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Der größte Altenpflege-Anbieter Europas fasst Fuß auf dem chinesischen Markt

2018-05-29 11:03:00 Source:CRI Author:
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Von Dang Xiaofei

 

In den letzten Jahren haben viele ausländische Altenpflege-Anbieter den Schritt auf den chinesischen Markt gewagt. Unter ihnen hat das französische Unternehmen Orpea bemerkenswerte Erfolge erzielt: Die Belegungsrate seines ersten Seniorenzentrums in Nanjing, der Hauptstadt der südostchinesischen Provinz Jiangsu, hat 50 Prozent übertroffen, obwohl es erst im Jahr 2016 eröffnet wurde. „Wir haben noch keine Profite erzielt, aber wir sind nicht mehr weit davon entfernt. Und in der Zukunft wird das Chinageschäft für uns sicherlich profitabel sein, sonst wären wir nicht hier  geblieben“, sagt Nathaniel Farouz, CEO von Orpea China.

 

Als der größte Altenpflege-Anbieter Europas ist Orpea 2013 in den chinesischen Markt eingetreten und hat sich innerhalb weniger Jahre zum Branchenführer entwickelt. In welcher Hinsicht kann China von den Erfahrungen dieses französischen Unternehmens lernen? Nathaniel Farouz gewährte der Korrespondentin von „China heute“ ein Interview.



In den letzten Jahren haben viele ausländische Altenpflege-Anbieter den Schritt auf den chinesischen Markt gewagt. 


Marktforschung und Positionierung

 

Als Farouz begann, Geschäfte in China zu machen, glaubten viele nicht, dass er damit Erfolg haben würde. „Sie sind Ausländer und verstehen die Chinesen nicht. Und die Dienstleistungen, die Sie anbieten, entsprechen möglicherweise nicht den Bedürfnissen der chinesischen Verbraucher. Sie sollten besser nach Frankreich zurückfahren.“ Ähnliche Kommentare hat Farouz sehr oft gehört. Was diese Leute nicht wussten: Orpea hatte zuvor drei Jahre lang den chinesischen Markt untersucht, bevor es sich offiziell in China ansiedelte.

 

Was den chinesischen Altenpflege-Markt betrifft, hat Farouz seine eigenen Ansichten. „Die öffentlichen Altenheime sind besser geeignet für diejenigen Senioren, die noch nicht sehr alt sind, aber in der Lage, für sich selbst zu sorgen“, sagt er. Die Seniorenzentren, von Immobilien- und Versicherungsunternehmen finanziert und errichtet, richten sich hauptsächlich an die wohlhabenden Senioren, von denen die meisten noch bei guter Gesundheit sind. „Die Marktlücke liegt in den Dienstleistungen für behinderte ältere Menschen. In dieser Hinsicht hat Orpea einen großen Spielraum“, sagt Farouz.

 

Angesichts dieser Situation ist die Positionierung von Orpea eindeutig: Es richtet sich an High-End-Konsumenten, vor allem an behinderte, teilweise behinderte oder kognitiv beeinträchtigte ältere Menschen. Das Orpea Xianlin International Care Center in Nanjing ist bereits eröffnet. Die Bewohner mit einem Durchschnittsalter von 85 Jahren zahlen durchschnittlich mehr als 20,000 Yuan (2500 Euro) pro Monat.

 

Gibt es in China denn einen Markt für solch luxuriöse Altenheime? Dazu erklärt Farouz: „Derzeit besitzt China keinen ausgereiften High-End-Markt. Aber das bedeutet nicht, dass es keinen potenziellen Markt oder keine Senioren mit einer solchen Nachfrage gibt.“ Der erfolgreiche Betrieb des Xianlin International Care Center in Nanjing hat bereits bewiesen, dass Farouz’  Einschätzung richtig ist.

 

Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, dass Orpea durch Marktforschung sehr schnell die Geschäftsmöglichkeiten erkannte und rechtzeitig in den chinesischen Markt eintrat. „Durch Marktforschung haben wir herausgefunden, dass der chinesische Markt für Altenpflege über ein enormes Potenzial verfügt“, sagt Farouz im Interview mit „China heute“. Nach Angaben des China National Committee on Aging betrug die Zahl der Senioren in China, die 60 Jahre und älter sind, am Ende des Jahres 2017 241 Millionen. Das machte 17,3 Prozent der Gesamtbevölkerung Chinas aus. Und diese Zahl wird voraussichtlich um 2050 ihren Höchststand erreichen. Dann wird der Anteil solcher älteren Menschen an der chinesischen Gesamtbevölkerung 34,9 Prozent betragen.

 

Die schnelle Zunahme der älteren Bevölkerung hat eine große Nachfrage nach Altenpflege in China geschaffen. Gleichzeitig bedeutet es auch, dass der chinesische Altenpflege-Markt gute Aussichten hat. Laut dem Plan für die Entwicklung der chinesischen Altenpflegewirtschaft soll der Gesamtwert der chinesischen Altenpflegewirtschaft bis zum Jahr 2030 10 Billionen Yuan übertreffen. All dies hat das Unternehmen darin bestärkt, seine Geschäftsaktivitäten in China fortzusetzen.



 So lässt sich der Lebensabend genießen: Die Senioren im Xianlin International Care Center

 werden bis ins kleinste Detail rund um die Uhr versorgt.


„Orpea verfolgt in China eine langfristige Strategie“, sagt Farouz. „Wir haben vor, Projekte in einer Reihe von chinesischen Städten der ersten und zweiten Rangstufe durchzuführen.“ Derzeit sei Orpea aktiv auf der Suche nach Immobilien in Beijing und Shanghai sowie ihren umliegenden Städten und Regionen, die seinen Standards entsprächen. „Darüber hinaus bemühen wir uns auch darum, nach Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit chinesischen Immobilienagenturen, Versicherungsgesellschaften und medizinischen Versorgungseinrichtungen zu suchen“, sagt Farouz weiter. Außerdem habe die Zentrale von Orpea vor, Dienstleistungen in Bezug auf die Rehabilitation psychisch kranker Menschen in China einzuführen, um älteren und kranken Menschen in China den europäischen Standards entsprechende medizinische Versorgung und Rehabilitationsdienstleistungen anzubieten.

 

Es ist erwähnenswert, dass Orpea und Taikang Community, ein Tochterunternehmer des Lebensversicherers Taikang Life Insurance Company Limited, während des Besuches des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in China ein strategisches Kooperationsabkommen unterzeichnet haben. Ziel beider Unternehmen ist es, in China ein Joint Venture zum gemeinsamen Betrieb und Ausbau städtischer Altenpflegeheime und Rehabilitationszentren zu gründen.

 

Detaillierte Dienstleistungen

 

Überall im Seniorenheim befinden sich Ruhezonen, Möbel mit scharfen Kanten bzw. Ecken wurden mit einer schützenden Polsterung versehen, die Innenbeleuchtung verbreitet ein warmes Licht und die Blumenbeete sind genauso hoch wie die Rollstühle der Senioren – es wurde an alles gedacht. Für jeden älteren Menschen wird ein spezieller Lebens- und Pflegeplan maßgeschneidert, mit Spa, multisensorischer Umwelttherapie, kognitivem Training und vielen anderen professionellen nichtpharmakologischen Therapien. Alle Senioren im Xianlin International Care Center werden bis ins kleinste Detail versorgt.

 

„Orpea stellt hohe Anforderungen an die Qualität jedes einzelnen Serviceelements“, betont Farouz. „Wir verbessern unseren Service jeden Tag und achten sehr auf alle Details“.

 

Die Tochter von Li Shuhua war von diesem ausgezeichneten Service tief beeindruckt und hat ihre Mutter im Xianlin International Care Center untergebracht. Seniorin Li leidet seit vielen Jahren an Alzheimer. Die große Menge von eingenommenen Medikamenten verursachte viele Nebenwirkungen. Beispielsweise zeigte Frau Li eine stark verlangsamte Reaktionsfähigkeit und sie erkannte ihre Familienangehörigen nicht mehr. Ständig litt sie unter geistiger Verwirrtheit. Und wegen ihrer kognitiven Beeinträchtigung neigte sie manchmal auch zu Gewalt.

 

Oft werden ältere Menschen, die an Alzheimer leiden und verstärkte Tendenzen zu körperlicher Aggression zeigen, durch Medikamente ruhig gestellt. „In unserem Center dagegen wenden wir eine multisensorische Behandlung an, um die Senioren zu beruhigen“, sagt Farouz. „Alle Mitarbeiter von Orpea sind speziell für den Umgang mit Alzheimerpatienten geschult. Sie wissen genau, wie sie mit ihnen kommunizieren sollten, wie sie zu füttern und zu betreuen sind.“



Hightech im Altenheim: Bei der Verwaltung des Xianlin International Care Center 

setzt Betreiber Orpea auch auf Digitaltechnologie. 


Nach sechs Monaten intensiver Pflege sind die aggressiven Tendenzen von Frau Li merklich schwächer geworden. Sie kann auch ihre Kinder wieder erkennen und alleine gehen. Darüber hinaus ist sie in der Lage, einfache sprachliche Kommunikation durchzuführen. „Der bessere körperlich-geistige Zustand meiner Mutter macht unserer Familie sehr glücklich“, sagt die Tochter begeistert.

 

Ferner ist erwähnenswert, dass Orpea auch psychomotorische Therapie verwendet, um ältere Menschen mit Bewegungsstörungen zu ermutigen, sich mehr zu bewegen. „Zwar ist das für unsere Mitarbeiter viel zeitaufwendiger, aber wir möchten nicht, dass Rollstühle die Selbstversorgungsfähigkeiten der Senioren, die sie ja beibehalten sollen, ersetzen“, sagt Farouz.

 

Angesichts der verschiedenen Sicherheits- und Gesundheitsrisiken, mit denen ältere Menschen in ihrem alltäglichen Leben konfrontiert sind, hat Orpea ein striktes Verwaltungssystem in Bezug auf medizinische und Pflegeprozesse, sorgfältige Tracking-Aufzeichnungen und eine strenge Qualitätskontrolle im Pflegedienst etabliert.

 

„Wir tun unser Bestes, um den Senioren, von denen einige ihre Fähigkeiten zur Selbstversorgung verloren haben, dabei zu helfen, ein normales Leben zu führen“, sagt Farouz. „Darüber hinaus bemühen wir uns auch darum, dass ältere Menschen ihre Fähigkeiten zur Selbstversorgung möglichst beibehalten“.

 

Kombination von medizinischer Behandlung und Altenbetreuung

 

Die Tatsache, dass Krankenhäuser in der Regel keine Altenpflege anbieten und Altenheime meist keine medizinischen Dienstleistungen zur Verfügung stellen, ist ein großes Dilemma in Chinas Altenpflegebereich. Obwohl es eine große Anzahl von ausländischen Anbietern für Altenpflege in China gibt, haben nur wenige von ihnen medizinische Dienste in die tägliche Altenpflege integriert und wirklich eine Kombination von medizinischer Behandlung und Altenbetreuung realisiert. In dieser Hinsicht hat Orpea beachtliche Erfolge vorzuweisen.

 

„Orpea bietet nicht nur hotelähnliche Dienstleistungen wie das Waschen der Wäsche und die Reinigung der Zimmer für ältere Menschen, sondern verfügt auch über ein eigenes medizinisches Team“, sagt Farouz. „Alle Senioren in unserem Center können in ihren eigenen Wohnräumen medizinische Dienstleistungen genießen.“

 

Laut Farouz sei das medizinische Team von Orpea mit dem gesundheitlichen Zustand aller Senioren in seinem Center gut vertraut. „Es ist sehr wichtig, dass das Team auch die nichtmedizinischen Aspekte wie persönliche Vorlieben und den psychologischen Zustand der Senioren berücksichtigt“, sagt Farouz. Dadurch könne den Senioren ein umfassenderer Service angeboten werden. „Weil die meisten gesundheitlichen Probleme in unserem Center gelöst werden können, müssen die Senioren sehr selten ins Krankenhaus überwiesen werden“, erklärt Farouz weiter. Darüber hinaus habe Orpea auch große Anstrengungen zur Krankheitsprävention unternommen.

 

Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass die Entscheidung für die Wahl einer Altenpflegeeinrichtung oft nicht von den Senioren selbst, sondern von deren Kindern oder anderen Familienmitgliedern getroffen wird, bemüht sich Orpea auch darum, die jüngere Generation auf die Vorteile und die Notwendigkeit professioneller Altenpflegeeinrichtungen aufmerksam zu machen. „Früher verstanden die Chinesen nicht, warum Altenheime mit einem guten medizinischen Team ausgestattet werden sollten. Zum Glück ändert sich die Einstellung allmählich“, sagt Farouz.



 Optimistischer Blick in die Zukunft: Nathaniel Farouz, CEO von Orpea China, ist überzeugt, dass sein Unternehmen 

auf dem chinesischen Markt schon bald Gewinne einfahren wird.

 


In der Tat spiegelt dies den kulturellen Unterschied zwischen China und dem Ausland wider. Nach der Vorstellung der Chinesen ist das Krankenhaus der einzige Ort, an dem Senioren medizinisch behandelt werden können. Wie können sich die ausländischen Altenpflege-Anbieter den chinesischen Verhältnissen anpassen?

 

Der Respekt vor der lokalen Kultur und Tradition ist eine wichtige Voraussetzung für die Erschließung der Überseemärkte eines Unternehmens. Das gilt insbesondere für Altenpflege-Anbieter. Um einen geeigneten Entwicklungsweg in China zu finden, praktiziert Orpea nicht einfach sein französisches Geschäftsmodell. Stattdessen legt es großen Wert darauf, die chinesischen Elemente in sein Geschäftsmodell aufzunehmen. Beispielsweise hat es den Gewohnheiten, Geschmäckern und Interessen der Senioren entsprechend verschiedene Diät-, Unterhaltungs- und Fitnessprogramme gestartet. Darüber hinaus unterhält das Unternehmen einen engen Austausch mit dem Peking Union Medical College Hospital und dem Second Affiliated Hospital der Nanjing Medical University.

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