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Hanban-Stipendium: Zum Chinesischstudium von Paris nach Chengdu

2019-01-31 10:42:00 Source:China heute Author:
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 Von Manon Denis (Frankreich)




Die 21-jährige Französin Manon Denis absolviert ein Auslandsstudium an der Sichuan University in Chengdu.

 

 


Ich heiße Manon Denis, bin 21 Jahre alt und komme aus Frankreich. In meiner Heimat lebe ich in einer Großfamilie: da gibt es meine Eltern, meine ältere Zwillingsschwester sowie zwei weitere ältere Schwestern, die aber schon auf eigenen Beinen stehen. Zurzeit aber bin ich nicht in Frankreich, sondern studiere an der Universität Sichuan in der südwestlichen Metropole Chengdu Chinesisch.

 

Wie Liebe auf den ersten Blick

 

Erstmals in China war ich im Jahr 2014, als ich in Frankreich noch die Oberschule besuchte. Ich reiste damals mit einer Schülergruppe in die Volksrepublik, die Tour war von unseren Lehrern organisiert worden. Wir steuerten berühmte Städte wie Shanghai, Suzhou und Beijing an. Bereits am ersten Tag meiner Chinareise verliebte ich mich in Land und Leute sowie die fremde Kultur. Insbesondere die chinesische Küche und die freundlichen Menschen hatten es mir angetan. Obwohl die Reise nur zehn Tage dauerte, hatte ich nach meiner Rückkehr immer wieder Fernweh nach China. Ich spürte einfach eine stark Verbindung zu diesem Land und seiner für mich so fremden Kultur und dem neuen Leben, von dem ich bei meiner Reise einen ersten Eindruck bekommen hatte.

 

Während meiner Gymnasialzeit verstand ich, ehrlich gesagt, die chinesische Kultur nicht wirklich, fühlte mich aber immer noch magisch in ihren Bann gezogen. Nach dem Baccalauréat begann ich, an der Universität Paris X Sinologie zu studieren. Die Studienordnung sah vor, dass wir vor unserem Abschluss ein Auslandspraktikum absolvieren mussten. Ohne zu zögern, habe ich mich für ein Praktikum in China entschieden.

 

Dafür packte ich im September 2017 meine Koffer und brach zum zweiten Mal ins Reich der Mitte auf, diesmal direkt in die chinesische Hauptstadt. Beijing ist die Stadt in China, die mir am besten gefällt, auch weil es hier zahlreiche historische Kulturstätten gibt, zum Beispiel die Verbotene Stadt oder den berühmten Sommerpalast. Darüber hinaus hat die Metropole auch kulinarisch einiges zu bieten. Pekingente ist mittlerweile eines meiner Leibgerichte. Auch liegt mir das nordchinesische Klima, besonders der Winter. Dann nämlich herrscht eine trockene Kälte, regnen oder schneien tut es kaum. Dafür sieht man fast jeden Tag blauen Himmel. Zwar rutscht das Quecksilber im Thermometer auch schon weit in den Minusbereich, aber ich komme sehr gut klar mit dieser trockenen Kälte.

 

Nach dem Ende meines Praktikums kehrte ich im Januar 2018 erst einmal wieder nach Frankreich zurück. Meinen Traum, noch stärker in die chinesische Kultur einzutauchen, nahm ich mit zurück in die Heimat. Ich meldete mich für einen Sprachkurs am Konfuzius-Institut an. Und das Institut half mir schließlich, meinen Traum in Erfüllung gehen zu lassen: man gab mir ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in China. Im September 2018 schrieb ich mich daraufhin an der Universität Sichuan ein. Hier widme ich mich seither voll und ganz meinem Sprachstudium. 

 

Das Studentenleben in Chengdu

 

Hier in Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, bin ich in einem Wohnheim für ausländische Studenten untergebracht und führe ein ziemlich komfortables Leben. Meine Mitbewohnerin kommt aus Russland und wir diskutieren oft über die kulturellen Unterschiede unserer Heimatländer. Solche Diskussionen enden oft in lautem Gelächter. Am Wochenende schauen wir uns gerne zusammen die chinesische Fernsehserie „Meteor Garden“ (流星花园 liúxīng huāyuán) an.




 Stadt mit historischem Flair: Das Jinmen-Tor in Sanhechang in der Stadt Chengdu

war einst der Ausgangspunkt der südlichen Route der antiken Seidenstraße.

 

Mein Chinesisch-Stundenplan ist gut gefüllt, wobei vor allem die vier Grundfertigkeiten Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben trainiert werden. Unsere Lehrer sind alle Chinesen. Sie passen den Stoff gut dem Sprachniveau der ausländischen Studenten an. Manches ist schwieriger, anderes leichter. Wir lernen jedenfalls jeden Tag etwas Neues und haben oft Prüfungen zu bestehen. Ich merke richtig, wie mein Chinesisch von Tag zu Tag besser wird, was mir ein starkes Erfolgsgefühl gibt. Wir alle freuen uns sehr über unsere großen Fortschritte.

 

Besonders mag ich, dass mir das Studium auch die Chance gibt, Freundschaften mit Studenten aus vielen anderen Nationen zu schließen. Meine Kommilitonen kommen aus so unterschiedlichen Ländern wie Nepal, Großbritannien, den USA, Australien, Italien und Deutschland. So komme ich jeden Tag mit fremden Kulturen in Berührung. Unsere nepalesischen Studienkollegen beispielsweise kochen sehr gerne, sodass wir lokale Köstlichkeiten kosten können. Auch das ist schließlich ein Stück Erfahrung in Sachen interkultureller Kommunikation. Natürlich habe ich auch viele chinesische Freunde, die sehr nett sind, insbesondere zu uns ausländischen Studenten. Sie helfen mir, mein Chinesisch weiter zu verbessern.

 

Kulturelle Unterschiede zwischen China und Frankreich

 

Zwischen China und Frankreich gibt es zweifelsohne viele Unterschiede. Wir in Frankreich essen beispielsweise selten scharf. Bereits in der ersten Woche meines Studienaufenthalts habe ich hier den berühmten Sichuaner Feuertopf probiert. Das war am Anfang schon stark gewöhnungsbedürftig. Meine chinesischen Freunde versuchten, mich mit einem chinesischen Sprichwort aufzumuntern: „Aller Anfang ist schwer, später geht dagegen mehr.“ Sie sollten Recht behalten. Nach und nach habe ich wirklich Geschmack gefunden an der scharfen Sichuaner Küche.

 

Ein anderer Unterschied zu meiner Heimat ist der günstige öffentliche Nahverkehr. In vielen französischen Städten ist der ÖPNV längst nicht so gut ausgebaut wie hier, was die Beweglichkeit im Alltag deutlich einschränkt. Auch gibt es in Frankreich oft Verspätungen. Hier in Chengdu hingegen fahren unzählige Omnibuslinien, die pünktlich und flüssig durch den Verkehr rollen. Zum Unterricht und auch zu meinem kleinen Nebenjob fahre ich deshalb stets mit dem Bus. Der gut organisierte öffentliche Nahverkehr hat bei mir wirklich einen guten Eindruck hinterlassen.



 

Neue Lernmethoden: Studenten erproben am 3. Dezember 2018 innovative technikbasierte Lernmethoden während einer Chinesischstunde im Rahmen des Chinese Bridge Contest in Chengdu.

 


Was mich in China am meisten beeindruckt, ist die Begeisterung der Chinesen für Onlineshopping. Auch ich liebe es, Kleidung und Romane über das elektronische Einkaufsportal Taobao zu ordern. In Frankreich wären diese Sachen sehr teuer. Hier in China macht der E-Commerce die Produkte preiswert und den Einkauf kinderleicht.

 

Das gilt im Übrigen auch für andere Alltagsbereiche wie das Essen. Meist verköstige ich mich in der Mensa oder in kleineren Restaurants. Falls ich abends aber mal keine Lust habe, vor die Tür zu gehen, sei es zum Beispiel, weil das Wetter nicht mitspielt, kann ich mir einfach per Handy-App Essen ins Wohnheim bestellen. Die Gerichte werden im Handumdrehen von jungen Expressboten per E-Bike geliefert und kosten oft sogar weniger als im Restaurant. Solche Dienstleistungen gibt es in Frankreich nicht.

 

Auch Chengdu ist im Übrigen eine Stadt mit ganz besonderem kulturellen Flair. Hier gibt es viele historische Sehenswürdigkeiten wie den buddhistischen Wenshu-Tempel oder den Tempel der großen Barmherzigkeit. Ich besichtige gerne solche Kulturstätten und entdecke dabei immer wieder etwas Neues und Interessantes, was mir dabei hilft, noch tiefer in die chinesische Kultur einzutauchen. Mein Leben hier ist also ganz anders als in Frankreich. Und nicht zu vergessen sind natürlich die vielen Imbissstände der Stadt, die den Passanten schon beim Vorbeigehen den Mund wässrig machen. Ein derart vielfältiges Angebot ist in Frankreich einfach nicht denkbar.

 

Ein weiterer Pluspunkt, den man erwähnen sollte, ist das Schienennetz hier im Reich der Mitte. Das Verkehrswesen in China ist mittlerweile hoch entwickelt. Bahnfahren ist hier preiswert und angenehm. Deshalb reise ich oft mit meinen ausländischen Freunden in andere Landesteile. Alte kaiserliche Hauptstädte wie Luoyang oder Xi’an sind faszinierende Reiseziele. Ihre lange Geschichte und kulturelle Tradition begeistern mich. Es gibt wirklich viel zu viele schöne Städte in China, die einen Besuch wert sind. Ich schätze mich von daher sehr glücklich, hier in China studieren zu können. Ich möchte die Chance nutzen und noch möglichst viele Landesteile bereisen, um das Land so gut wie möglich kennen zu lernen.

 

Zukunftsmusik

 

Meine Eltern verstehen ehrlich gesagt nicht so wirklich, warum ich zum Studium ausgerechnet nach China gegangen bin. Wie die meisten Franzosen verstehen sie China kaum. Hinzu kommt, dass meine Eltern noch nie in einem asiatischen Land waren. Trotzdem haben sie mich dabei unterstützt, mir meinen Traum zu erfüllen. Mein Vater plant, mich noch in diesem Jahr zu besuchen. Ich werde ihm Chengdu zeigen und habe auch vor, mit ihm gemeinsam noch andere Landesteile zu bereisen, damit er sich ein besseres Bild machen kann.

 

Was mein späteres Berufsleben angeht, habe ich momentan noch keine konkreten Pläne, aber mein Job sollte Bezug auf China nehmen. Franzosen und Chinesen ist die Vorliebe fürs Kulinarische gemein. Ich selbst habe ein Händchen für Kuchen und Backwaren. Ich habe mir sagen lassen, dass auch die Chinesen gerne französisches Brot essen. Allerdings habe ich hier in Chengdu nicht viele französische Bäckereien gesehen. Es ist also durchaus möglich, dass ich eines Tages eine kleine Boulangerie hier in Chengdu eröffne.

 

 


 

 
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