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Erweiterung des Imports: China liefert der Welt neue Dividenden

2018-11-02 16:14:00 Source:China heute Author:
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Von Wu Li* 

  

Die vor mehr als 60 Jahren eingerichtete und traditionsträchtige China Import and Export Fair (allgemein auch als Canton Fair bekannt) wurde zum Zeuge der Entwicklung Chinas zu einer großen Handelsnation. Vor 40 Jahren wurde Chinas Tor nach außen geöffnet und insbesondere nach ihrem WTO-Beitritt nahm die Volksrepublik große Anstrengungen auf sich, die wirtschaftliche Globalisierung voranzutreiben. Das Land bereicherte die Geschichte der globalen Wirtschaftsentwicklung damit um das glänzende Kapitel des „chinesischen Wirtschaftswunders“.  

  

In diesem Jahr veranstaltet China erstmalig eine internationale Importmesse, was einen bahnbrechenden Schritt darstellt. Das Großevent, das vom 5. bis zum 10. November in Shanghai stattfindet, ist ein klares Bekenntnis für die weitere Marktöffnung und ein wichtiger Schritt zu ihrer Umsetzung. Es läutet ein neues Kapitel in Chinas Geschichte der Öffnung nach außen ein. 

 

 

  

Blick auf die Zollstation des Xi’aner Güterbahnhofs für importierte Autos.

Unser Bild entstand am 13. Juni 2018.

 

Welch großen Wert China auf den Import legt, belegen auch neueste Statistiken, denen zufolge Chinas Gesamtimportvolumen im ersten Halbjahr 2018 bei 1,03 Billionen US-Dollar lag, was einem Plus von 19,9 Prozent gegenüber dem Vorjahrszeitraum entspricht. Statistiken des Weißbuchs „China und die Welthandelsorganisation“ zufolge, das im Juni dieses Jahres vom Presseamt des Staatsrates veröffentlicht wurde, wird China in den kommenden 15 Jahren voraussichtlich Waren im Wert von 24 Billionen US-Dollar einführen. 

 

   

 

Mini-Roboter präsentieren sich auf der World Manufacturing Convention.

Unser Bild entstand am 25. Mai 2018.

 

 

Die Welt profitiert von Chinas Dividenden 

  

Es sind etwa zehn Minuten per Auto vom Shanghaier Hongqiao-Flughafen zum National Exhibition and Convention Center in Shanghai, wo die China International Import Expo (CIIE) stattfindet. In der letzten, heißen Vorbereitungsphase haben Bauarbeiter, Freiwillige und Ingenieure alle Hände voll zu tun. Sie arbeiten vom frühen Morgen bis in die späten Abendstunden und setzen alles daran, um den Endspurt der letzten Tage erfolgreich abzuschließen.  

  

In Chinas Hauptstadt Beijing arbeiten derweil über 20 Ministerien und staatliche Kommissionen intensiv daran, die politischen Fördermaßnahmen für Importe in die Praxis umzusetzen. Am 9. Juli 2018 leitete das Hauptbüro des Staatsrates das Dokument „Ansichten über die Importerweiterung und Förderung der ausgewogenen Entwicklung des Außenhandels“ an andere zuständige Behörden weiter. Das Papier listet 15 konkrete politische Maßnahmen für den systematischen Ausbau der Importe auf.  

  

Verschiedene Provinzen und Städte, deren Finanzen direkt von der Zentralregierung verwaltet werden, haben für die Beteiligung an der Importmesse 38 Handelsdelegationen gebildet. Diese übernehmen die organisatorische Arbeit und stellen direkte Verbindungen der Einkaufsfirmen mit den an der Messe teilnehmenden ausländischen Unternehmen her.  

  

Chinas erste Importmesse wirkt global gesehen wie ein Magnet auf renommierte Exporteure. International bedeutende Konzerne wie Danone,  DuPont, Emerson, Yashily, Whirlpool, Bayer, BMW, Daimler-Benz und Unilever haben ihre Teilnahme zugesichert und einige Konzerne wie die Metro AG und Lasaffre haben bereits ihre Teilnahme für die 2. Internationale Importmesse 2019 zugesagt.   

  

Chen Fengying, Forscherin des chinesischen Forschungsinstituts für gegenwärtige internationale Beziehungen (China Institute of Contemporary International Relations), sagt: „Die Importmesse ist, wie Staatspräsident Xi Jinping betont hat, keine gewöhnliche Messe, sondern stellt ein Manifest für die Politik der aktiven Marktöffnung sowie einen wichtigen Schritt zu deren Umsetzung dar. Die US-Regierung hat sich gegenwärtig die Parole ,America first‘ auf die Fahnen geschrieben und betreibt intensiv Unilateralismus und Protektionismus sowie Handelshegemonismus.“ Dadurch werde ein globaler Handelsstreit heraufbeschworen, was die Entwicklung des internationalen Handels und der wirtschaftlichen Globalisierung vor große Schwierigkeiten stelle, so Chen. „Durch die neue Importmesse erweitert China aus eigenem Antrieb seine Öffnung und fügt sich in den großen Trend der Entwicklung der Welt ein“, so Chen weiter. Dadurch unterstreiche die Volksrepublik ihr hohes Verantwortungsbewusstsein und bringe den Rest der Welt in den Genuss der von ihr geschaffenen Vorteile. „Das ist ein wichtiger Schritt für den Aufbau der Seidenstraßeninitiative und der Schicksalsgemeinschaft der Menschheit“, so die Forscherin.  

  

Global gesehen ist Chinas Internationale Importmesse weltweit die erste große Messe ihrer Art, bei der es sich ausschließlich um Importe dreht. China bietet durch die neue Plattform der Weltgemeinschaft ein neues öffentliches Gut an. Ausländische Unternehmen können ihre Produkte über den neuen Kanal nicht nur nach China, sondern auch in andere Länder der Region ausführen. Vereinfacht gesprochen kann die Importmesse als offene Plattform für globalen Einkauf und globalen Vertrieb dienen.  

  

Chinas Importmesse stellt nach dem Bo’ao-Asienforum, der Gipfelkonferenz der Shanghaier Kooperationsorganisation in Qingdao und dem Gipfeltreffen des chinesisch-afrikanischen Kooperationsforums in Beijing bereits die vierte internationale Großveranstaltung in diesem Jahr dar, bei der China als Gastgeber auftritt. Sie bildet einen wichtigen Schritt für den Aufbau einer offenen Weltwirtschaft, fördert die globale, inklusive und auf gegenseitigem Nutzen beruhende Wirtschaftsentwicklung und präsentiert zudem Lösungskonzepte zum Aufbau einer Schicksalsgemeinschaft der Menschheit. Die CIIE stellt also nicht nur ein Manifest für die Politik der weiteren Öffnung nach außen und eine effektive Maßnahme für die Reform der Angebotsseite dar, sondern fördert zudem die Verwirklichung des Wunsches der Bevölkerung nach einem schönen Leben.  

  

Chinas Markt benötigt ausländische Waren 

  

Auf der World Conference on Manufacturing 2018, die im Mai dieses Jahres in der Provinzhauptstadt Hefei stattfand, sorgte ein Roboter für besonderes Aufsehen bei Besuchern und Fachpublikum. Zielsicher pickte er in Größe und Farbe fehlerhafte Produkte aus einer großen Menge gleicher Produkte heraus. 

  

Hergestellt wurde dieser Roboter vom Shanghaier Start-up BetterWay. Die Firma arbeitet bei Forschung und Entwicklung mit ausländischen Partnern zusammen und führte so hochwertige Sensoren und fortschrittliche Steuerungstechnik nach China ein. Auf Grundlage der Zusammenarbeit hat das Unternehmen eine Serie von automatisierten Anlagen zur Sortierung und Prüfung von Produkten entwickelt, die die Effizienz der Produktion erhöhen und die Produktionskosten senken. 

  

Die Erfolgsgeschichte von BetterWay ist kein Einzelfall. Denn die Erweiterung des Imports entwickelt sich in China gerade zu einer neuen landesweiten Strategie und die Synergieeffekte des Imports kommen zunehmend zur Entfaltung.  

  

Chinas Handelsminister Zhong Shan wies in einem Artikel darauf hin, dass Importe mit angemessener Struktur und angemessenem Umfang zur Verbesserung des inländischen Angebots von Produktionsfaktoren beitrügen. Durch die Einführung von in der Mitte der Wertschöpfungskette angesiedelten Produkten, fortschrittlichen Technologien, Normen und Managementerfahrungen könne das Niveau der innovationsgetragenen Entwicklung inländischer Unternehmen erhöht, die Erneuerung traditioneller Industrien im Land gefördert und gleichzeitig ein Beitrag für die Herausbildung neuer strategischer Industrien geleistet werden. Der Import hochwertiger Endprodukte konfrontiert chinesische Unternehmen unausweichlich mit der Aufgabe, ihre Produktionskosten zu senken, ihre Technologien zu verbessern, innovative Technik zu entwickeln und ihre Wettbewerbsstärke zu steigern.  

  

Importgüter, gleichgültig, ob sie über Social-Media-Plattformen wie WeChat, den E-Commerce oder Auslandseinkäufe zu den Verbrauchern gelangen, bilden ein wichtiges Standbein des Konsums. Die französische Supermarktkette Carrefour beispielsweise hat in ihren Filialen im Reich der Mitte eigens Regale für Importprodukte eingerichtet. Das Sortiment, das sich dort findet, reicht von Snacks über Babyartikel bis hin zu frischen Meeresfrüchten.  

  

Am Rande der World Conference on Manufacturing 2018 wurde auch eine Import- und Exportausstellung veranstaltet, auf der Verkäufer ihre Waren anpriesen.  „Seit einigen Jahren steigt die Zahl chinesischer Importeure rasant und die Angebotspalette wird immer vielfältiger. Das hat zur Folge, dass Produkte aus dem Ausland bei chinesischen Verbrauchern immer beliebter werden“, erklärt Verkäuferin Wang, die auf der Messe Kosmetikprodukte aus Südkorea vertreibt.  

  

Aufgrund der Entstehung einer neuen Konsumentengruppe, technischer Fortschritte und insbesondere der Erhöhung der Einkommen ist der Konsum in China insgesamt auf eine neue Stufe geklettert. Wie im Bericht auf dem XIX. Parteitag betont wurde, hat sich der gesellschaftliche Hauptwiderspruch im Reich der Mitte verändert. „Der Sozialismus chinesischer Prägung ist in ein neues Zeitalter eingetreten und der gesellschaft­liche Hauptwiderspruch in unserem Land hat sich gewandelt in den Widerspruch zwischen den ständig wachsenden Bedürfnissen der Bevölkerung nach einem schönen Leben und der unausgewogenen und unzureichenden Entwicklung“, heißt es darin im Wortlaut.   

  

Zhao Ping, Chefin der Abteilung zur Erforschung des internationalen Handels des China Council for the Promotion of International Trade, erklärt im Interview: „Die Niveauhebung der Konsumption zeigt sich zum Beispiel darin, dass die Verbraucher heute ein höheres Markenbewusstsein an den Tag legen und höhere Ansprüche an Qualität und Design der Waren stellen.“ Die aktive Erweiterung des Imports gewähre mehr vorzüglichen ausländischen Konsumgütern den Marktzugang in China und senke die Preise der Einfuhren. „Dadurch wird die Niveauhebung der chinesischen Konsumgüter gefördert und chinesischen Verbrauchern mehr Nutzen gebracht“, so die Expertin.  

  

Wirksame Umsetzung der Politik der Importerweiterung 

  

Japan besitzt eine Landfläche von nur 378.000 Quadratkilometern und hat bekanntlich einen großen Mangel an Ressourcen wie zum Beispiel Erdöl und auch Agrarprodukten. Gestützt auch auf Importe hat sich der Inselstaat dennoch zur drittgrößten Volkswirtschaft der Welt gemausert. Und auch die USA haben, ebenfalls gestützt auf Importe, arbeitsintensive Industriezweige ins Ausland ausgelagert und konzentrieren sich heute auf die Entwicklung kapital- und technikintensiver Wirtschaftsbranchen, wodurch es ihnen gelungen ist, die globale Führungsposition im Bereich Neu- und Hochtechnologien fest in der Hand zu halten.  

  

Zhang Li, Direktorin des Instituts für E-Commerce-Forschung der Forschungsakademie des chinesischen Handelsministeriums, sagte in einem Interview, dass sich die mächtigen Länder in ihrem Entwicklungsprozess sehr gut darauf verstünden, Importe als Fördermaßnahmen zu nutzen. „Wenn die Wirtschaft eines Landes ein bestimmtes Niveau erreicht hat, kann sie durch Importe die globale Ressourcenallokation optimieren. Das kommt der Niveauhebung und Strukturjustierung der Industrien des eigenen Landes zugute“, so Zhang. China schicke sich gerade an, zu einem großen und starken Land zu avancieren. Dafür spiele die gute Nutzung der Importe eine Schlüsselrolle, denn diese erhöhten das umfassende Niveau der chinesischen Wirtschaft, so die Volkswirtschaftlerin.   

  

Leng Youbin, Vorstandsvorsitzender des chinesischen Milchpulvergiganten Feihe, ist der Auffassung, dass bei der Erweiterung des Imports vor allem die Produktstruktur entscheidend sei. „Durch strukturelle Regulierung wird die Reform der Angebotsseite vorangebracht mit der Folge, dass die neuen Bedürfnisse der Verbraucher befriedigt werden können und sich die Konkurrenzfähigkeit der chinesischen Industrie erhöht“, so der Topmanager.  

  

In den „Ansichten über die Importerweiterung und Förderung der ausgewogenen Entwicklung des Außenhandels“ des Staatsrates heißt es, dass die Volksrepublik vor allem vier Kategorien von Importen fördern werde: 

  

Erstens wird der Import von Produkten unterstützt, die sich auf die Lebenshaltung der Bevölkerung beziehen. Konkret gemeint sind hier Alltagsbedarfsartikel, Arzneimittel und Geräte zur Rehabilitation und Pflege von Senioren. Zweitens wird der produktionsnahe Dienstleistungshandel aktiv gefördert. Dabei geht es um architektonische Entwürfe, Handelslogistik, Beratungsdienstleistungen, Forschung und Entwicklung sowie Lösungskonzepte für Energieeinsparung und Umweltschutz. Drittens wird der Import technischer Anlagen für die wirtschaftliche Transformation und Entwicklung ausgebaut und es sollen insbesondere für diese Zwecke dringend benötigte Technologien, Anlagen und Ersatzteile zunehmend eingeführt werden. Viertens wird der Import von Agrarprodukten und ressourcenintensiven Produkten erweitert. Dabei geht es u. a. um nur knapp vorhandene Produkte, aber auch landwirtschaftliche Produktionsmittel und Agrargeräte, die die Konkurrenzfähigkeit der chinesischen Landwirtschaft erhöhen. 

  

Liang Ming, Direktor des Forschungsinstituts für Außenhandel der Forschungsakademie des Handelministeriums, sagt, die Erweiterung des Imports ziele vor allem darauf ab, die Bedürfnisse, die im Zuge der Transformation der chinesischen Industrie sowie durch die Niveauhebung der Konsumption entstünden, zu befriedigen. Nach der Festlegung dieser Bedürfnisse sollten in den entsprechenden einzelnen Kettengliedern systematische Maßnahmen ergriffen werden, um die Importe tatsächlich zu einer wichtigen Triebkraft für die chinesische Wirtschaftsentwicklung zu entwickeln.  

  

Nachdem Antworten auf die Frage, was konkret importiert werden soll, gefunden wurden, gilt es, sich auch mit guten Lösungskonzepten für die Frage der Art und Weise des Imports und Möglichkeiten für dessen Erleichterung zu beschäftigen. Hierfür bildet Chinas Internationale Importmesse eine gute Ergänzung zu den bestehenden Hauptkanälen der Wareneinfuhr. Diese Hauptkanäle sind bisher Unternehmen mit auswärtigen Investitionen, chinesische Investitionen im Ausland, grenzüberschreitender E-Commerce sowie staatliche Pilotzonen für den Handel mit Einfuhrgütern. Zudem sollten die Zollabfertigung optimiert und die institutionsbezogenen Transaktionskosten gesenkt werden. Insgesamt gilt es, das Umfeld für betriebswirtschaftliche Tätigkeiten beschleunigt zu verbessern und auf den betreffenden Kanälen mehr „grünes Licht“ für Importwaren zu geben.  

  

*Autor Wu Li ist Journalist der chinesischsprachigen Zeitung „International Business Daily“.  

 

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