die sie begleitet und beeinflusst haben, erzählt die bedeutendsten Dichtwerke jeder Epoche inhaltlich nach und interpretiert sie literaturhistorisch, woran sich Hinweise auf die Umstände ihrer Entstehung knüpfen. Manches Geschichtliche, manches aus dem Leben und der Gedankenwelt der Autoren kommt dabei zur Sprache. Auf diese Weise wird eine „Ordnung der Dinge“ gestiftet, werden „Verkettungen“, Gliederungen und Zusammenhänge ins Werk gesetzt, wird zusammengezogen und ausgelassen und angeordnet, damit ein „Aggregat“ von Einzelstücken zu einem epochengeschichtlichen „System“ erhoben wird. Das Werk ist inzwischen vom chinesischen Bildungsministerium mit dem ersten Forschungspreis für Geistes- und Sozialwissenschaften ausgezeichnet worden und krönt dadurch die germanistischen Forschungsarbeiten in China gewissermaßen.

 

Neben der „Geschichte der deutschsprachigen Literatur“ in fünf Bänden ist gleichsam von Bedeutung, dass in China in den vergangenen fünf oder sechs Jahren noch dutzende Bücher erschienen sind, die sich monographisch mit bedeutenden Autoren und deren repräsentativen Werken oder mit bestimmten Themen in der deutschsprachigen Literatur befassen und somit ein neues Licht werfen auf das Gelände der literaturwissenschaftlichen Germanistik-Forschung in China.

 

Zu nennen sind „Deutscher Bildungsroman“, „Das Deutschland ,meiner Epoche‘“, „Postmoderne in der deutschsprachigen Literatur“, „Das Geschichtliche in Günter Grass´ erzählerischen Werken“, „Studie über die Prosawerke von Günter Grass“, „Das kulturelle Gedächtnis in der deutschen Literatur und nationale Wertebildung“, „Weiblichkeitskonzeption der deutschen Frühromantik“, „Postmoderne in der deutschsprachigen Literatur“, „Über die Modernität in Kleists Dramen“, „Das deutsche Drama und Theater vom Barock bis zur Aufklärung“, „Ein anderes Meer betreten“ und „Hermann Hesse und die chinesische Kultur“. Sie seien hier im Folgenden kurz vorgestellt.

 

Die Studie „Deutscher Bildungsroman“ hat, wie der Buchtitel zeigt, den deutschen Bildungsroman zum Behandlungsgegenstand. In ihm, dem Bildungsroman, der insbesondere im 19. Jahrhundert favorisiert wurde und sich in gewandelten und verfeinerten Formen im 20. Jahrhundert fortsetzte, sieht die Verfasserin eine wirkungsvolle Gattung, die sich in Eigenschaften deutlich von anderen Romantypen unterscheidet. Anhand einzelner Werke, die als repräsentative Bildungsromane gelten und Kanon-Ansprüche erheben wie z.B. Goethes „Wilhelm Meister“, definiert die Verfasserin den Begriff „Bildung“ in seinem Bedeutungsspektrum und beschreibt das Wesen und die didaktischen Bestimmungen und die Hauptzüge und die Entwicklungsphasen des Bildungsromans, um ihn ausdrücklich als eine eigenständig deutsche Literaturgattung darzulegen.

 

 

„Das Deutschland ,meiner Epoche´“ sucht mit einigem Anspruch eine Lücke in der chinesischen Thomas Mann-Rezeption zu schließen. Das Buch ist ein Ergebnis von hermeneutischen Bemühungen um eingehend-umfassende Interpretationen zu den großen Romanen Thomas Manns, zu „Buddenbrooks“, „Der Zauberberg“, „Joseph und seine Brüder“, „Lotte in Weimar“, „Doktor Faustus“ usw. Von einer deutlich zu beobachtenden chinesischen Perspektive aus nähert sich der Verfasser seinem Forschungsstoff und versucht ausführlich und problembewusst Thomas Manns Romane im Hinblick auf Entstehungsumstände, Inhalt, Eigenart, Sprachreichtum, Artikulation der politischen und gesellschaftlichen Tendenzen jener Jahre, Wirkungsabsicht und -ästhetik sowie soziologische und psychologische Einzelaspekte des Gegenstandes zu beschreiben, und zwar auf der Höhe des aktuellen chinesischen Thomas-Mann-Diskurses, um die an sich komplex geschriebenen Großromane Thomas Manns dem chinesischen Lesepublikum leicht verständlich zu machen.

 

„Das Geschichtliche in Günter Grass´ erzählerischen Werken“ arbeitet tief in das Thema ein und ist eine Gesamtdarstellung eines auffallenden Spezifikums in Grass´ Werken, nämlich, dass historisch wichtige oder bedeutende Geschichte und Geschichten im Rückblick erzählt werden. Schreibend wirkt Günter Grass politisch und bringt durch eine signifikante Häufung von Erinnerungen Licht in das Dunkel oder in das Bedeutsame der Vergangenheit. Alle in seinen Werken erzählten Geschichten sind geprägt von einer kritischen Sicht auf die beleuchteten Ereignisse. Die Verfasserin des Buches untersucht Grass´ Werke wie „Danziger Trilogie“, „Aus dem Tagebuch einer Schnecke“, „Die Rättin“, „Mein Jahrhundert“ und „Im Krebsgang“ auf das Geschichtliche hin und erläutert die kritische Sicht durch den jeweiligen Erzähler und schreibt Günter Grass direkt eine besondere Rolle als „Erinnerungsarbeiter“ zu.

 

Ebenfalls mit dem Autor Günter Grass beschäftigt sich die „Studie über die Prosawerke von Günter Grass“. Das Buch eröffnet der chinesischen Günter Grass-Rezeption einen neuen Blickwinkel, indem die Verfasserin ein literatur- und kulturwissenschaftlich interdisziplinäres Verfahren anwendet und Günter Grass´ Kunst-, Geschichts- bzw. Wirklichkeitsverständnis stets im Auge behält. Die Themen der Betrachtung gehen von einer zusammenhängenden Funktion von Bild und Text und von Natur als Erinnerungsraum aus. Mit Bezug auf Methoden der Medienwissenschaft analysiert die Verfasserin die herangezogenen Prosatexte Grass´ auf das innewohnende Erzählprinzip und auf die Ineinander-Verflechtungen von individuellen und kollektiven Erinnerungen hin und erläutert die Herausgefundenen in prägnanter Weise.

 

In der Studie „Das kulturelle Gedächtnis in der deutschen Literatur und nationale Wertebildung“ ist der grundlegende ideelle Gehalt ein Wissenstransfer, der den chinesischen Lesern mit anderen Dimensionen des Gedächtnisses bekannt macht. Auf der Ebene der Gedächtnistheorien, die u.a. von Jan und Aleida Assmann entwickelt wurden, verstehet die Verfasserin die Literatur, die sie eine fiktive Welt erzeugt, als Medium der Gedächtniserzeugung auf eine „spezifische Weise“. Anhand einzelner Texte von Goethe, Schiller, Heine, Hesse, Frisch, Grass, Meckel, Timm, Schlink, Bachmann, Jelinek und Becker analysiert die Verfasserin diese „spezifische Weise“ der Gedächtniserzeugung und beschreibt die deutsche Literatur vornehmlich als Ort der nationalen Gedächtnisse.

 

Das Buch „Weiblichkeitskonzeption der deutschen Frühromantik“ nimmt die ersten weiblichen Personen in der deutschen Frühromantik wie Karoline von Günderode, Bettina von Arnim, Karoline Schlegel, Rahel Varnhagen, und Sophie Mereau-Brentano als Betrachtungsgegenstand und untersucht deren Gedichte, Dramen, Briefe und Briefromane als Medium des weiblichen Selbstausdrucks und deren Salonveranstaltung als Ort der weiblichen Selbstfindung durch Bildungsgespräche. Durch ausführliche Analyse und Interpretation zeigt das Buch nicht nur den Beitrag dieser Romantikerinnen für die Literatur der deutschen Frühromantik, sondern auch deren Nachwirksamkeit auf gegenwärtige Autorinnen wie Christa Wolf, Ingeborg Drewitz u.a. Überdies ragt das Buch noch besonders dadurch hervor, dass es eine umfangreiche Gedankensammlung im Frauenfragen-Diskurs vorlegt, so dass das Buch auch als eine ziemlich vollständige Bibliographie der deutschen Frauen-Literatur des behandelten Zeitraums genutzt werden kann.

 

 

In der Studie über die „Postmoderne in der deutschsprachigen Literatur“ nimmt der Verfasser themenspezifisch die Ergründung der wesensbestimmenden Ästhetik der Postmoderne vor und konzentriert sich dabei auf Autoren wie Thomas Bernhard, Marcel Beyer, Rolf Dieter Brinkmann, Botho Strauß, Patrick Süskind, Karen Duve, Durs Grünbein, Peter Handke, Christian Kracht, Dagmar Leupold, Heiner Müller, Christoph Ransmayr, Ingo Schulze, Benjamin von Stuckrad-Barre und noch andere, die in und mit ihren Werken ein großes Spektrum der Postmoderne abdecken. An ausgewählten Werken von diesen Autoren und mit Bezug auf einschlägige Theorien studiert der Verfasser der Studie gründlich, was die Postmoderne will und kann und was ihre Spielräume und Grenzen sind. Die detaillierte Darstellung vermittelt den Lesern eingehende Einblicke ins Kunstgefüge der Postmoderne.

 

Ähnliche Schwerpunkte untersucht die Studie „Über die Modernität in Kleists Dramen“, in der die Verfasserin speziell den ästhetischen Konzeptionen und Stilprinzipien in Heinrich Kleist Dramatik auf den Grund zu gehen sucht. Zu diesem Zweck zieht die Verfasserin acht Dramenstücke des Autors in die Betrachtung hinein. Das Buch hat den Vorzug, dass die Analyse das Unerhörte, Besondere, Extreme und Grausame in Heinrich Kleist´ Dramatik in den Vordergrund rückt und die Interpretation den zentralen Gehalt von Heinrich Kleists Dramatik in der Demontage des zeitgenössischen ästhetisch-idealphilosophischen Diskurses betont. Mit ihrer Untersuchung deutet die Verfasserin Kleist geradezu als Vorbote der literarischen Moderne.

 

 

Über das deutschsprachige Drama gibt es noch ein Buch: „Das deutsche Drama und Theater vom Barock bis zur Aufklärung“. Das Buch rekonstruiert historisch den Prozess der Entstehung des deutschen Dramas in der neueren Zeit und legt den Schwerpunkt auf die Darstellung des Wendepunktes in der deutschen Dramen- und Theatergeschichte, des Wendepunktes nämlich, dass das Theater sozusagen literarisiert wird, indem sich der Mittelpunkt von der Bühne zum Text, von der Aufführung zum Drama verschiebt. Aus einer Doppelperspektive von Bühne und Text schildert der Verfasser eingehend, wie z.B. beim Wendepunkt die Nachahmung an die Stelle des Symbols, die reale Welt an die Stelle des vergänglichen Diesseits und ewigen Jenseits, und die einfachen Bürger an die Stelle des Helden und Clowns treten oder wie die Wandergruppen das Hoftheater an den Rand drängen oder wie der überzeugende Handlungsablauf und die textgetreue Darstellung nun über perspektivisches Bühnenbild und Improvisation dominieren. Dabei ist es dem Verfasser gut gelungen, Zusammenhänge von Drama-Ästhetik, Geschichtsphilosophie und realistisch-psychologischer Schauspielkunst zu skizzieren.

 

Dass bei der chinesischen Rezeption die deutschsprachige Lyrik nicht zu kurz kommt, belegt das Buch „Ein anderes Meer betreten“. Das Buch beschäftigt sich nämlich systematisch und umfassend mit Gedichten Gottfried Benns, indem die Verfasserin wichtige Themen aus des Dichters Dichtung herausarbeitet, deren kunstvolle Gestaltungsweise zeigt und über deren poetologische Grundlagen reflektiert. „Ein anderes Meer betreten“ heißt auch Neuland betreten, an der Darstellung ist nämlich zu ersehen, dass der Begriff „Ein anderes Meer“ bei der Verfasserin mit tiefenpsychologischen Aspekten assoziiert ist. Die Verfasserin selber kommt zum Fazit, „Nach der Theorie von C. G. Jung ist das geistige und religiöse Bedürfnis des Menschen angeboren. Das kommt wohl daher, dass der Mensch eine Seele hat. Benn hat die Existenz der Seele im Rauschzustand erkannt. Er weiß, dass die Seele tiefe Dinge wahrnimmt, und hat in seinen Gedichten stets über Leben und Tod, Kunst und Geist, Gott und Götter geschrieben, die eng mit der Seele verbunden sind.“

 

Für die Begegnung der deutschsprachigen Schriftsteller mit China ist das Buch „Hermann Hesse und die chinesische Kultur“ einschlägig. Die Studie liefert Beweise dafür, dass die Darstellung der wechselseitigen Kulturbeziehungen in der chinesischen Germanistik ein sehr beliebtes Thema ist. Dabei wird Herman Hesses Verhältnis zu China immer wieder untersucht, weil Herman Hesse seinerzeit der chinesischen Kultur eine eigene Studie gewidmet hat. Das Buch versucht im Kontext der chinesischen und westlichen Ideengeschichte Hesses Begegnung mit China, Hesses Rezeption der chinesischen Kultur und Hesses Einflussnahme durch die chinesische Kultur im Hinblick auf die Textualität und Funktion in Hesses Texten ausführlich zu beschreiben. Grenzen und Distanzen überschreitend gelingt es dem Verfasser, umfängliche und ungewohnte Einblicke in Hesses Denken und Dichtung zu gewinnen.

 

 

Und für die in die gleiche Zeit wie in die vergangenen fünf oder sechs Jahren gefallenen intensiven Bemühungen, aus der deutschsprachigen Literatur ins Chinesische zu übersetzen, sind hier die Bücher, die im obigen Bild zu sehen sind, zu nennen. Bekanntlich gelten Übersetzungen in China als wissenschaftliche Arbeiten im weiteren Sinn, weil es ohne Übersetzung keine Weltliteratur gibt. Die hier angesprochenen Bücher sind auch deshalb erwähnenswert, nicht nur weil sie qualitativ hochwertige und kulturadaptierte Übertragungen darstellen, sondern auch weil sie das Ergebnis einer direkten Zusammenarbeit zwischen chinesischen Germanisten und schweizerischen Kulturinstitutionen sind. Bei den Büchern handelt es sich um zehn ausgewählte Romane bzw. Erzählungen, die die schweizerische Gegenwartsliteratur in ihrer Vielfalt und Eigenart und Aktualität repräsentieren. Und diese zehn Bücher sind es auch, die die schweizerische Gegenwartsliteratur in den Fokus der literarischen Öffentlichkeit in China rücken und sich somit um den Kulturaustausch verdient gemacht haben.

 

Nun das waren Werke, Studien und Bücher, die quasi und gewissermaßen exemplarisch neue literaturwissenschaftliche Leistungen in der chinesischen Germanistik-Forschung repräsentieren. Dabei ist die wachsende Breite an Gegenständen beeindruckend, dabei sind die Ansätze und Methoden vielfältig, dabei sind die Arbeiten immer mehr wissenschaftlich gut fundiert und dennoch nicht abstrakt und theoretisch, sondern lebendig, erzählerisch und ohne Kompliziertheit geschrieben, dabei erweisen sich die Texte immer mehr als gut brauchbare und gern verwendete Schriften, und dabei wird die Wirksamkeit immer mehr durch die Kritik bestätigt. All das möchte ich hier als gegenwärtige Tendenzen in der chinesischen Germanistik-Forschung bezeichnen.

 

Der eigentliche Trend liegt aber vielmehr darin, dass die Verfasserinnen und Verfasser von einschlägigen Werken, Studien und Büchern wissenschaftlich und geistig berufene Forscher und Vermittler sind, die sich einen lebendigen Brückenschlag zwischen der chinesischen und der deutschsprachigen Geisteswelt zum Ziel setzen und bei diesen Bestrebungen es ihnen, um auf einen Hauptnenner zu bringen, darum geht, funktional Lehrern, Schülern, Studenten, Dozenten der entsprechenden Fachbereiche und den Auslandliterarturinteressierten chinesischen Lesern eine Einführung in die deutschsprachige Literatur zur Verfügung zu stellen und geistig zum Kulturaustausch zwischen China und den deutschsprachigen Ländern beizutragen.

 

In diesem Sinne wird z.B. zur Zeit in China an einer „Entwicklungsgeschichte des deutschen Romans“ gearbeitet. In dem Sinne wird z.B. zur Zeit in China an einer „Entwicklungsgeschichte der deutschen Lyrik“ geschrieben. In dem Sinne wird z.B. zur Zeit in China an „Rezeption Goethes in China“ geforscht. Oder in diesem Sinne wird zur Zeit in China das „Gesamtwerk Goethes“ ins Chinesische übertragen. Das sind laufende Großprojekte, die in drei bis vier Jahren abgeschlossen sein werden. Sie werden sicherlich die Präsenz der deutschsprachigen Literatur in China um ein weiteres Stücke stärken.

 

*Der Autor ist Professor für Germanistik an der Universität Peking

 

 

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