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Start in ein besseres Leben: Wie ein kleines Yi-Dorf in Sichuan aus der Armut geführt wurde

2020-09-24 16:05:00 Source:China heute Author:
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Relie Youcongs Großeltern in ihrem alten Haus am Berghang

 

Von Ma Li

 

Am frühen Morgen des 21. August erwachen die Bewohner des Dorfes Sanhe des Sichuaner Kreises Zhaojue schon mit dem Krähen der Hähne. Der 15-jährige Relie Youcong und seine Großeltern machen sich heute schon in aller Frühe auf den Weg zur Buchweizenernte. In ein paar Tagen wird die Schule wieder losgehen. Bis dahin möchte der Jugendliche seinen Großeltern noch helfen, die Getreideernte einzubringen.

 

Um am Morgen keine kostbare Zeit zu verlieren, haben der Junge und seine Großeltern die letzte Nacht ausnahmsweise nicht in ihrer neuen Wohnung am Fuß des Berges verbracht, sondern sind schon am Vortag den strammen Fußmarsch von einer halben Stunde zu ihrem alten Wohnhaus am Hang hinaufgelaufen.

 

Zwei Stunden später an diesem Morgen, als die Sonne durch die Wolkendecke hindurchlugt und erste Strahlen über den Berg gleiten lässt, ist die Erntearbeit schon zu Hälfte erledigt. Obwohl sich die jüngere Generation heute keine Sorgen um den Lebensunterhalt machen muss, wollen viele hier dennoch nicht ganz auf die traditionelle landwirtschaftliche Arbeit verzichten. Anbau und Ernte des Buchweizens liegen ihnen noch immer am Herzen.

 

Umzug in ein neues Zuhause

 

 

Nach dem Umzug in das neue Dorf zieht Sanhe zunehmend Touristen an. Der 15-Jährige Relie Youcong räumt, nachdem die Besucher wieder fort sind, das Geschirr ab. 


Sanhe im Daliang-Gebirge ist ein typisches Dorf der Yi-Nationalität. Der Ort setzt sich aus neun kleinen Siedlungen zusammen, die auf einem 2500 Meter hohen Berghang verstreut sind. Die entlegene Lage und die ungünstigen Verkehrsbedingungen haben dafür gesorgt, dass viele Dorfbewohner den Ort ein Leben lang niemals verlassen haben. Wegen seiner Abgeschiedenheit, Rückständigkeit und Armut war dieses Gebiet einst ein „blinder Fleck“ auf der Landkarte und galt als „harter Knochen“ bei der Armutsüberwindung.

 

Am 11. Februar 2018 besuchte Staatspräsident Xi Jinping das Dorf, um sich vor Ort persönlich ein Bild von den Fortschritten bei der Armutsüberwindung zu machen. „Meine Oma sagt, es sei damals wie im Traum gewesen, als der Staatspräsident unser Wohnhaus betreten und ihr die Hand geschüttelt hat“, erzählt uns der 15-jährige Relie Youcong. „Trotz seines vollen Terminplans hat sich der Staatspräsident die Zeit genommen, uns zu besuchen. Das hat uns wirklich bewegt.“  

 

„Staatspräsident Xi wünschte meiner Oma ein langes Leben. Oma erwiderte daraufhin, dass sie sich auch um seine Gesundheit sorge“, erzählt Relie Youcong und lacht. Seit Xis Besuch sitze seine Großmutter jeden Abend um 19.00 Uhr pünktlich vor dem Fernseher, um Xi Jinping in den CCTV-Abendnachrichten zu sehen, sagt er.

 

Im Laufe des darauffolgenden Jahres hat sich das Leben der Dorfbewohner merklich verbessert. Mit staatlicher Unterstützung sind alle Familien der 29 verbliebenen Armutshaushalte in neue Wohnhäuser außerhalb der Berge umgezogen. „Unser neues Zuhause ist geräumig und hat mehr als 100 Quadratmeter Wohnfläche. Darüber hinaus haben wir heute Zugang zu sauberem Leitungswasser und modernen Einrichtungen“, sagt Relie Youcong. „Meiner Oma, die körperlich noch fit ist, wurde eine öffentliche Stelle im Ort angeboten, was der Familie ein monatliches Einkommen von 500 Yuan einbringt. Zusammen mit dem Einkommen durch die Rinder- und Schweinezucht kam unsere Familie im letzten Jahr so auf ein Pro-Kopf-Einkommen von 20.000 Yuan“, sagt der Jugendliche.

 

Da auch die Bildung von großer Bedeutung für die Armutsüberwindung ist, hat die Regierung in dieser Hinsicht ebenfalls viele Unterstützungsmaßnahmen im Ort ergriffen. Relie Youcong hat seine Schulprüfungen mit besten Zensuren bestanden und wurde als einer der 50 besten Schüler ausgewählt, die Mittelschule Nr. 2 in der nahegelegenen Stadt Mianyang zu besuchen. Dort wolle er nun weiter fleißig lernen, damit er nach dem Mittelschulabschluss den Sprung an eine pädagogische Hochschule schaffe, sagt er. „Nach dem Studium will ich in meine Heimat zurückkehren und als Lehrer arbeiten, damit ich mehr Kindern in der Gebirgsgegend helfen kann, ihr Schicksal durch Bildung selbst in die Hand zu nehmen“, beschreibt er seine Zukunftspläne.

 

Zum Ende unseres Interviews erzählt uns Relie Youcong noch, dass seine Oma seit dem Umzug im letzten Jahr noch einen verbleibenden unerfüllten Wunsch habe. „Sie wünscht sich, dass der Staatspräsident noch einmal in unserem Dorf vorbeikommt, wenn er Zeit hat. Sie möchte ihm für unser neues Leben danken“, sagt der Junge.

 

Eine schöne Zukunft für die Kinder

 

 

Dunkel und feucht: Das alte Lehmhaus der Familie Jihao Yeqiu war kein wirklich gemütlicher Ort


Auch die Familie von Jihao Yeqiu lebte einst in einem schäbigen Lehmhaus mit wenig Licht und feuchten Wänden. „Nun haben wir eine über 100 Quadratmeter große Wohnung, die mit Küche und Spültoilette ausgestattet ist“, erzählt uns der Familienvater mit strahlenden Augen.

 

Der 41-Jährige hat fünf Kinder. Armut war einst das größte Problem, mit dem seine Familie zu kämpfen hatte. Bei seiner Stippvisite im Ort statte Xi Jinping 2018 auch der Familie des fünffachen Vaters einen Besuch ab. Nachdem er von der Situation der Familienmitglieder erfahren hatte, ermutigte er sie, durch harte Arbeit die Armut zu überwinden und für ein besseres Leben zu kämpfen. Vor der Abreise posierte Xi mit der Familie noch für ein Gruppenfoto. „Es war für mich eine große Überraschung, als nur wenige Tage später ein Mann im Auftrag des Staatspräsidenten bei uns vorbeikam, um uns das gerahmte Foto zu überreichen. Heute hängt das Bild als Erinnerung in unserem Wohnzimmer“, sagt er. Xis ermutigende Worte hätten sein Vertrauen in die Armutsüberwindung gestärkt.


 

Glücklich in ihrem neuen Zuhause: Die Familie von Jihao Yeqiu vor ihrem neuen Wohnhaus

 

Nach dem Umzug in das neue Dorf begannen Jihao Yeqiu und seine Frau, die Abendschule zu besuchen, um Hochchinesisch zu lernen und sich weitere Fertigkeiten anzueignen. Li Kai, der Parteisekretär des Dorfs Sanhe, erzählt uns, dass Jihao Yeqius Familie mittlerweile ein kleines Geschäft eröffnet hat. Nun sei der Familienvater Mitarbeiter einer Servicestelle für Dorfbewohner, die der Zweigstelle Chengdu der People’s Bank of China unterstehe. Darüber hinaus nutze der 41-Jährige seine in der Abendschule erworbenen Fertigkeiten, um sich in seiner Freizeit als Handwerker und Bauarbeiter etwas dazuzuverdienen. Seine Nebenjobs brächten ihm zusätzlich 150 bis 250 Yuan pro Tag. Im letzten Jahr erreichte das Pro-Kopf-Einkommen der Familie auf diese Weise 12.800 Yuan. „Unserem Ziel, dass seine Familie bis Ende des Jahres ihre Armutsakte schließen kann, steht nichts mehr im Wege“, freut sich der Parteisekretär. 

 

Das Ehepaar hofft nun, noch mehr Geld zu verdienen, um ihren Kindern eine gute Schulbildung und damit auch eine bessere Zukunft ermöglichen zu können.

 

Weg in ein glückliches Leben

 

 

Dieses Lächeln spricht Bände: Der Nachwuchs fühlt sich sichtbar wohl in der neuen Wohnumgebung.


Als besonderer Härtefall bei der Armutsüberwindung erfuhr Sanhe von vielen gesellschaftlichen Kräften Unterstützung. Die Provinz Guangdong griff dem Dorf mit insgesamt 14 Millionen Yuan unter die Arme, um neun Umsiedlungsstätten und Wohnhäuser für 147 arme Haushalte zu bauen. Die Stadt Foshan, ebenfalls in Guangdong gelegen, ergriff Maßnahmen, um das Dorf bei der landwirtschaftlichen Entwicklung zu unterstützen. Sie stellte Sanhe sechs Millionen Yuan zur Verfügung, damit auf einer Fläche von 1000 Mu chinesische Heilkräuter angebaut und 4000 Imkerkästen zur Bienenzucht aufgestellt werden konnten. Darüber hinaus half sie den Dorfbewohnern, eine Viehzucht mit lokalen Eigenschaften zu entwickeln. Dank dieser Unterstützung konnten im Dorf professionelle Pflanz- und Zuchtgenossenschaften gegründet werden. Heute haben die Dorfbewohner so einen Weg der modernen landwirtschaftlichen Entwicklung eingeschlagen.


 

Um noch mehr Touristen anzuziehen, wurde in Sanhe eine Gästestätte errichtet, die auch genügend Platz für Tische und Stühle im Freien bittet.

 

Zudem unterzeichnete die Country Garden Group jüngst eine Unterstützungsvereinbarung mit Sanhe. 2020 wird das Unternehmen 9,8 Millionen Yuan in den Aufbau einer Bildungsbasis investieren, in die Gastronomie, Kultur und Tourismus integriert sind. Gegenwärtig nimmt die Basis bereits Gestalt an. 38 Menschen aus Armutshaushalten haben hier bereits eine Anstellung gefunden.

 

„Durch den Bau dieser Bildungsbasis wollen wir noch mehr Arbeitskräfte und Investitionen anziehen, damit die Menschen hier in ihrer Heimat Geld verdienen und sich eine gute Existenz aufbauen können“, sagt Jiang Jizhou aus Foshan, der als Kader für einige Zeit die Armutsüberwindung im Kreis Zhaojue unterstützt.

 

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