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Naturschutz und Wirtschaftsentwicklung: Üppiges Grün schafft Reichtum

2020-06-24 13:50:00 Source:China heute Author:
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Das höchstgelegene Urwaldgebiet im Jangtse-Quellgebiet: Der Makehe-Forst gehört zur tibetischen autonomen Präfektur Guoluo in Qinghai.

  

Von Li Yuan

 

Im Kreis Banma, der zur tibetischen autonomen Präfektur Guoluo in Qinghai gehört, fließt der Make, einer der Zuflüsse des Dadu. Nach ihm, dem Make, ist auch der örtliche Forst benannt. Er ist das größte und höchstgelegene Urwaldgebiet im Quellgebiet des Jangtse hier in Chinas Südwesten. 

 

Noch bis in die neunziger Jahre war der Forst der Hauptholzlieferant für die gesamte Provinz Qinghai. Diese Situation änderte sich erst im Jahr 1998. Damals startete China seine beiden staatlichen Projekte zum Schutz natürlicher Wälder und des Quellgebiets der drei Flüsse Jangtse, Gelber Fluss und Lancang. Heute ist das landesweite Credo, möglichst wenige Bäume zu fällen, möglichst viele Setzlinge anzupflanzen und die Waldressourcen maximal zu schützen. Das gilt auch für den Makehe-Forst. Viele ehemalige Forstarbeiter sowie Einheimische greifen heute längst nicht mehr einfach zu Axt und Säge. Stattdessen nehmen sie Spaten zur Hand, um neue Baumsetzlinge anzupflanzen. Die Existenz der Menschen hier gründet heute nicht mehr auf der Rodung der Wälder, sondern auf einem möglichst umfassenden Schutz von Ökosystemen und Umwelt. 

 

Aus Holzfällern werden Waldschützer

 

Zhu Fuhai war früher Vizeleiter des Forstreviers des örtlichen Forstamtes. Bis 1998 verdiente auch er sein Brot als Holzfäller. „Als ich 1993 meine Arbeit hier antrat, sah man jeden Tag große Laster Holzstämme abtransportieren“, erinnert sich der 49-Jährige. Bis heute sind die Berghänge zu beiden Seiten des Make von den Spuren des einstigen Kahlschlags gezeichnet. Mittlerweile versucht man, die Waldfläche wieder aufzuforsten, doch das braucht Zeit. Die Jungpflanzen sind bisher nicht einmal einen Meter hoch. 

 

Forstmeister Zhu erzählt, die Jungbäume seien erst vor zehn Jahren angepflanzt worden. „Die hiesige Höhe liegt gerade noch an der Vegetationsgrenze, keine wirklich guten Wachstumsbedingungen also. Hinzu kommt das eisige Klima, das den Pflanzen zusetzt. Einmal zerstört, erholt sich die hiesige Vegetation nur schleppend.“ 

 

Die drastischen Folgen des Kahlschlags beschränken sich dabei nicht nur auf die Zerstörung der örtlichen Flora. „Vor mehr als 20 Jahren kam es hier auch häufig zu Naturkatastrophen wie Schlammschwemmen und Gebirgshochwasser, weil die Wasserspeicherkapazität des Bodens durch die Überrodung beeinträchtigt war“, erzählt der heutige Waldschützer. „Ohne die strengen Maßnahmen, hätten die fatalen Folgen über kurz oder lang bis auf den Mittel- und Oberlauf des Jangtse übergegriffen“, sagt er.

 

Doch dank des staatlichen Vorstoßes sollte das Jahr 1998 die Wende bringen. Die Provinzregierung von Qinghai erließ ein Rodungsverbot für alle Naturwälder. Und das örtliche Forstamt implementierte ein Pilotprojekt zum Schutz der natürlichen Waldressourcen. Der Geschäftsbereich des Forstreviers schwenkte damit vom Holzfällen auf den Schutz der örtlichen Waldressourcen um. Aus dem Holzfäller Zhu wurde der Waldschützer Zhu. 

 

Die frühe Entwicklungsgeschichte des Makehe-Forsts ist letztlich Sinnbild für den Irrweg der chinesischen Wirtschaftsentwicklung im letzten Jahrhundert. Durch teils exzessive Erschließung geriet mancherorts das sensible Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur aus den Fugen. 

 

Seit dem XVIII. Parteitag der KP Chinas treibt deren Zentralkomitee nun konsequent den Aufbau einer ökologischen Zivilisation voran. Das Zentralkomitee betonte, beim Aufbau der Orte zu beiden Seiten des Jangtse müssten der gemeinsame Schutz und die Abkehr von exzessiver Erschließung die Grundrichtung bilden. Auch die Einzugsgebiete des Gelben Flusses müssten konsequent geschützt werden. Bei alledem gelte es, auf eine qualitätsvolle Entwicklung zu setzen. Die Regierung rief eindringlich dazu auf, für blauen Himmel, klare Gewässer und reine Böden zu kämpfen. Mit aller Tatkraft müsse China zu einem schönen Land aufgebaut werden, so die Forderung. 2018 wurde der Begriff der ökologischen Zivilisation auch in der chinesischen Verfassung verankert. 

 

Intakte Ökosysteme schaffen mehr Produktivkräfte

 

Der Umstieg von der Abholzung zum Waldschutz bedeutet für die Einheimischen vor allem einen Sinneswandel, doch auch der konkrete Berufsalltag vieler Menschen wurde gehörig umgekrempelt. Früher bedeutete jeder gefällte Baum ein Plus im Geldbeutel. Viele Einheimische ernährten als Holzfäller ihre Familie. Wovon sollten sie nun nach der grünen Wende ihren Lebensunterhalt bestreiten? 



Auf Schutzpatrouille: Ein Waldschützer sieht am 6. Dezember 2019 in den Wäldern des staatlich geschützten Quellgebiets der drei Flüsse Jangtse, Gelber Fluss und Lancang nach dem Rechten. 

 

Han Caibang, Direktor des örtlichen Forstamtes, erzählt im Interview: „Das Rodungsverbot machte sich bei vielen Menschen natürlich erst einmal direkt auf dem Konto bemerkbar. Die örtlichen Einkommen stagnierten oder schrumpften, gleichzeitig stieg die Armutsquote.“ Für die Region wurde der Umgang mit der neuen Situation zur Gretchenfrage: Konnte es gelingen, sowohl nachhaltigen forstwirtschaftlichen Aufschwung zu realisieren, als auch gleichzeitig den Wohlstand der Bevölkerung zu mehren? „Wir mussten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, sagt der Funktionär. 

 

Den Schlüssel zum Erfolg fanden die Verantwortlichen schließlich ebenfalls im Wald. „Wir führten die Einheimischen schließlich in den Anbau von Speisemorcheln und tibetischem Schneegebirgstee ein und bringen diese lokalen Erzeugnisse tief aus den Bergen heute auf die großen Märkte, wo sie sich zu echten Verkaufsschlagern gemausert haben“, sagt Han. Auf diese Weise sei es gelungen, eine neue Form von Forstwirtschaft zu formen, die ständig weiterentwickelt wird. „Heute bildet dieser Wirtschaftszweig zunehmend die Haupteinnahmequelle vieler Einheimischer, Tendenz steigend“, sagt der Lokalpolitiker sichtlich stolz. 

 

Maßgeblich beigetragen zum grünen forstwirtschaftlichen Aufschwung der Region hat zudem die Gründung eines Waldschützertrupps, ein weiterer gelungener Vorstoß des örtlichen Forstamtes zur Mehrung des Wohlstands in der Bevölkerung. Dieser Trupp an Forstschützern setzt sich aus Einheimischen zusammen, die vor Ort besonderes Vertrauen und einen guten Ruf genießen. Ihre Aufgabe besteht darin, jeden Tag durch die Berge zu patrouillieren, die Bäume zu pflegen und verletzte Wildtiere zu versorgen. Dafür bekommen die Waldschützer einen Monatslohn von 1800 Yuan. „Durch diese Maßnahme konnten wir den Lebensunterhalt vieler Menschen absichern und gleichzeitig das allgemeine Umweltschutzbewusstsein schärfen. Zusätzlich gibt es ein jährliches Event, bei dem wir auf Tibetisch und Chinesisch Grundwissen über den Schutz von Ökosystemen und Umwelt vermitteln“, sagt Han. 

 

„In der Vergangenheit holte man hier Holz aus dem Gebirge zum Hausbau und als Feuerholz. Der Schwund des Baumbestandes war gravierend. Jetzt klären wir einzelne Haushalte im Sinne des Umweltschutzes auf, sodass den Dorfbewohnern die Bedeutung des Waldschutzes bewusst wird,“ sagt der Funktionär. Mittlerweile hätten alle hier eingesehen, dass die Entwicklung der Heimat nicht ohne Waldschutz auskommt. 

 

Gatai, Bewohner des Dorfs Shidao nahe dem Forstrevier, sagt: „Wir haben einen detaillierten Dienstplan ausgearbeitet. Alle Haushalte beteiligen sich am Schutz unseres Waldes und arbeiten im Turnus. Wir alle hier im Dorf verstehen uns heute als Waldschützer.“

 

Han fügt hinzu: „Unsere Maßnahmen haben bewirkt, dass heute unsere Waldressourcen bestens geschützt sind und gleichzeitig der Lebensstandard der Einwohner gehoben werden konnte. Die Menschen unterstützen die Umweltschutzmaßnahmen und stehen voll hinter uns. Der forstwirtschaftliche Aufschwung und der Wohlstand der Bevölkerung sind letztlich untrennbar miteinander verbunden. Nur wenn die Menschen spüren, dass sich die Dinge zum Besseren verändern und sie selbst Vorteile haben, kann eine nachhaltige Entwicklung der Forstwirtschaft stattfinden.“

 

Weiter auf dem grünen Weg

 

Die Verbesserung von Ökosystemen und Umwelt im Kreis Banma ist schon heute spürbar. Die Vielfalt an wilden Tier- und Pflanzenarten hat hier wieder deutlich zugenommen. Dazu sagt Ma Zhanbao, Vizedirektor des örtlichen Forstamtes, dass der Kreis mittlerweile wieder über hervorragende Habitate für Rhesusaffen verfüge. „Früher schrumpfte die Population und die Tiere waren äußerst scheu. Seit einigen Jahren wächst die Zahl der Tiere wieder deutlich. Und da die Menschen heute ein stärkeres Bewusstsein für Tierschutz und Artenvielfalt haben, sind die Affen auch wesentlich zutraulicher. Heute kommen sie auf der Futtersuche sogar oft in die Dörfer“, so der Forstfunktionär. Eine wichtige Rolle habe gespielt, dass es gelungen sei, die Vegetation wiederherzustellen und den Tieren so einen intakten Lebensraum zu bieten. 

 

Die aktuelle Corona-Epidemie bringt viele Menschen nun noch einmal zum Nachdenken über ihr Verhältnis zu Natur und Umwelt. In China gelangen viele zu der Erkenntnis, dass nur eine grüne Entwicklung letztlich eine wirklich qualitätsvolle ist. Sie ist die Prämisse für das harmonische Miteinander von Mensch und Natur. 

 

Während Chinas Ministerpräsident Li Keqiang im diesjährigen Tätigkeitsbericht der Regierung angesichts der Corona-Pandemie auf die Nennung eines konkreten wirtschaftlichen Wachstumsziels verzichtete, unterstrich er doch ausdrücklich die Wichtigkeit der weiteren Sanierungvon Ökosystemen und Umwelt. Er forderte, „energiesparende und umweltfreundliche Industrien zu stärken“, das „Jagen und Schlachten von Wildtieren sowie den Handelmit ihnen und ihren Verzehr streng zu bestrafen, die wichtigen Projekte zum Schutz und zur Wiederherstellung von wichtigen Ökosystemendurchzuführen sowie den Aufbau der ökologischen Zivilisation voranzutreiben.“ 

 

Ob es gelingt, Umweltverschmutzung erfolgreich zu verhindern und zu beseitigen und allgemein eine grüne Entwicklung zu verwirklichen, wird letztlich nicht nur über die Qualität der Vollendung des Aufbaus einer Gesellschaft mit bescheidenem Wohlstand im Land entscheiden, sondern auch über die Stärke des Glücks- und Teilhabegefühls der Chinesen an den allgemeinen Entwicklungsfrüchten. Fest steht: China hat entschieden, den Weg der grünen und qualitätsvollen Entwicklung auch in Zukunft unbeirrt fortzusetzen.




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