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Grüne Landwirtschaft mit sozialem Engagement – Eine Rückkehrerin wird zur erfolgreichen Bio-Unternehmerin

2018-02-01 14:08:00 Source: Author:Li Guowen
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Von Li Guowen

Jeden Tag bei Einbruch der Dunkelheit bietet sich ein ungewöhnliches Bild auf dem Gelände der Bio-Farm Longxin in der Stadt Fuzhou, Provinz Jiangxi. Dann nämlich schlagen hier die Hühner mit ihren Flügeln und flattern auf die Zweige der Bäume des Kiefernwaldes ihres Freigeheges. Hühner die auf Bäume klettern, gibt es das? Ja, das gibt es!

Während das Federvieh der Bio-Farm tagsüber am Boden auf der Suche nach Futter den Kiefernwald des Geheges durchstreift, beziehen die Vögel nachts ihr Schlafquartier auf den Nadelbäumen. Auf dem Speiseplan der Tiere stehen Gräser, Tannennadeln, organische Körner und Brunnenwasser.

Der Kiefernwald der Öko-Farm umfasst eine Gesamtfläche von 1000 Hektar. Verwaltet wird er von der Firma Fuzhou Longxin Ecological Breeding. Gegründet hat das Unternehmen die 26-jährige Zhou Jing, eine Chinesin der Post-90er-Generation, die nach ihrem Auslandsstudium in Kanada in ihre Heimatstadt Fuzhou zurückgekehrt ist.

 

 

 

Die Firma Fuzhou Longxin Ecological Breeding wurde von Zhou Jing, einer jungen Chinesin der Post-90er-Generation, gegründet.

 

Grüne Landwirtschaft als Startup-Idee

Die 26-Jährige studierte in Kanada an der University of Windsor. Nach ihrem Abschluss entschied sie sich, in China ihre eigene Existenz zu gründen.

In ihrem Büro erläutert Zhou Jing ihre Beweggründe für den Schritt in die Selbstständigkeit. „Während meiner Zeit in Kanada wurde ich immer wieder mit negativen Vorurteilen über die Qualität und Sicherheit chinesischer Agrarprodukte konfrontiert. Schon damals reifte in mir der Entschluss, später einmal durch ein eigenes Unternehmen etwas für die Entwicklung der grünen und biologischen Landwirtschaft in meiner Heimat tun zu wollen. Ich möchte einfach Chinas Image in diesem Bereich aufwerten“, sagt die 26-Jährige.

Zhou ist keine Träumerin, sondern eine Macherin. Und so blieb es nicht bei einer fixen Idee. Schon während ihres Studiums an der University of Windsor machte sie sich daran, das internationale Image chinesischer Agrarprodukte aufzupolieren. Als im Mai 2012 in Montreal eine internationale Nahrungsmittelmesse stattfand, nutzte Zhou, die fließend Englisch spricht, die Gelegenheit, um den ausländischen Besuchern Bio-Agrarprodukte aus China vorzustellen.

„Schon seit langem ist es mein großer Traum, hochwertige biologisch erzeugte Agrarprodukte aus China in die westlichen Industrieländer zu exportieren“, sagt Zhou. Ein Traum, für dessen Verwirklichung die junge Frau kaum einen besseren Zeitpunkt hätte wählen können. Denn die Volksrepublik fördert seit einigen Jahren gezielt Innovationen und Existenzgründungen aus der Bevölkerung. „Bei meinem Weg in die berufliche Selbstständigkeit habe ich starke Unterstützung von der Land- und Forstwirtschaftsabteilung der Lokalregierung erhalten“, berichtet Zhou.

Mit im Geschäft ist heute auch Zhous frisch gebackener Ehemann, Li Lichao. Die beiden haben sich an der University of Windsor kennen gelernt. Der 28-Jährige stammt aus der südchinesischen Millionenmetropole Shenzhen. „Viele fanden es anfangs schwer nachvollziehbar, warum wir als Auslandsrückkehrer mit Master-Abschluss plötzlich Hühner züchten wollten“, sagt die quirlige Jungunternehmerin und lacht.

Dabei liegt Zhou das Unternehmertum im Blut. Ihr Vater besitzt in Fuzhou eine Firma für chinesische Heilkräuter. „Meine Existenzgründung wäre ohne die Unterstützung meines Vaters sicher nicht möglich gewesen“, sagt sie. Es war ihr Vater, der der jungen Gründerin für ihr Projekt die 1000 Hektar große Kiefernplantage für die geplante Hühnerzucht zur Verfügung stellte. Nach einigen Jahren der mühsamen Pionierarbeit floriert heute das Bio-Geschäft des jungen Ehepaars.

Vertrauen in die Marke aufbauen

Als wir auf die Waldplantage fahren, ist die Luft vom Duft der Nadelbäume geschwängert. Zwischen den Kiefern genießen die Bio-Hühner sichtlich ihren Auslauf in der natürlichen Umgebung mit klarem Flusswasser und vor der Kulisse der grünen Bergketten.

Ein Mitarbeiter der Zuchtfarm führt uns durch den Kiefernwald. Dabei achtet er penibel darauf, dass wir die Tiere nicht stören. „Wenn die Hühner abends in ihr Nachtquartier auf den Bäumen flattern, nennen wir sie ,fliegende Phönixe‘, tagsüber, wenn sie den Waldboden auf der Suche nach Nahrung durchstreifen, nennen wir sie ,Waldschützer‘“, sagt er und lächelt.

 

 

 

In den ersten sechs Wochen werden die Hühner der Bio-Farm im Stall gezüchtet. Erst danach kommen sie ins Freigehege des Kiefernwaldes.

 

Die Bio-Hühnerzucht ist eine Wissenschaft für sich und die Mitarbeiter der Farm verstehen sich bestens auf ihr Handwerk. Strenger Kotgeruch oder ähnliche Gerüche sind hier Fehlanzeige. Dies ist nicht zuletzt der engen Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen zu verdanken, ganz konkret zum Beispiel mit der School of Life Sciences der Sun Yat-sen-Universität. Mit Hilfe des Instituts wurde eine spezielle Fermentationstechnologie entwickelt, bei der Mikrobakterien zum Einsatz kommen. Alle Hühnerställe der Farm, erklärt uns Zhou, seien mit speziellen Fermentationsbetten aus Sägemehl, Reishülsen und anderen Materialien ausgestatten, in denen Kulturen nützlicher Bakterien lebten. „Durch das Scharren der Hühner auf dem Boden wird der Hühnermist im Fermentationsbett gleichmäßig verteilt, so dass er innerhalb von nur zwei Stunden mit Hilfe der Bakterien völlig fermentiert wird. Im Hühnerstall riecht es deshalb nach süßlichem Alkohol und nicht nach Exkrementen“, so Zhou.

Unter Anleitung der Universitätsprofessoren wurde in der Farm auch ein ökologisches Zirkulationssystem zur Entsorgung der Exkremente aufgebaut. Mithilfe von Regenwasser wird der Hühnerkot in künstliche Teiche abgeleitet, in denen Schmerlen und Flussschnecken für eine natürliche Säuberung des Wassers sorgen. Darüber hinaus werden im Teich auch Weichschildkröten gezüchtet, die sich von den Schmerlen und Schnecken ernähren. Auf diese Weise gelingt es, das ökologische Gleichgewicht des Systems langfristig aufrechtzuerhalten. Das Wasser aus dem Teich gelangt anschließend in ein weiteres Reservoir, wo es von Süßwasserfischen erneut gereinigt wird. Schließlich kann das biologisch gereinigte Wasser zur Bewässerung der Reisfelder eingesetzt werden.

Neben der Sun Yat-sen-Universität hat Zhou auch Kooperationen mit anderen renommierten chinesischen Universitäten und Forschungsinstituten abgeschlossen, darunter die Tsinghua-Universität in Beijing und die Agrar-Hochschule Huazhong. Mithilfe der Wissenschaftler wurde das ausgefeilte Kreislaufwirtschaftssystem entwickelt, mit dessen Hilfe heute die eingangs erwähnten Hühnersorte „fliegenden Phönixe“ (auf Chinesisch Longxin Feitianfeng) gezüchtet werden. Dabei wurden zunächst Weidegräser im Wald angepflanzt und dann Hühner unter den Bäumen gezüchtet. Heute wird der Hühnermist zur natürlichen Düngung der Waldflächen verwendet. Mithilfe der Bio-Hühner, die sich zwischen den Kiefernstämmen tummeln, wird heute Markenfleisch produziert, das bei Verbrauchern in ganz China einen guten Ruf genießt.

Nach dem Alter der Hühner unterteilt sich die Zuchtfarm in insgesamt fünf Bereiche. „Mit sechs Wochen kommen die Hühner in das Freigelände des Kiefernwaldes“, erklärt uns Zhou. Dort werden sie rund 100 Tage gezüchtet, bevor die Schlachtung erfolgt. „Das Fleisch von anderen, schnellwachsenden Hühnerrassen gelangt meist nach nur ein bis zwei Monaten auf den Markt. Vom Schlüpfen der Küken bis zur Schlachtung dauert die Zuchtzeit bei uns dagegen 135 bis 180 Tage.“

Im Juli 2015 erhielt das Bio-Unternehmen die Genehmigung, sein Geflügelfleisch in Shanghai zu verkaufen. Im September desselben Jahres unterzeichnete man einen Vertrag mit der Shanghai Poultry Professional Cooperative sowie der Shanghai Vegetable Group über das Angebot von einer Million Hühnern pro Jahr. „Mittlerweile werden unsere Produkte in mehr als 20 Provinzen und Städten angeboten“, sagt Zhou stolz. Im Jahr 2016 habe das Unternehmen drei Millionen Hühner gezüchtet und einen Produktionswert von umgerechnet mehr als 12,8 Millionen Euro erzielt. Das Unternehmen ist zu einem der Zugpferde der landwirtschaftlichen Industrialisierung der Provinz Jiangxi gereift. 2017 wurde es auf der 17. Nationalen Messe für grüne Nahrungsmittel mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

 

 

 

Mit sechs Wochen kommen die Hühner in das Freigelände des Kiefernwaldes. Dort werden sie rund 100 Tage gezüchtet, bevor die Schlachtung erfolgt.

 

Soziales Engagement

Im Rahmen der Aktion „Gezielte Armutsbekämpfung durch Top-100-Unternehmen“ der Fuzhouer Stadtregierung schloss die Biofarm Longxin eine Kooperation mit der Gemeinde Songhu im Bezirk Linchuan, in dem auch die Biofarm liegt, ab. Dadurch konnte nicht nur der Umfang des Unternehmens erweitert werden, sondern es gelang auch, zahlreiche arme Haushalte an den Erfolgen der Hühnerzucht zu beteiligen. Heute helfen viele lokale Landwirte bei der Zucht der „fliegenden Phönixe“.

„Wir setzen bei der Zusammenarbeit mit den Landwirten gezielt auf Standardisierung, das ist eines unserer Erfolgsgeheimnisse bei der Armutsüberwindung“, sagt Zhou. Das Unternehmen führe hier auf ein Konzept der fünffachen Standardisierung durch. Den ersten Aspekt bilde eine einheitliche Lieferkette. So stellt die Farm allen beteiligten Landwirten geimpfte Hühner zur Verfügung, die jeweils 35 Tage alt sind und ca. 250 Gramm wiegen. Zweitens sorgt die Firma für eine einheitliche Futterversorgung. Entsprechend der Hühnerzahl der Subunternehmer teilt das Unternehmen die Futtermenge genau zu. Drittens setze man auf eine standardisierte Versorgung mit Medikamenten. „Dem Gesundheitszustand der Tiere entsprechend verschreiben unsere Veterinäre standardisierte Arzneien“, sagt Zhou. Viertens setze man auf einen einheitlichen Einkauf. Sobald die Hühner nach einer Zuchtdauer von 100 Tagen ihr Zielgewicht von rund 1,4 Kilogramm erreicht haben, werden sie von der Longxin Bio-Farm aufgekauft. Der fünfte Aspekt ist eine einheitliche Abrechnung. Innerhalb einer Woche nach dem Einkauf der Tiere erhalten die Landwirte drei Yuan pro Huhn, umgerechnet rund 38 Cent. Zudem erhält das Dorfkomitee einen Yuan pro Huhn als Gebühr für die Bereitstellung der Zuchtplätze.

Die Bio-Farm hat damit eine klassische Win-win-Situation geschaffen. „Wir stellen den Landwirten kostenlos geimpfte Küken und unser technisches Know-how zur Verfügung. Die Zuchtstellen werden vom Dorfkomitee angeboten und nach der Zucht werden alle Hühner von uns aufgekauft“, sagt Zhou. „Auf diese Weise können unsere Subunternehmer bis zu 40.000 Yuan pro Jahr verdienen“, sagt sie. Das sind umgerechnet rund 5100 Euro, viel Geld für eine Bauernfamilie dieser Gegend.

Wu Yingquan, Kader aus der Landwirtschaftsbehörde der Stadt Fuzhou, sagt, dass es aufgrund der schwachen Infrastruktur im ländlichen Raum sehr schwierig sei, die Situation armer Dörfer allein durch die Anstrengungen der Regierung zum Besseren zu wenden. „Heute führen wir unter der einheitlichen Planung der Regierung deshalb ökologische Landwirtschaftsprojekte wie das der Bio-Farm Longxin durch. Eine Maßnahme, die sich als eine effektive Methode zur Armutsüberwindung erwiesen hat, bei der wir Geldmittel für Landwirtschaft, Armutsbekämpfung und Transport in unternehmerischen Projekten bündeln. Die Firmen investieren dann gezielt in Projekte zur Armutsüberwindung, um die Menschen vor Ort erfolgreich aus der Armut zu befreien“, sagt Wu.

2017 konnte die Öko-Farm Longxin die Anzahl und die Reichweite der Haushalte, mit denen das Unternehmen zusammenarbeitet, stetig erhöhen. Bis August 2017 wurden Vereinbarungen mit insgesamt 323 armen Haushalten geschlossen. Man half damit rund 1100 Angehörigen wirtschaftlich auf die Beine. Bio-Landwirtschaft und soziales Engagement gehen hier in Fuzhou also erfolgreich Hand in Hand.

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