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Infrastrukturaufbau entlang der Seidenstraße: Qualität und Nachhaltigkeit stehen im Vordergrund

2019-07-25 15:59:00 Source: Author:
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Von An Xinzhu

 

Seit China die Umsetzung der Seidenstraßeninitiative angestoßen hat, ist die Motivation chinesischer Unternehmen, sich aktiv an der internationalen Zusammenarbeit im Bereich des Infrastruktur- und Wirtschaftsaufbaus der Teilnehmerländer zu beteiligen, deutlich gestiegen. Schon heute beläuft sich der Gesamtwert der Bauaufträge chinesischer Firmen im Ausland auf 2,3 Billionen US-Dollar. Der Umsatz der abgeschlossenen Geschäfte liegt bei 1,6 Billionen US-Dollar.

 

Dabei leisten die chinesischen Firmen auch einen großen Beitrag zur Belebung lokaler Arbeitsmärkte. Am 30. Mai 2019 gab Chinas Vize-Handelsminister Wang Bingnan in seiner Rede auf dem „10. Internationalen Forum über Infrastrukturinvestitionen und infrastrukturellen Aufbau“ bekannt, dass die im Ausland aktiven chinesischen Baufirmen in den letzten zehn Jahren jährlich rund 700.000 Arbeitsplätze für Einheimische geschaffen hätten. Darüber hinaus hätten Chinas Finanzinstitutionen mehr als 300 Milliarden US-Dollar für die internationale Zusammenarbeit im Bereich des Infrastrukturaufbaus zur Verfügung gestellt.

 

Bei diesem internationalen Forum, zu dem mehr als 2000 Teilnehmer aus 72 Ländern und Regionen der Welt angereist waren, stand die qualitativ hochwertige und nachhaltige Entwicklung der globalen Infrastruktur als eines der Hauptthemen im Vordergrund.

 

 

Beamte, Geschäftsleute und Wissenschaftler aus mehr als 70 Ländern und Regionen nahmen am 10. Internationalen

 Forum für Infrastrukturinvestitionen und infrastrukturellen Aufbau teil.

 

 

Preis darf nicht alleinigen Ausschlag geben  

 

In ihrer Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung legten die Vereinten Nationen den Aufbau einer qualitativ hochwertigen Infrastruktur als eines der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung fest, was die große Bedeutung spiegelt, welche die internationale Gemeinschaft diesem Thema beimisst.

 

Chinas Staatspräsident Xi Jinping erläuterte in seiner Eröffnungsrede beim 2. Gipfelforum für internationale Zusammenarbeit im Rahmen der Seidenstraßeninitiative, das vom 25. bis 27. April 2019 in Beijing stattfand, die Ziele und Maßnahmen des gemeinsamen Aufbaus der Initiative. Dabei betonte er die Bedeutung hochwertiger, nachhaltiger, risikobeständiger, erschwinglicher, integrativer und gut zugänglicher Infrastrukturanlagen für die Entwicklung eines Landes.

 

Liew Mun Leong, Vorsitzender der Changi Airport Group in Singapur, macht die Dumpingpreise mancher Firmen für die Mängel einiger Infrastrukturprojekte verantwortlich. „Mit knappen Budgets bleibt dem Auftragnehmer nichts anderes übrig, als minderwertige Materialien zu verwenden und zu pfuschen“, sagt er. „Daher sollte bei der Auswahl der ausführenden Baufirma der Preis nie das alleinige Entscheidungskriterium darstellen“, warnt er. Aber natürlich sei es auch richtig, dass hohe Qualität nicht immer zwangsläufig mit hohen Kosten verbunden sein müsse, so der Top-Manager.

 

Auch Zhu Xian, Vizepräsident und operativer Geschäftsführer der chinesischen New Development Bank, gibt zu bedenken, dass der Anbieter mit dem preisgünstigsten Angebot möglicherweise nicht für die beste Qualität bürgt oder die größten Renditen liefert. Er rät von daher, zu einer systematischen Kostenanalyse mit Blick auf den Gesamtlebenszyklus eines Infrastrukturprojektes, wobei auch die Kosten für Wartung und Betrieb berücksichtigt werden sollten.

 

Chen Qihua, Vizepräsident des US-amerikanischen Schwermaschinenherstellers Caterpillar, ist der Ansicht, dass ein qualitativ hochwertiges Projekt nicht nur für einen kurzen Zeitraum, sondern auch für den gesamten Lebenszyklus nachhaltig sein müsse. „Um Nachhaltigkeit zu gewährleisten, sollten schon bei der Planung und Durchführung großer Infrastrukturprojekte die Erhöhung von Standards, die Förderung der internationalen Zusammenarbeit sowie die Praktizierung eines umweltfreundlichen Konzepts miteinbezogen werden“, sagt er.

 

Der Deutsche Joachim von Amsberg, Vizepräsident der Asiatischen Infrastrukturinvestmentbank (AIIB), sagt: „In Bezug auf qualitativ hochwertige Investitionen haben wir viele internationale Standards unter anderem für Ausschreibungen und Umweltschutz ausgearbeitet.“ Diese würden von allen Seiten begrüßt. Die lokalen Regierungen seien sich darüber im Klaren, dass die von der AIIB geförderten Projekte den internationalen Standards entsprächen und die Entwicklung der lokalen Wirtschaft förderten. Außerdem bestehe für Auftragnehmer auf diese Weise kein Grund zur Sorge um Ausschreibungsbetrug. „Daher sind internationale Standards auch so wichtig für nachhaltige Investitionen“, so der Deutsche weiter. Bisher hat die AIIB, die derzeit 97 Mitgliedstaaten umfasst, bereits 39 Projekte in 15 Ländern finanziert. „Für uns sind Qualität und Nachhaltigkeit Schlüsselindikatoren bei der Bewertung von Projekten“, sagt Amsberg.

 

Von der freien zur feinen Pinselführung

 

Fünf Jahre nach dem Startschuss für die Seidenstraßeninitiative, also im Jahr 2018, erklärte Chinas Staatspräsident Xi Jinping: „In den vergangenen Jahren haben wir die Gesamtplanung für die Seidenstraßeninitiative abgeschlossen und ein großartiges Werk mit abstrakter Pinselführung gemalt. In den kommenden Jahren wollen wir nun den Fokus auf Schlüsselbereiche und Details legen und dieses Werk so durch präzise Pinselführung verfeinern.“ Mit dieser Metapher, die auf zwei sehr unterschiedliche Stile aus der traditionellen chinesischen Malerei anspielt, betonte Xi die Wichtigkeit qualitativ hochwertiger und nachhaltiger Infrastruktur für den Aufbau der Initiative.

 

„Ein qualitativ hochwertiges und nachhaltiges Infrastrukturprojekt muss eigene Vitalität besitzen und für gewisse Werte stehen, sowohl in Bezug auf Wirtschaft, Ökologie und Gesellschaft als auch bezüglich der Governance“, sagt Du Chunguo, Generalmanager von PowerChina Resources Limited. Als Beispiel nannte er das Kohlekraftwerk Qasim in Pakistan, das mit Unterstützung seines Unternehmens realisiert wurde. Die Anlage decke heute ein Zehntel des Strombedarfs des Landes. Trotz 14 Netzeinbrüchen im vergangenen Jahr habe sie den Betrieb reibungslos aufrechterhalten können. „Das ist vor allem der hohen Qualität unserer Anlage zu verdanken“, ist Du überzeugt. Darüber hinaus habe die kostengünstige Stromerzeugung dem Gastland hohe wirtschaftliche Gewinne gebracht. „Bis April 2019 hat unser Kohlekraftwerk Pakistan Steuergelder in Höhe von 240 Millionen US-Dollar in die Staatskasse gespült“, sagt der chinesische Unternehmer.

 

Laut Du habe sein Unternehmen zudem 125 Morgen Mangrovenwald rund um das Kraftwerk gepflanzt, um die umliegenden terrestrischen und küstennahen Ökosysteme zu schützen. „Die Schwefel- und Stickoxidemissionen liegen bei uns weit unter dem von der Weltbank für Kohlekraftwerke vorgeschriebenen Niveau. Darüber hinaus haben wir das Meereswasser entsalzt, um den Verbrauch von Frischwasser möglichst zu reduzieren“, so Du weiter. „Außerdem haben wir mehr als 4000 unmittelbare Arbeitsplätze sowie indirekte Arbeitsmöglichkeiten für fast 10.000 Menschen geschaffen, womit wir einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag geleistet haben.“

 

Auch Julian Vella, Regionaldirektor für Infrastrukturaufbau im Asien-Pazifik-Raum, ist der Ansicht, dass ein nachhaltiges Infrastrukturprojekt während seines gesamten Lebenszyklus ökologisch, wirtschaftlich, betrieblich und gesellschaftlich nachhaltig sein muss. „Es muss seine Funktion lückenlos erfüllen, um den lokalen Wohnvierteln und den Einheimischen echte Vorteile zu bringen“, sagt er.

 

Banji Oyelaran-Oyezinka, Sonderberater und Kabinettschef des Präsidenten  der Afrikanischen Entwicklungsbank, betont die Wichtigkeit, Infrastrukturprojekte auf höchstem Niveau zu planen, um deren Qualität und Nachhaltigkeit sicherzustellen. Seiner Ansicht nach sollte Afrika seine Konnektivität mit dem Rest der Welt sowie zwischen den einzelnen Ländern des Kontinents weiter verbessern, um die regionale Handelszirkulation zu erleichtern.

 

Diese Ansicht teilt auch Shi Jiyang, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Präsident des China-Africa Development Fund (CADF). Ein Schlüsselfaktor, der die Entwicklung der Fertigungsindustrie in Nord- und Südafrika behindere, ist für ihn die mangelnde Stromversorgung. „Infrastrukturelle Anbindung bildet die wichtigste Voraussetzung für die chinesisch-afrikanische Zusammenarbeit im Rahmen der Seidenstraßeninitiative“, sagt er. Diese Konnektivität umfasse Häfen, Flughäfen, Luftfahrt, Telekommunikation sowie eine Informationsautobahn und ein internationales Zahlungs- und Abrechnungssystem für den Handel zwischen China und Afrika. „Dies sind die Infrastrukturbereiche, die am wichtigsten sind, um den Handel und die Zusammenarbeit zwischen China und Afrika zu erleichtern“, sagt er.

 

Integrierte Entwicklung durch verschiedene Finanzierungsquellen

 

Im „Belt and Road Infrastructure Development Index Report 2019“, den die China International Contractors Association gemeinsam mit der China Export and Credit Insurance Corporation veröffentlicht hat, werden das Entwicklungsumfeld, die Bedürfnisse, die Kosten und die Entwicklung des Infrastruktursektors in 71 Ländern analysiert. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Kosten für die Infrastrukturentwicklung in den Ländern entlang den Seidenstraßenrouten, einschließlich Betriebs- und Finanzierungskosten, ständig steigen.

 

Honson To, Vorsitzender von KPMG Asia Pacific, weist darauf hin, dass es schwierig sei, den Bedarf an Infrastrukturinvestitionen in den Anrainerstaaten der neuen Seidenstraße zu decken, wenn man nur auf Gelder und Ressourcen aus öffentlicher Hand zurückgreife. „Für die beteiligten Länder ist es von daher wichtig, international privates Kapital anzuziehen“, sagt er. „Obwohl China einen großen Beitrag zur Verringerung der weltweiten Investitionslücke in der Infrastruktur geleistet hat, kann es die enorme Nachfrage nach Infrastrukturinvestitionen in diesen Ländern nicht alleine erfüllen.“

 

Umfragen und Studien von KPMG hätten gezeigt, dass internationale Privatinvestoren bereit seien, sich am Bau und Betrieb der infrastrukturellen Einrichtungen in den Anrainerländern der neuen Seidenstraße zu beteiligen. „Chinesische Unternehmen sollten mit diesen internationalen Investoren zusammenarbeiten, um bestehende Finanzierungslücken auszugleichen“, sagt To. Viel wichtiger sei aber noch, dass sie von der Management-Philosophie, der Bautechnologie, den Finanzierungsmodellen und der operativen Erfahrung dieser ausländischen Privatinvestoren lernten, um zukünftige Infrastrukturprojekte noch erfolgreicher durchzuführen.

 

Schon heute beteiligen sich immer mehr private Investoren aktiv am Infrastrukturbau im Rahmen der Seidenstraßeninitiative. Laut der PPI-Datenbank der Weltbank sind die privaten Infrastrukturinvestitionen in den Seidenstraßenländern stark gestiegen. Sie erreichten 2017 62,14 Milliarden US-Dollar, was einen Anstieg um 64,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutete.

 

Laut Tos Ansicht sollten Regierungen, Unternehmen, multinationale Organisationen und professionelle Institutionen zusammenarbeiten, um gemeinsam die institutionellen Kapazitäten zu erhöhen und die Risikokontrollfähigkeit zu verbessern, damit die internationalen Privatinvestoren ein stärkeres Gefühl von Teilhabe, Sicherheit und Zugehörigkeit entwickeln könnten. „Als Ergebnis werden auf diese Weise immer mehr internationale Privatinvestoren ermuntert, sich am Aufbau und Betrieb der Infrastruktur in den Seidenstraßenländern zu beteiligen“, so der Unternehmer.

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