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Medizin, Bildung, Mülltrennung: Die Lebenshaltung der Bevölkerung steht an erster Stelle

2020-06-08 14:11:00 Source:China heute Author:
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Ärzte des Changzhou No.2 People’s Hospital der Stadt Changzhou, Provinz Jiangsu, führen per Telemedizin Beratungsgespräche mit Patienten. Unser Bild entstand am 11. Mai 2020.

 

Von Yang Shuangshuang

 

Die Lebenshaltung der Bevölkerung ist ein sensibles Thema und bewegt insbesondere vor dem Hintergrund der Coronakrise die Gemüter vieler Menschen. Momentan sieht sich Chinas Wirtschaft mit Schwierigkeiten und Herausforderungen konfrontiert, wie es sie noch nie gab. Wie vor diesem Hintergrund die Lebenshaltung der Menschen gut gewährleistet werden kann, stand auch im Fokus der Diskussionen der Abgeordneten während des XIII. Nationalen Volkskongresses (NVK), der vom 22. bis zum 28. Mai in Beijing zu seiner dritten Jahrestagung zusammengekommen war.

 

Vorteile des Modells „Internet Plus Medizin und Dienstleistung“

 

„Auf der diesjährigen NVK-Jahrestagung werde ich einen Vorschlag über die möglichst baldige Errichtung von Onlineklinken machen mit dem Ziel, die medizinische Behandlung zu optimieren“, erzählt uns Zhou Songbo, NVK-Abgeordneter und Arzt in einer ländlichen Gegend der Stadt Zhuozhou in der nordchinesischen Provinz Hebei. 

 

Nach der Tagungsanmeldung im Hotel zieht er ein Bündel Briefpapier aus der Tasche, auf denen der Quick-Respond-Code seiner Dorfklinik abgedruckt ist. Auch am Rande der Tagung leistet er Pateinten in der Heimat, die dringend Hilfe benötigen, ärztlichen Beistand per Telemedizin. Zhou blickt auf viele Jahre Arbeitserfahrung als praktizierender Arzt zurück. Er weiß, wo sowohl Ärzten als auch Patienten der Schuh drückt. „Viele betagte Patienten können ihre Beschwerden oft nicht genau beschreiben und verstehen auch die ärztlichen Anweisungen nicht gut, was natürlich beiden Seiten Kummer bereitet“, sagt der Mediziner. „Ich habe mir deshalb eine Methode ausgedacht, um die Verständigung zu erleichtern. Ich verteile unsere Briefbogen mit dem aufgedruckten Klinik-QR-Code an die Familienangehörigen der erkrankten Senioren. Auf diese Weise können diese unsere Klinik per WeChat kontaktieren. Per Videoanruf können wir uns live nach den Beschwerden der Patienten erkundigen“, sagt Zhou. Das sei eine Art der Onlinevisite, durch die sich die Diagnose präzisieren lasse, so der Arzt. 

 

Bereits bei der NVK-Jahrestagung im März 2018 erprobte Landarzt Zhou die neue Behandlungsmethode in seiner Heimat. Doch vor allem in der aktuellen Coronakrise wurden die Vorzüge richtig sichtbar. „Durch Videoanrufe und Konsultationen per Smartphone konnten wir viele Maßnahmen zur Epidemieprävention und -kontrolle gut in die Tat umsetzen. Auch bei der Behandlung chronischer Krankheiten kommt die Telemedizin gut zum Einsatz. Zeitliche und räumliche Grenzen fallen weg und die Patienten können sich so am eigenen Wohnort medizinisch behandeln lassen, was obendrein das Risiko einer Ansteckung mit COVID-19 vermindert. An hektischen Tagen führe ich schon mal mehr als hundert medizinische Beratungsgespräche per Telefon“, sagt Zhou. Zur besseren Prävention und Kontrolle der Epidemie hat er mit 14 Mitarbeitern seiner Klinik ein Freiwilligenteam für medizinische Behandlungsdienstleistungen gegründet, das einen kostenlosen 24-Stunden-Service bietet.  

 

Ersten Statistiken zufolge wurden seit dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus landesweit etwa zehn Onlineplattformen für Telemedizin in Betrieb genommen. Mehr als 200 öffentliche Krankenhäuser bieten mittlerweile online Dienste und Beratungen zur Prävention der Epidemie an. Hierfür sind mehr als 100.000 Mediziner im Einsatz, die bis heute mehr als vier Millionen Onlineberatungen durchgeführt haben. 

 

Chinas erstes Internetkrankenhaus wurde im Dezember 2015 in der Stadt Wuzhen in der südostchinesischen Provinz Zhejiang ins Leben gerufen. Seither nimmt die Onlinemedizin in der Volksrepublik einen regelrechten Aufschwung. Eine ganze Reihe medizinischer Internetplattformen wie Haodaifu („guter Arzt“), Ping An Health, www. dxy.cn, Chunyu („Frühlingsregen“) und WeDoctor wurde aus der Taufe gehoben. Diese Plattformen bieten kostenlose Diagnose- und Behandlungsdienste an. Zudem sorgen sie für die Verbreitung medizinischer Kenntnisse und bieten auch eine Onlineseelsorge an. All diese Dienstleistungen werden von Chinas Patienten gut angenommen.

 

Erst kürzlich hat Chinas Staatliche Kommission für Hygiene und Gesundheit mehrere neue Verordnungen erlassen. Darin wird betont, dass im Kampf gegen die COVID-19-Epidemie die Rolle von medizinischen Onlinedienstleistungen voll zur Entfaltung gebracht werden soll. Auch fordert die Kommission, die diesbezügliche Arbeit effektiv auszuführen und die Kontrolle und Verwaltung in diesem Bereich zu verstärken. Die Provinzen Jiangsu und Zhejiang, die Stadt Shanghai sowie einige andere Orte haben die Kosten für medizinische Dienstleistungen und Behandlungen, die im Rahmen des Konzepts „Internet Plus Medizin und Dienstleistung“ stattfinden, bereits in den Leistungskatalog der lokalen Krankenversicherungen aufgenommen. Zudem wird die Umgestaltung des Informationssystems aktiv vorangetrieben.  

 

Gut gefüllte Einkaufskörbe und Speisekammern

 

Nahrungsmittelsicherheit: Goldene Weizenfelder rund um die Stadt Xi’an versprechen eine reiche Ernte. (Bild vom 23. Mai 2020)


Han Changbin, Minister des Ministeriums für Landwirtschaft und ländliche Gebiete, sagte in einem Interview am Rande der NVK-Jahrestagung: „Die Getreideproduktion darf niemals vernachlässigt werden, insbesondere vor dem Hintergrund der Ausweitung der globalen Pandemie und der Zunahme des Abwärtsdrucks auf die Weltwirtschaft. Wir haben deshalb sowohl die Epidemieprävention und -kontrolle als auch die Frühlingsbestellung konsequent angepackt.“ Zurzeit entwickle sich die landwirtschaftliche Produktion insgesamt sehr gut, betonte der Politiker. 

 

Seit jeher ist es für die Regierung ein wichtiges Projekt zur Gewährleistung der Lebenshaltung der Bevölkerung, deren Speisekammern gut zu füllen, sprich eine ausreichende Versorgung mit den wichtigsten Grundnahrungsmitteln sicherzustellen. 

 

In der Huayuanqiao-Filiale der Supermarktkette Wu Mart sind die Lebensmittelregale prall gefüllt. Die Kunden können auch während der Epidemie aus einem reichen Angebot an Fleisch-, Obst- und Gemüsesorten sowie einer breiten Palette verschiedenster anderer Lebensmittel wählen. 

 

„Seit einigen Tagen sinkt der Preis für Schweinefleisch und auch das Angebot an anderen Waren ist groß und erschwinglich“, erzählt uns der Kunde Herr Li, der gerade seinen Einkauf tätigt. Dank des reichhaltigen Angebots könne er jeden Tag unterschiedliche Köstlichkeiten für seine Familie zaubern und seine Kochkunst ständig verbessern. Dank entsprechender Regierungsmaßnahmen zur Verbesserung der Lebenshaltung sind die Preise für Fleisch und Gemüse stabil geblieben und sowohl in der Produktion als auch in der Versorgung zeichnet sich eine positive Trendwende ab. 

 

Wei Baigang, Chef der Hauptabteilung für Entwicklungsplanung des Ministeriums für Landwirtschaft und ländliche Gebiete, erklärt, dass sich seit Beginn dieses Jahres die Landwirtschaft sowie die übrigen Wirtschaftszweige in Chinas ländlichen Gebieten insgesamt stabil entwickelten. Sie hätten den Bewährungsproben durch die COVID-19-Epidemie erfolgreich standgehalten. Das Angebot an frischen Agrarprodukten wie Obst und Gemüse wachse schnell und die Preise bewegten sich auf Vorjahresniveau. „Allerdings haben wir es global gesehen mit einer komplexen epidemischen Lage zu tun. Unser Ministerium verfolgt deshalb die Entwicklung von Angebot und Nachfrage von Agrarprodukten auf dem Weltmarkt sowie auch die globale Gesamtentwicklungslage sehr aufmerksam. Wir werden die Rolle des Agrarhandels für die Stabilisierung des inländischen Marktes, die Weiterentwicklung der Industrie und die Einkommenssteigerung der Bauern aktiv und umfassend entfalten“, versichert der Agrarexperte. 

 

Parallel dazu haben Chinas Lokalregierungen verschiedene Fördermaßnahmen zur Stärkung der örtlichen Konsumkraft eingeführt, beispielsweise die Vergabe von Konsumcoupons etwa in der von der Epidemie besonders stark betroffenen Stadt Wuhan. Auch in weiteren mehr als 30 Städten, darunter Nanjing, Hangzhou und Ningbo, wurden ähnliche Maßnahmen implementiert. Die Kosten dafür gehen in die Milliarden Yuan. Doch der große finanzielle Aufwand zahlt sich aus: die Maßnahmen erzielen bereits die erwünschte Wirkung.

 

Gute Bildungsressourcen für alle

 

„Die aktuelle Corona-Pandemie ist eine nie dagewesen weltweite Bewährungsprobe für die Onlinebildung. Hier stehen wir vor einer echten großen Prüfung“, schrieb Zhu Yongxin, Mitglied des Ständiges Ausschusses der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes (PKKCV), Vizeleiter von deren Sekretariat und Vizevorsitzender des Zentralkomitees der Chinesischen Gesellschaft für die Förderung der Demokratie, in seinen Aufzeichnungen über die Jahrestagung. „Sowohl hinsichtlich der Hardware und Ressourcenintegration als auch der Bildungsevaluation und Qualifikation hinkt die Bildung deutlich hinter den technischen und sonstigen Anforderungen des Zeitalters hinterher“, schreibt der Politiker. 

 

Der Kampf gegen das Virus habe dem Bereich Tele-Learning nun unerwarteten Schub verliehen. Um Schüler, Studenten und Lehrkräfte vor einer Ansteckung zu schützen, findet angesichts geschlossener Lehranstalten in den landesweiten Hoch-, Mittel- und Grundschulen Chinas mittlerweile ein reger Onlinelehrbetrieb statt. Mit einem Mal wurden Millionen Lehrende zu Online-Moderatoren. 

 

Viele Bildungsanstalten packen die Chance beim Schopfe und bringen Onlineunterricht per Livestreaming oder aufgezeichnete Formate heraus, um sich Marktanteile zu sichern. Yu Minhong, Gründer des renommierten Bildungsunternehmens xdf.cn, sagt im Interview: „Seit dem Ausbruch von COVID-19 und den Anstrengungen zur Eindämmung der Epidemie hat die Zentrale unserer Fortbildungsanstalt innerhalb von einer Woche ihre 87 Zweigschulen vom traditionellen Unterricht auf Onlineformate umgestellt. Mittlerweile haben wir knapp zwei Millionen Onlineteilnehmer.“


Schüler einer Grundschule in Hohhot beim Fußballtraining im Sportunterricht. (Bild vom 18. Mai 2020)

 

Nach einer Statistik des China Internet Information Center vom 28. April 2020 belief sich die Zahl chinesischer Nutzer von Bildungsangeboten im Netz auf 423 Millionen, was einer Verdoppelung gegenüber 2018 entspricht. Damit nutzen heute rund 46,8 Prozent aller Internetnutzer im Reich der Mitte Onlinebildungsangebote. Allein 265 Millionen Schüler und Studenten lernen während der Epidemie im Onlineklassenzimmer.  

 

Als Millionen Lernende und Lehrende plötzlich auf die Online-Bildungsplattformen strömten, tauchten aber rasch auch einige neue Probleme auf. Hierzu sagt Zhu Yongxin: „Beim E-Learning besteht ein erhebliches lokales Gefälle hinsichtlich Infrastruktur und Ressourcen. Das hat zur Folge, dass das Niveau von Ort zu Ort sehr unterschiedlich sein kann. Zudem entstehen durch die monatelange Teilnahme am Onlineunterricht beachtliche Kosten für finanziell schwache Familien. Das gilt insbesondere in entlegenen Gebieten, die noch nicht durch digitales Breitbandnetz abgedeckt sind.“ Im Hinblick darauf stellte der Politiker während der jüngsten Jahrestagungen einen Antrag auf Gebührenerlass für die Internetnutzung zwecks Teilnahme am Onlineunterricht, um die Bildungsgerechtigkeit zu gewährleisten.

 

Ein funktionierendes Bildungswesen ist ganz zentral für den Fortschritt und die Entwicklung eines Staates. Ministerpräsident Li Keqiang betonte in seinem Tätigkeitsbericht der Regierung, dass es gelte, „die Entwicklung des Bildungswesens in Richtung größerer Fairness und höherer Qualität voranzubringen, (…) den Aufbau der Internate auf der Gemeindeebene und der Schulen in Kreisstädten zu verstärken, die Förderschulbildung und die Fortbildung gut auszugestalten, die privat betriebene Bildung zu unterstützen und zu standardisieren und den Kindergärten bei der Überwindung von Schwierigkeiten zu helfen, (…) damit die Bildungsressourcen allen Familien und Kindern zugutekommen.“

 

Obligatorische Mülltrennung

 

Im Foyer des Hotels, in dem die Abgeordnetendelegation aus Guangdong untergebracht ist, hängt ein Cartoon über Beijings neue Mülltrennungsmaßnahmen. Am Eingang waren verschiedene Mülltonnen positioniert. Wegwerf- und Einwegartikel sind nirgends mehr zu sehen. Wang Xiaohong, Vizedirektorin der School of Environmental Science & Engineering der Guangzhou University, sagt: „Bei der Müllsortierung gehen die Abgeordneten in ihrer Unterkunft bereits mit gutem Beispiel voran, damit mehr Menschen dies nachahmen und ihren Teil dazu beitragen können.“ 

 

Auch während der Epidemie wird die Mülltrennung in Beijing weiter vorangetrieben. Am 1. Mai traten die neuen Vorschriften der Hauptstadt zur Haushaltsmüllsortierung in Kraft. Damit setzt nach Vorreiter Shanghai nun auch Beijing beim Thema Mülltrennung auf Rechtsbindung, Systematisierung und Regelmäßigkeit. 

 

Bereits seit den 1990er Jahren gibt es in China Regelungen zur Mülltrennung. Damals gehörte Beijing zu denjenigen Städten, in denen erste Pilotprojekte für Müllsortierung realisiert wurden. Im Dezember 1996 hängte das Einwohnerkomitee der Gasse Dacheng im Weststadtbezirk (Xicheng) einen offenen Brief an die Bewohner zum Thema Müllsortierung aus. Darin wurden die Menschen aufgefordert, sich für Müllsortierung und eine gute Entsorgung aller Abfälle zu engagieren. Die Dacheng-Gasse war damals das erste Wohnviertel Beijings, das ein Pilotprojekt für Müllsortierung startete. Auch heute setzt dieses Wohnviertel alles daran, die neuen Vorschriften der Stadt gut in die Praxis umzusetzen und so die Quote der Müllsortierung und der richtigen Entsorgung von Abfällen zu erhöhen. „Die Mülltrennung ist uns hier schon in Fleisch und Blut übergegangen“, sagt Frau Chen, Leiterin des Einwohnerkomitees der Dacheng-Gasse.


Mülltrennung als Fitnessübung: Auf dem Basketballplatz des Beijinger Wohnviertels Sikuaiyu wurden die neuen Mülltrennungsregeln am 23. Mai spielerisch vermittelt.

 

Auch neueste Technik kommt mittlerweile zum Einsatz und lenkt die Müllsortierung in die Bahnen der intelligenten Entwicklung. Umweltschutzexpertin Wang Xiaohong sagt, die Anlagen für smarte Müllsortierung und -entsorgung entsprächen dem Trend des „Internets Plus“. Die verschiedenen Orte und Wohnviertel seien dazu angehalten, ausgehend von ihren örtlichen Verhältnissen eine adäquate Politik auszuarbeiten. Einwohner des Wohnviertels Xinyijiayuan der Chongwai-Straße im Beijinger Bezirk Dongcheng erzählen gegenüber Journalisten: „Seit die intelligenten Müllentsorgungsanlagen in unserem Wohnviertel stehen, funktioniert das mit der Müllsortierung hier noch deutlich besser. Die Bewohner können durch richtiges Sortieren Bonuspunkte sammeln, die sich später gegen Geschenke eintauschen lassen.“

 

Umweltschutzexpertin Wang erklärt: „Seit der Coronakrise engagieren sich die Einwohner noch stärker für das Thema Mülltrennung, da so Infektionen verringert bzw. vermieden werden können. Es wird zudem mehr darauf geachtet, ob die anderen ihren Müll richtig sortieren.“ Sie schlägt vor: „Neben der Popularisierung wissenschaftlicher Kenntnisse sollte das Recycling der sortierten Abfälle intensiviert werden. Wir müssen verhindern, dass die sortierten Abfälle später einfach wieder miteinander gemischt werden.“ Es gelte, die verschiedenen Kettenglieder zu vervollkommnen, nämlich die getrennte Platzierung, Sammlung, Beförderung und Behandlung der Abfälle, zu optimieren, so die Umweltschutzexpertin. 

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