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COVID-19: Chinas Fertigungsindustrie fördert die Erholung der Wirtschaft

2020-06-03 10:39:00 Source:China heute Author:
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Von Zhou Lin

 

„Nach dem Ausbruch der Coronakrise waren wir ständig in engem Kontakt mit unseren vorgelagerten Unternehmen, um diese über die Bedürfnisse der Kunden auf dem Laufenden zu halten“, sagt Zhao Xiaoyang, Generalmanager der Shanghai Yuanxing Supply Chain Company, einem Unternehmen für Vertrieb und Dienstleistungen, das von der Shaanxi Automobile Holdings Group im Jangtse-Delta errichtet wurde. Derzeit sind in dieser Region mehr als 50.000 schwere LKW des Unternehmens im Einsatz.



Eine Werkhalle für die Produktion schwerer LKW von Shaanxi Automobile in der Metropole Xi’an.

 

Shaanxi Automobile hat seinen Hauptsitz in Xi’an, der Hauptstadt der Provinz Shaanxi. Der Betrieb ist ein unternehmerisches Schwergewicht, was die Herstellung schwerer LKW angeht. Auch ist er eines der ersten Unternehmen Chinas, das Fahrzeuge und Fahrzeugeinzelteile ins Ausland exportiert. Mittlerweile betreibt Shaanxi Automobile Fabriken in insgesamt 13 Ländern, seine Produkte werden in mehr als 100 Ländern und Regionen abgesetzt. Am 14. Februar nahm die Firmen nach dem zeitweisen Stillstand angesichts der Corona-Epidemie seine Produktion allmählich wieder auf. Mittlerweile wird wieder in vollem Umfang produziert.

 

Bekanntlich verfügt die Automobilindustrie über eine lange Industriekette sowie ein hohes Maß an Clusterbildung. Treten bei der Lieferung einzelner Teile Probleme auf, wird die gesamte Montagelinie stillgelegt, und in einem solchen Falle stehen Jobs auf der Kippe, Produktion, Liefer- und Verkaufsketten werden in Mitleidenschaft gezogen. So war es auch im Falle der akutellen Coronakrise. 

 

„Zum Glück verfügt unser Unternehmen über eine vollständige Industriekette, von der Produktion über die Lieferung bis zum Verkauf“, sagt Yuan Hongming, Vorstandsvorsitzender der Unternehmensgruppe. „Wir sind damit unabhängig von ausländischen Produkten. Alle Einzelteile unserer Fahrzeuge - vom Motor über alle Schalthebel bis hin zu Achsen, Fahrgestell und Fahrerkabine - stammen aus eigener Produktion. Hinzu kommt, dass wir in verschiedenen Teilen Chinas eigene Vertriebsabteilungen eingerichtet haben“, sagt Yuan. Die vollständige Industriekette habe es dem Unternehmen ermöglicht, die Produktion rasch und mit hoher Effizienz wieder hochzufahren.

 

Nachdem Shaanxi Automobile seine Produktionskapazität für schwere LKW schrittweise wiederherstellen konnte, kurbelte man auch die Produktion der Ersatzteilhersteller wieder an. Darüber hinaus unterstützte die Firma zudem vor- und nachgelagerte Unternehmen der Automobilindustrie, die Fortführung von Schlüsselprojekten sowie die Erholung der Logistik-Branche. Yan Feng, Generalmanager von Shaanxi Huazhen Vehicle, einem Zulieferer von Shaanxi Automobile, sagt im Interview: „Unter den Auswirkungen der Coronakrise mussten wir unsere Produktionskapazitäten im ersten Quartal 2020 stark zurückfahren. Mittlerweile sind wir wieder auf Normalniveau. Die Zahlen im April lagen sogar 18 Prozent über denen des Vorjahresmonats.“ 

 

Gleichzeitig legt Shaanxi Automobile wachsenden Wert auf Innovation und die weitere Verbesserung seiner Technologien. So schickte die Firma bereits einen neu entwickelten rein elektronischen Light Truck ins Rennen. In der zweiten Jahreshälfte soll die Entwicklung von autonomen Fahrzeugen, die über eine neue elektronische Steuerungsplattform gelenkt werden können, abgeschlossen sein.

 

Die Provinz Shaanxi ist nicht nur Heimat einer Gruppe führender Unternehmen der Automobilindustrie, sondern hier wurde auch ein intelligentes, vernetztes, umweltfreundliches und intensives Supercluster der Branche aufgebaut. Der Elektroautohersteller BYD übernahm bereits 2003 die örtliche Firma Xi’an Qinchuan Automobile. Heute ist BYD eines der international führenden Unternehmen in Bezug auf Fahrzeugbau, die Entwicklung neuer Fahrzeugmodelle und neuer Antriebe. BYD Xi’an hat sich zur größten Produktionsbasis des Unternehmens in Nordwestchina gemausert. Am 19. Mai gab BYD offiziell bekannt, dass sein Elektromodell BYD Han EV, das durch hohe Sicherheit, lange Batterielebensdauer und langlebige Blade-Batterietechnologie punktet, zukünftig auch nach Europa exportiert wird.

 

Noch mehr Marktöffnung

 


Zurück zum Normalbetrieb: Am 10. Februar nahm Tesla in seiner Shanghaier Superfabrik die Produktion wieder auf.


Als sich Chinas Automobilindustrie allmählich von der Coronakrise erholte, nahm auch die Tesla Shanghai Super Factory, die im neuen Bereich Linggang der Shanhaier Freihandelszone angesiedelt ist, am 10. Februar ihre Produktion wieder auf.

 

Laut Tao Lin, Vizedirektorin der internationalen Abteilung von Tesla China, gehe die Produktion der Tesla-Superfabrik in Shanghai reibungslos voran. „Wir erwarten, dass wir im Juni unser Produktionsziel von 4000 Modell-3-Fahrzeugen pro Woche erreichen. Die tatsächliche Produktionsmenge wird dann sogar die geplante Kapazität der ersten Phase unserer Fabrik überschreiten “, sagt Tao. „Zudem findet sich die zweite Phase der Fabrik, in der das Modell Y produziert werden soll, gerade im Aufbau.“

 

Trotz der momentanen Flaute auf dem globalen Markt konnte Tesla Gewinne erzielen. Das ist untrennbar mit seinem guten Umsatz verbunden. Im ersten Quartal 2020 produzierte der US-Autobauer rund 103.000 Elektrofahrzeuge und lieferte 88.400 Fahrzeuge an seine Kunden aus - eine Steigerung um 33 Prozent bzw. 40,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es war die beste Produktions- und Verkaufsperformance in Teslas Unternehmensgeschichte, wie es im Finanzbericht der Firma für das erste Quartal 2020 heißt.

 

Tesla ist das erste Unternehmen mit ausschließlich ausländischer Kapitalbeteiligung in China, nachdem die Volksrepublik ihre Beschränkungen für ausländische Investitionsanteile in der Automobilindustrie aufgehoben hatte. 2019 begann Tesla mit dem Bau seiner Superfabrik in Shanghai, die noch im selben Jahr fertiggestellt und in Betrieb genommen wurde. Eine Highspeed-Umsetzung, mit der Tesla neue Maßstäbe in Sachen Geschwindigkeit setzte.



Volle Auslastung trotz Corona: Die Produktionslinien des Unternehmens GAC NE in Guangzhou laufen auf Hochtouren.

 

„Große Industrieprojekte wie diese sind von entscheidender Bedeutung für die Aufrechterhaltung eines stabilen Investitionszuwachses in der Industriebranche und auch zentral für eine qualitativ hochwertige Wirtschaftsentwicklung“, sagt Lu Ming, Vizedirektor der Shanghaier Kommission für Wirtschaft und Informatisierung. „Wir haben die Arbeitsmethoden, die bei der erfolgreichen Umsetzung des Tesla-Projektes zur Anwendung kamen, genau analysiert und zusammengefasst, damit sie landesweit als Vorbild dienen können“, sagt er. In Zukunft wolle man bei Investitionsplanung, Genehmigungsreformen und Unternehmensdienstleistungen die Anziehung von Investitionen und die Umsetzung von Großprojekten weiter fördern, so Lu.

 

Damit das Genehmigungsverfahren, das im Falle von Tesla praktiziert wurde, zu einem landesweiten Modell werden kann, veröffentlichte die Verwaltungskommission von Linggang am 12. März einen Umsetzungsplan für die umfassende Vertiefung des Aufbaus eines internationalen erstklassigen Geschäftsumfeldes. Ziel ist es, das Modell Tesla zukünftig zum Vorbild für alle Investitionsprojekte im Linggang-Bereich der Shanghaier Freihandelszone zu machen. Und die bisherigen Ergebnisse geben den Verantwortlichen recht. Die Umsetzung erweist sich als äußerst effektiv. Allein im ersten Quartal 2020 erreichten die vertraglich vereinbarten Investitionen in Industrieprojekte im Bereich der Fertigung auf neuestem wissenschaftlichen Stand mehr als 71,3 Milliarden Yuan.

 

Als beliebter Zielort ausländischer Investoren zählt Shanghai die meisten Zentralen multinationaler Unternehmen und ausländischer Forschungs- und Entwicklungszentren. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres beliefen sich die tatsächlich eingeführten ausländischen Investitionen in der Metropole auf 4,669 Milliarden US-Dollar, eine Steigerung um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Darüber hinaus wurden im selben Zeitraum zehn neue Firmenzentralen multinationaler Unternehmen und fünf neue Forschungs- und Entwicklungszentren mit ausländischen Investitionen in der Stadt gegründet.

 

Die Stadtregierung Shanghai gab am 10. April die „Maßnahmen zur Umsetzung der Stellungnahmen des Staatsrates über die weitere Verbesserung der Nutzung ausländischer Investitionen“ bekannt. Das Papier umfasst insgesamt 24 Artikel. Dazu erklärt Jiang Ying, Präsidentin der Firma Deloitte für den Asien-Pazifik-Markt und Vize-Vorsitzende von Deloitte China, das am 1. Januar in Kraft getretene „Gesetz über ausländische Investitionen“ habe einen rechtlichen Durchbruch für den Einstieg ausländischer Investoren in den chinesischen Markt markiert. „Die 24 Artikel, die im genannten Maßnahmenpapier gelistet sind, werden nun die ganz konkreten Probleme lösen, die sich den Unternehmen nach dem Einritt auf den chinesischen Markt stellen. Da geht es zum Beispiel um Fragen, wie Talente angezogen und geistige Eigentumsrechte geschützt werden können, kurzum, alle Probleme, mit denen ausländische Unternehmen nach dem Markteintritt in China konfrontiert sind“, sagt sie.

 

Um die Dienstleistungen für ausländische Investoren weiter zu verbessern und ein stabiles, transparentes und planbares Investitionsumfeld für sie zu schaffen, hat die Stadtregierung Shanghai außerdem eine spezielle Serviceplattform zur Förderung ausländischer Investitionen errichtet. In den bereits online veröffentlichten Anleitungen für ausländische Investoren in Shanghai werden neun Branchen, darunter moderne Dienstleistungen, strategisch aufstrebende Industrien und fortschrittliche Fertigungsindustrie schwerpunktmäßig vorgestellt. 

 

Stärken der chinesischen Fertigungsindustrie

 

Die Fertigungsindustrie ist Chinas wirtschaftliche Lebensader. Mittlerweile konnte dieser Industriezweig dank der erfolgreichen Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen gegen die Corona-Epidemie die Produktion wieder vollständig aufnehmen. Dies hat die koordinierte Entwicklung der vor- und nachgelagerten Unternehmen in der Industrie- und Lieferkette gefördert, so dass die Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie- und Lieferkette sichergestellt werden konnte.

 

Die starke Widerstandsfähigkeit der chinesischen Fertigungsindustrie hat das Vertrauen und die Hoffnung der internationalen Gemeinschaft in die Erholung der Weltwirtschaft gestärkt. Einige amerikanische und europäische Unternehmer haben bereits erkannt, dass Chinas Fertigungsindustrie einige Vorteile wie einen großen inländischen Markt, ausgereifte Infrastruktur, vollständige Industrieketten und ein gutes Kontingent an Fachkräften und Talenten besitzt.

 

Nehmen wir etwa den Bereich neue Mobilität als Beispiel. Laut Miao Wei, Minister für Industrie und Informationstechnologie, sei China derzeit der größte Markt für Fahrzeuge, die mit neuen Energien betrieben werden. Darüber hinaus verfüge China über ein umfassendes industrielles und politisches Unterstützungssystem in diesem Bereich. 2019 habe China mehr als 1,2 Millionen Hybrid- und Elektrofahrzeuge produziert und nehme damit eine weltweit führende Position ein. Mit der Erweiterung der Urbanisierung und der Steigerung des Pro-Kopf-BIP der Chinesen könne China weitere Potenziale bei der Marktnachfrage freisetzen.

 

Chinas relativ vollständige Industrieketten und Industriecluster bilden ebenfalls Vorteile, die große Anziehungskraft auf in- und ausländische Unternehmen ausüben. In der Automobilindustrie beispielsweise finden sich in China erstklassige Zulieferer. Von Rohstoffen über E-Motoren bis hin zu einer großen Abnehmerschaft decken leistungsstarke Batterien die gesamte Industriekette ab. Diesen Vorteil besitzen andere Schwellenländer oder kleine Industrieländer nicht.



Blick auf den Bereich Linggang der Shanghaier Freihandelszone

 

Darüber hinaus trägt die ständige Verbesserung der chinesischen Infrastruktur dazu bei, den Betrieb von Unternehmen effizienter zu machen. Bis Ende 2019 waren Hochgeschwindigkeitsstrecken mit einer Länge von mehr als 35.000 Kilometern in Betrieb, was rund 70 Prozent des weltweiten Hochgeschwindigkeitsschienennetzes ausmacht. Zur gleichen Zeit dürfte der Aufbau neuer Infrastrukturen einschließlich des 5G-Netzes die industrielle Modernisierung und die Beschäftigung weiter beflügeln und der chinesischen Wirtschaft neue Triebkraft verleihen.

 

Dank dem enormen Talentpool und der kontinuierlichen Steigerung der Investitionen in Forschung und Entwicklung hat sich außerdem Chinas demografische Dividende zu einer „Ingenieursdividende“ entwickelt. Richard Freeman, Wirtschaftsprofessor an der Harvard University, erklärt, dass die rasante Entwicklung der chinesischen Wirtschaft der letzten 20 Jahre vor allem der Hochschulbildung zu verdanken sei. Sie habe der Volksrepublik einen komparativen Vorteil in Wissenschaft und Technik verschafft, was dazu führe, dass chinesische Unternehmen, die sich mit E-Commerce und 5G-Technologie beschäftigen, große Erfolge erzielten. Nach Angaben der Weltorganisation für geistiges Eigentum (World Intellectual Property Organization) vom 7. April 2020 hat China im Jahr 2019 insgesamt 59.000 Patente beantragt und ist damit mit einem Anteil von 22,2 Prozent Patentweltmeister unter den Staaten der Welt. Das hat eine solide Grundlage für die weitere Modernisierung der Fertigungsindustrie des Landes und den Übergang zu einer Fertigung mit hoher Wertschöpfung gelegt. Chinas starke Fertigungsindustrie dürfte also auch weiterhin entscheidend dazu beitragen, dass sich die chinesische und globale Wirtschaft allmählich vom Schock der Corona-Pandemie erholen. 

 

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