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„Chinesisch hat meinen Horizont erweitert“ – Ein junger Amerikaner und seine Leidenschaft für China

2019-01-30 11:02:00 Source: Author:
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Von Ma Li

 

„Chinesisch hat meinen Horizont erweitert“, sagt John Klump. Der 23-Jährige stammt aus den USA, genauer gesagt aus North Carolina, und spricht fließend Chinesisch. „Nun ist meine Perspektive nicht mehr auf das beschränkt, was in meiner Heimat passiert. Seit ich angefangen habe, Chinesisch zu lernen, blicke ich viel stärker darauf, was in der Welt passiert“, sagt er.

 

Klump sicherte sich im vergangenen Jahr den Titel des US-Meisters im internationalen Sprachwettbewerb „Chinese Bridge“. Nachdem er drei Jahre lang am Konfuzius-Institut der University of South Florida Chinesisch gelernt hatte, bewarb er sich für ein Studienstipendium der chinesischen Regierung und erhielt es. Seit August 2018 ist er nun in Beijing, um hier als Postgraduierter an der University of International Business and Economics zu studieren. „Ich habe mich schon sehr früh begonnen, mich für China und seine Kultur zu interessieren, besonders für chinesische Geschichte“, sagt der 23-Jährige. „Der Wechsel der chinesischen Dynastien war immer unvorhersehbar. Wenn ich Bücher über die historischen Entwicklungen im alten China lese, habe ich stets das Gefühl, einen spannenden Roman in den Händen zu halten.“

 

Klump träumte davon, in China zu studieren. „Für mich ist das nicht nur eine Gelegenheit, meinen Traum vom Erlernen der chinesischen Sprache zu erfüllen, sondern die Beschäftigung mit China bietet mir auch berufliche Perspektiven“, sagt er. Die Sommer- und Winterferien während seines Studienaufenthalts in China möchte er nutzen, um möglichst viele Landesteile zu bereisen und Land und Leute noch besser kennen zu lernen.

 


„Zhongguotong“: Der 23-jährige US-Amerikaner John Klump spricht fließend Chinesisch und ist ein echter Chinakenner.

 

Von China angezogen

 

Ursprünglich stammt Klump aus einer Kleinstadt im US-Bundesstaat North Carolina. Hier kam er 1995 zur Welt. „In meiner Heimat lernten damals nur wenige Menschen Fremdsprachen“, erzählt er. „Alle waren irgendwie zufrieden mit dem, was sie hatten, und sahen keinen Grund, über den Tellerrand zu blicken.“ Vor seinem zehnten Lebensjahr hatte auch Klump weder von China noch von der chinesischen Sprache gehört. „Zu dieser Zeit wusste ich wirklich nicht, dass es auf der anderen Seite des Pazifischen Ozeans ein Land namens China gibt“, erinnert er sich und lacht.

 

Nach dem Eintritt in die Middle School waren ihm immerhin Kung-Fu, der große Panda und das chinesische Frühlingsfest ein Begriff. „Ich hatte damals zufällig einen Film mit Bruce Lee in der Hauptrolle gesehen und war begeistert“, sagt er. Erst später erfuhr er, dass die kraftvollen Bewegungen des Actionstars ihre Wurzeln in den chinesischen Kampfkünsten fanden. „Von dieser Zeit an begann ich, ein ausgeprägtes Interesse an allem zu entwickeln, was mit China zu tun hatte. Allmählich wuchs mein Fernweh zu diesem sagenumwobenen Land.“

 

Der Entschluss, Chinesisch zu lernen und sogar zum Studium nach China zu gehen, fiel letztlich auf einer traditionellen Frühlingsfestfeier, die vom Konfuzius-Institut an der University of South Florida veranstaltet wurde. „Anders als die viele Amerikaner heute an Weihnachten legen die Chinesen bei ihren Frühlingsfestfeierlichkeiten noch immer großen Wert auf den Erhalt alter Traditionen und Rituale. Hier zeigen sich doch beträchtliche kulturelle Unterschiede“, sagt Klump. „Diese Andersartigkeit hat mich sehr fasziniert und mein Interesse für China nur weiter geschürt.“ Die Neugier wuchs und wuchs und trieb Klump dazu, sich noch für verschiedene weitere Veranstaltungen des Konfuzius-Instituts anzumelden. In seiner Freizeit sog er außerdem über das Internet jede Informationen auf, die er dort über das Reich der Mitte auftun konnte.

 

In seinem zweiten Jahr an der High School begann Klump dann, selbst Chinesisch zu lernen. „Mein Chinesischlehrer war waschechter Amerikaner, in den USA geboren und auch dort aufgewachsen“, erzählt er. „Als er damals in den 1990er Jahren begann, Chinesisch zu lernen, erklärten ihn viele Freunde für verrückt. Als er ihnen dann noch eröffnete, dass er nach China reisen wolle, konnten sie das kaum glauben.“ Die Erfahrungen seines Lehrers spiegelten das damals mangelnde Interesse der Amerikaner an Chinesisch, ja sogar eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber dieser exotischen Sprache wider. Heute sehe das ganz anders aus, sagt Klump. „Mittlerweile gibt es in den USA ein großes Interesse an Mandarin“, sagt er.

 

„Irgendwie scheint die chinesische Sprache eine magische Anziehungskraft zu besitzen“, findet der 23-Jährige. „Auch einige meiner Freunde haben sich nun entschlossen, Chinesisch zu lernen. Heute gibt es nicht nur an amerikanischen Hochschulen und Universitäten, sondern auch an vielen Grund- und Mittelschulen Chinesischkurse, ein Phänomen, das erst in den letzten zehn Jahren aufgetreten ist“, sagt Klump. Viele amerikanische Eltern rieten ihrem Nachwuchs, Chinesisch zu lernen, weil die Sprache gute Berufs- und Zukunftsperspektiven verspreche.

 

 

Als Anerkennung für seine hervorragenden Leistungen beim „Chinese Bridge“-Wettbewerb erhielt Klump ein Stipendium der chinesischen Regierung für ein Sprachstudium in Beijing, womit für ihn ein großer Traum in Erfüllung ging.

 

 

Sieger bei der „Chinesischolympiade“

 

Klump bewies Talent, was das Sprachstudium anging. Manche mögen den Lernprozess für langweilig halten, Klump hingegen entwickelte seine ganz eigenen Lernmethoden und war mit Spaß und Ehrgeiz bei der Sache.

 

„Die Grundlage für das Chinesischlernen ist die Lautumschrift Pinyin. Um die Aussprache zu meistern, muss man die Artikulation der vier Töne einüben. Im Chinesischen gibt es nämlich einen hohen, einen steigenden, einen fallend-steigenden und einen fallenden Ton, und die gilt es auseinanderzuhalten“, erklärt Klump. Während seines Studiums in den USA habe er an verschiedenen Kursen des Konfuzius-Instituts teilgenommen, wodurch sich seine chinesischen Ausdrucksfähigkeiten stark verbessert hätten.

 

Am 22. April 2018 fand an der University of Texas in Dallas eine Auswahlrunde des „Chinese-Bridge“-Wettbewerbs statt. Hier trumpfte Klump auf und kehrte letztlich mit der Goldmedaille für die Region Südamerika im Gepäck zurück nach Hause.

 

Als internationaler Wettbewerb, der von der Zentrale der Konfuzius-Institute und dem Hanban (State Office of Teaching Chinese as a Foreign Language) organisiert wird, hat sich der „Chinese-Bridge“-Contest innerhalb von rund zehn Jahren zu einer wichtigen Marke im internationalen Kulturaustausch gemausert. Der Wettstreit, bei dem Lerner aus aller Welt ihre Chinesischfähigkeiten messen, gilt als „Olympiade“ der chinesischen Sprache.

 

Von Juli bis August 2018 kamen die Sieger der nationalen Auswahlrunden in der Stadt Changsha, Hauptstadt der zentralchinesischen Provinz Hunan, zusammen, um an den Endrunden sowie dem Halbfinale und Finale des Wettbewerbs teilzunehmen. Auch Klump war dabei, gemeinsam mit 152 anderen Studenten aus 141 Ländern und Regionen. In einem spannenden sprachlichen Kräftemessen setzte er sich schließlich gegen die große Konkurrenz durch und sicherte sich den Titel für den amerikanischen Kontinent, womit er sich gleichzeitig für das große TV-Finale qualifizierte.

 

„Das Finalfeld war wirklich stark besetzt und ich musste mich schließlich meinen Mitstreitern geschlagen geben. Aber für mich haben sich die Wochen in Changsha trotzdem mehr als gelohnt. Ich konnte meine Sprachfähigkeiten noch einmal erheblich verbessern und habe auch viele Freunde gefunden“, sagt Klump.

 

Der 23-jährige Amerikaner eroberte durch seinen Charme und Humor die Herzen des Publikums und erhielt am Ende ein Regierungsstipendium für ein Sprachstudium in Beijing. „Ich hätte nie gedacht, dass der Wettbewerb für mich zum Sprungbrett würde, meinen Traum vom Sprachstudium in China zu verwirklichen. Überrascht war ich auch, dass ich durch die Teilnahme eine echte Fangemeinde in China gewonnen habe. Sie spornen mich an, mein Chinesisch weiter zu verbessern“, sagt er.

 

 

 

John Klump war einer der Finalisten in der Endrunde des 17. „Chinese Bridge“-Wettbewerbs, die 2018

 in der Stadt Changsha, Hauptstadt der zentralchinesischen Provinz Hunan, stattfand.

 

 

Botschafter des Kulturaustausches

 

Während der Wettbewerbsphase in Changsha wurden aber nicht nur Vokabeln gebüffelt. Die Teilnehmer bekamen auch die Gelegenheit, sich andernorts in China umzusehen. Sie besuchten unter anderem so unterschiedliche Orte wie das Qingdao Sea Rice Center, das Landschaftsgebiet Wulingyuan bei Zhangjiajie, die Firma iFlytek und die Ökozone des Dongting-Sees und erfuhren so mehr über das Land und bekamen Gelegenheit, sich mit den Einheimischen auszutauschen.

 

„Diese Erfahrungen und Interaktionen haben uns einen kleinen Einblick gegeben in die großen Veränderungen, die sich in China derzeit durch moderne Wissenschaft und Technologie sowie den ökologischen Fortschritt vollziehen“, sagt Klump. China sei es als altem Agrarstaat mit langer landwirtschaftlicher Tradition in nur wenigen Jahrzehnten gelungen, große Veränderungen zu vollziehen. „Das Land hat sowohl materiellen als auch geistigen Reichtum erreicht“, sagt Klump. Der spannende Wandel habe ihn in seinen Traum, für das Studium nach China zu kommen, nur weiter bestärkt.

 

Nach dem „Chinese-Bridge“-Finale kehrte Klump zunächst in seine Heimatstadt zurück. „Eines Tages ging ich dort mit meiner Freundin ins Kino und stellte mit großer Überraschung fest, dass die jungen Leute neben uns sich auf Chinesisch über den Film unterhielten. Ich lächelte ihnen vielsagend zu. Selbst in eine US-Kleinstadt wie meinen Heimatort reichen die Einflüsse des Chinesischen heute also, das ist schon unglaublich“, sagt der 23-Jährige. Er freue sich über diese Veränderungen und glaube, dass Chinesisch nicht nur sein Leben beeinflusst hat, sondern auch insgesamt immer größeren Einfluss auf die Generation junger Amerikaner ausübt.

 

Während seines Aufenthaltes in der Heimat besuchte Klump auch seinen ersten Chinesischlehrer. „Ich erzählte ihm von meinem guten Abschneiden beim ,Chinese Bridge‘-Wettbewerb und meinem Stipendium. Er war begeistert“, sagt Klump. „Er hat schon vor über 20 Jahren vorausgesagt, dass Chinesisch für viele Amerikaner einmal die zweite Fremdsprache sein wird. Und er hat immer an den besonderen Charme der reichen chinesischen Kultur geglaubt, der eine große Anziehungskraft auf viele Menschen auf der ganzen Welt ausübt.“

 

Das Studium an der University of International Business and Economics in Beijing sei für Klump der erste Schritt zur Verwirklichung seines Lebenstraums, sagt er. „Ich hoffe, dass ich nach meinem Abschluss entweder in China bleiben oder in einem chinesischen Unternehmen in den USA arbeiten kann, damit ich zum kulturellen Austausch zwischen China und den USA beitragen kann“, sagt er. „Ich werde mich darum bemühen, zu einem Botschafter des Kulturaustausches zwischen beiden Ländern zu werden.“ Und er fügt hinzu: „Ein altes chinesisches Sprichwort besagt, dass Tausend Meilen aus einzelnen Schritten bestehen. Es ist sicher ein langer Weg, mein Ziel zu erreichen, doch ich bin bereit, hart für die Verwirklichung meines Traums zu arbeiten.“ Die ersten Schritte auf diesem Weg hat Klump schließlich schon erfolgreich gemacht.

 

 

 

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