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Projekt „e-founders“: Alibaba fördert Jungunternehmer aus Afrika

2018-08-29 16:20:00 Source:China heute Author:
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Von Liu Zhuoran, Ni Yirong, Ma Li* 

  

In China brummt der E-Commerce. Auf Onlineshoppingportalen wie Taobao, Jingdong oder Tmall tummeln sich Tag für Tag Millionen Käufer. China ist damit in Sachen Onlinehandel innerhalb nur weniger Jahre international in eine Voreiterrolle geschlüpft. Von diesem Know-how profitieren seit einiger Zeit auch Jungunternehmer aus Afrika. 

  

Denn seit vergangenem Jahr bietet Chinas Internetgigant Alibaba, der unter anderem die Portale Taobao und Tmall betreibt, Weiterbildungskurse für junge Menschen aus Afrika an. „e-founders“ taufte der Konzern sein Programm, in dessen Rahmen seit dem Start 2017 knapp 100 Jungunternehmer aus Duzenden afrikanischen Ländern nach China kamen, um sich in speziellen Kursen im Bereich E-Commerce fortbilden zu lassen. Dabei geht es um die digitale Wirtschaft und Chinas Erfahrungen in diesem Bereich.  

 

 

  

Gruppenfoto: Im Rahmen seines Projekts „e-founders“ bildet Alibaba seit 2017

Jungunternehmer aus Afrika im Bereich E-Commerce weiter.

 

Als Mukhisa Kituyi, Generalsekretär der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung, am 28. Juni die Firmenzentrale Alibabas in der südostchinesischen Metropole Hangzhou besuchte, lobt er das Vorzeigeprojekt in den höchsten Tönen. „Alibabas Kurse zur Fortbildung junger Menschen aus Afrika sind eine ausgezeichnete Sache. Nun gilt es, Dialoge mit afrikanischen Staaten auf Regierungsebene zu führen, damit die führenden Politiker dieser Länder erkennen, wie wichtig es ist, ein günstiges E-Commerce-Umfeld zu schaffen und die Existenzgründung junger Menschen aktiv zu fördern“, sagte er bei seiner Chinareise. 

  

In diesem Jahr hat Alibaba bereits 29 junge Afrikaner aus elf verschiedenen Ländern im elektronischen Handel fortgebildet. Besonderen Eindruck hinterließen dabei vor allem zwei Kursteilnehmer, nämlich Taoufik Mousselmal aus Algerien und Bright Chiyundu aus Sambia. 

  

Taoufik Mousselmal – ein Jungunternehmer mit gesundem Ehrgeiz 

  

Der 30-jährige Algerier Taoufik Mousselmal hat eine große Vision. „Ich möchte eigentlich nicht von meiner Vergangenheit zehren und auch nicht über meine gegenwärtige Erlebnisse berichten. Kommen Sie am besten einfach in zehn Jahren noch einmal wieder, um mich zu interviewen. Dann hoffe ich, genauso erfolgreich zu sein wie Jack Ma“, sagt Mousselmal und lacht. Wenn alles rund laufe, werde er dann sein eigenes „Alibaba“ besitzen, sagt er.  

 

 

   

Scheut sich nicht anzupacken: Jungunternehmer Taoufik Mousselmal

bei der Besichtigung des Onlinesupermarktes Fresh Hema.

 

 

Einige Details über Vergangenheit und Gegenwart können wir dem jungen Algerier dann aber doch entlocken. So war er auf seiner bisherigen Geschäftslaufbahn glücksverwöhnt, wie er erzählt. „Ich habe bereits E-Commerce-Teams in Algerien und Frankreich gebildet. Unsere Geschäfte konzentrieren sich auf Küchengeräte und Haushaltsartikel“, sagt der 30-Jährige. Drei Jahre betreibe er das Geschäft nun schon und die Jahresumsätze seien üppig, wie der Jungunternehmer ganz unaufgeregt berichtet.  

  

Mousselmal kam im Jahr 1988 als Spross algerischer Einwanderer in Frankreich zur Welt. Seine Familie, die dem Volk der Berber angehört, blickt auf eine lange Kaufmannstradition zurück. In den 1980er Jahren, als politische Wirren in Algerien herrschten, packte sein Großvater Kind und Kegel, um in Frankreich ein neues Leben zu beginnen. Die Familie wurde schließlich in Paris sesshaft. Mit „null Komma null Kapital“ baute die Familie nach und nach mehrere Läden für Haushaltsartikel auf. In ihren besten Zeiten mieteten die Mousselmals sogar eine ganze Etage eines Kaufhauses an. „Ich half meinen Eltern schon von Kindesbeinen an im Geschäft aus. Mit 17 Jahren, als ich die Oberschule besuchte, ergatterte ich meine erste eigene Großbestellung im Wert von 5000 Euro.“ Ganz im Sinne der Familientradition zeigte der junge Mann also schon früh einen ausgeprägten Geschäftssinn und großes kaufmännisches Talent.  

  

Nach dem Studium hatte Mousselmal gleich zwei Diplome in der Tasche, in Ingenieurwissenschaft und Betriebswirtschaftslehre. Danach entschied er sich für ein Masterstudium an der University of Wales mit Forschungsschwerpunkten auf wissenschaftlich-technischer Innovation und Existenzgründung. 2013 machte er schließlich seinen Masterabschluss.  

  

Doch gerade als er die Ärmel hochkrempeln und sich in seine erste große eigene Unternehmung stürzen wollte, erhielt er schlechte Nachrichten von Zuhause. Das traditionsträchtige Möbelgeschäft in Paris, in dem seine Familie eine Etage angemietet hatte, musste wegen großer Verluste geschlossen werden. Notgedrungen kehrte Mousselmal nach Paris zurück, um den Familienbetrieb wiederzubeleben.  

  

Im Jahr 2014 kam er auf die Idee, Haushaltsartikel online zu verkaufen. „Anfangs hätte mein Vater, der sich noch immer in ausgefahrenen Gleisen bewegte, mich am liebsten hochkantig rausgeschmissen, als ich ihm von der neuen Idee erzählte“, sagt Mousselmal. Doch der junge Mann ließ nicht locker und eröffnete schließlich einen eigenen Onlineshop sowie eine Präsenz auf Amazon. Schon kurze Zeit später zeichneten sich erste Verkaufserfolge ab. Bald übertraf der Umsatz des Onlinehandels sogar den des realen Geschäftes. Angesichts des Erfolgs des Sohnes willigte der Vater schließlich ein, Mousselmal die kompletten Geschäfte des Familienbetriebs zu übertragen.  

  

Einige Zeit später reiste der findige Jungunternehmer nach Algerien, um in der Hauptstadt Algier eine kleine Repräsentanz aufzubauen, mit Kundenzentrum, Betriebsmanagement und einer speziellen Dienstleistungsgruppe für den Onlinehandel. „Die Arbeitskosten in Algerien sind eben doch um einiges niedriger als in Europa“, begründet Mousselmal den Schritt.  

  

Heute, dreieinhalb Jahre nach der Existenzgründung, erwirtschaftet der 30-Jährige mit seinem auf europäische Kunden zugeschnittenen Portal maisonmaligne.com einen Jahresumsatz in Höhe von drei Millionen US-Dollar. Damit steht er an dritter Stelle unter den 29 Kursteilnehmern aus Afrika.  

  

Während der zweiwöchigen Kursphase konnten der aufstrebende Geschäftsmann und die übrigen Teilnehmer wertvolle Einblicke in einige von Alibabas Tochterunternehmen gewinnen. Unter anderem besuchten die Teilnehmer die Ant Financial Services Group, den Betreiber des Onlinesupermarktes Fresh Hema (chin. Hema Xiansheng), das durch künstliche Intelligenz gesteuerte Güterverteilzentrum Green Hand (chin. Cainiao) sowie Ausbildungseinrichtungen für E-Commerce wie das Yiwu Industrial and Commercial College und das Alibaba Business College, um sich ein Bild von der rasanten Entwicklung des chinesischen E-Commerce zu machen.  

  

„Bevor Hema Fresh eine Filiale eröffnet, wird zuerst einmal das Konsumverhalten der Kunden in einem Radius von drei Kilometern unter die Lupe genommen“, erklärt uns Mousselmal. Onlineshops stützten sich auf moderne Wege der Informationsauswertung, darin liege ihr großer Vorteil. „Hätte uns damals Big Data zur Verfügung gestanden, hätten wir wohl vermeiden können, dass die Hälfte unseres Familiengeschäfts dichtmachen musste. Denn die Wahl des Standortes entscheidet über Gedeih und Verderb eines Geschäfts. Zu Zeiten meines Vaters bzw. Großvaters wurde die Wahl noch rein intuitiv anstatt auf Grundlage moderner Informationen getroffen“, sagt der Jungunternehmer. „Da aber das Konsumniveau der Einwohner in der unmittelbaren Umgebung einiger unserer Läden ziemlich niedrig war, sprach unser auf mittlerem Preislevel positioniertes Angebot eben nur wenige Menschen an. Hier lag letztlich der Hund begraben.“ 

  

Seit seiner Übernahme des Familienbetriebs in Paris sei Mousselmal Zeuge, wie sich chinesische Waren über den E-Commerce ihren Weg auf den europäischen Markt bahnten. „Wenn so viele chinesische Produzenten ein Interesse daran haben, den europäischen Markt zu erschließen, sollte man mit ihnen zusammenarbeiten. So können immer mehr chinesische Produkte in Europas Verkaufsregale gelangen“, sagt der Algerier. Er erkennt hier eine große Chance. 

  

„Finanzstarke chinesische Unternehmen sollten Standorte in Algier aufbauen, um dessen geographische Vorteile und günstige Kosten in Bezug auf E-Commerce zur Erschließung des europäischen Marktes zu nutzen“, rät er. Er selbst plane, eine Art von Drehscheibe für den Zugang chinesischer Firmen zum europäischen Markt in der algerischen Hauptstadt zu errichten. Gleichzeitig ziehe er die Heimat seiner Vorfahren auch als Ausgangsbasis für B2C-Geschäfte (business to customer) für den afrikanischen Markt in Erwägung.   

  

Der 30-Jährige hat sich einen ehrgeizigen Zehnjahresplan gesetzt. Sein Ziel ist kein geringeres, als durch dessen Umsetzung ein afrikanisches Alibaba aus dem Boden zu stampfen. Die ersten Schritte in diese Richtung sind jedenfalls getan.  

  

Bright Chiyundu – nomen est omen 

  

Anders als Mousselmal meinte es das Schicksal anfangs weniger gut mit Bright Chiyundu aus Sambia. Chiyundu kommt aus armen Verhältnissen. Seine Eltern starben bereits in früher Kindheit. Er wurde von den Eltern seiner Mitschüler großgezogen. Von Kindesbeinen an musste er sich kümmerlich durchschlagen, eine Zeit, die seinen Willen gestählt hat. 

 

   

Will in Sambia mit einem eigenen Bezahldienst punkten: Gründer Bright Chiyundu

bei einem Fortbildungskurs im Rahmen des Projekts „e-founders“.

 

In Anlehnung an Alipay, das Onlinebezahlsystem von Alibaba, gründete Bright Chiyundu in seiner Heimat den Dienst BroadPay. Ziel war es, denjenigen Landsleuten, die über keine Bankkarte verfügen – in Sambia sind das immerhin 60 Prozent der Bevölkerung – eine digitale Zahlungsabwicklung zu ermöglichen. Vor dem Schritt in die Selbstständigkeit arbeitete der junge Existenzgründer bereits zweimal beim chinesischen IT-Giganten Huawei. 

  

Aus Chiyundus Sicht ist die Zahlungsabwicklung in Sambia ein großes Problem. Er sagt: „Über die Hälfte der Menschen in meiner Heimat besitzt keine Bankkarte. Bargeld ist also noch immer das gängigste Zahlungsmittel. Aber Barzahlungen sind umständlich und unsicher, zumal sich auch keine zwischenstaatlichen Überweisungen tätigen lassen.“ Mit seinem Bezahldienst BroadPay will der Jungunternehmer hier Abhilfe schaffen.  

  

Die Idee kam Chiyundu während seiner Zeit bei Huawei. „Da habe ich gesehen, dass meine Kollegen die Alipay-App verwendeten und damit nicht nur Verwandten und Freunden Geld überweisen, sondern auch online wie offline Einkäufe bezahlen konnten“, sagt er. Dies machte Chiyundu neugierig. „Ich habe mich dann näher mit dieser Applikation beschäftigt. Was mich verblüfft hat, waren nicht nur ihre vielfältigen Funktionen, sondern auch die landesweite Verbreitung. In China kann man heute getrost ganz ohne Portemonnaie aus dem Haus gehen. Um zu bezahlen, muss man überall einfach nur einen Code einscannen und sekundenschnell wird der Betrag überwiesen. Wenn ich das alles nicht selbst hier vor Ort erlebt hätte, würde ich es gar nicht glauben“, sagt Chiyundu und lacht.  

  

Inspiriert und beeindruckt von Alibabas Bezahl-App entwickelte Chiyundu mit seinen Programmierkenntnissen eine eigene App zum mobilen Bezahlen in Sambia. Smartphonenutzer können sie direkt herunterladen, um zu bezahlen, Nutzer einfacher Handys können Zahlungen über die Eingabe eines Zifferncodes abwickeln.  

  

„Ursprünglich haben wir den Onlinebezahldienst wie gesagt für Kunden entwickelt, die keine Bankkarte haben. Nun stellt sich nach der erfolgreichen Einführung allerdings die Frage, wie sich die breite Bevölkerung, für die Bargeld selbstverständlich das einzige Zahlungsmittel ist, tatsächlich dazu bewegen lässt, sich an mobile Zahlungen zu gewöhnen. Ich habe hierfür die Dorfläden ins Visier genommen“, erklärt Chiyundu seine Entwicklungsstrategie. „Die Inhaber solcher Geschäfte pflegen einen intensiven Umgang mit Einheimischen in der Umgebung und verstehen sich gut darauf, ihre Waren an den Mann zu bringen“, sagt er. „Ich bin eine Kooperation mit ihnen eingegangen. Sie bekommen von uns eine kleine Provision, wenn unsere App zum Einsatz kommt.“  

  

Mittlerweile hat Chiyundu rund 2000 Läden, die in Dörfern und Gassen im ganzen Land verstreut sind, in sein Netz des Onlinebezahldienstes aufgenommen. Und die Inhaber der Geschäfte haben sein Vertrauen nicht enttäuscht und ihren Kunden die Bedienung der App beigebracht. Über diesen Weg wurden bis heute 100.000 Onlinezahlungen abgewickelt. 

  

Außerdem hat Chiyundu eine Kooperation mit Unternehmen der städtischen Versorgungsdienste aufgebaut. Mittlerweile können die Menschen auf diese Weise bequem per Handy Wasser, Strom und Einkäufe bezahlen. Heute wird BroadPay von 1000 Unternehmen unterstützt und etabliert sich so schrittweise als sambische Version Alipays.  

  

„Ich selbst kannte Alipay und Taobao nur über deren Internetauftritte. Erst als ich zum ersten Mal das gigantische Bürogebäude von Alibaba betrat, habe ich verstanden, dass es sich beim Unternehmen Alibaba um ein ganz eigenes ,Ökosystem‘ handelt.“ Seine Fortbildung in China sieht er als gute Chance, Energie und Kraft zu tanken sowie neue Ideen aufzunehmen. „Solch eine Chance bekommt nicht jeder afrikanische Existenzgründer“, sagt er.  

  

„Früher wurde bei uns in Sambia kein großer Wert auf die Entwicklung der Infrastruktur gelegt. Aus meiner Sicht stand sie auch nicht in unmittelbarer Verbindung mit dem Geschäft. Doch durch die Fortbildung hier in China ist mir klar geworden, dass auch sie Teil des unternehmerischen ,Ökosystems‘ ist. Und nur wenn man dieses verbessert, lassen sich noch größere Geschäftserfolge erzielen. Die Verbreitung Alipays hat letztlich entscheidend zum Erfolg Taobaos beigetragen.“ 

  

Mittlerweile ist Bright Chiyundu wieder in sein Heimatland zurückgekehrt. Und der rührige Jungunternehmer setzt alles daran, die infrastrukturelle Entwicklung vor Ort voranzutreiben, seinen Bezahldienst weiter zu verbessern und ihn mit noch mehr Onlineshops und Geschäften zu verbinden. Sein Ziel ist es, der sambischen Bevölkerung das Bezahlen weiter zu erleichtern und ihr Leben so ein Stück bequemer zu machen. 

  

*Die Autoren Liu Zhuoran und Ni Yirong sind Journalisten des Magazins „Global E-Businessmen“, Ma Li ist Mitarbeiter von „China Today“.   

 

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