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Bambus und Trauben: Moderne Landwirtschaft verhilft Dorfbewohnern zum Wohlstand

2018-06-27 17:24:00 Source:China heute Author:
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Von Ma Li 

  

Die Stadt Nanping liegt im Norden der südostchinesischen Provinz Fujian. Es ist ein Ort mit großer Bedeutung für Chinas Kampf gegen die Armut. Denn Nanping ist einer der Entstehungsorte von Xi Jinpings Ideen zur Armutsüberwindung. Von Mitte der 1980er Jahre bis kurz nach der Jahrtausendwende bekleidete Xi in Fujian verschiedene Führungsämter und reiste auch mehrmals in die Stadt Nanping und die ihr unterstehenden Kreise, um die landwirtschaftliche Arbeit und die Anstrengungen zur Armutsüberwindung vor Ort selbst in Augenschein zu nehmen. Die Ideen zur Armutsüberwindung, die Xi aus diesen Besuchen entwickelte, sind bis heute von weit reichender Bedeutung in Chinas Kampf gegen die Armut. 

  

Die Stadt Nanping hat fünf Schwerpunktkreise für Armutsüberwindung durch Entwicklung auf Provinzebene. In diesen fünf Kreisen waren 2013 noch insgesamt 346 Dörfer als arm eingestuft, für 129.400 Bedürftige waren Akten im Armutsregister angelegt. Bis 2017, innerhalb von gerade einmal vier Jahren also, konnten alle dieser amtlich erfassten bedürftigen Bewohner aus der Armut befreit werden. Zudem haben 96 der als arm erfassten Kreise dieses Etikett mittlerweile erfolgreich abgestreift. Ein Aushängeschild der Stadt bildet in diesem Zusammenhang der Kreis Shunchang. 

  

Es ist Ende Mai und wir reisen in das Dorf Zhangdun der Gemeinde Pushang, die zum Kreis Shunchang gehört. Hier gedeihen prächtige Lotosblumen in den zahlreichen Teichen. Schon in aller Frühe machen sich die Bewohnerin Wu Xiufeng und ihre Mutter Huang Changji auf zu ihrem eigenen Weingarten, um die jungen Triebe der Traubenblütenstände abzupflücken und die Stiele in Schutzzellophan zu hüllen. „In diesem Jahr haben wir ein gutes Wachstum. Es werden sicher rund 3000 Kilogramm Trauben pro Mu werden“, zeigt sich Wu optimistisch, was die Ernteaussichten anbelangt. Ein Mu entspricht dabei einem Fünfzehntel Hektar Landfläche. 

 

 

                                 Weg zum Wohlstand: Schon in aller Frühe machen sich die Dorfbewohnerin Wu Xiufeng

                                 und ihre Mutter auf zu ihrem eigenen Weingarten. Die Ernteaussichten sind

                                 in diesem Jahr ausgezeichnet.

  

 

Die 49-jährige Wu Xiufeng heiratete 1988 aus einem Nachbarort in das Dorf Zhangdun ein. „Damals waren hier alle noch sehr arm. Ein Bauernhaushalt verfügte nur über einige Mu ertragsarme Ackerfläche und die Ernte hing vom Segen des Himmels ab“, erinnert sie sich. Wus Familie habe damals nicht im Traum daran gedacht, jemals ein so glückliches Leben zu führen, wie sie es heute tut.  

 

 

                            

Wohnidylle: In den Teichen des Dorfs gedeihen prächtige Lotosblumen.

  

 

Der Grund, weshalb es der Familie heute so gut geht, ist vor allem der Weinbau. Wu sagt: „Allein durch die Bewirtschaftung der vier Mu Weingarten streichen wir ein Jahreseinkommen von Dutzenden tausend Yuan ein. Hinzu kommen noch die Einnahmen meines Mannes durch verschiedene Gelegenheitsjobs im Dorf und in der Gemeinde. Unser jährliches Gesamteinkommen als Familie beläuft sich damit auf mehr als 200.000 Yuan.“ Umgerechnet entspricht das einem Jahreseinkommen von über 26.500 Euro. Und damit, so fügt die Weinbauerin hinzu, zähle die Familie im Dorf in finanzieller Hinsicht nur zum „Mittelstand“. 

  

Der Wein bringt die Wende 

  

„Vor 1996 bestritten mein Mann und ich unseren Lebensunterhalt noch als Wanderarbeiter an anderen Orten. Das ganze Jahr hindurch konnten wir kaum etwas zurücklegen“, erzählt Wu. 1996 hätten sie dann angefangen, wie viele andere im Dorf, Trauben anzubauen. „Doch der Traubenanbau brachte uns anfangs auch keine hohen Gewinne. Der Preis für ein Pfund Trauben betrug nicht einmal einen Yuan. Nach dem Abzug der Kosten für Arbeitskraft und Dünger blieb nicht mehr viel übrig. Wir zählten damit definitiv noch immer als Haushalt unter der Armutsgrenze“, sagt Wu.  

  

2009 startete die Gemeindeverwaltung dann eine Aktion zur Unterstützung armer Bevölkerungsteile durch Parteimitglieder. Die Parteizelle rückte dabei die Entwicklung besonderen landwirtschaftlichen Gewerbes in den Fokus und bildete vier Gewerbegruppen, nämlich für Traubenanbau, Weinkellerei, Wasserreisanbau und ländlichen Tourismus. Die Parteimitglieder wurden je nach ihrer eigenen Erwerbstätigkeit in eine dieser vier Gruppen eingegliedert. Auch die armen Bauernhaushalte wurden in eine dieser vier Gruppen aufgenommen und konnten damit an monatlichen Weiterbildungskursen teilnehmen. Wohlstand durch Wissen, so lautete das Credo.  

  

„Unsere Familie wurde damals in die Fachgruppe für Traubenanbau aufgenommen. Die Gemeindeverwaltung schickte daraufhin regelmäßig Agrartechniker zu uns, die uns wichtige Fachkenntnisse vermittelten.“ Außerdem veranstaltete sie Fortbildungskurse für Weinkellerei. Und die fortschrittlichen Methoden zeigten in der Praxis schon bald die erhoffte Wirkung. Durch die Anwendung des neuen Fachwissens stieg das Familieneinkommen der Wus kontinuierlich. 

  

Um uns einen genaueren Einblick in die finanziellen Verhältnisse ihrer Familie zu verschaffen, geht die Landwirtin ins Detail: „Die jährliche Weinproduktion liegt heute bei rund 3500 Kilogramm und der Mindestankaufspreis pro Kilogramm beträgt 10 Yuan. Damit erwirtschaftet unser Haushalt Einnahmen von 70.000 Yuan. Hinzu kommen noch die Einnahmen aus dem Verkauf frischer Trauben. Die Obsternte frischer Trauben bringt uns für vier Mu rund 140.000 Yuan ein“, sagt Wu, also etwa 18.000 Yuan pro Mu. 

  

Wu erzählt stolz, wie weit es die Familie mittlerweile finanziell gebracht hat: „Wir leben hier in einer beeindruckenden, malerischen Landschaft. Neben unserem geräumigen Landhaus im Dorf konnten wir uns noch zwei Eigentumswohnungen in der Kreisstadt leisten.  

  

Im Dorf Zhangdun gibt es noch 85 weitere Haushalte, die sich ebenfalls auf den Traubenanbau spezialisiert haben und eine ähnliche Erfolgsgeschichte zu erzählen haben wie die Wus. Heimische Kellereien keltern die lokalen Trauben zu feinsten Weinen. Die Entwicklung der Weinindustrie hat in den letzten Jahren einen beachtlichen Aufschwung genommen, ein Erfolg der mehr und mehr auch auf umliegende Dörfer wie Jianyang und Jianou ausstrahlt. Die Kellerei des Dorfs Zhangdun hat bereis ihre eigene Weinmarke etabliert. Jährlich finden mehr als 30 Tonnen „Zhangdun-Wein“ den Weg in den Handel. Allein das spült den Dorfbewohnern jedes Jahr einen Gewinn von mehr als 1,5 Millionen Yuan, umgerechnet rund 200.000 Euro, in die Kassen.  

  

Bambus als Wachstumstreiber 

  

Mehr und mehr wird deutlich, dass die Entwicklung der lokalen Industrie den Schlüssel für erfolgreiche Armutsüberwindung bildet. Wir reisen weiter in die Gemeinde Da’gan, genauer gesagt in das Dorf Laibu. Auch diesem Ort stattete Xi Jinping einst einen Besuch ab. Zhang Jingzheng, Sekretär des Parteikomitees der Gemeinde Da‘gan, erinnert sich: „Als Xi Jinping in der Vergangenheit die Bambusanbauflächen des Dorfs Laibu inspizierte, ermahnte er uns, unsere lokalen Wettbewerbsvorteile gut auszuspielen, bei der Entwicklung der örtlichen Industrie mutig eigene Wege einzuschlagen und die Stärken der Ressourcen und Ökosysteme in wirtschaftliche und industrielle Stärken umzumünzen.“  

  

Am 9. April 2002 nahm Xi in seiner Funktion als Provinzgouverneur Fujians die Bambusanbauflächen des Ortes erneut in Augenschein. Er ermutigte die Dorfbewohner, sich auf den Anbau und die Verarbeitung von dünnem Bambus, einer Bambussorte mit besonders kleinem Durchmesser, zu konzentrieren, und damit zu Wohlstand zu gelangen.  

  

Lian Hengrong, der ehemalige Sekretär der Dorfparteizelle, erinnert sich an den prominenten Besuch. „Damals kannte ich den Provinzgouverneur gar nicht. Es waren seine Mitarbeiter, die uns bekannt machten. Als ich ihn viele Jahre später im Fernsehen wieder sah, bekleidete er bereits das Amts des Vizestaatspräsidenten.“  

  

1999 begleitete Lian einige Dorfbewohner zur damaligen Stadt Lin’an in Fujians Nachbarprovinz Zhejiang, um sich ein Bild des Bambusanbaus vor Ort zu machen. Nach der Besichtigung fuhren sie zwei mit Bambusstecklingen beladene Laster zurück nach Hause. Der besagte Bambus ist eine besondere Bambussorte mit kleinem Durchmesser. Diese Sorte ist besonders gut geeignet, um Bodenwasser zu erhalten, Dämme zu festigen und Boden und Luft zu reinigen. Außerdem wird sie auch gerne als Zierpflanze zur Verschönerung der Umwelt eingesetzt. Und nicht zuletzt können die Bambussprossen auch als Gemüse verwendet werden.  

  

Dieses kulinarische Potenzial erkannten die Bambusbauern des Dorfes allerdings erst viel später. Anfangs verkauften sie die Pflanzen nur für andere Zwecke. Die Gewächse auch als Delikatesse zu vermarkten, bescherte den Landwirten letztlich aber ein deutliches Einnahmeplus. Heute ist der Verkauf von Bambussprossen eine wichtige Einnahmequelle des Ortes.  

 

 

                            

Bambussprossen gelten bei Gourmets als beliebte Delikatesse  

und bilden damit eine wichtige Einnahmequelle der Bauern.  

  

 

Mittlerweile verdienen die Dorfbewohner ihr Geld hauptsächlich durch den Verkauf der Sprossen, die bei Gourmets als beliebte Delikatesse gelten. Nach der Zubereitung schmecken sie frisch, süßlich und zart. Ein geflügeltes Wort in der Gegend lautet: „Der Ertrag von einem Mu Bambus entspricht dem Ertrag von zehn Mu Reis. Drei bis vier Mu Bambusanbau lassen auf bescheidenen Wohlstand hoffen, fünf bis sechs Mu machen einen jungen Mann zu einer guten Partie, mit acht bis neun Mu lässt sich ein schönes Landhaus bauen.“ 

  

Die Entwicklung des Gewerbes der Bambussprossen kurbelt nun auch den ländlichen Tourismus an. Lian Yiming, Direktor des Dorfkomitees, spricht mit uns über die Zukunftsperspektiven der örtlichen Entwicklung: „Wir bemühen uns gerade um eine Investition in Höhe von 5,3 Millionen Yuan für ein Projekt zum Schutz der Ökosysteme und zum Aufbau eines Landschaftsgebietes im Rahmen des Wasserbaus. Dieser ökologische Schutzstreifen soll eine Länge von 1,2 Kilometern haben. Er soll die Bodenerosion in den Bambusanbaugebieten verhindern und die ökologische Wasserlandschaft verbessern. 1,5 Millionen Yuan sollen in den Bau einer 1,8Kilometer langen Anbindungsstraße fließen und damit die touristische Infrastruktur aufwerten. Im Jahr 2017 hatten wir hier 30.000 Touristen und die touristischen Einnahmen beliefen sich auf insgesamt 2,1 Millionen Yuan. Wir rechnen damit, dass sich diese Einnahmen im laufenden Jahr weiter erhöhen werden.“  

  

Seit das Dorf in die Bambuswirtschaft eingestiegen ist, sind 16 Jahre ins Land gegangen. Die Bambusanbaufläche hat sich zu einer Demonstrationsbasis mit einer Fläche von 1000 Mu entwickelt. Heute bildet der Bambusanbau eine tragende Säule der Einnahmen der Dorfbewohner. Und über die einzigartigen Ökosysteme und Ressourcen ist es Laibu nicht nur gelungen, die kollektive Landwirtschaft und die heimische Tourismusentwicklung anzukurbeln, sondern auch große Erfolge bei der Armutsüberwindung zu feiern.  

  

 

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