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Going Global – Chinas Kultur und ihre neue Rolle in der Welt

24-01-2017

 

Von Li Gang*

Das weltweite Interesse an China wächst und mit ihm rücken auch Kultur und Kunst aus dem Reich der Mitte mehr und mehr ins Zentrum des internationalen Augenmerks. Immer mehr Menschen entscheiden sich nicht zuletzt angesichts des wachsenden wirtschaftlichen Einflusses der Volksrepublik, Chinesisch zu lernen. All dies kann zum einen auf das reiche Erbe und die Innovationskraft, die China aus seiner über 5000-jährigen Geschichte und Kultur schöpft, zurückgeführt werden, zum anderen aber auch auf den neuerlichen Aufschwung der chinesischen Wirtschaft und den Fortschritt der modernen chinesischen Gesellschaft. Längst ist der glitzernde Strom der chinesischen Kultur in den großen Fluss der Weltkultur eingemündet.

Die Welt blickt nach China

Mit wachsender wirtschaftlicher Stärke hat sich auch das Gesamtgewicht Chinas in der internationalen Waagschale in den letzten Jahren merklich erhöht. Chinas Entwicklung und der kontinuierliche Aufstieg des Landes lenken das Interesse der Weltgemeinschaft längst nicht mehr nur auf rein wirtschaftliche Aspekte, sondern auch auf Kulturelles. Beispielsweise schenkt Europa, allen voran Deutschland, den Kulturformen und kulturellen Spielarten des Reiches der Mitte seit einigen Jahren immer größere Aufmerksamkeit. Dazu zählt etwa der Bereich der modernen chinesischen Kunst, aber auch die traditionelle chinesische Kultur, die die Besonderheiten der chinesischen Geschichte verkörpert. In Deutschland blickt man vor allem darauf, wie es der Volksrepublik gelingt, alte traditionelle Bauwerke im Prozess der fortschreitenden Urbanisierung erfolgreich zu schützen und so traditionelle Elemente zu bewahren und die alte chinesische Kultur fortzuschreiben.

Die westlichen Länder versuchen, das heutige China auf Grundlage ihrer eigenen Traditionen und ihrer eigenen Entwicklung über Chinas moderne Kultur und Kunst besser zu verstehen. Dieser Wille wird anhand zahlreicher kultureller Projekte, die in jüngster Zeit verwirklicht wurden, deutlich. So fand beispielsweise im Jahr 2015 im Ruhrgebiet die „China 8“ statt, eine groß angelegte Ausstellung für moderne chinesische Kunst. Sie zog das große Interesse der Bevölkerung auf sich und stellte so eindrucksvoll den Wissensdurst der Deutschen bezüglich der zeitgenössischen chinesischen Kunst unter Beweis. Während der viermonatigen Ausstellung wurden mehr als 500 Werke von 120 chinesischen Künstlern in neun Galerien gezeigt. Die Ausstellungsorte verteilten sich zudem über acht nordrhein-westfälische Städte. Knapp 120.000 Menschen sahen die Ausstellung. „China 8“ wurde damit zur bisher größten Ausstellung mit Chinabezug mit der höchsten Besucherzahl in Deutschland. Auch das Interesse der Vertreter aus Medien und Politik war groß. Bundespräsident Joachim Gauck zeigte sich nach seinem Besuch der Ausstellung voll des Lobes. Als er im März vergangenen Jahres die Tongji-Universität in Shanghai besuchte, ging er in seiner Rede nochmals explizit auf die „China 8“ ein und lobte ihre positive Rolle bei der Förderung des Kulturaustausches zwischen China und Deutschland. Derzeit planen Künstler aus beiden Ländern, in China eine „Deutschland 8“-Ausstellung als Pendant auf die Beine zu stellen.

 

Am 13. Mai 2015 wurde im Ruhrgebiet die „China 8“, eine groß angelegte Ausstellung für chinesische Gegenwartskunst, eröffnet. Im Rahmen der viermonatigen Veranstaltung wurden mehr als 500 Werke von 120 chinesischen Künstlern in neun Galerien gezeigt.

 

Auch „Putonghua“ im Kommen

Als Folge der ständigen Erhöhung seiner wirtschaftlichen Stärke ist China in seinen wirtschaftlichen und geschäftlichen Beziehungen immer enger mit der Welt verwoben. Manche transnationale Unternehmen setzen bei ihrer Personalrekrutierung schon heute auf Bewerber, die Kenntnisse in der chinesischen Sprache mitbringen. Dies ist einer der Gründe, weshalb das Hochchinesische, auch „Putonghua“ genannt, weltweit im Kommen ist. Laut Statistiken von Chinas Staatlichem Büro für die internationale Verbreitung der chinesischen Sprache (kurz: Hanban) wurden bis Dezember vergangenen Jahres insgesamt 511 Konfuzius-Institute in Kooperation mit örtlichen Universitäten und 1073 Konfuzius-Klassenzimmer an Mittel- und Grundschulen in insgesamt 140 Ländern gegründet. 2016 beschäftigten die Konfuzius-Institute 46.000 Chinesisch-Lehrer bzw. Freiwillige für das Fach, 2,1 Millionen Teilnehmer besuchten die angebotenen Kurse. Auch veranstaltete man verschiedene kulturelle Aktivitäten, an denen insgesamt 13 Millionen Menschen teilnahmen.

Ein weiteres, vergleichsweise neues Phänomen ist die ständige wachsende Zahl ausländischer Studierender in China. Die chinesische Sprache ist nicht nur ein weltweit immer wichtiger werdendes Kommunikationsmittel, sondern auch Träger der Landeskultur. In China können ausländische Studierende nicht nur die chinesische Sprache erlernen, sondern auch fortschrittliches Wissen aus Wissenschaft und Technik erwerben. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, sich vor Ort mit der chinesischen Kultur und Tradition besser vertraut zu machen. Ein Studienaufenthalt in China vertieft das Verständnis über Land und Leute grundlegend. Und nach der Rückkehr ins Heimatland teilen die meisten Austauschstudenten ihre Erlebnisse dann mit ihren Familienmitgliedern und Freunden, was dazu beiträgt, einen authentischen Eindruck Chinas aus erster Hand in die Welt zu tragen. In dieser Hinsicht dienen die Studierenden als wichtige Botschafter und frische Triebkräfte des Kulturaustausches.

Nach Angaben des chinesischen Bildungsministeriums studierten im Jahr 2015 insgesamt 397.635 überseeische Studenten aus 202 Ländern und Regionen in der Volksrepublik. 240.154 davon stammten aus Asien, 66.746 aus Europa, 49.792 aus Afrika, 34.934 aus Amerika und 6009 aus Ozeanien. Zudem ist die Zahl der ausländischen Studierenden in China 2015 im Vergleich zu 2014 um 5,46 Prozent gestiegen. Es lernten also rund 20.000 ausländische Studenten mehr in China als noch ein Jahr zuvor. Die chinesische Regierung hat unterdessen ihre Stipendienprogramme erweitert, um noch mehr ausländische Studenten bei ihrem Studienaufenthalt in China zu unterstützen. 2015 erhielten insgesamt 40.600 ausländische Studenten und damit 10,21 Prozent aller ausländischen Studierenden in China Stipendien von der chinesischen Regierung, 3657 Studenten mehr also als noch im Jahr 2014. Das entsprach einer Zunahme von 9,9 Prozent.

Erhöhung des Einflusses der chinesischen Forschung

Der Internationale Kongress für Geschichtswissenschaften, der Weltkongress für Kunstgeschichte und der Weltkongress für Philosophie sind drei der wichtigsten internationalen Symposien. Dank der gemeinsamen Anstrengungen akademischer Kreise und zahlreicher Gelehrter konnte der Internationale Kongress für Geschichtswissenschaften im August 2015 in der chinesischen Stadt Ji’nan ausgerichtet werden. Der Weltkongress für Kunstgeschichte wurde im September 2016 in Beijing veranstaltet. Im Jahr 2018 soll der 24. Weltkongress für Philosophie ebenfalls in Chinas Hauptstadt stattfinden. Dies ist umso bemerkenswerter vor dem Hintergrund, dass diese drei akademischen Konferenzen in der Vergangenheit fast ausschließlich in westlichen Ländern abgehalten wurden, was auch ihr großes Ansehen in internationalen akademischen Kreisen widerspiegelt. Abgesehen davon, dass der Weltkongress für Philosophie 2008 im südkoreanischen Seoul stattfand, handelte es sich bei der Ausrichtung in Asien für die anderen beiden Konferenzen um eine Premiere. Dies spiegelt nicht nur den verstärkten akademischen Einfluss Chinas wider, sondern zeigt auch das wachsende Interesse der Welt an der Volksrepublik und den gestiegenen Wunsch nach Kommunikation und Austausch mit chinesischen Fachkollegen.

Obwohl die chinesische Kultur auf eine lange Geschichte zurückblickt und auf einem mächtigen Fundament beruht, besteht noch immer ein Problem, zu dem sich China bekennen muss, nämlich dass das Land zwar ein großes, aber noch immer kein starkes Kulturland darstellt. Noch immer wird Chinas kulturelle Soft Power seinem Status als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nicht gerecht.

Laut der Studie „The Soft Power 30“, die im vergangenen Jahr von der britischen Agentur Portland Communications veröffentlicht wurde, belegt China mit 45,07 Punkten derzeit gerade einmal den 27. Platz unter den 30 Ländern mit der stärksten Soft Power. In den Top-10 des Ranking finden sich ausschließlich Industrieländer. Zweifellos hat China als das größte Entwicklungsland bereits beachtliche Beiträge für die gemeinsame Entwicklung der Weltgemeinschaft geleistet. Geht es aber um Chinas nationales Image, so mangelt es in vielen Teilen der Welt noch immer an Akzeptanz. Noch immer sind in der internationalen Gemeinschaft teilweise falsche Deutungen des chinesischen Aufstiegs und sogar einige Schauermärchen zu hören. China muss erkennen, dass sich die Erhöhung der eigenen Soft Power deutlich schwerer gestaltet und mehr Zeit für die Suche nach einer geeigneten Methode und Strategie benötigt wird, als zur Erreichung von Fortschritten im Bereich der Wirtschaftsentwicklung. Die Erhöhung der kulturellen Soft Power Chinas sowie die Entwicklung kulturellen Selbstvertrauens sind langfristige Ziele, die die gemeinsamen Anstrengungen aller Chinesen erfordern werden.

 

Die von China und den USA gemeinsam produzierte Oper „Die Idiom Cube“ wurde während des 6. China Children’s Drama Festival am 9. Juli 2016 in Beijing aufgeführt.

 

Steigerung der Akzeptanz der chinesischen Kultur

Die Unterschiede in Bezug auf Weltanschauungen und Wertvorstellungen zwischen China und den westlichen Ländern werden sicher noch einige Zeit bestehen. Nehmen wir etwa den Kulturaustausch zwischen China und Europa als Beispiel: Im Zuge der Vertiefung der chinesisch-europäischen Beziehungen sind immer engere Wirtschafts- und Handelskontakte zwischen China und Europa entstanden. Die Europäer, darunter auch die Deutschen, zeigen ein immer größeres Interesse an China. Allerdings sind die Kanäle zum Kennenlernen des Landes bisher recht einseitig. Kenntnisse über die Volksrepublik stammen noch immer vor allem aus Medienberichten, die allerdings oft einseitig und subjektiv sind. Angesichts dieser Situation ist es für China notwendig, seine externe Kommunikation zu verbessern, damit noch mehr Menschen weltweit die Chance haben, das echte China kennen zu lernen. Angesichts einiger ideologischer Differenzen zwischen China und den westlichen Ländern ist es umso wichtiger, Dialoge und Diskussionen zu fördern, um so Missverständnisse und Vorurteile über China aus der Welt zu schaffen.

Eine zentrale Rolle spielen hierbei zweifelsohne die Konfuzius-Institute. Derzeit hat China wie bereits erwähnt mehr als 500 Konfuzius-Institute errichtet. Bis zum Jahr 2020 sollen zudem 50 große Kulturaustauschzentren entstehen. In enger Zusammenarbeit mit ausländischen Kulturorganisationen sollen sie verschiedenartige von Aktivitäten veranstalten, darunter etwa gemeinsame Themenjahre, Seminare, Ausstellungen oder Konzert- und Vorlesungsreihen, um so den kulturellen Austausch zu fördern. Die verschiedenen Veranstaltungen im Rahmen der Themenjahre sollen auch dazu beitragen, dass die Chinesen selbst, vor allem die jungen Chinesen, sich erneut tiefgehend mit der Geschichte ihrer eigenen Nation befassen und ihr Verständnis über die chinesische Kultur vertiefen. Darüber hinaus nützen diese Zentren natürlich auch zur Verbreitung der traditionellen chinesischen Kultur im Ausland, so dass auch Ausländer die Chance haben, China besser kennen zu lernen und zu verstehen.

Ein weiteres Gebiet, über das China in Zukunft noch stärker auf sich aufmerksam machen könnte, ist die Architektur. Nach Jahren des Studiums und der Praxis ist eine neue Generation chinesischer Architekten herangereift, die durch ihr Talent und ihre besonderen Fähigkeiten international auf sich aufmerksam macht. Mittlerweile finden sich einige chinesische Namen unter den internationalen Stararchitekten, darunter etwa der Pritzker-Preisträger Wang Shu oder Ma Yansong, der das Lucas-Museum in Chicago entworfen hat. Sie verbinden in ihren Entwürfen die Essenz der chinesischen Kultur mit einer internationalen Perspektive. Insgesamt tut sich in der chinesischen Designbranche momentan einiges. Mittlerweile gibt es zahlreiche hochtalentierte und hochqualifizierte chinesische Designer. Viele von ihnen haben bereits internationale Preise abgeräumt. Insgesamt betrachtet, mangelt es chinesischen Architekten im Ausland aber trotz allem noch immer an Bekanntheit. Während ausländische Architekten und Designer in China große Erfolge feiern, hat nur eine geringe Zahl von chinesischen Architekten bisher die Chance erhalten, Gebäude in Übersee zu entwerfen. Die architektonische Gestaltung enthält stets auch nationale kulturelle Elemente und dient damit als Träger und dauerhaftes Symbol der nationalen Kultur. Wenn es chinesischen Architekten in Zukunft gelingt, Gebäude zu entwerfen, die zu Wahrzeichen von Städten werden, hätten diese sicherlich auch maßgeblichen und dauerhaften Einfluss auf das Image Chinas.

* Dr. Li Gang ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Europastudien der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften.

Reisen

„Qiongyou“ – Die neue, große Lust der Chinesen am Reisen mit kleinem Budget

Die Chinesen sind im Reisefieber. Das gilt vor allem für die Angehörigen der aufstrebenden Mittelschicht. Viele Menschen im Reich der Mitte wollen sich ihren Urlaub längst nicht mehr gehetzt durch das hektische Anpeitschen eines Reiseführers per Megaphon oder durch aufreibende Sehenswürdigkeitenmarathons trüben lassen. Der Individualtourismus boomt und mit ihm einige neue aufstrebende Reiseportale für den kleinen Geldbeutel.

Gesellschaft

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Was bedeutet eigentlich „arm“, vor allem in einem Land in dem die Einkommensschere so weit auseinander klafft wie in China? Und wie kann es tatsächlich gelingen, Armut langfristig und nachhaltig zu überwinden? Wir sind in die Stadt Xingtai gereist, in der sich – direkt vor den Toren Beijings–  einige der ärmsten Landstriche Chinas finden. Eine Suche nach Wegen aus der Armut.

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Wirtschaftlicher und kultureller Austausch ist immer auch ein Austausch zwischen Menschen. Und hier bedarf es nicht selten des Brückenschlags, um Kulturunterschiede und kulturelle Stolpersteine zu überwinden. Eine, die viele Wege geebnet hat im Austausch zwischen China und Deutschland und zwischen den Partnerstädten Beijing und Köln ist die Chinesin Meng Zhou. Freunde haben sie die „deutsch-chinesische Botschafterin“ getauft.

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Tibet

Nachwort

In der Gegenwart erlebt die tibetische Literatur eine beispiellose Blüte. Im vorliegenden Buch können nur wenige, repräsentative Werke vorgestellt und kommentiert werden. Und natürlich geht es vor allem um von tibetischen Schriftstellern geschaffene Werke.

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Wenn die herkömmliche Medizin keinen Rat mehr weiß, hilft nicht selten die Traditionelle Chinesische Medizin, kurz TCM. So wie im Falle von Ursula Wolf, die sich nach langem Leidensweg in die TCM-Klinik Bad Kötzting begab und dort Hilfe fand. Mit ihren ganzheitlichen Heilmethoden wird die fernöstliche Lehre in Deutschland zunehmend anerkannt.

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Anfang Oktober 2015 stand fest, dass die 84-jährige Chinesin Tu Youyou den Nobelpreis für Medizin erhält. Die Nachricht hat die Traditionelle Chinesische Medizin als solches auf die Bühne der Weltöffentlichkeit gehievt. Ein geschichtsträchtiger Ort, der davon besonders profitiert, ist das Luofushan-Gebirge in der Provinz Guangdong. Denn hier liegen die Ursprünge der Auszeichnung für Tu Youyou.

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